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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1962-01-01 · No. 3 (1962) · p. [Seite]

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1962
Issue
No. 3 (1962)
Date
1962-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Ausschnitt aus dem Fortsetzung der Aufzeichnungen aus dem Leben der Familie Wischnitz, aufgeschrieben von Lina Weissmann, geb. Wischnitz. Sie sind nicht mehr da, sie alle, die so gern gemeinsam ihr Wischnitz-Lied gesungen haben. Aber ihr Andenken ist wach, und die Stimmung ihres Liedes — warm, beiter und dankbar — klingt seltsam friedvoll herüber in unsere veränderte Zeit. Meine Mutter, die den vorhergehenden Bericht geschrieben hat. war die vorjüngste Tochter von Adolf Uri und Rachel Wischnitz. Sie hatte nach dem frühen Heimgang der Eltern es auf sich genommen, das Haus zu erhalten. Wohlüberlegt beschränkte sie sich dabei auf die Fortführung der Löffeischmiede und brachte dafür Einsicht in das Fachliche, Beherrschung des Geschäftlichen und ein sicheres Gefühl für die Behandlung von Menschen mit, und so wurde sie, noch sehr jung, Herrin ihrer polnischen Belegschaft. .,Panje Linuschka” nannten sie ihre Untergebenen, und darin lag vertrauensvolle Anerkennung. Sie hat den Betrieb noch über ihre Verheiratung hinaus fortgeführt. Linuschkas Schwester, Henriette, hatte Nathan Weissmann geheiratet, den ältesten Sohn von Loeb Weissmann und seiner Frau Hanna geb. Sander aus Zabrze. Loeb Weissmann war Kantor in Nicolai, einem Städtchen in der Nähe von Kattowitz, und Vater einer vielköpfigen Familie. Wenn man auch in Bezug auf seine zweifellos guten musikalischen Fähigkeiten bei einem Vergleich mit dem Leipziger Kantor l’havdil sagen muss — in Bezug auf Kinderreichtum konnte er ohne Scheu neben dem grossen Kollegen bestehen: achtzehn Kinder, davon fünf Paar Zwillinge. Als Kantor Weissmann bei der Hochzeit seines ältesten Sohnes Linuschka kennen lernte, erklärte er sofort — und das war eine Wunschprophezeihung: „Du wirst meine Schwiegertochter”. Sein zweiter Sohn Simon war zwar ein halbes Jahr jünger als Lina, aber — wie es im Festlied zur Silberhochzeit der Beiden heisst: „Wie es Sitte ist, wurden sie ein Paar, Und wir sind die frohe Kinderschar —” Lina Wischnitz und Simon Weissmann wurden unsere geliebten Eltern, und die frohe Kinder¬ SCHILDER-WINTER (früher Beulhen O/S.) TEL-AVIV, Reh. SHEINKIN 4 TA.SHE INttlN 4 Leben der Familie Weissmanri (März 1933) Auf geschrieben von Frieda Weissmann, Jerusalem (19S6) schar waren drei Töchter: Rose Rachel, Frieda Simchah und Margaret Towa. Wie schon gesagt: in unseres Vaters Elternhaus tummelten sich viele Kinder, und man weiss ja, wie das Gehalt des Kantors in einer kleinen jüdischen Gemeinde bemessen war: da musste jedes Kind, sobald es nur konnte, mit angreifen und helfen, denn der Vater sorgte wohl für Brot und Thora-Lernen, zu dem die Jungen sommers und winters um fünf Uhr morgens bereit sein mussten — aber alles, was es ausserdem zu tun gab, lastete auf der Mutter, von der mein Vater erzählte, er habe sie viele Jahre lang nie anders gesehen, als mit einem oder zwei Kinder auf den Armen und mit einem Kind angeklammert an ihren Rock. Da musste man schon darauf bedacht sein, ihr an Arbeit abzunehmen, soviel man nur konnte. Es ist ihr aber alle Last wohl bekommen. Sie war eine schöne Frau und ist über neunzig Jahre alt geworden. Nach strenger Vorschrift trug sie eine Perrücke, die zu unserem Missfallen bis ins hohe Alter pechschwarz blieb. Aber wir Kinder wussten, was darunter war und waren froh, wenn sie sie am Abend ablegte und wir dann ihr silberweisses Haar in all seiner Schönheit und Fülle bewundern konnten. Unser Vater hatte zeichnerische Begabung und eine schöne Singstimme von der Natur mitbekommen, aber er war das Zweitälteste Kind im Hause, und so wie die wirtschaftlichen Verhältnisse lagen, musste möglichst rasch Platz gemacht werden für d. Jüngeren. Nach Begabungen und Neigungen wurde nicht gefragt. Kurz vor der Bar-Mitzwah hielt man Umschau, wo in einem Hause mit guter jüdischer Tradition eine Lehrstelle frei war, und die sicherte man dem Dreizehnjärigen zum Antritt nach der Barmizv;ah. Es fand sich ein solcher Platz in einem Gleiwitzer Kaufmannshaus, und also wurde Simon ein Kaufmann. Es ist ihm immer nur die Möglichkeit gewesen, für sich und seine Familie das tägliche Brot zu beschaffen. Und auch das war nicht immer leicht; es bedurfte der vorschauenden Umsicht unserer Mutter, um alles richtig in Gang zu halten, denn man musste immer auf unvorhergesehene Schwierigkeien gefasst sein. Am ergiebigsten waren dafür die Monatsabschlüsse. Nämlich so: Vater und Mutter führten getrennte Kassen, aber die Abrechnungen machten sie gemeinsam, und dank Mutters Einteilung klappte es meist, und man konnte zufrieden sein: beide hatten in ihren Kassen sogar meist einen Überschuss. Einmal, als dieser Überschuss grösser zu werden versprach als gewöhnlich, weil Vater ein Darlehen wieder bekommen sollte, das er einem bedrängten Familienvater geliehen hatte, plante man einige grössere Anschaffungen. Vater macht sich auf den Weg, um den Schuldner an den verabredeten Zahlungstermin zu erinnern. Er tut das sehr ungern. Er bleibt lange aus, und als er endlich heimkommt, macht er keinen erfolgreichen Eindruck. Mutter fragt nicht; sie weiss schon ohne zu fragen. Nach einer Weile beginnt Vater zu erzählen: „Die ganze Familie war in Aufregung, als ich kam. Nicht meinetwegen. Mich haben sie sehr freundlich empfangen, und eine Weile haben wir so hin und her geredet. Schliesslich — ich wollte ja zu meiner Sache kommen, — frage ich, warum sie so erregt sind? Ach, da ist ihre Verzweiflung durchgebrochen: der Hauswirt ist dagewesen, um die Miete einzukassieren. Sie konnten nicht zahlen. Es war gar kein Geld im Hause. Und da hat der Hauswirt erklärt, er habe nun lange genug gewartet, und wenn er morgen das Geld nicht hat, müssten sie die Wohnung räumen. Denk nur: fünf Kinder, und das Jüngste zwei Monate alt. Du verstehst, da konnte ich von meiner Forderung nicht reden”. Mutter schweigt noch immer. Sie weiss, damit schliesst die Geschichte nicht, und so wartet sie. — Pause. — „Du musst mir meinen Überschuss aus der Gemeinschaftskasse wieder herausgeben” fährt Vater endlich fort, „ich habe dem Mann versprochen, dass ich ihm das Geld für die Miete leihe.” Also mussten für dieses Mal, wie schon oft in ähnlichen Fällen, die „grösseren” Anschaffungen verschoben werden. Trotz solcher Schwierigkeiten war es hell bei uns. Freunde und Nachbarn fanden immer eine offene Tür, einen gedeckten Tisch, Mitfreude, wenn da etwas war, woran man sich freuen konnte, Rat und tatkräftige Hilfe, wann immer erwartet oder erbeten. Und es war Musik in der Luft unseres Hauses. Lange bevor unsere Jüngste durch ihren Ruf als Pianistin Musiker bei uns heimisch m,achte und wir durch ihre gemeinsamen Darbietungen inniger als im Konzertsaal mit den Grossen der Musik vertraut wurden, haben sich Freunde und Verwandte an den Winterabenden regelmässig bei uns eingefunden — um zu singen. An dem alten Eichentisch, an dem Mutters Vater und Grossvater „gelernt” hatten, haben wir zusammen gesessen und gesungen. Das waren Abende! Alte Volkslieder, Wanderlieder, Studentenlieder, Loewe, Schubert, Schumann, Wolf, Bach — alle bunt durcheinander, unisono und einzeln mit fröhlicher Andacht. Wie hat Vater den „Leiermann” gesungen, wie den „Wanderer"! All seine Zionsliebe, die er mir vererbt hat, klang aus den Worten: „Wo bist du, wo bist du, mein geliebtes Land?” Damals wohnten wir schon in Breslau. (Wird fortgesetzt) Wer die sehr interessanten Ausführungen von Frieda Weissmann vorher zu erhalten wünscht, wolle uns dies mitteilen. Der Verband wird eine Anzahl Abzüge vor Erscheinen der nächsten Mitteilungen (Einsendung von 100 Agurot oder 50 Cent) bereit halten). Schlesische Rundschau die Zeitung aller Schlesier Offizielles Organ der Landsmannschaft Schlesien für die Bundesrepublik und Westberlin Verlangen Sie Probenummern Erscheint wöchentlich — Bezugspreis durch die Post Ausland monatlich 2.— DM. Schlesische Rundschau Verlag und Geschäftsstelle (14b) WANGEN im Allgäu, Gegenbaumstr. 10 Deutschland

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