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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1970-09-01 · No. 28 (September 1970) · p. Seite 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1970
Issue
No. 28 (September 1970)
Date
1970-09-01
Page
Seite 18 (sequence 2803)
Language
German
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_ ESSLINGER THEATERARCHIV ZEIGT IM ALBUM: _ Die Breslauer Oper - Einst Manche sagen, Wien sei einst, wie keine zweite, in Europa die Heimat des Theaters gewesen. Der Mann, der das Breslauer Theaterwesen von Grund auf erneuerte und den Namen Breslaus als Theaterstadt überall in der Welt bekannt machte, stammte ebenfalls aus Wien. Es war dies Dr. Th. Löwe, der drei Dezennien Breslaus Theater zu berühmten Kunststätten gestaltete. Insbesondere schuf er der Breslauer Oper einen glanzvollen Namen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, immer und immer wieder von dem Breslauer Stadttheater zu erzählen, von seinen Künstlern, von den Werken, die aufgeführt wurden und von der Art der Aufführungen dieses mustergültigen Kunstinstitutes. Die Aufführungen wurden zu sensationellen Erfolgen und es ist nur schade, dass es über diese Zeit keine “Geschichte des Breslauer Stadttheaters” gibt. An Männern, die über diese Glanzzeit in Vorträgen, Broschüren und Zeitungsartikeln berichten, fehlt es nicht. Hier ist u.a. Prof. Hermann Matzke, Konstanz, zu nennen, der in sachverständig-liebevoller Art oft das Thema “Breslauer Oper” anschneidet und Wesentliches zu erzählen weiss, da es ihm Herzenssache ist. Auch die Zeitung “Der Schlesier” berichtet oft und gern vom Breslauer Stadttheater. So ist also nach und nach eine spezielle Literatur über dieses hochinteressante “Thema mit Variationen” entstanden und ein Leser der Zeitung, Herr Johannes Kalbrenner, hat es übernommen, aus all diesem Material ein Album “Die Breslauer Oper — einst” zusammenzustellen das mehr als 30 einschlägige Artikel, wie auch Fotos berühmter Opernkünstler, Inszenierungen, einzelne Programme und Briefe, die sich mit dem Breslauer Operhaus befassen enthält. Das wertvolle Album wurde von Herrn Kalbrenner sinngemäss ausgestaltet und dem “Theaterarchiv der Künstlergilde” in Esslingen als Schenkung überreicht. Hierfür erhielt er die Stiftungsurkunde folgenden Inhaltes: Das Theaterarchiv der Künstlergilde e.V. Sitz Esslingen am Neckar, dankt Herrn Johannes Kalbrenner Bundesbahamtmann aX>. in Essen In einem Band seiner Lebenserinnerungen schreibt der berühmte Sänger Leo Slezak, dass die schönste Zeit seines Lebens sein Wirken am Breslauer Opernhaus gewesen sei. Er verliebte sich nämlich hier in die Schauspielerin Elsa Wertheim vom Lobetheater und heiratete sie. Es war eine sehr glückliche Ehe. Leo Slezak war in Breslau längst berühmt, ehe er es in Wien und New York wurde. Sein Kapellmeister am Stadttheater war zu jener Zeit, um 1900 — neben Prüwer — der grosse Operndirigent Alfred Hertz, der dann von Breslau aus 1902 an die Metropolitan Opera von New York ging. Herta verkehrte in seiner Breslauer Zeit im Haus meiner Eltern. Er war ein hochkultivierter Musiker, faszinierender Operndirigent, der alle massgebenden Premieren jener Zeit herausbrachte. In alten Theater-Chroniken wird berichtet, welch’ universaler Dirigent er gewesen sei, dem die Opernkunst eine Sache des Herzens und der Seele war. Er entdeckte Melodien in den Partituren, die andern verloren gingen. Er wusste sie plastisch zu beleben und dem Orchester einen zauberhaften Klang zu entlocken. Man verdankte ihm Sternenstunden. Ich besitze noch eine Photokopie seines Abschiedsbriefes an meine Eltern, ferner ein Bild, für seinen Beitrag zur Pflege und Erhaltung des Kulturerbes der Heimatvertriebenen, den Band “DIE BRESLAUER OPER EINST” den er aus Anlass seine 75. Geburtstages am 8. Sept. 1969 der Künstlergilde gestiftet hat. In liebevoller Sammelarbeit hat er Bilder und Dokumente zusammengetragen und mit persönlichen Erinnerungen versehen .So ist ein Werk entstanden, durch dessen Stiftung das “Archiv der ostdeutschen Theater” eine glückhafte Bereicherung erfahren hat. Herr Kalbrenner hat damit seiner Treue zu seiner Heimatstadt Breslau und ihrer Oper ein bleibendes Denkmal gesetzt. (Stempel) Esslingen am Nackar 8. September 1969. DIE KÜNSTLERGILDE E. V. Winkler-Lindberg Leiter der Fachgruppe “Darstellen Kunst” Ich zitiere verbo tenus (wörtlich) einen berühmten Opern-Intendanten, der da sagt: “Die Liebe zur Oper wird andauern, solange es fühlende und an Höheres denkenden Menschen gibt. Oper kann Rausch sein, aber auch Klarheit, Verzauberung, aber auch Vergeistigung. Die Oper ist unerschöpflich, wie der Mensch selbst, ist sie doch sein äusseres und inneres Abbild. Ungeahnte Bezirke in uns selbst zu erwecken, das ist eine der Aufgaben der Oper.” Die Breslauer Oper — und ihre Menschen — war sich dieser ihrer Aufgabe voll bewusst. — Wer also von ehemaligen Breslauer Opemfreunden nach Esslingen kommt, sollte nicht versäumen, sich das hochinteressante Opernalbum, das vom Breslauer Stadttheater erzählt, dort anzusehen. Bei dieser Gelegenheit sei auch auf den von Herrn Kalbrenner dem Musikarchiv in Regensburg gestifteten Liederband schlesischer Komponisten und Dichter heimatlicher Mundart hingewiesen, der alten schlesischen Musikfreunden viel Freude machen wird. J. S. das ihn mit dem jugendlichen Richard Strauss und dem Intendanten der Metropolitan Oper zeigt. Übrigens führte er Wagners Parsifal trotz des Verbotes des Komponisten erstmalig ausserhalb Bayreuth’s in New York auf. Es hat dem Werk nicht geschadet! Julius Sachs Wir haben die Freude, von dieser Stelle aus Frau Dr. Else Meidner, London zu ihrem 85. Geburtstage aufs herzlichste zu gratulieren. In Breslau studiert und ihren Dr. phil. dort erhalten, war sie mit dem bekannten Arzt Dr. Fritz Meidner verheiratet. Beide Söhne sind in herrvorragenden Positionen beschäftigt. Der ältere Leiter eines Kaffeexportgeschäftes in Belgisch Kongo nahm die Eltern zu sich hinüber, wo leider der Vater dann in Südafrika starb. Der zweite ist Professor in Schottland. Frau Dr. Meidner führte der Weg über Rio de Janeiro (Brasilien), wo sie einige Jahre lebte Dr. Seew (William) Boss zum 80 Am 1. Tag Rosch Haschana wird unser lieber und hochverehrter Dr. Boss 80 Jahre alt und wir wollen es nicht glauben, da seine geistige Regsamkeit, der Zugang zu allen Dingen des täglichen Lebens, das Interesse, das er an den Tag legt, seine Einstellung zu den Fragen des Landes, sein Weitblick bei weitem das Alter nicht verraten. Was er in der Gemeinde Breslau neben seiner umfangreichen ärztlichen Tätigkeit als Helfer der Mitmensschen, als Chirurg mit sicherer Hand, innerhalb der vielen Gremien im Vorstand der Synagogengemeinde geleistet hat, lässt sich in einigen kurzen Sätzen nicht sagen. Da war er als Mohel erschienen und führte diese heilige Handlung immer mit einer Würde durch, die allen im Gedächtnis sind, die einmal an einem solchen Brith teilnahmen, da verstand er als ausgezeichneter Vorbeter mit seiner hohen Musikalität und der Inbrunst seines Vortrages die Andächtigen in seinen Bannkreis zu ziehen, da war er sogar bereit, kurz vor Rosch Haschanah in der “Alten Synagoge” nach Erkrankung von Oberkantor Weiss s.A. mit Chor vorzubeten und diese Vertretung gelang hundertprozentig, da er als frherer Chorsänger mit den Melodien so vertraut war, dass Proben unnötig waren. Als geschickter Verhandlungspartner — immer den Ausgleich suchend — stand er an verantwortungsvoller Stelle im Vorstand und in der Repräsentanz und konnte mit seinem feinem Humor, der ihm G.S.D. erhalten geblieben ist, viele Schärfen entkräften. In Palästina eingewandert hat er bereits im Jahre 1934 mit dem Arztehepaar Dr. Berg Platau die grosse Privatklinik Assuta gegründet, die zur damaligen Zeit ausserhalb der Stadt lag und ganz modern gebaut wurde. Sie gilt heute noch in allen Kreisen als die bekannte grosse Klinik, an der Aerzte von Rang und Ruf ihre Patienten behandeln. Ausserdem stellte er sich sofort der Gemeinde Ichud später “Ichud Schiwath Zion” zur Verfügung, im Vorstand, als ehrenamtlicher Vorbeter, als Kultusdezernent hat er viele Jahre segensreich gewirkt. Wir wünschen ihm dieselbe geistige Frische bis 120 — seiner Feder verdanken wir viele interessante Artikel — seiner Gattin eine baldige Genesung —. Wir wollen weiter noch viele, viele Jahre die Verbindung mit ihm aufrecht erhalten. E. L. nach London, um in der Nähe ihrer Söhne zu sein, denn der Ältere ging auch nach Europa. Wo Frau Dt. Meidner sich aufhielt und auch heute noch, hält sie Vorträge, die auf hohem Niveau sich bewegen. Sie hat unser Blatt auch schon mit schönen Beiträgen bereichert. Wir wünschen ihr von ganzem Herzen diese geistige Frische auch weiterhin .damit sie durch ihre Regsamkeit sich und den Zuhörern, bzw. Lesern aus der Fülle ihres Wissens noch vie geben kann. Bis 120! Aus der Chronik des Breslauer Stadttheaters KLEINE ERINNERUNG AN LEO SLEZAK UND ALFRED HERTZ Dr. Else Meidner zum 85. 18

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