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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2004-01-01 · No. 77 (2004) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2004
Issue
No. 77 (2004)
Date
2004-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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&Msas&mst msm^z ' 9 (Fortsetzung von Seite 8) Bauteile an, die ebenfalls Ziergiebel und Kuppeln besaßen und mit farbigen glasierten Paletten bedeckt waren. Die Fassade war aus glasiertem Formstein gefertigt, die Rosette über dem Haupteingang hatte Ähnlichkeit mit der des Straßburger Münsters. Der eindrucksvolle Bau hatte von der Spitze des Hexagramms über der Kuppel bis zur Erde eine Gesamthöhe von 32 Metern und bot 300 Männern und 250 Frauen Platz. Auch das Kaufhaus Ludwig Hourwitz an der Preußischen Straße scheint ihn nicht beeindruckt zu haben, obwohl es eines der ersten Großkaufhäuser nach modernem Zuschnitt war, Treffpunkt wie Einkaufsort für Glogauer und Kunden aus der Umgebung. Auch Personen, die zu seiner Zeit das öffentliche Leben der Stadt mitbestimmten, wie der Bankier und Stadtrat Immanuel Landsberger kommen nicht vor. Von dem Prozeß gegen den Fürsten Pückler aus Klein-Tschirne vor dem Glogauer Landgericht im Jahr 1902, der die Glogauer Juden in öffentlichen Auftritten und vor großem Publikum in Berlin beschuldigte, ihn vergiften zu wollen, denn, so Pückler, in Glogau "sind die größten Scheusale versammelt und der Satan selbst hat seine intimsten Bekannten nach Glogau gesandt, um die unglückliche Gegend dort vollständig zu vernichten und zu ruinieren", hatte er gehört. In Die “Zeit ist reif läßt er seine Hauptfigur, den Schriftsteller Werner Bertin, im Breslauer Gewerkschaftshaus eine emphatische Rede halten, in der dieser sich erinnert: noch unter Ahlwardt und Stöcker und dem Dreschgrafen Pückler waren wir unserer Haut nicht sicher [...] Jene Namen kannte er [Bertin; M.H.] von den Klagen seines Vaters, hatte aber geglaubt, diese Antisemiten hätten die jüdische Bevölkerung Schlesiens allein geschädigt. Pücklers Agitationsort war Berlin, hier hielt er seine antisemitischen Reden in Kellers Festsälen vor mehreren tausend Zuhörern, unter ihnen auffallend viele Frauen. Selbst die Antisemitische Korrespondenz distanzierte sich im Interesse des Antisemitismus von seinen Reden. In Glogau und Klein-Tschirne war man für des Fürsten Vulgärantisemitismus nicht empfänglich. Wohl daher waren Zweig weitaus mehr die niederschlesischen Menschen in Erinnerung geblieben: "wie freundlich und betulich erschienen sie uns, wenn die Mutter uns auf den Markt mitnahm, wo die Bauernfrauen der Umgebung in ihrem gemütlichen Schlesisch Eier, Hühner oder Butter anpriesen!" Es waren offensichtlich andere Motive, die ihm seine Heimatstadt für seine späteren Arbeiten lieferten: "Die Wälle, Kasematten, Schanzen und Gräben erfüllten uns Jungen mit der Romantik des Soldatenspiels." Immer wieder zogen größere und kleinere Gruppen preußischer Soldaten durch die Straßen Glogaus, in dunkelblauen Uniformröcken und schwarzen Hosen, schwarze Helme mit goldenem Adler und goldenen Spitzen oder Knöpfen auf dem Kopfe und kurze Seitengewehre oder lange Säbel am Gurt. Die Leser meiner Werke mögen wohl wittern, daß eine der Quellen, aus der jene Kriegsromane stammen, auch diese Festung Glogau und die Bataillone und Kompanien gewesen sein mag. Einer dieser Soldaten war einst sein eigener Vater gewesen, der seinen Militärdienst "bei der 3. Eskadron des Königlichen 2. Schlesischen Husarenregiments No. 6" in Glogau ableistete, und hier seine Mutter kennenlernte. In den "Aufzeichnungen über eine Familie Klopfer" wird wieder verfremdend dem Großvater, nicht dem Vater, die Militärzeit zugeschrieben. Mein Großvater hatte sein [SattlerjHandwerk erlernt und es auch zum Teil während seiner Dienstzeit ausgeübt, als Husar, als grüner schlesischer Götzenhusar mit gelben Schnüren. Er war rührend gern Soldat gewesen und bewahrte der oberschlesischen Garnison und seinem Regiment eine freundliche Erinnerung [...] Zwar nicht mehr als Soldat, sondern als Heereslieferant blieb Adolf Zweig mit dem Militär verbunden. Nach seiner Heirat übernahm er das Fouragegeschäft seines Schwiegervaters und belieferte die Armee. Als das Preußische Kriegsministerium 1890 per Erlaß den Regimentskommandanten den Ankauf landwirtschaftlicher Produkte von jüdischen Händlern erschwerte, mußte Adolf Zweig sein Geschäft aufgeben. Er versuchte erfolglos, ein Speditionsunternehmen aufzubauen und scheiterte schließlich auch als Gastwirt. "Er kaufte nun eine Kneipe, in der Bürger und Soldaten verkehrten und ernährte so seine Familie" ist in den "Aufzeichnungen" über den Großvater zu lesen. Nach einem Streit zwischen zwei Soldaten wurde Adolf Zweig die Schankkonzession entzogen. Wirtschaftlich ruiniert, sah er keinen anderen Ausweg mehr als in seine oberschlesische Heimat zurückzukehren. Er ließ sich mit seiner Frau, den Kindern Arnold, Ruth und Hans als Sattlermeister in Kattowitz nieder. Dieses war, so Arnold Zweig, sein fünfter Unfall: Er verbannte uns aus der hellen, mit so viel bunten Uniformen geschmückten Stadt Glogau nach Kattowitz, Oberschlesien, einem Ort, der damals noch durch keinerlei politische Reize aus der rauchigen und schmitzigen Öde oberschlesischer Vorstadtlandschaften herausgehoben war. Dieser Unfall - so Zweig - "weihte mich in die soziale Fragen ein". Schließlich war die Familie aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, diesen Ortswechsel vorzunehmen. Es waren zumeist wirtschaftliche Gründe, die die Glogauer Juden nötigten, ihre Heimat zu verlassen. In älteren Zeiten wurd ihnen der Ortswechsel durch ihren Status als Schutzjuden erleichtert, wodurch sie sich in Schlesien frei bewegten, und den man ihnen auch in anderen deutschen Landen kaum entziehen konnte. Der erste Glogauer, der eine Karriere außerhalb Glogaus bzw. Schlesiens machte, war Israel Aron. 1 655 erhielt er das Niederlassungsrecht in Ostpreußen, disem unwirtlichen Land, in dem der Deutsche Orden seit dem 14. Jahrhundert die Ansiedlung von Juden verhindert hatte. 1 665 wurde er zum Hofjuden und Hofbeamten des Großen Kurfürsten bestellt. In seiner Bestallungsurkunde als Hof- und Armeelieferant wurde sein unermüdlicher Fleiß und großer Nutzen betont. Bis zur Aufnahme der aus Österreich vertriebenen Juden in die Residenzstadt Berlin und die Mark Brandenburg war er bis 1671 der einzige, der dieses Privileg genoß. Später sollte eine nicht unbedeutende Zahl von Glogauern, sei es aus beruflichen oder politischen Gründen, die zweitgrößte schlesische Stadt verlassen, um sich andrenorts, oft auch im Ausland, neu zu orientieren. Ihrer Glogauer Heimat blieben sie aber stets anhänglich verbunden. (Fortsetzung auf Seite 16)

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