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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2004-01-01 · No. 77 (2004) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2004
Issue
No. 77 (2004)
Date
2004-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Arnold Zweig und seine Geburtsstadt Glogau (Fortsetzung von Seite 7) nach Hamburg kamen und sich Anfang des 19. Jahrhunderts in Niederschlesien niederließen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass ein holländischer Jude van Spandow sich drei Generationen zuvor in Glogau niederließ und eine Glogauerin namens Peisach heiratete, deren Kind die Großmutter Arnold Zweigs war. In der “Designation sämtlicher in der Glogauschen Judengemeinde befindlichen Wirthe nach ihren angenommenen Stamm- Namen vom 17. April 1774” befindet sich ein Peisach Wolff, der den Namen Lubitscher annahm. Im Verzeichnis der am 24. März 1812 in Glogau lebenden Familien ist Jacob Wolff Peisach genannt.Außerdem sind noch Kathinka Peisach, geboren am 5. Februar 1850, gestorben am 10. Januar 1937 und Bertha Peisach, geboren am 5. Februar 1884, gestorben am 1. Januar 1937 zu nennen. Beide wurden auf dem jüdischen Friedhof in Glogau begraben. Der Friedhof war Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil requiriert, mit Behelfswohnheimen bebaut und später zerstört. Im Jahr 1946 lagen die wenigen noch verbliebenen Grabsteine auf dem Friedhofsgelände verstreut und waren mit Unkraut überwuchert. Der jüdische Begräbnisplatz wurde eingeebnet und das Grundstück mit einer Schule und einem asphaltierten Schulhof bebaut. 1968 wurden die letzten 19 auf dem jüdischen Friedhof beerdigten Personen auf den katholischen Friedhof überführt und in einem Gemeinschaftsgrab bestattet. Zu ihnen gehörten auch Bertha und Kathinka Peisach. Hinweise auf die Familie van Spandau waren nicht zu finden, obwohl sich die Glogauer Familien recht gut bis zu ihrem "Stammvater" zurückverfolgen lassen. Wie eingangs angedeutet wurde Benedikt Israel zu einer Zeit, als die Austreibung der schlesischen Juden erklärtes politisches Ziel der Herrschenden war, im Jahr 1598 durch Kaiser Rudolph II. ein förmliches Privileg erteilt, das ihm das Wohnrecht in der Stadt und weitgehende Handelsfreiheit im Lande garantierte. Zuletzt wurde den Glogauer Juden von Friedrich Wilhelm II. 1 787 das auf Benedikt Israel zurückgehende Schutz- und Handelsprivileg konfirmiert. Freilich war ihre Anzahl seit alters her begrenzt, indem sich das Privileg auf “Benedikt Israel, sein Weib und deren zwei Schwestern, Abrahams Witwe und Susanne, so wie deren Kinder, sonst auf Niemanden beziehe." Die Familie Peisach ist demnach eine alteingesessene Glogauer Familie, wenn man davon ausgeht, dass Peisach Wolff, der den Familiennamen Lubitscher annahm, dazu gehörte. Schließlich muß es sich bei ihm um einen privilegierten Glogauer Schutzjuden gehandelt haben, andernfalls wäre er in der Liste von 1794 nicht aufgeführt worden. Die Identität von Jacob Wolff Peisach dürfte zweifelsfrei feststehen, denn das Einbürgerungsverfahren war nur für diejenigen ohne größere Probleme möglich, die in der Stadt lebten und sich dort zum festgesetzten Termin auch aufhielten. Nich zu klären ist allerdings, in welchem verwandtschaftlichen Verhältnis die Mutter Arnold Zweigs zu den genannten Personen stand. Entscheidend ist, dass sie sich selbst zu einer alten Glogauer Familie zugehörig fühlte und auch ihr Sohn dieses betont. Seine Glogauer Heimat, Festung und Fluß tauchen als Motive in seinem Werk wiederholt auf. Glogau verteidigte einen Flußübergang, war aber wohl eher eine theoretische Festung aus der Piastenzeit. Aber für uns genügte sie: Wälle, Gräben, Türme, Tore und Brücken, vor allem Brücken. Eine davon konnte in der Mitte hochgezogen werden, um Dampfer durchzulassen. Ich erinnere mich dieses Vorgangs, wie Leute eines Erdbebens gedenken mögen, bei welchem sich die Erde vor ihren Augen aufwölbt und platzt. Über diese Brücke zu gehen war seither ein Abenteuer. Der mächtige Fluß unter ihr, die graugelbe Oder, galt als tückisch. Mein Vater erlaubte uns niemals, sie mit Booten zu befahren. [...] Das Innere der Stadt lag abseits von den Festungswerken, die sie umgaben. Besonders erinnere ich mich an die Druckereit der alten Firma Flemming, an der vorüber ich seit 1894 zur Schule ging und kam - den untersten Klassen einer Mittelschule. [...] Vordem Glogauer Rathaus beeindruckte mich immer wieder ein Denkmal, eine Bronzebüste. Es stellte Andreas Gryphius dar, jenen vertrefflichen Barockpoeten, mit Perücke und spähendem Blick, der in Glogau geboren und nach umfangreichen Kurven seiner Lebensbahn auch gestorben ist. Irgendwelche Gedankenfäden zogen sich mir als Achtjährigem zwischen diesen Dichter Gryphius und den Drucker- und Setzerräumen der Firma Flemming hin, in die ich als Schuljunge durch eines der vielen Fenster hineinspähen konnte, der nach der kleinen Oderstraße gingen. Sie war ein Jugendparadies, diese Stadt Glogau mit ihren hellen Jesuitenkirchen aus dem Barock und dem gotischen Dom jenseits des Fluses, der, aus Ziegeln aufgeführt, uns durch seine Strebpfeiler und Bögen fesselte und der ein Altarbild von Lukas Cranach enthielt, von dessen Reiz wir nichts verstanden. Aber grüne Wiesen lagen umher, Felder voll Kartoffeln und Hafer und nicht allzuweit entfernt Kiefernforste, in denen wir unsere Schulferien verbrachten [...] Das war die Gegenwart, angstlos und friedlich, und dass im Schloßgarten, nahe dem Stromufer, ein Hungerturm stand, in welchem Gefangene zu Tode bebracht wurden dadurch, dass man ihnen immer weniger Brot durch die Öffnung im Deckengewölbe herunterließ - das war Mittelalter, gruseliges Inferno, niemals wiederkehrend. In diesem Hungerturm hatten auch Glogauer Juden einst gesessen oder er war ihnen als Strafe angedroht worden. Als im Jahr 1725 die Tochter des Glogauer Rabbiners Naftalie Hacohen sich durch Flucht der Taufe ihrer drei Kinder entzog, wurde ihr 70jähriger Vater von der katholischen Geistlichkeit der Fluchthilfe bezichtigt und ihm als Strafe der Hungerturm angedroht. Was in diesem Zusammenhang auffällt ist, dass Zweig wohl die Glogauer Kirchen, die imposante neue Glogauer Synagoge in der Wingenstraße aber mit keinem Wort erwähnt, die am 18. September 1892 eingeweiht wurde. Als Manifestation des Selbstbewußtseins der Glogauer Gemeinde sollte die Synagoge deren Integration in die Stadt durch ihren imposanten Bau augenfällig dokumentieren. Die Hauptsynagoge war zur Strasse gelegen, rechts und links schlossen sich gegliederte (Fortsetzung auf Seite 9)

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