Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2004
- Issue
- No. 77 (2004)
- Date
- 2004-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
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Von der Universität Breslau Forschungszentrum für jüdische Kultur ujid Sprachen Im Wintersemester 2003/2004 brachte die Universität Breslau seit 1945 das erste der jüdischen Geschichte und Kultur gewidmete Lehrprogramm in Gang. Zusammen mit dem didaktischen Programm wurde das die wissenschaftliche und didaktische Tätigkeit koordinierende Forschungszentrum für jüdische Kultur und Sprachen ins Leben gerufen. Das Studienprogramm des Forschungszentrums ist allen Studenten der Universität Breslau zugänglich, und seine Hauptziele sind die Verbreitung und Vertiefung des Wissens sowie des Verständnisses von Tradition, Kultur und Geschichte der Juden, darunter besonders der jüdischen Vergangenheit in Schlesien. Ein allgemeinerer Zweck, den sich das Zentrum gesetzt hat, ist die Fortsetzung der großen Tradition der jüdischen Studien in Breslau, vor allem des Jüdisch-Theologischen Seminars in Breslau. Die Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Breslau und anderen jüdischen Organisationen in Breslau lässt uns hoffen, dass wir mindestens einen Teil dieses ambitionierten Plans verwirklichen. Große Hoffnungen verbinden wir auch mit der Restitution durch die Jüdische Gemeinde Breslau der unschätzbaren Manuskripten des Jüdisch-Theologischen Seminars, die', der Universitätsbibliothek Breslau in Verwahrung gegeben, den weiteren jüdischen Studien in Wroclaw dienen werden. Das Studienprogramm bietet gegenwärtig 540 Unterrichtsstunden innerhalb von 4 Semestern (5 Lehrgänge pro Semester) an, die den folgenden Themen gewidmet sind: allgemeine Einführung in die Weltgeschichte der Juden, Geschichte der Juden in Schlesien, jüdische Kultur- und Literaturgeschichte, Einführung in den Judaismus wie auch intensive Sprachkurse in Hebräisch und Jiddisch. Die besten Studenten haben auch die Möglichkeit an den Seminaren teilzunehmen, eine Magister¬ oder Doktorarbeit im Bereich der jüdischen Studien vorzubereiten. Das Studienprogramm erfreut sich eines großen Interesses unter den Studenten. Gegenwärtig haben wir 28 Studenten des Grundkurses (von 160 Bewerbern ausgewählt), 11 Studenten des Magisterkurses und 3 Doktoranden. Die Studenten nehmen sehr aktiv an allen im Rahmen wie auch außerhalb der Tätigkeit des Forschungszentrums organisierten Veranstaltungen teil. Obwohl das Forschungszentrum eine Sonderunterstützung des Rektors unserer Universität bekommen hat, bleibt die Sorge des Forschungszentrums bestehen zu geringere Geldmittel zu erhalten, die für ein reibungsloses Funktionieren und die weitere Entwicklung unzureichend sind. Unter den brennendsten Bedürfnissen sind zu nennen: 1) der Erwerb der elementaren Buchtitel und der systematische Ausbau des Bücherbestandes (die Bibliothek des Zentrums verfügt lediglich über kaum ein hundert Titel), 2) die Finanzierung eines hebräischen Lektors aus Israel, 3) die Fortsetzung der Reihe "Bibliotheca Judaica" (die Reihe existiert seit 1995, bis heute erschienen 5 Titel, die nächsten warten auf die Finanzierung) und viele andere. dr. hab. Marcin Wodzinski Leiter des Forschungszentrums für jüdische Kultur und Sprachen, Universität Breslau Cornelia Essner Die "Nürnberger Gesetze oder Die Verwaltung des Rassenwahns 1933-1945 Paderborn 2002, Ferdinand Schöningh, 477 Seiten Die 1935 verkündeten "Rassengesetze" machten die deutschen Juden und Jüdinnen zu Bürger- und Bürgerinnen zweiter Klasse - das "Reichsbürgergesetz" - und degradierten sie zu Menschen zweiter Klasse - das “Blutschutzgesetz” - bildeten die Basis für die radikale Verschärfung der Verfolgung, die bekanntermaßen im Massenmord endete. In einer an der Technischen Universität Berlin angefertigten Habilitationsschrift hat die Historikerin Cornelia Essner die Entstehungszusammenhänge der "Nürnberger Gesetze" herausgearbeitet: Nach ihren Erkenntnissen verbanden sich in einem "Irrgarten der Rassenlogik" der aus der völkischen Bewegung stammende "kontagionistische" Antisemitismus - der auf eine Eliminierung des "jüdischen Blutes" aus dem "deutschen Volkskörper" zielte - mit dem erbbiologisch gewandeten "Vernunftantisemitismus", Eugenik und "nordischer Rassenlehre". Diese Versatzstücke verschmolzen zu einem "labilen Kompromiß und wurden als eine juristische "begründbare" Ausgrenzung und Entrechtung auf den administrativen Weg gebracht. Essner diskutiert ausführlich unterschiedliche antisemitische Gesetzentwürfe, eberiso die Verbindungen zwischen Antisemitismus und Rassenhygiene. Sie rekonstruiert das Geschehen auf dem Nürnberger Parteitag der NSDAP vom 9.-15. September 1935 und die konkrete Entstehung der Paragraphen. Diese und die auf den "Gesetzen" beruhenden Verordnungen erforderten ein hohes Maß an bürokratischer Energie. Die dadurch vorhandene reichhaltige Überlieferung ermöglichte es, den Werdegang der Paragraphen nachzuzeichnen und die Gedankengänge ihrer Verfasser aufzuzeigen. Sie kann detailliert die Argumentationen beschreiben, mit denen die Zerstörung der Intimsphäre ("Rassenschande") und die Visualisierung der Ausgrenzung (Aufhebung des Mietschutzes und Einführung des "Judensterns") "begründet" wurden. Ausführlich zur Sprache kommen weiterhin der Entzug der Staatsangehörigkeit und die Ausräubung der jüdischen Bevölkerung bis zur Deportation und über die Ermordung hinaus. Dies fand alles mit Hilfe juristischer "Argumentationen" statt und damit erleichterte es den Akteuren, mit einem - auch nach 1945 proklamierten - ungebrochenen "Gefühl eines rechtmäßigen Handelns" zu wirken bzw. gewirkt zu haben. Für diese Sicht des Geschehens konnten sie zudem darauf verweisen, dass die "Gesetze" vom Reichskanzler und “Führer" selbst unterzeichnet waren. Zusammenfassend ist festzustellen, dass Cornelia Essner auf die Auswirkungen des klassifikatorischen Rassenwahns auf die Opfer eingeht, in erster Linie jedoch geht es ihr um die Täter, ihre Motive, Denkweisen und Handlungen: Antisemitische Phantasien wurden in Paragraphen verdinglicht. Die Autorin hat eine sehr wichtige zeithistorische Darstellung vorgelegt, die sich mit einer schwierigen und sperrigen Materie befasst. Deshalb sind grundlegende Kenntnisse über die Geschichte des nationalsozialistischen Deutschlands von Nutzen, um einen angemessenen Zugang zu der Untersuchung zu finden. Kurt Schilde "Die Mahnung", 1.2.2004 :&3$SS:$3SSSiS % * * *"' 'S *