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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2004-01-01 · No. 77 (2004) · p. Seite 13

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2004
Issue
No. 77 (2004)
Date
2004-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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!*i‘X*l‘!,!'l£,X'X‘X>!*i£‘XlX‘X‘l‘l‘XiX*X»X*X»X»X»XiX:!:X' 13 (Fortsetzung von Seite 12) teils Leute mit Stramel (Pelzhut) und feiertäglichem Samtkaftan, der manchmal leuchtend blau, grell rot und tiefbraun war, die Frauen mit weißer Haube und großen Umschlagtüchern. Als die Straße sich abzweigte und noch viel Zickzack machte, ließen wir uns unbesorgt von dem Strom der Juden leiten und gelangten über viele Stufen und an Mauerwinkeln vorbei endlich zur Klagemauer. Schon von weitem hatte man immer lauter werdende Stimmen von Betern gehört, und als wir nun vor der Mauer standen, die aus dem engen Hofe steil und wuchtig aufragte, verwuchsen die betenden Gestalten der Männer und Frauen mit der steinernen Wand zu einem Bilde und die klagenden, weinenden Stimmen gaben die passende Melodie dazu. Diese Menschen klammerten sich an die Steine, küssten sie, benetzten sie mit Tränen und saugten sich mit ihren Lippen so fest daran, als wollten sie Kraft und Lebensatem daraus ziehen. Die Männer verbeugten sich, die Frauen standen starrr mit dem Gesicht auf die Mauer gelehnt und manche mit kleinen Kindern auf dem Arm pressten diese an die heiligen Steine an, wie um ihren schönsten Besitz der alten Mauer zu weihen. Der Strom der Beter trug uns zurück, wie er uns hingetragen hatte; denn es herrschte ein ewiges Kommen und Gehen, besonders heute,am Schabbath, wo Tausende hierher zur Andacht kommen, immer hintereinander soviel der Hof faßte. Man kann dabei die verschiedensten Riten und Stadien des Gottesdienstes beobachten: die einen fingen an, während eine Nachbargruppe gerade in der Mitte oder am Schluss war. Aber in Jerusalem ist es schwer, das Interessante zu meiden, denn jeder Schritt trifft auf Rätsel und Wunder und vielsagende Dinge. So befanden wir uns auf einmal vor dem Eingang zum Tempelplatz. Es reizte uns, wenigstens einen Blick hineinzutun, aber wie Engel mit dem feurigen Schwerte stürzten von allen Seiten Araber auf uns zu, der rote Fez wackelte ihnen vor Aufregung auf dem Kopf, und ihre drohenden Mienen und abwehrenden Handbewegungen ließen keinen Zweifel daran, dass wir nicht angenehme Gäste waren. Sie vertrieben uns sogar von dem kleinen Platz vor dem Eingang, den rückwärtig ein mittelalterlicher kunstvoller Brunnen verziert und auf dem rechts das Gebäude für den religiösen obersten Gerichtshof steht. Es fand sich endlich ein englisch sprechender Araber, der uns erklärte, dass der Besuch des Tempelplatzes, der früher überhaupt verboten war, den Andersgläubigen nur von 7 1/2-11 1/2 Uhr vormittags gestattet sei. So kehrten wir dann um und erhaschten noch schnell einen Blick durch das Tor, wo auf dem weißen Steinboden des Platzes die Omarmoschee blau hervorleuchtete, - an derselben Stelle, wo einst unser Tempel stand, und von der man uns heute ausschließen kann. Wir gingen nun die Davidstraße zurück, wieder durch die Bazare und über die Stufen und sahen rechts und links noch viel engere, überwölbte Gäßchen. teilweise Sackgassen, die dem Auge wegen ihrer Bögen und ihres malerischen Halbdunkels sehr reizvoll erscheinen, die aber schaudern lassen, wenn man an die Wohn- und Lebensverhältnisse ihrer Bewohner denkt. Als wir auf der Davidstraße zwischen den vielen Menschen vorwärtsgeschoben wurden, müde von dem Krach, der Hitze und der schlechten Luft, entdeckten wir eine Nebenstraße, die in ihrer Sauberkeit und Ruhe angenehm von den andern abstach, und wir wollten daher versuchen, über diese Straße zum Jaffator zu gelangen, das aus der Altstadt herausführt. Wir kamen nach ein paar Schritten auf einen kleinen Platz, der fast menschenleer war, nur ein Araber im Fez saß vor der Tür seines Ladens. Er rief uns an, ohne dass wir darauf achteten; denn er sprach arabisch, und wir dachten, er wollte uns seine Sachen, wie dort üblich, anpreisen. Als wir weitergingen, lief er uns nach, und zu ihm gesellten sich noch im Nu einige andere Leute, alle aufgeregt durcheinanderrufend und einer fragte uns: "Are you Jews?" Immer noch weitergehend, sagten wir: "Ja, wir sind Juden!" Worauf der erste Mann im Fez mit hasserfüllten Augen und wütender Miene auf Martin zusprang, ihn am Arm packte und zurückriss. Wir sahen auf einmal in lauter feindselige Gesichter und wußten vor Bestürzung und Schreck garnicht, was wir sagen sollten. Es ergab sich endlich, dass wir vor der Grabeskirche standen, dem höchsten Heiligtum der Christen in Jerusalem, das Juden nicht betreten dürfen. Wir sagten also, dass wir nicht die Absicht hatten, einen Ort zu betreten, an dem man uns als Juden nicht haben wolle, dass wir, weil fremd, geglaubt hätten, man könne hier vorbei auch zum Jaffator kommen. Sie wiesen uns auf die Davidstraße zurück, und wir erholten uns nur langsam von dem unangenehmen Eindruck, die fanatischen, gehässigen Blicke des christlichen Arabets wirkten in uns fort. Die Nähe des Heiligtums verstärkt anscheinend den Eifer und damit den Haß; denn es soll auch zwischen den einzelnen christlichen Sekten in der Kirche sehr unheilige Streitigkeiten geben. Jede wacht eifersüchtig,dass die andere nicht einen Fußbreit Platz mehr für sich erhalte. Auf diese Weise hatten wir, ohne es zu wollen, neben dem jüdischen Heiligtum noch die heiligen Stätten der beiden anderen Religionen kennengelernt und zwar so, dass wir vorläufig genug von der Altstadt hatten und uns Vornahmen, sie einmal planmäßig mit einem Führer durchzugehen. Am Nachmittag machten wir dann mit Vera und Herrn Press, dem Verfasser unseres Reiseführers, einen Spaziergang auf der Jaffastraße, die vom Jaffator ausgeht und viele neue Stadtviertel durchschneidend schließlich in die Landstraße nach Jaffa übergeht. Herr Press, an dem Martin ein höchst willkommenes Objekt zum Ausfragen fand, machte uns auf viele Merkwürdigkeiten aufmerksam, z.B. gab es an einem Haus einen hohen Turm mit einer Sonnenuhr, und hier steigen jdeden Morgen Leute herauf, um genau zu beobachten, wann die Sonne aufgeht, damit sie den Betern die Zeit zum 'Sch'ma' angeben können. An der Jaffastraße liegen dann weiter draußen das bekannte Krankenhaus Schaare Zedek, Altershäusser, die Irrenanstalt und überall neue Häusergruppen, die die Stadt immer mehr ausdehnen. Ganz draußen hatte Vera etwas Boden zum Bau eines eigenen Hauses gekauft, den sie heute zum ersten Mal besichtigte. Sie war sehr glücklich über die baldige Aussicht auf ihr Eigenheim; denn Land ist dort sehr teuer, man bezahlt es nach Quadratpick, d.i. ca. ein halber Quadratmeter. Der Bauplatz hatte eine herrliche Lage auf einem kleinen Plateau. Inzwischen wurde es dunkel, und in die Stadt zurückkehrend, kamen wir in die Schabbathnachmittagspromenade der Jerusalemer jüdischen Jugend hinein, die gegen Schabbathausgang stundenlang auf der Jaffastraße vor dem Kino (auch so etwas gibt es hier!) spazieren geht. Da sieht man alte und neue Jugend, Chaluzim, Jünglinge mit Pajes und Mädchen mit Bubikopf, alle in eifriger Unterhaltung über das neueste Kinostück oder ein wichtigeres Problem, das sie ja hier in Palästina nicht lange zu suchen brauchen; denn alles, was sie sehen, hören oder tun ist problematisch. Das allernächste Problem erscheint dem Zuschauer wohl die Zusammensetzung der jugendlichen Gruppen selber, hier begegnen sich Galuthgeist und Nationalgefühl, Jeschiwah und Universität, und hier liegt auch der Anfang zur Lösung.- Wenn der Schabbath zuende ist, wird die (Fortsetzung auf Seite 14)

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