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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1964-01-01 · No. 10-11 (1964) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1964
Issue
No. 10-11 (1964)
Date
1964-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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lauer Singakademie zur erfolgreichen deutschen Aufführung brachte. Die Breslauer Wohnung seiner Mutter, die den polnisch-jüdischen Vornamen Esterra (Esther) hatte, war ein Treffpunkt vieler Künstler und Musikfreunde. Ein Neuling in diesen Zirkeln erregte grosse Heiterkeit mit der Bemerkung „Ich höre hier so oft die Anrede Frau Esterra. Warum lernen wir nicht auch einmal Herrn Esterra kennen?” Der Wiener Dr. med. Felix Rosenthal war von 1901 bis 1914 Klavierlehrer am Breslauer Konservatorium, hielt Vorträge an der Humboldt- Akademie, schrieb musikpädagogische und ästhetische Abhandlungen für Fachblätter und trat hervor mit Kompositionen für Kammermusik; Stimmungsbildern für Klavier und dem in Breslau uraufgeführten Märchenspiel „Peters Bilderbuch” (1909). Paul Caro wurde nur in kleinen Kreisen bekannt durch seine Kammermusik, Serenaden in seiner Wohnung am Schweidnitzer Stadtgraben, mehrere Symphonien und symphonische Dichtungen und durch die Oper „Hero und Leander” (Breslau 1912) mit dem von dem Breslauer Max Kalbeck verfassten Text nach Grülparzers Drama „Des Meeres und der Liebe Wellen”. Die vielen Lieder des Breslauer Augenarztes Dr. Eugen Gottschalk waren keinesfalls dilettantisch; ihm glückte sogar das Wagnis, tiefsinnige Gedichte von Nietzsche zu vertonen. Der Berliner Halbjude Günther Raphael wird hier nur deshalb genannt, weil sein rühmenswertes Requiem zuerst in der Breslauer Singakademie unter Dohrns Leitung aufgeführt wurde. Nachträglich erwähnt sei die im Jahre 1928, also nicht mehr in der Amtszeit Th. Löwes, zustande gekommene deutsche Uraufführung der wertvollen Oper „Schwanda der Dudelsackpfeifer” von dem tschechischen Volljuden Jaromir Weinberger. Vom Breslauer Stadttheater aus machte sie ihren Siegeszug durch Deutschland und Österreich, und überall erregte ihr kompositorischer Höhepunkt, eine meisterhafte Tripelfuge, eine berechtigte Sensation in einer Zeit, als die sogenannte „Neue Musik” sich schon unheilvoll ausbreitete. Die praktische Musikpädagogik jüdischer Breslauer kam stark zur Geltung durch den unlängst in Bad Homburg 90 Jahre alt gewordenen Klaviermeister Max Auerbach, der auch ein viel begehrter Gesangsbegleiter in Konzerten war, durch Egmont Pollak und Hugo Markt, Frau Wolf-Soberski und Frau Hirsch-Kaufmann, die auch als Pianistin eines von ihr gegründeten Trios im Breslauer Musikleben hervortrat. Die bekannteste Gesangslehrerin war Jettka Finkenstein, Solistin in manchen Oratorien-Aufführungen; ihr Gatte, Leiter des Chors in der Neuen Synagoge, hiess Pulvermacher. In die damals noch sehr kurze Reihe staatlich geprüfter Musikologen gehörten Dr. Georg Münzer, 1866 in Breslau geboren, Dr. Peter Epstein, Privatdozent an der Universität, und der Schreiber dieser Zeilen. Münzer verfasste die Biographie des Romantikers Heinrich Marschner und die Musikantengeschichten „Wunibald Teinert” und „Der Märchenkantor”, analysierte symphonische Dichtungen von Liszt u. schrieb für Fachblätter viele musikhistorische Aufsätze. Der Elsässer Epstein machte sich um die schlesische Musikgeschichte verdient durch die Arbeit über Matthäus Apelles von Löwenstern, den in Neustadt (OberSchlesien) geborenen und im Jahre 1648 in Breslau gestorbenen Komponisten geistlicher Gesänge mit dem Titel ,Frühlings-Maien” und des Singspiels „Judith” mit dem Text von dem Führer der „ersten schlesischen Dichterschule”, Martin Opitz, nach » dem eine Strasse in unserer Heimatstadt benannt worden ist. In Breslau entstanden mein Buch über Heinrich von Ofterdingen, den Rieh. Wagner und andere Romantiker mit Tannhäuser, dem Teilnehmer am Sängerkrieg auf der Wartburg, identifiziert haben, meine Broschüre „Die Auswanderung vom heiligen Gralsberge” und die - folgenden auch von mir verfassten Abhandlungen über „Schellings Musikästhetik”, „Nietzsches Bedeutung für die Musik”, „Richard Strauss” und „Felix Weingartner”. Die Breslauer Humboldt-Akademie engagierte den Berliner Musikologen Dr. Leopold Hirschberg und den Verfasser dieser Chronik in jedem Winter zu Vortragskursen. Ich führte die Hörer ins Verständnis der Werke ein, deren Aufführungen bevorstanden, und diese Erläuterungen wurden durch Beispiele am Klavier unterstützt. So gross war die Gruppe jüdischer Musikrezensenten, dass die Nazizeitung noch vor der Errichtung des „dritten Reiches” gegen die „Verjudung der Breslauer Musikkritik” wetterte. Für die Breslauer Morgenzeitung schrieben Dr. Münzer, Dr. Erich Freund und der Rechtsanwalt Schäfer, E. Pollak neben Prof. Bohn für die Breslauer Zeitung, H. Markt für die „Volkswacht”, und ich war der musikalische Hauptkritiker der Breslauer Neuesten Nachrichten, musste aber diesen Posten wegen irreparabel schwerer Konflikte mit dem Opernorchester diesen Posten an Dr. Epstein abgeben. Das Enfant terrible der Breslauer Musikrezensenten war Dr. Oskar Guttmann. In der „Zeit am Montag” goss er immer seinen persönlichen Hass und Hohn auf den Dirigenten Dohrn, und durch prinzipiell herabsetzende Urteile über Beethoven und die romantische Musik, als deren Überwinder er den jüdischen Tonsetzer Arnold Schönberg verherrlichte, machte er sich sehr wichtig, aber auch sehr unbeliebt bei denen, die nicht lange danach die politische Macht ergriffen und ihn als einen Zeugen für die Berechtigung ihres musikalischen Antisemitismus nannten. Es kam die Zeit, in der die Juden genötigt wurden, in ihren Konzerten und Theateraufführungen den Musen der Ton- und der Dichtkunst den gelben Fleck anzuheften, noch bevor er ihnen im öffentlichen Leben als ein individuelles Kennzeichen aufgezwungen wurde, das heisst: sie sollten an ihren Konzertu. Theaterabenden auf Anordnung Hinkels, des „Kulturkommissars für jüdische Belange”, mit Künstlern ihrer Rasse nur das zur Geltung bringen, was er in seinem schlechten Nazideutsch als ihre „Andersartigkeit” bezeichnete. Gnädig, aber inkonsequent zugelassen waren z.B. die „Arier” Berlioz, Tschaikowskij, Dvorak, Rossini und Verdi, weil sie nicht der germanischen Rasse angehörten. Ihnen konnten Mendelssohn, Offenbach, Mahler, Goldmark, Rubinstein, Karol Rathaus und andere Komponisten jüdischer Abstammung natürlich ohne weiteres zugesellt werden. Schwieriger als die Zusammenstellung eines Programms war die Bildung eines Orchesters, zumal da jüdische Bläser sehr selten waren. Der Entstehung des „Breslauer jüdischen Kulturbund-Orchesters” kam es zugute, dass sich ihm die jüdische Mitglieder des von Hermann Behr vor der Nazizeit gegründeten und geleiteten Dilettanten-Orchesters zur Verfügung stellten, z.B. Dr. W. Freyhan, Baumeister Heymann, Rechtsanwalt Dr. Lux, Frau Vera Eitan, Frau Edith Lasker. Der zuerst engagierte Dirigent war Kurt Havelland, ein sehr befähigter Musiker; er starb schon nach wenigen Jahren und noch sehr jung an einer Grippe, die in Breslau gefährlich grassierte. Sein Nachfolger wurde der Osnabrücker Opernleiter Dr. phil. Fritz Berend. Er hatte zuerst Jura und dann Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie studiert und an der Münchner staatl. Akademie seine musikpraktische Ausbildung erhalten. Seine Doktordissertation behandelte das Leben und die Werke des dem 17. Jahrhundert angehörigen Komponisten und Violinvirtuosen N. A. Strungk. Auch Werner Sander, Leiter des Synagogenchors, dirigierte Aufführungen des jüdischen Symphonie-Orchesters, an dessen Spitze als Gast auch Dr. Kurt Singer trat, der Dirigent des Berliner Ärzteorchesters. Es gab genug jüdische Solisten in Breslau und auswärts. Ich erinnere mich nur an die Sängerinnen Ruth Hennig, Schlesko (Schlesinger-Cohn), Glückmann, Ruth Kisch-Arndt und Läufer, an den Berliner Pianisten Joseph Schwarz und seine Breslauer Schülerin Irene Weissenberg und an die Pianistinnen Aschkowitz, Hilde Hecht, Rogosinsky und Lotte Markiewitz, die sich später durch ihre pädagogische Tätigkeit und ihre Hauskonzerte in Schchunat Borochow sehr bekannt machte. Der jüdische Konzertmeister der Schles. Philharmonie, Rudolf Bergmann, war, wie ich glaube, damals nicht mehr in Breslau. In einer schlimmen Lage war Joseph Wagner, ein reich begabter Klavierspieler und Komponist, der als Halbarier weder bei den Nazis noch als Christ bei den Juden „drankommen” konnte, er fand in New-York einen unbehinderten Wirkungskreis zusammen mit seiner dichterisch begabten Gattin Nelly Sachs. Die Musikkritiken schrieb mein Schüler M. Hausdorff für das jüdische Gemeindeblatt und ich für die Breslauer zionistische Zeitung. Ich hatte über wichtige Ereignisse im Breslauer Konzerthaus und im Stadttheater jahrelang für fünf Musikzeitschriften in Berlin, Stuttgart, Köln und Hamburg berichtet und für Tageszeitungen in Dresden, Hamburg, Königsberg, Görlitz und Wien und dadurch als Kritiker einen quantitativ starken Anteil am Breslauer Musikleben erlangt. Er hörte auf Anordnung der „Reichsmusikkammer” — scheinbar — ebenso schnell auf wie meine Tätigkeit für die Breslauer Radiostation. Aber ich blieb auch in dem auf 1000 Jahre berechneten „dritten Reiche” Mitarbeiter an den Berliner „Signalen für die musikalische Welt” und am Breslauer Radio; denn meine hoch anständige Schülerin Magda Muche, deren Gast ich seit 1958 alljährlich in München bin, sandte meine Aufsätze unter ihrem Namen an die „Signale”, deren wundervoller Redakteur Jaritz war sowohl mit dieser ihm, ihr und mir sehr gefährlichen „Tarnung” einverstanden wie mit Frl. Muches Vorschlag, die für mich bestimmten Honorare an ihre Adresse zu schicken, und Maximilian Hennig, der nach etwa einem Jahrzehnt Violinprofeossr an der Berliner Hochschule für Musik wurde, las unter seinem unverdächtigen Namen meine Beiträge für dien Sender in Breslau vor. Die dortige Nazizeitung stellte damals mit Befriedigung fest, dass diese Vorträge und die Breslauer Artikel in den „Signalen” jetzt endlich „in den richtigen arischen Händen” seien. Erst seitdem weiss ich, dass auch meine Hände „arisch” sind, obwohl noch kein Biologe oder Anatom solche Hände hat ermitteln können. Alles das teilte ich nach dem Ende der Nazibarbarei ihrem „Kulturkommissar” Hinkel mit und fügte schadenfroh hinzu, dass auch „Vollarier”, nämlich Frl. Muche und M. Hennig, Anteil am jüdischen Musikleben in Breslau hatten, da ja ihre angeblich „deutschblütigen” Manuskripte tatsächlich von einem Juden verfasst waren. Weil Hinkel jahrelang über die jüdische „Andersartigkeit” in der Musik falsch gegackert hatte, empfahl ich ihm zur Lektüre das Brentanosche Märchen „Gokkel, Hinkel und Gackeleia”. Eine Antwort auf diese mich noch heute ergötzende Frozzelei ist natürlich ausgeblieben. Schilder-WINTER (FRÜHER BEUTHEN O/S) Für Ärzte, Läden, Büros und Bauunternehmer AUSLÄNDISCHE SPECIALFARBEN T. A. Sheinkin Str. 4. Tel 67296 7

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