Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2004
- Issue
- No. 77 (2004)
- Date
- 2004-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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sssss 11 traditionellen Gelehrsamkeit, für den bindenden Charakter der Schriften für den einzelnen Mensche, während man sich gleichzeitig die moderne Bildung aneignete und die moderne Gesellschaft anerkannte. Die deutsch-jüdische Neuorthodoxie sah keinen Gegensatz zwischen dem Festhalten an der Religion im Alltag und dem modernen Alltagsleben als gleichgestellte Bürger. Zwischen den drastischen Veränderungen der Religionsausübung auf seiten der Reformbewegung und dem Festhalten an der Tradition auf seiten der Neuorthodoxie stand eine große Gruppe von Gemeinden und Rabbinern, die am positiven, historischen Judentum festhalten und gleichzeitig die Forschung über jüdische Themen und die Aneignung weltlicher Gelehrsamkeit fördern wollten, Sie wurde oft die konservative Richtung innerhalb des Judentums genannt. Die drei Richtungen versuchten jede auf ihre Weise zu den gewandelten Ansprüchen der Bevölkerungsmehrheit und zu ihren Angeboten an die Minderheit Stellung zu beziehen und bemühten sich, es dem einzelnen Juden möglich zu machen, mit der Religion der Väter verbunden zu bleiben. Es gab in den jüdischen Gemeinden und unter den Rabbinern der verschiedenen Richtungen sehr heftige Diskussionen darüber, welches die annehmbarste sei. Eine zentrale Frage war die der Ausbildung zeitgemäßer Rabbiner, die imstande waren, die Forderung der modernen Welt nach weltlichem Wissen und einem veränderten Verhältnis zwischen Gemeinden und Rabbinern zu erfüllen. Eine führende Gestalt der Reformbewegung, Abraham Geiger (1810-1874), argumentierte schon seit den 1830er Jahren dafür, eine Ausbildungsstätte für moderne Rabbiner zu schaffen. Sie sollte auf der Grundlage der Reformbewegung arbeiten, und Geiger sah sich selbst als den selbstverständlichen Leiter der ersten jüdischen Ausbildungsstätte auf Universitätsniveau. Das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau wurde jedoch nach dem Willen Jonas Fraenkels, der durch eine testamentarische Schenkung die Einrichtung möglich gemacht hatte, auf der Grundlage des Festhaltens am positiven, historischen Judentums errichtet und erhielt Zacharias Frankel (1801-1875) als Leiter. Von diesem Ausgangspunkt her sollte das Seminar Rabbiner ausbilden, die sowohl ein solides traditionelles Wissen als auch eine eingehende Kenntnis der Forschung über jüdische Themen hatten. Die Studierenden am Seminar sollten auch an der Universität Breslau studieren, um dafür zu sorgen, dass sie auch die beste allgemeine Ausbildung erhielten. Das Seminar und seine Absolventen wurden hervorragende Repräsentanten der konservativen Richtung innerhalb des Judentums. David Simonsen begann sein Studium im 20. Jahre des Bestehens des Seminars. In diesen 20 Jahren war das Jüdisch- Theologische Seminar heftiger Kritik sowohl von seiten der Anhänger der Reformrichtung als auch von seiten der Neuorthodoxie ausgesetzt gewesen. Die Reformrichtung behauptete, am Seminar werde keine objektive Forschung getrieben, unter anderem, weil dessen Leiter in seiner Haltung zu beherrschend sei. Die Neuorthodoxen meinten, das Judentum werde durch die Form wissenschaftlicher, kritischer Schriftanalyse, die dort betrieben wurde, untergraben. Ein führender orthodoxer Rabbiner, Esriel Hildesheimer (1820-1899), meinte jedoch auch, dass es einen Bedarf an einer Ausbildungsstätte für moderne Rabbiner gebe, dass diese aber auf orthodoxer Grundlage errichtet werden solle. 1872 gelang es der Reformrichtung, die "Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" in Berlin mit Abraham Geiger als Leiter zu gründen, während das Rabbinerseminar für orthodoxe Rabbiner in Berlin 1873 mit unter der Leitung von Esriel Hildesheimer eröffnet wurde. David Simonsen hatte auf diese Weise 1874 die Möglichkeit, zwischen drei Ausbildungseinrichtungen für Rabbiner zu wählen. Er entschied sich für das Seminar in Breslau. Das Festhalten des Seminars am traditionellen Judentum war mit seiner eigenen religiösen Auffassung in Übereinstimmung, und das große Gewicht, das auf die Wissenschaft gelegt wurd, war mit seinen wissenschaftlichen Interessen in Übereinstimmung. Das Seminar in Breslau hatte hervorragende Lehrkräfte, und mehrere der Absolventen des Seminars wurden als Rabbiner und als Wissenschaftler berühmt. Das Seminar in Breslau war eine Begegnungsstätte für die Besten der jüdischen Wissenschaft, und David Simonsen wurde durch seine spätere Arbeit als Rabbiner und Wissenschaftler ein glänzender Repräsentant dieser deutsch-jüdischen Institutionen. Antisemitische Ausschreitungen in der Welt Grabsteinschändungen in Ost- und Westeuropa und auch in New-Zealand Ukraine Ende Mai wurden auf dem jüdischen Friedhof von Kiew (Ukraine) mehr als 50 Grabsteine zerschmettert und geschändet. Der Oberrabbiner von Kiew erklärte,dass diese Untaten die Folge der antisemitischen Artikel sind, welche in der Presse erscheinen. * + * Frankreich Am 9. August wurden auf dem jüdischen Friedhof in Lyon (Frankreich) über 60 Grabsteine geschändet und mit Hakenkreuzen beschmiert. Anfang Juni erreichten die antisemitischen Ausschreitungen in Frankreich ihren Höhepunkt, als ein Jeschiwa-Schüler durch einen islamischen Messerstecher schwer verletzt wurde. Der französische Staatspräsident und der Ministerpräsident brachten ihre Abscheu von diesen Verbrechen zum Ausdruck. *** Schweiz Auch in der Schweiz macht sich ein Anstieg antisemitischer Zwischenfälle bemerkbar. Islamische Bürger dieses Landes greifen Juden tätlich und mit Worten an. Infolge der Aufdeckung der Affäre von den in schweizer Banken deponierten Geldern von Opfern des Holocausts, mehrten sich die antisemitischen Ausschreitungen. * + + England Auch in England macht sich der Anstieg antisemitischer Ausschreitungen bemerkbar. Der schlimmste Zwischenfall war die Schändung von ca. 400 Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof in London. Auch zeigt sich ein Anstieg von 15% in der Anzahl von Gewalttaten gegen Juden. + * * * Kanada In Montreal wurde am Vortage von Pessach die jüdische Schule in Brand gesteckt und auch der alte jüdische Friedhof wurde dort geschändet. Auch in Toronto wurde der jüdische Friedhof geschändet und die dortigen Juden sind antisemitischen Angriffen ausgesetzt. *** New-Zealand In Wellington sind die jüdischen Teile von drei Friedhöfen geschändet worden. Grabsteine wurden beschädigt und mit Hakenkreuzen beschmiert. Internationale Konferenz für den Kampf gegen den Antisemitismus Ca. Tausend führende Persönlichkeiten von 45 jüdischen Gemeinden trafen sich Ende Mai d.J. in Budapest. Im Laufe von 4 Tagen wurde verhandelt und diskutiert, in welcher Art und Weise man den sich immer mehr ausbreitenden Antisemitismus bekämpfen kann. Schändungen von Gräbern und Gedenkstätten der Opfer des Holocaust und tätliche Angriffe auf Juden sind an der Tageordnung. Der ungarische Außenminister konstatierte auf dieser Konferenz, dass der Antisemitismus ein Versagen der Demokratie sei.