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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1964-01-01 · No. 10-11 (1964) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1964
Issue
No. 10-11 (1964)
Date
1964-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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1 Erinnerungen aus meiner ersten Zionistenzeit und Arbeit in Breslau Durch Zufall bekam ich Ihr Mitteilungsblatt No. 4, 5, 6, & 7. in die Hände, deren Inhalt mich sehr interessierte. Nicht nur dass mir viele darin erwähnten Namen sehr geläufig sind sondern auch frischten sie wieder angenehme Erinnerungen an meine Tätigkeit in Breslau auf. Es sind hauptsächlich Erinnerungen aus der Frühzeit des Zionismus und aus den ersten Jahren der damals gegründeten Zionistischen Ortsgruppe. Es dürften zwar kaum überlebende aus diesen Jahren jetzt noch in Israel leben, die aus Breslau stammen, aber doch möchte ich annehmen, dass auch die spätere Generation interessiert sein wird, etwas über die Anfänge der Arbeit zu hören, die gewissermassen grundlegend waren für die Gründung des Staates Israel, in dem jetzt auch viele Breslauer ihre Heimat gefunden haben. Insbesondere also für die Leser Ihrer Zeitung. Möglicherweise hat mein Freund und Weggenosse Hugo Schachtel Erinnerungen hinterlassen, die in Ihrem Besitz sind, dann könnten vielleicht meine Ausführungen als Ergänzung für Ihr Archiv nützlich sein. Die Erinnerungen umfassen den Zeitraum von Mai 1898 bis Ende 1904. Als ich im Jahre 1896 — damals Gymnasiät in Kreuzburg — im Hamburger Israelitischen Familienblatt, dem s.Z. unter d. Juden Deutschlands meist verbreiteten Jüdischen Organ, über Theodor Herzls Judenstaat Idee las, war ich sofort sehr beeindruckt. Die Reaction der gesammten Jüdischen Welt war ablehnend so auch die der Rabbiner, von denen sehr viele den berühmten Protest erhoben, gegen Herzls Vorschlag den ersten Zionisten Congress in München abzuhalten. Im Mai 1898 kam ich als Lehrling in das bekannte Metallhaus Joseph Kober nach Breslau, ich war im 17-ten Lebensjahr. Schon nach kurzer Zeit, wurde ich, nachdem zwei meiner etwas älteren Lehrcollegen es getan hatten, Mitglied der kurz vorher von Hugo Schachtel gegründeten Zionistischen Ortsgruppe, Breslau. Der Vorstand bestand damals aus Hugo Schachtel, Student am Zahnärztlichen Institut, Leo Grünthal, selbständiger Kaufmann, Dr. Ernst Kalmus, Arzt am Jüdischen Krankenhaus, Dr. Sandler, etwas später Lazar Felix Pinkus, meinen Collegen Paul Theodor, und Otto Cohn, sowie aus meiner Wenigkeit. Wir arbeiteten alle fieberhaft in den Abend- und Nachtstunden,, ich war Finanzsecretär. Es war in dieser Zeit nicht gerade leicht mit unseren revolutionären Ideen Mitglieder für unsere Ortsgruppe zu werben, die Hauptaufgabe unsere Ideen zu propagieren. Wurde man doch von der Majorität der Juden als utopische Schwärmer, ja geistig verwirrt hingestellt. Einer unserer älteren Mitglieder, und stiller Mitarbeiter war Redacteur Gottschalk von der Breslauer Zeitung, der allerdings wegen seiner publicistischen Stellung nicht allzusehr öffentlich hervortreten konnte. Bald konnten wir eine stattliche Anzahl von älteren Menschen, auch sog. prominente, als Mitglieder unserer Ortsgruppe aufweisen. So z.B. Lippmann Bloch, ein bekannter Grosskaufmann und Philantrop, Heinrich Buechler, Weinhändler Blumenthal, R. A. Schwarz, Dr. Bernhard Cchwarz, Ch. Zimak, u.s.w. und es dauerte nicht allzulange, bis wir weit über 100 Mitglieder aufweisen konnten. Nach und nach kamen auch Rabbinatskandidaten vom Breslauer Seminar zu uns. Die günstigste Gelegenheit für grösser angelegte Propaganda war das Channuckafest. Jedes Jahr veranstalteten wir um diese Zeit Maccabäerfeiern. Da uns weder von der Jüdischen Gemeinde noch von der Loge Säle zur Verfügung gestellt wurden, hielten wir diese Feiern in anderen Sälen ab, meistens im Konzerthaus Saal. Für diese Feiern wurden immer besondere Festredner engagiert, die wir uns meistens von Berlin der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, ausbaten. So sprachen bei uns u.A. Martin Buber, Berthold Feiwel, damals Studenten aus Wien resp. Brünn Dr. Alfred Klee, Heinrich Loewe, Dr. Handtke, Israel Auerbach,“ Elias Auerbach u.s.w. Eine Episode mit Letztgenannten ist mir noch in guter Erinnerung. Auf unsere Bitte nach Berlin uns einen guten Redner zu senden etwa vom Ruf Heinrich Loewe, von dem wir uns einen grossen Erfolg für unsere Propaganda versprachen, kam in letzter Minute ein junger Mann im Gehrock und wir fragten erstaunt, ob er der Festredner sei, was er bejahte. Man guckte sich gegenseitig an und alle waren gespannt auf die Dinge die uns erwarteten. Auerbach war damals, es war 1901 oder 1902, 20 Jahre alt, also etwas jünger als ich selbst. Mit uns waren aber die vielen Hunderte Festgäste aufs Höchste überrascht, die wir für diesen grossen Abend zusammengetrommelt hatten; Seine zündende grossangelegte geistreiche und von Humor begleitete Rede fesselte die Zuhörerschaft eineinehalbe Stunde und begeisterter Beifall folgte ihr, scheibar war es gerade die jugendliche Erscheinung, die so grossen Eindruck machte. Ein grosser Mitgliedzuwachs war der verdiente Lohn für diese Veranstaltung. Im Jahre 1900 wurde auf Anregung von Prof. Schapiro, Heidelberg die Jüdische Colonialbank Ltd. in London gegründet einer der grössten Erfolge von Theodor Herzl, dem s.Z. ausser Londoner Bankiers vor allem sein Freund David Wolfsohn sein Nachfolger in der Präsidentschaft der Zionistischen Welt Organisation, beratend zur Seite standen. Herzl wollte diese Bank als Volksbank gegründet sehen mit Ausgabe kleiner Shares von 1 Engl. £ Sterling mit der Begründung, dass die Jüdischen Massen Gelegenheit haben, sich daran zu beteiligen und so der Bewegung einen möglichst grossen Rahmen zu geben. Die Ortsgruppen organisierten überall sogenennte Share Clubs, die näch dem Muster der Sparkassenmarken Marken im Werte von l Mark verkauften und in ein Heft klebten. Für 20 solcher Marken bekam man eine Aktie der Colonial Bank auf seinen Namen ausgestellt. Als Finanzbeamter hatte ich den Verkauf dieser Shares unter mir und der Verkauf war recht zufriedenstellend. Ich selbst besitze heute noch als Andenken 3 der Originalaktien die allerdings inzwischen keinen Wert mehr haben. Allerdings die anheftenden Zinscoupons wurden vor einigen Jahren in einen Share der Bank Leumi umgetauscht, aber die Originalstücke bekam man zurück. Im Jahre 1901 gründeten wir d.h. die Ortsgruppe auf Veranlassung unseres sehr arbeitsfreudigen Vorsitzenden Hugo Schachtel und Lazar Felix Pinkus die erste rein Zionistische Deutsche Zeitschrift allerdings in recht bescheidenem Umfange mit dem Titel „Der Zionist”. Es war ein recht gewagtes Unterfangen, doch hatten wir die Genehmigung der Berliner Zentrale hierzu. Bis dahin existierte ja nur „Die Welt" das Hauptorgan Herzls, in Wien und in Deutschland wurden die Veröffentlichungen der Zionistischen Vereinigung in der „Israelitischen Wochenschrift” bekannt gegeben. Verantwortlich in unserer Zeitung zeichnete Hugo Schachtel, aber wir arbeiteten alle in den Abendstunden mit. Diese Zeitung erlebte nur 5 Auflagen aber immerhin galten wir als bahnbrechend. Sie wurde gewissermassen abgelöst durch die „Jüdische Rundschau”, zu deren Leitung bekanntlich Heinrich Loewe im Jahre 1902 berufen wurde. Und zwar wurde die vorher erwähnte Israelitische Wochenschrift von der Organisation aufgekauft, deren Namen und Tendenz sofort von Loewe geändert wurden. Ich möchte hierbei kurz bemerken, dass nach meiner Übersiedlung nach Berlin Epde 1904 ich gleich zur Mitarbeit an der Rundschau herangezogen worden bin und von da ab verband mich mit Loewes innige Freunrschaft bis zu seinem Tode. Natürlich arbeitete ich in der Redaction immer nur ein oder zwei Mal wöchentlich in den Nacht- und Abendstunden nach meiner intensiven Berufsarbeit. Auch zeichnete ich im Jahre 1908 und 1909 als Loewe sich vorübergehend von öffentlicher Zeichnung zurückziehen musste, Verantwortlich als Redacteur also als Sitzredacteur, während Loewe die Arbeit weiter machte. Ausser Erwähnung in der Antisemitischen Staatsbürgerzeitung hatte ich keine Unanehmlichkeiten. Eine weitere interessante Erinnerung an Breslau ist Folgende. Es existierte dort ein „Discutier Club Graetz” der regelmässig Abende veranstaltete mit Discussionen über Jüdische Tagesfragen. Eines Abends wurden wieder Jüdische Probleme discutiert insbesondere Fragen, die durch die Zionistische Propaganda über die beste Lösung der immer brenneder werdenden Judenfrage aufgeworden wurden. Wir Zionsiten benützten natürlich jede Gelegenheit uns an solchen Discussionen zu beteiligen, und für uns Propaganda zu machen. An einem solchen Abend stand ein aus sehr frommer Frankfurter Familie stammender junger Journalist auf — er war Volontär an der Breslauer Zeitung — und erklärte dass nach seiner Ansicht die radikalste Schluss Seite 9 AKn Nur ausgesucht feine Rohkaffees werden für den coffein-freien KAFFEE HAG verwendet. Kunstvolle Mischung und Röstung geben ihm reiches Aroma. KAFFE HAG vereint hohen Genusswert mit den bekannten gesundheitlichen Vorzügen, da er 1) Herz, Nerven und Kreislauf 2) Magen, Leber und Galle schont. 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