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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1970-09-01 · No. 28 (September 1970) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1970
Issue
No. 28 (September 1970)
Date
1970-09-01
Page
Seite 15 (sequence 2800)
Language
German
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I with draw my offer - Ich ziehe mein Angebot zurück Von Dr. ERNST WARSCHAUER Ein deutscher Jude, der noch Grundbesitz in Berlin hatte, war vor dem Pogrom am 9, November 1938 nach New York ausgewandert. Das zuständige Berliner Finanzamt liess ihm in New York die Veranlagung zur Judenabgabe in Höhe von einem Viertel seines Vermögens zustellen. Verständlicherweise reagierte der Empfänger dieses Schreibens sauer darauf. Er nahm einen Rotstift und schrieb darauf mit sehr grossen Buchstaben in freier Abwandelung des berühmten Zitats aus “Goetz von Berlichingen” eine Aufforderung, ihn an einem Körperteil zu küssen, den er etwas derbmit einem Wort aus 5 Buchstaben bezeichnete, ein Wort, das ich als gesitteter Mann hier nicht wiederholen will. So sandte er den Wisch an das Berliner Finanzamt zurück. Die Finanzbeamten waren sehr ärgerlich über diese Aufforderung und schickten das Schriftstück an das auswärtige Amt in Berlin zur weiteren Veranlassung. Dieses Amt war ebenfalls sehr entrüstet und schickte das Schriftstück an das Statedepartment in Washington mit dem Ersuchen, den frechen Juden zur Rechenschaft zu ziehen. Das Statedepartment wusste nicht recht, was es in dieser Angelegenheit anfangen sollte und schickte das Material zunächst mal an die zuständige Polizeibehörde in New York, mit dem Aufträge, den Sünder zur Sache zu vernehmen. Er erhielt eine Vorladung vor die zuständige Polizeistation, wo ihn ein Beamter eines gesitteten Staates vernahm, ohne natürlich diese seltsamen Vorgänge begreifen zu können. Immer wieder versuchte der Vorgeladene, dem Beamten den Sachverhalt zu erklären, immer ohne Erfolg. Schliesslich nach langem Hin und Her kam dem Immigranten ein guter Gedanke. Er sagte zu dem Beamten: “Bitte nehmen Sie zu Protokoll”: “I WTTH DRAW MY OFFER. I DO NOT WANT TO BE KISSED BY ANYONE OF YOU ANYWHERE”. Auf deutsch: Ich ziehe mein Angebot zurück. Ich will von keinem von Euch geküsst werden, Nirgendwo! Dr. Ernst Warschauer Ilse Dietrich, München Am 28. Juli beging Ilse Dietrich, Gattin des bekannten Münchner Professor Dr. K. Dietrich, Tochter der Frau Olga Seifert, einen wichtigen Geburtstag. Sie entstammt einer sehr bekannten Breslauer Familie — wer kannte nicht den leider verstorbenen Vater Walter Seifert? Frau Dietrich ist höchst aktiv im Verband evangelischer Schlesier, wo sie helfend eingreift, schlimme Notfälle zu lindern. Mit grösster Bereitschaft und Selbstverständlichkeit setzt sie ihre Liebe zur Allgemeinheit in Hilfe für jeden Einzelnen um. Ihr Idealismus ist fruchtbar, und zugleich Ausdruck höchster Frömmigkeit, denn er äussert sich in Taten und nicht nur in Reden oder Gedanken. Das “Geburtstagskind” ist eine kontaktreiche, beglückende Persönlichkeit, eine Künstlerin der menschlich - herzlichen Beziehungen. Ilse Dietrich zeichnet sich durch aussergewöhnliche Herzens- und Charaktereigenschaften aus und sie erfreut sich in ihrer Familie und in ihrem grossen Freundeskreis besonderer Wertschätzung und Beliebtheit. Wir wünschen der jugendlichen Frau Use an Ihrem Ehrentage noch viele gesunde, glückliche, erfolgreiche Jahre im Kreis ihrer Familie und beglückwünschen gleichzeitig Frau O. Vom Beufhener Geschichfs- und Museumsverein Meine Mutter stammte aus Beuthen. — Immer schon — seit frühester Jugend — bin ich gern in Beuthen gewesen. Als 8-jähriger Junge fuhr ich in den Ferien allein mit der Eisenbahn hin, die Grosseltern zu besuchen. Ich erinnere mich noch, dass man damals (1901) in Oppeln umsteigen musste. Vor der Einfahrt in den Beuthener Bahnhof sah man den grossen Holzplatz des Grossvaters Siegmund Goldstein. Die Grosseltern wohnten in der Gymnasialstrasse und die grosse Familie war abwechselnd dort zu Gaste. Aber nicht das wollte ich erzählen, sondern von der Stadt selbst. Sie war lebensfroh und hatte tüchtige, zuverlässige Menschen. Sie war eine Handelsstadt und die Absatzgebiete erstreckten sich weit in die Welt. Aber sie hatte auch küstlerische Ambitionen, Musikfeste und dergl. Sie wurde polnisch und so ist es wichtig und wertvoll, dass ehemalige Beuthener den Geschichts- und Museumsverein gegründet haben, der jetzt unter der rührigen Leitung von Professor A. Perlick steht und alljährlich beachtliche Beiträge zur Forschung und Heimatkunde der früheren Zeit in Form einer umfangreichen Broschüre herausgibt. Begrüssenswert sind die publizistischen Abhandlungen aller nur erfassbaren Gebiete und Nachweise über Stadt und Land, menschliche Profilierungen, Familiengeschichte auch jüdische, geistige Kräfte, wissenschaftliche Bedeutung, kurz alles, was den Beuthener “Raum” betrifft wird in sachkundiger und liebevoller Weise dargestellt dargeboten, behandelt und betreut. Für den gebürtigen Beuthener und Oberschlesier sind die “Mitteilungen” eine Art Heimatbuch, das zu lesen ihm ein Erlebnis sein wird. Man kann dem Herausgeber Professor Alfons Perlick nicht genug für dieses Werk danken. Die Mitteilungen erscheinen alljährlich in Form einer umfangreichen Broschüre. JULIUS SACHS, Tel Aviv zum runden Geburtstag Seifert, Herrn Prof. Dietrich und die Töchter zu solche einer liebevollen und hervorragenden Tochter, Gattin und Mutter. J. S. Bemerkung Ich habe Rabbiner Dr. Neufeld’s Beitrag aus dem Anlass von Dr. Hermann Vogelstein’s 100. Geburtstag mit grosser Enttäuschung gelesen. Was in dem Aufsatz fehlt, ist die Würdigung von Dr. Vogelstein’s aufrichtiger Menschlichkeit. Ich gehörte zu seiner Gemeinde während seiner ganzen Tätigkeit in Breslau und ich war eine ganze Reihe von Jahren Mitglied des Vorstandes und der Gemeinde-Vertretung der Synagogen-Gemeinde und der letzte Vorsitzende des "Religiös-Liberalen Vereines der Breslauer Synagogen-Gemeinde”. Daher hatte ich das Glück, Rabbiner Vogelstein sehr gut kennen zu lernen. Er war einer der wenigen Männer, die ich in meinem langen Leben getroffen habe, die einen grossen Eindruck auf mich gemacht haben. Es ist wahr: er war ein Kämpfer, ein Kämpfer für seine Ideale, ein Kämpfer für das Liberale Judentum und bis 1933 er war ein Gegner des Zionismus in Deutschland, wahrscheinlich in Übereinstimmung mit der Mehrheit seiner Gemeinde. Er zeigte seinen Mut, als seine Synagoge in Flammen stand und er nur mit Gewalt verhindert werden konnte, in das brennende Gebäude zu gehen, um die Tora-Rollen zu retten. Er war ein wahrer Seelsorger, und an der Gelegenheit der 100. Wiederkehr seiner Geburt die überlebenden alten Menschen, die gewohnt waren, an den G"ttesdiensten in der sogenannten Neuen Synagoge in Breslau teilzunehmen, werden mit Dankbarkeit daran denken, dass für fast 20 Jahre sie einen Rabbiner von dem Format von Hermann Vogelstein hatten. Rabbiner Neufeld erwähnt nicht, dass Hermann Vogelstein in Zusammenarbeit mit Ismar Elbogen und Cesar Seligmann 1929 im Auftrag des Liberalen Kultus-Ausschusses des Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden das Gebetbuch herausgab, das allgemein als das Einheitsgebetbuch bekannt ist. Aber wahrscheinlich betrachtet Dr. Neufeld das nicht als eine Leistung. Dr. P. ROSTEN (früher Rosenstein), London Alles für den Schreibtisch, Alles fürs Büro — Niemals bleibt es gleich sich, WAS du kaufst — und WO! J. ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery GIFTS FOR ALL OCCASIONS TEL-AVIV, RAMBAM ST. 24 TEL. 62 54 20 Riesenauswahl in Geschenken für alle Gelegenheiten! naiv» n j v Dr. Harry Es ist uns eine besondere Freude, Herrn Dr. Harry Abt in diesem Rahmen zu seinem 70. Geburtstage herzlichst Massal-Tow zu sagen. War er doch von 1935 bis wenige Tage vor Ausbruch des 2. Weltkrieges Direktor des jüdischen Gymnasiums in Breslau, Rhedigerplatz in den schwersten Jahren, da die Schule “der ruhende Pol in der Erscheinung Flucht“ gewesen ist. Wer damals noch in Breslau war, weiss nur allzugut, wie schwer es war, all das zusammenzuhalten, was stündlich zu zerfallen drohte. Herr Dr. Abt hat es verstanden, in dieser Zeit die Leitung fest in der Hand zu halten und war all denen Berater, die in ihrer Not sich an ihn wandten. — Aber auch in Südafrika (Johannesburg) gelang es ihm die pädagogische Arbeit fortzusetzen. “Erwachsenen Bildung” sowohl für das Erziehungsministerium, wie auch in der jüdischen Gemeinschaft, die nach grossen Schwierigkeiten Abt zum 7 0. sich entschlossen hat, Volkshochschulen zu gründen. Zusammen mit seiner Frau hat er in Cape Town und in Johannesburg den Anstoss gegeben ein jüdisches Museum aufzubauen. Seine Gattin war fast 10 Jahre Kuratorin in Johannesburg und beide halten ständig Vorträge über jüdisch-kulturelle Fragen. Von den 3 Kindern leben zwei in Israel und der Älteste ist Architekt in London mit einer sehr schönen Stimme, die ihn befähigt, von Zeit zu Zeit als Chasan ehrenamtlich zu amtieren eingedenk der schönen Melodien unseres unvergesslichen Chasan Weiss von der Storchsynagoge. Wir wünschen unserem Jubilar mit seiner Gattin viele viele Jahre in Schaffenskraft und Lebensfreude zum Wohle unserer jüdischen Gemeinschaft und weiter die Gabe, das jüdische Kulturgut auch anderen vermitteln zu können. Ad mea Weesrim! 15

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