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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2004-01-01 · No. 77 (2004) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2004
Issue
No. 77 (2004)
Date
2004-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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msmmmmmmgm &*S$:^S$iSSSKSS$iSSS:^:SS 7 (Fortsetzung von Seite 8) Die von der Stadt zu zahlenden Kriegskosten beliefen sich auf mehr als eine Million Reichstaler, die überproportional von der jüdischen Bevölkerung aufgebracht werden mußten. Als Glogau schließlich am 4. Dezember 1806 vor den französischen Truppen kapitulierte, wurden Kontributionsleistungen in einer Höhe gefordert, die die Stadt, im besonderen aber die jüdische Gemeinde, die etwa ein Fünftel der Einwohner ausmachte, bei weitem überforderte. Die jüdische Gemeinde war bisher durch alte Privilegien von der Einquartierung von Soldaten befreit. Dieses Privileg unteressierte die französischen Besatzer selbstverständlich nicht, und so wurden auch jüdische Häuser und Wohnungen mit französischen Soldaten belegt. Neben den genannten finanziellen Belastungen waren die jüdischen Stadtbewohner von der Belagerung besonders betroffen. Der Handel stagnierte, viele schlossen ihre Läden und verließen Glogau. Auf dem jüdischen Friedhof wurden zur Garnisonsbefestigung die Umzäunungen abgerissen, die Grabsteine umgelegt, später zerschlagen und zum Bau eines Artillerie-Parks verwendet. Noch lange nach Abzug der französischen Truppen im Jahr 1814 hatte Glogau unter den Folgen des Krieges zu leiden. Viele Glogauer Juden kehrten auch später nicht zurück, da der "Ort allzu elend und unbedeutend geworden" war. Inwieweit mit den französischen Soldaten auch die Ideen der französischen Revolution in Glogau Einzug gehalten haben, läßt sich nur vermuten. Ob etwa die Glogauer Juden, bei denen Offiziere, Adjutanten und Kommissare einquartiert waren, mit diesen über Themen der Aufklärung diskutierten, wie es im westfälischen Dorf Bruchhausen die Eltern von Salomon Ludwig Steinheim getan hatten, oder die Kinder beeindruckt waren von der freien unbeschwerten Lebensweise der einfachen Soldaten, die Eichhörnchen zähmten und Katzen an der Leine führten, unvergessliche Erinnerungen des 77jährigen Steinheims, darüber läßt sich nur spekulieren. Doch darf man die "versumpfte und verdumpfte Gegend" in die nur zögerlich die Ideen der Aufklärung Einzug hielten und die Steinheims Kindheit prägte, nicht mit der Garnisons- und Handelsstadt Glogau vergleichen, in der Arnold Zweig das Licht der Welt erblickte. Schließlich waren die Glogauer Juden stolz darauf, in ihrer fast 600jährigen Geschichte niemals ernstlich von einer Ausweisung bedroht gewesen zu sein und genossen zudem in der jüdischen Welt den Ruf, als eine Stadt "der Weisen und Schriftgelehrten" zu gelten. Sie durften im Befreiungskrieg zum ersten Mal dem Aufruf des Königs folgen und als Freiwillige gegen die französische Besatzung kämpfen. Wie eng sich die Glogauer Juden mit dem Schicksal ihres Heimatlandes verbunden fühlten, belegt eine Festrede des berühmten Glogauer Oberrabbiners Abraham Gedalja Tiktin, die er in der Synagoge anläßlich des Einzugs der Alliierten in Paris am 23. Juni 1815 hielt: [...] ein jedes erhabene Mitglied der Alliierten trägt das seine bei zu dem großenWerk [...] Darum gerade seien wir Gott in dreierlei Beziehung Dank und Lob schuldig. Erst als Europäer überhaupt: denn ganz Europa seufzte unter dem Joch des nun besiegten Tyrannen; dann als Preußen: denn kein Land hat so sehr wie Preußen das drückende Joch des Usurpators getragen; endlich als Glogauer Bürger: die wir am längsten seine Geißel fühlten. Freilich wußte Arnold Zweig hiervon noch nichts, als sich in seinen Glogauer Kindertagen noch weitere Unfälle ereigneten: die Beschneidung, dann ein "tatsächlicher Unfall", als ihn auf dem "buckligen Steinpflaster der Hospitalstraße" ein zweispänniger Wagen eines Gutsbesitzers überfuhr, und schließlich der christliche Religionsunterricht in der preußischen Glogauer Volksschule. Trotz dieser schicksalhaften Ereignisse scheinen seine Kindheitsjahre doch recht unbeschwert gewesen zu sein: [...] in der Festungsstadt Glogau a.O., empfing ich die ganze Sorgfalt einer jüdischen Familie, die linde Luft niederschlesischer Landschaft, die retardierende Kraft einer wegab liegenden Kleinstadt und die starken Eindrücke preußischer, militärischer Sauberkeit, Strammheit, Genauigkeit in frühester Jugend - all das zu meinem Heil. Sein Vater, Adolf Zweig, war Sattlermeister. In den "Aufzeichnungen über eine Familie Klopfer" die Zweig seinen Eltern gewidmet hatte, wird Adolf Zweig offensichtlich in der Gestalt des Großvaters, Heinrich Klopfer, beschrieben: Er war [...] von Beruf Sattler und lieferte die beste Arbeit der ganzen Stadt. Elegante Geschirre pflegte er selbst bis zu Ende zu fertigen, er behielt sich sozusagen das Schaffen der Vollkommenheit vor, und es wirkte etwas von Idealität in dem Bestreben nach letzter Sauberkait, Zweckmäßigkeit und Schönheit, etwas von Kunst vielleicht. Doch, so erzählt Zweig weiter, gab er das Sattlerhandwerk auf, er strebte aus dem Handwerk heraus zu höheren Überblicken und weitreichenden Tätigkeiten, und so übernahm er in der Heimat seiner Frau, in Niederschliesien, ein Speditionsgechäft mit Getreide, Stroh, Kartoffeln und Kohle; und damals ging es ihm durchaus nicht schlecht: er hielt Pferde und einen großen Lagerplatz vor der Stadt mit Laube und kleinem Gärtchen, in dem seine Kinder spielen konnten [...]. Arnold Zweigs Mutter, Bianca van Spandow, stammte mütterlicherseits aus einer alteingesessenen Glogauer Familie. Ihr Vater, der aus Holland eingewandert war, besaß ein Fouragegeschäft und war Heereslieferant. Nach der Heirat übernahm Adolf Zweig das Geschäft seines Schwiegervaters. Gegenüber Sigmund Freud bezeichnete er seinen Vater als “bäuerlichen Juden", beschreibt aber die Atmosphäre in seinem Elternhaus als die "eines mittleren bürgerlichen Handelshauses". "Wir besaßen vier bis sechs Pferde und einen Lagerplatz vor der Stadt, so daß ich von Kindheit an eine Naturverbundenheit erwarb, die sonstigen Stadtkindern mangelt." Um die Herkunft der Mutter rankt sich eine Legende, an der Arnold Zweig selbst nicht ganz unschuldig ist. Danach sollen Bianca Zweigs Urahnen spanische Juden gewesen sein, die, von der Inquisition vertrieben, als sephardische Juden in Holland Aufnahme fanden und über Frankreich, die Rheinlande, (Fortsetzung auf Seite 8)

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