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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2004-01-01 · No. 77 (2004) · p. Seite 14

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2004
Issue
No. 77 (2004)
Date
2004-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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Palästinareise März-April 1926 (Fortsetzung von Seite 13) Straße erst richtig geräuschvoll, man merkt dann, dass die Juden den größten Teil der Bevölkerung (fast 2/3) stellen, denn ihre Autos und ihre Läden geben der Stadt wieder das alltägliche Arbeitsgesicht, das man während des Tages vermißt hatte. Als wir spät am Abend an unserem Zimmerfenster standen, hörten wir noch Gesang und die festen, harten Schritte von vorbeimarschierenden jungen Leuten, Chaluzim. 2. Tag Den Vormittag benutzten wir, um einige wichtige Besorgungen zu erledigen: wir wollten zunächst ein anderes Hotel suchen, da uns in dem bisherigen der Lärm der Straße und der Krach bei Tisch sehr störte. In Hotel "Amerika" fanden wir etwas Geeignetes, sogar noch etwas billiger, und wir beschlossen, am nächsten Morgen umzuziehen. Wir haben den Tausch nicht bereut; denn wir blieben die ganzen Pessachtage dort und fühlten uns in jeder Beziehung sehr wohl. Wir lernten einen deutschen Zionisten, Herrn Fritz Löwenberg aus Berlin kennen, den seine Arbeit sehr befriedigt. Nur Geld, Geld, Geld klagte er, Arbeitskräfte haben wir genug, aber der Jude im Galuth tut nicht seine Pflicht! - Wie denn die Geldeingänge aus Amerika seien? fragten wir. - "Ungenügend, die großen Zahlen stehen meistens nur auf dem Papier, außerdem beeinträchtigt die Propaganda für die Krim-Kolonisation dort unsere Arbeit sehr. Unsere besten Leistungen kommen immer noch aus Europa und jetzt auch aus Südafrika." - Am Nachmittag machten wir in Veras Gesellschaft einen Besuch im neuen Museum für Landwirtschaft, einer Einrichtung des Keren-Kajemeth, und im gleichfalls neuen Nationalmuseum. Beide stecken in den Anfängen und haben mehr gedanklichen als realen Wert, obgleich besonders das letzte schon sehr viele Kostbarkeiten und Sehenswürdigkeiten, meistens aus Schenkungen stammend, zusammengebracht hat. Jedenfalls erfolgt der Bau des jüdischen nationalen Heims in allen Stockwerken gleichzeitig: Man hat den Unterbau noch lange nicht fertig und beginnt schon mit dem Oberbau und der Inneneinrichtung. Universität, Nationalbibliothek, Museen, alles ist schon da und wächst rapide, fast etwas zu schnell im Verhältnis zur Wirtschaft, aber diese Einrichtungen haben mächtige Gönner in den Galuthländern. Im landwirtschaftlichen Museum ist alles zusammengestellt, was das Land an Gewächsen, Tieren und Mineralien hervorbringt, daneben Tabellen und Anschauungsmaterial über landwirtschaftliche Methoden. Das Nationalmuseum ist im Bezalelhaus untergebracht, wo sich auch die kunstgewerblichen Werkstätten und der Grundstock der werdenden Jerusalemer Stadtbibliothek befinden. Das Wahrzeichen des Hauses ist eine Menorah hoch oben auf dem Dach, weit sichtbar, und die beiden Türen sind mit handgearbeiteten Messingplatten belegt. Nun kamen wir in das eigentliche Museum, wo uns ein junger Kunstgewerbler führte, da noch keine Etiketten oder Kataloge existieren. Da gibt es zunächst in buntem Durcheinander kunstvolle Metall- und Holzschnitzarbeiten aus allen Zeiten, meistens Ritualgegenstände: Channukaleuchter, Schabbathleuchter, Gebetbuchdeckel mitkostbarer Einlegearbeit, wundervlle alte Handarbeiten: Torahmäntel, Vorhänge u.s.w. Daneben sieht man Waffensammlungen, ein ganzes Zimmer voll alter irisierender Gläser, teilweise aus der hellenistischen und römischen Zeit, alte Tonvasen und Keramiken. In einem Saal lag als besondere Sehenswürdigkeit wie ein "Menetekel" eine blutbefleckte Torahrolle aus einem russischen Pogrom stammend und ein Hemd, das sich ein Kosak aus abgerissenen Torahstreifen gemacht hatte, um seine Opfer zu verhöhnen. Auch eine Gemäldegalerie ist bereits angelegt, die Bilder sind von jüdischen Malern und haben vielfach jüdische Motive. Den ersten Raum beherrscht ein ganz großes Gemälde von Herschenberg: "Der ewige Jude". Ein beinahe lebensgroßer nackter Mann flieht mit Grauen und Entsetzen in den Augen, während vor und hinter ihm die Leute sterben und ihm, dem ewig Lebenden, fluchen. Das Bild hat eine außerordentliche Kraft des Ausdrucks und zwingt den Beschauer sofort in seinen Bann. Von den übrigen fielen noch die Radierungen von Lilien zu den ersten Zionistenkongressen auf, daneben sah man Werke von Maxa Nordau, Struck, Liebermann u.a.m. Wir waren überrascht, soviel Gutes hier zu finden, es ist ein reichhaltiger und fruchtbarer Anfang. 3. Tag Am frühen Morgen packten wir unsere Koffer und zogen nach "Amerika" um, und kurz nach 8 Uhr waren wir im Touristenbüro, um uns mit dem Führer, einem jungen jüdischen Lehrer, zu treffen. Wir wollten die Altstadt durchstreifen und besonders den Tempelplatz genau ansehen. Der Führer erklärte uns zunächst die Anlage der Altstadt, die von einer zinnengekrönten, weißen Mauer eingeschlossen wird, aus dem 16. Jahrhundert von Sultan Suleiman stammend. Diese Mauer verläuft nicht ganz im Zuge der alten Stadtgrenze; denn zur Zeit Salomons und später unter Hiskia und Agrippa dehnte sich die Stadt besonders im Süden viel weiter aus und nahm die Berge Zion und Moria bis zu ihrem steilen Abhang nach dem Kidron - und Gehinnomtal ein, die Jerusalem wie eine natürliche Bergfestung von drei Seiten abgrenzten. Auch im Norden, wo ein Übergang zur Ebene vorhanden und die Stadt daher am leichtesten angreifbar war, ging die Mauer des Agrippa weit über die heutige Nordmauer hinaus, man gräbt heute dort ihre Reste aus. Man gelangt in die Altstadt durch einige wunderschöne, ganz mittelalterlich anmutende Tore, von denen das Jaffator im Westen das am meisten benutzte ist, da es die Verbindung der Altstadt mit der nach Nordwesten sich ausdehnenden neuen Stadt herstellt. Gleich neben dem Tor hat man zu Ehren des deutschen Kaisers Wilhelm II, der seinen feierlichen Einzug in die Altstadt halten wollte und dem der Eingang zu eng war, ein Stück der Stadtmauer herausgebrochen. Vom Jaffator führt eine Hauptstraße geradewegs auf den Tempelplatz im Osten, und vom nördlichen Damaskustor eine zweite zum südlichen Zionstor, sodass damit die Stadt in vier Teile geteilt wird, die von verschiedenen Bevölkerungsgruppen bewohnt werden, jede in der Nähe ihres Heiligtums lebend. Das Judenviertel befindet sich im SO, nahe der Klagemauer, teilt aber seinen Platz noch mit arabischer Umgebung. Das rein arabische Viertel liegt im NO, den Tempelplatz umklammernd, die Christen wohnen im NW um die Grabeskirche herum, und schließlich haben die armenischen Christen den SW im Besitz, wo sich ein großes armenisches Kloster befindet. Endlich waren wir wieder am Eingang des Tempelplatzes, diesmal unangefochten, niemand hinderte uns, hereinzugehen. Als wir durch das Tor traten, lag der weite weiße Platz fast unübersehbar vor uns, (Fortsetzung auf Seite 15)

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