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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1964-01-01 · No. 10-11 (1964) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1964
Issue
No. 10-11 (1964)
Date
1964-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Zur Familien Chronik der Familie Goldstern : - Schluss aus No. 8- 9 I Leo Goldstein, mein sei. Vater, 1847 zu Gross- Schimnitz in Oberschlesien geboren, glich nur im Äusseren dem Vater: er war ein zwar nur mittelgrosser, aber kraftvoller und mit blondem Haar und Vollbart und blauen Augen wunderschöner Mann; noch im Tode von geradezu rührender Schönheit und — Güte. Von | Letzterer liess er im Leben wenig merken, er war ein harter, strenger, nüchterner Mann, ganz und gar ein Kreutzberger, die besser zu schweigen als zu reden wissen. — Man sagte von ihm: „Wass er von Dingen berührt, wird ihm zu Golde; was er mit Menschen zu tun hat, wird ihm zum Unglück.” i Mein Vater war gleichfalls Rohhäutehändler, aber ein sehr grosser. Er brachte das kleine j Geschäft der Gebr. Reweck in Breslau zu 1 höchstem Ansehen (später Schlesische Häute A.G.) und war Mitglied der Handelskammer Breslau. Er war der Rothschild seiner grossen ERINNERUNGEN (Schluss v. S. 8.J Lösung der Judenfrage in der Massentaufe läge. Ein Sturm der Entrüstung entstand und dieser junge Mann wurde nun von unseren älteren Zionisten meist Akademikern in richtige Bearbeitung genommen. Er wurde schliesslich ' ein sehr fleissiger tätiger Zionist, bekleidete verschiedene Ämter in der Organisation in der er ein wertvolles Glied wurde. Privat wurde er später Leiter in einem grossen Metallhandels und Industriekoncern. J Noch eine meiner Erinnerungen sei erwähnt: In unserem Büro Joseph Kober, in dem!’ damals schon etwa 25 Angestellte waren, wa- '■> ren wir erst 4 Zionisten. Die Inhaber, bekanntlich sehr fromm, waren wie viele andere Breslauer Juden, der Bewegung nicht freundlich gesinnt. Eines Tages kam als Redner zu uns ein Referendar Gronemann — später Anwalt und Partner von Dr. Alfred Klee, Simon. Lelewer, in Berlin. Gronemann war ein Sohn von j Landesrabbiner Gronemann Hannover und ein j Neffe von der Familie Joseph Kober. Auch sei- | ne besonders geistreiche und mit viel Humor i gewürzte Rede verfehlte nicht die Wirkung auf 1 die' zahlreichen Zuhörer und wir hatten auch I diesmal einen grossen propagandistischen Er- | folg. Aber der Erfolg zeigte sich auch an an-! derer Stelle. Die Kinder der Kober-Familien j waren auch bald Zionisten und ebenso das \ halbe Büro Mitglieder der Organisation, über- < haupt konnte sich Breslau rühmen die zweit- | grösste Deutsche Ortsgruppe zu sein. Zurückschauend über mehr als 60 Jahre , muss ich sagen, dass ich heute noch Stolz und Genugtuung empfinde mit unter den ersten gewesen zu sein für ein solches Ideal, den Wiederaufbau des Jüdischen Staates in Israel, gewirkt zu haben und der Idee bis heute treu geblieben zu sein. Ferner dass es mir vergönnt war mich zwei Mal von den Erfolgen des jun- ■ gen Staates persönlich zu überzeugen und vor j allem zusammen mit meiner auch aus Breslau ’ kommenden Frau die Pflanzung von 1000 Bäu- ' men zu besichtigen der mir zu Ehren anlässlich meines 70. Geburtstages 1951 von Verwandten und vielen Freunden gestiftet wurde. Man möge nicht vergessen, dass neben der so ungeheuer schwierigen Pionierarbeit der ersten aus Russland freiwillig eingewanderten Pioniere, der „Bilus” auch unsere Pionierarbeit keine leichte gewesen ist. Ich wollte mit diesen Ausführungen nur einen kleinen Ausschnitt meiner Erinnerungen an zionistische Arbeit in Breslau geben, in der Hoffnung, dass es für die jetzt in Israel lebenden Breslauer von gewissem Interesse sein wird. Miami Beach, Florida, U.S.A. Salo Translateur Familie und von ungeheurer Wohltätigkeit. Was er in den 18 Jahren ihres Lebens an meiner geliebten kranken Schwester Elfriede tat, wird ihm im Gan Eden einen hohen Rang gesichert haben. — Es ist mir unmöglich, in kurzem von meinem Vater zu erzählen. Er war der stärkste MenschenEindruck meines Lebens. — Leider war dieser grosse Gebende ein konsequenter Anti-Zionist. Seine beiden Söhne, Arthur und ich, erlebten dafür dann hier im Lande Jahre schwerer Not. „Der heimsucht die Schuld der Väter kn den Kindern...” „über den Zionismus habe ich umdenken gelernt”, sagte er mir am Ende seines 80 jährigen Lebens. Da aber war es schon zu spät: die Inflation hatte ihm fast alles genommen. Die Schande, einen zionistischen Sohn zu haben, trug er zähneknirschend. Die Schmach meines philosophischen Studiums hat er glücklicherwese nicht mehr erlebt. Sein ärgstes Schimpfwort war: „Philosophier’ nicht! ” Beide Eltern haben nie eine Zeile von mir gelesen. Von meinem Jakob Wassermann-Manuskript erzählte ich meinem Vater noch, mit Zittern und Zagen. Er hat es merkwürdigerweise gebilligt: „Was in einem Menschen drin ist, soll er entwickeln”. Ich übersah die gefährlichen Möglichkeiten dieser meiner Entwicklung klarer als er. — Auf die Schleife meines Kranzes für ihn liess ich diesem unerhört belasteten und arbeitsamen Menschen die Worte drucken: „Und nun ruh dich aus..." ★ Meine über alles geliebte sei. Mutter, Elise, geb. Hainauer 1856 zu Breslau geboren, war eine Märtyrerin des Lebens. Ihr Vater war der zu seiner Zeit stadtbekannte Julius Hainauer; er war: kgl. Hof- Buch- und Musikalienhändler, kgl. Kommissionsrath, Handelsrichter, Stadtverordneter und — mehr als das alles zusammengenommen — Erster Direktor der „Gesellschaft der Freunde”. Als solcher hinterliess er die Erinnerungsschrift zum fünfzigsten Stiftungsfest dieser angesehenen Gemeinschaft, 1871. Er hatte zu seinem Kummer fünf Töchter und nur zwei Söhne, von denen noch dazu der jüngere früh starb: Elise (Goldstein), Margarete (Cohn), Paula Schöps), Gertrud (Perls) und Constanze (Schweitzer) sowie Arthur und den früh verstorbenen Ernst. Julius Hainauer war hochkultiviert und ein grosser Schöngeist. Mutter und mir hinterliess er die grosse Liebe zu der ehemaligen Altstadt von Dresden. — Ach ja, ich hatte recht verschiedenartige Grossväter. Deshalb besorgte ich in Kiryat Bialik fast gleichzeitig meine lieben Kühe und die mir seitdem ans Herz gewachsene Schrift über die „Umkehr” Hermann Cohens. Meine gute Mutter war in erster Ehe mit einem der frühesten jüdischen Richter* 1 in Deutschland verheiratet: Landrichter Siegfried Gottstein. Sie hatten keine Kinder miteinander. Mein sei. Vater war in erster Ehe mit einer Cousine, Luise, wiederum einer Kreutzbergerin, verheiratet. Aus dieser Ehe entstammte mein um 12 Jahre älterer Bruder Arthur Goldstein, der 1946 in Tel Aviv starb. Sein Sohn Heinz Chanan Goldstein (Heinrich III.) ist Mitinhaber einer der bedeutendsten Reklame-Firmen in Tel Aviv. Sein Sohn heisst Michael Goldstein. -k Ich, Walter-Ernst Benjamin Goldstein, wurde am 19. Mai 1893 zu Breslau geboren. Meinen ersten Unterricht erhielt ich in der ehemaligen Privatschule von Wanckel gegenüber dem Rathause. Später musste ich auf Wunsch meines Vater, dem alle davon abrieten, das Realgymnasium am Zwinger besuchen, eine antisemitische Anstalt, die viele gute Zionisten erzeugt hat. Gleichfalls auf meines Vaters Wunsch studierte ich Juristerei und Nationalökonomie und zwar an den Universitäten Breslau und Freiburg i/B. 1918 heiratete ich — wie einst mein Vater — eineCousine, Charlotte Perls und, freilich in anderer Weise als mein sei. Vater, hatte auch ich mit dieser Verwandtenehe Unglück: ich musste mich 1925 von meiner Jugendliebe scheiden lassen. Wir hatten zusammen eine Tochter: Steffi. 1920 machte ich in Breslau den Dr. jur. und wurde dann aus wirtschaftlichen Gründen Kaufmann. 1928—32 studierte ich ein zweitesmal an der Universität Breslau und zwar Philosophie, Literaturgeschichte und (abermals) Staatsrecht. 1932 machte ich den Dr. phil. Februar 1934 landeten wir in Haifa. Meine Lebensgefährtin seit 1928 ist Eva geb. Herrnstadt. Ich habe keine Söhne. Meine drei Töchter (das Erbe des töchterreichen Julius Hainauer) heissen: Steffi (in England), Judith (in Jerusalem) und Miriam (in U.S.A.). Ich habe fünf Enkelkinder, darunter drei Enkelsöhne. Ich bin (leider) Schriftsteller und seit 1910 organisierter Zionist — also ein Schandfleck der Familie. ~k Die Angaben über die früheren Generationen entstammen einer Art Chronik, die ich — in Form ines geschriebenen Heftes — im Jahre vor meiner Alijah, 1933, in der Breslauer Gemeinde-Bibliothek fand. Leider konnte mir der Archivar, Rabbiner Dr. Aaron Heppner, das Heft nicht überlassen. Sein ehemaliger Assistent, Rabbiner Dr. Brilling, z.Zt. Kustos an der Universität Münster i. Westf. schrieb mir unlängst darüber: „übrigens glaube ich mich an das Heftchen erinnern zu können. Es lag im Schrank der Depots und wurde von Dr. Heppner mit Stolz als eine der wenigen Familiengeschichten aus Schlesien gezeigt.” Der Autor der Chronik hat sich nicht genannt, ist aber unzweifelhaft Heinrich I., der Gütige, Bruder von Abraham und Dr. Moritz Goldstein. Alle drei Brüder maben mit ungewöhnlicher Innigkeit an ihrem Vater Benjamin- Bunam, gehangen, von dem sie in Worten grösster Liebe sprechen. Im Lichte Deines Angesichtes gabst Da uns •n die Liebe zur Milde und zur Menschlichkeit..." Für Menschen in wirklicher Not muss man immer mehr tun als nur das notwendige Minimum. — Für menschliche Güte gibt es nur ungeschriebene Gesetze. — Man muss einem Menschen ansehen, ob er Hilfe braucht. Man muss nicht erst fragen: was brauchst du? Man fühlt das. Man fragt nicht — man gibt. — Sozial sein — sehr schön, aber, falls notwendig, erst in der eigenen näheren und weiteren Familie. Sozial sein für andere ist ein schöner Beruf, sozial sein für die eignen Angehörigen ist Sache des Charakters. — Erst kommt der andere, dann komme ich. — Man kann mit vielerlei gutes tun: Einem Älteren verhilft man zum Urlaub, ein anderer braucht Operationshilfe für seinen alten Vater, ein dritter braucht eine Maschine für die Arbeit und — viele brauchen vieles und können es kaum aufbringen! Pünktliche und regelmässige Hilfe zählt doppelt. — Wer alte Eltern betreut, dem erleichtere man diese Mizwah. — Hilfe ist oft keine Hilfe — man muss das Richtige finden. Egoisten und Altruisten haben keine gemeinsame Sprache. Die Devise der ersteren lautet: Vom Konto keinen Mil! Die der letzteren: Komm, wir teilen. — Man sitzt überhaupt nicht mit verschränkten Armen dabei und schaut zu, wenn jemand in Not ist. Es gibt unendlich viel zu helfen. Hilfe ist die höchste Religion! J. Sachs 9

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