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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1970-09-01 · No. 28 (September 1970) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1970
Issue
No. 28 (September 1970)
Date
1970-09-01
Page
Seite 9 (sequence 2794)
Language
German
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IN meinen früheren Veröffentlichungen habe ich hauptsächlich einige meiner Zionistischen Erinnerungen, sowie einige historischen Facts über zionistische Arbeit in der Diaspora behandelt; ferner über Gegenüberstellung von Theodor Herzls prophetischen Voraussagungen gegen die im jetzigen Staat Israel eingetroffene Wirklichkeit. Nun möchte ich etwas über jetzige Zionistische Gegenwartsarbeit für den weiteren Aufbau des Staates Israel hier in Florida speziell in Miami und Miami Beach berichten: Warum gerade Florida Miami? Dies ist die Antwort: Zwischen dem USA Staat Florida und dem Staat Israel gibt es so viele Parallelen und so viele Zusammenhänge, dass ich annehme, es wird Ihren Leserkreis interessieren auch wenn es nicht Geschichten und Erinnerungen aus unserem Schlesischen Geburtslande sind. Insbesondere gilt der Bericht dem hiesigen sehr ausgeprägten JÜDISCHEN Leben im Zusammenhänge mit den vielseitigen Arbeiten für den Aufbau Israels. Zunächst einige Daten über Florida und Miami und Miami Beach: Florida, der südlichste von 51 Nord-Amerikanischen Staaten, ist etwa 58.000 Quadratmeilen gross also 7 mal grösser als der Staat Israel. Im Norden grenzt es an Georgia im Osten der Atlantische Ozean, im Süden das Caribische Meer und im Westen der Golf von Mexico. Aehnlich wie Israel, das hauptsächliche und ursprüngliche Bodenerzeugnis, CITRUSFRÜCHTE — die Haupteinnahmequelle, nunmehr vielfach industrialisiert durch verschiedene Fabrikationsunternehmungen, wie auch in Israel. Das Klima, ähnlich wie Israel subtropisch. Bevölkerung ein erheblicher Teil Neger auch noch Nachkommen des Indianerstamms, den Seminoles, aber in der Mehrzahl Weisse und viel Zuzug aus den Nordischen und mittleren Staaten. Hier in Miami Beach, haben wir keinen eigentlichen Winter, Temperaturen im Sommer etwa zwischen 70 und 85 Grad Fahrenheit selten mal 90 Grad, und etwa zwei Monate um 60 Grad bis 70, selten mal 50 Grad. Daher der grosse Touristenzustrom aus dem Norden in den Monaten von Dezember bis April, um dem Nordischen kalten Winter zu entgehen. Miami Beach ist. ein grosser Resortplatz mit etwa 1000 grossen luxuriös ausgestatteten und auch kleineren Hotels, zu einem gewissen Teil in Jüdischem Besitz bezw. Einfluss. Die eigentliche Haupt- Hotelstrasse entlang des Atlantischen Ocean und den Beache nimmt etwa eine Stunde Autofahrt bis Hollywood. Die Flora und Fauna ähnlich wie in Israel. Miami Beach hat wundervolle Anlagen mit den herrlichsten Blumen geschmückt ähnlich wie dort. Der Anblick dieser wirkt bezaubernd. Insbesondere sind es drei grosse Alleen, der Pinetreedrive mit den jahrhundertalten Riesen Pinetrees, der Alton-Road und vor allem der Lincoln Road, der Hauptgeschäftsstrasse mit der herrlichen Blumenanlage und ich zähle etwa 50 verschiedene Palmenarten an diesem. Im Ganzen sollen es hier in Florida etwa 1000 Palmenarten geben. Die schönen Alleen erinnerten mich sehr an Naharia und Natanya, die ich bei unserem zweimaligen Besuch in Israel kennen lernte. Chamsin, den ich Israel auch kenen lernte, haben wir hier nicht, aber dafür von Zeit zu Zeit einmal den gefürchteten Hurricane, den wir in den 8 Jahren unseres Hierseins einmal erlebten. Von der Naturgewalt eines solchen Orkans kann man sich keinen Begriff machen, wenn man nicht dabei war. G.S.D. erscheint dieser nicht regelmässig aber man ist jedes Jahr darauf vorbereitet und trifft Vorsichtsmassnahmen. — Ein Characteristicum bezüglich der hiesigen Blumenpracht sei noch erwähnt. Wohlriechender Blütenduft, wie zum Beispiel der dortige Anemonenduft ist hier nicht spürbar, doch die Fülle der Anlagen auf den vielen Freiplätzen hier erfreut jeden der die Natur liebt. Was aber jeden in Erstaunen setzt dass hier im Blumenland die Industrie der künstlichen Blumen, Sträucher und sogar Bäume in grösster Blüte ist. Diese künstlichen Produkte, die nicht nur in den Hotels zu finden sind, sondern in sehr vielen Privatwohnungen, sind von den natürlichen gar nicht zu unterscheiden. Nun zum Hauptpunkt meiner Beschreibung der Zusammenhänge des hiesigen Jüdischen Lebens mit dem Staat Israel. Greater Miami — die Stadt Miami selbst und die Stadt Miami Beach, sind durch eine riesige Wasserfläche — die sogenannte BAY, die wiederum mit dem Ocean verbunden ist, getrennt. Man kann Miami Stadt nur durch fünf grosse Verkehrsbrücken erreichen in etwa 6 Minuten Auto oder Omnibus-time. Greater Miami hat etwa zusammen mit Miami Beach über 1 Million Einwohner, davon ca 250000 Juden deren Zahl sich in den Wintermonaten durch die Touristen um 6 bis 8000 erhöhen. Die Juden spielen nicht nur im Geschäftsle- I Florida und Israel : 1 Jüdisches 1 Leben in [ Miami Beach | ben sondern auch im Politischen und Gemeindeleben eine grosse Rolle. Sowohl Miami als auch Miami Beach haben sehr oft Juden als Mayors gehabt, auch jetzt haben wir Jack Derner einen Israeli als solchen in Amt, auch seine Frau ist Israeli. In den Städtischen Gremien sind die Juden reichlich als Councilmänner, Judges, Staatsanwälte etc. vertreten. Man hört sehr viel Jiddisch und Hebräisch, besonders im Downtown Bezirk, in welchem die Geschäfte sehr viel in jüdischen Händen sind. Ebenso viele Bankinstitute, deren Leiter sich auch im öffentlichen Jüdischen sehr betätigen. Das Jüdische Gemeindeleben spielt sich in etwa fünfzig Congregationen resp. Synagogen und Tempeln ab, die alle eine starke Besucherfrequenz aufweisen. Bei einer Capazität von etwa 2000 Prsonen einiger dieser Tempel sind die G’ttesdienste am Freitag Abend oder Sonnabend voll besetzt und an den Hohen Feirtagen reichen diese nicht aus, so dass noch das grosse Auditorium oder die Conventionhall mit über 5000 Fassungsvermögen, hinzugenommen werden. Ein Beweis für das grosse Interesse in allen Jüdischen Angelegenheiten nicht nur in religiöser Hinsicht. Alle Richtungen sind hier vertreten Orthodoxe, Conservative, Liberale, und einige wenige Reform Tempel. In allen Congregationen wird der Erziehung der Jugend in gut Jüdischem Geist und vor allem im Interesse des Aufbaues von Israel grösste Bedeutung aufgeboten. In einer Anzahl werden die Gebete in Iwrith gebetet, die Jugend fast ausnahmslos In Iwrith unterrichtet. Die Barmizwas und auch Bat Mitzwas tragen die Sidra und Haftara in Iwrith vor und man merkt mit absolutem Verständnis was sie sagen. Die Rabbis schliessen den Gottesdienst am Schabbath oder Jomtow mit “Schabbath schalom“ oder “Chag simcha”. So weit mir bekannt, sind die meisten der hiesigen Rabbis sehr zionistisch, d.h. Israeli eingestellt und spielen in der Arbeit und Propaganda für Israel eine sehr grosse Rolle; Ihre regelmässigen Predigten üben denn auch einen bedutenden Einfluss auf die Besucher aus, was sich absolut im grossen Interesse für Israel wiederspiegelt. Von Organisationen, in denen nicht nur die Rabbis so intensiv tätig sind, sondern viele Gemeindemitglieder, sind zu nennen: Israel Bond Drive, Histadruth, Jewish Appeal, Israel Emergiefond, Jewish Nationalfond, etc. Ich glaube, es gibt hier nur wenige von den Rabbis die nicht an diesen Arbeiten teilnehmen. Sie alle spenden ein grosses Teil ihres Lebens für Zwecke und Ziele des Israeli Aufbaus. Von sonstigen hiesigen aktiven Organisationen sind zu erwähnen, Bnai Brith mit einigen Logen, Hadassa mit nicht weniger als 13 Districtsabteilungen, die besonders aktiv sind, und in denen sich die Hauptarbeit in den Gruppenarbeiten abspielt, der Ort, der Misrachi mit ihren chapters, Jugendgruppen, und dann vor allem In der Z.O.A der Zionistischen Organisation of America, ebenfalls die Arbeit auf verschiedene Districte verteilt. Die meisten grossen Veranstaltungen, die in den grössten Sälen der grossen Hotels und im Auditorium stattfinden, und immer von Tausenden Personen besucht sind finden unter den Ausspicien der ZOA oder Federation etc. statt. Was die finanziellen Erfolge anbetrifft so sei hier erwähnt, dass nach meiner Kenntnis die 100 Millionen Grenze in Dollars nur hier in Miami sicher überschritten wird, ein Beweis von besonders intensiver Arbeit aller Organisationen zusammen. Ein kleines oder zwei Beispiele möchte ich noch geben. In unserem Apartmenthaus mit 250 Bewohnern ergab eine Sammlung für den Bonddrive eine Summe von Dollars fünfzigtausend (50.000.—) ähnliche Summen in anderen Mietshäusern. Ferner eine Dame aus unserer Congregation stiftete für eine Israel Institution die Summe von 100.000.— Dollars, sie war mit unserem besonders eifrigen Rabbi Dr. Kronisch zur Instalation selbst anwesend, und es war nicht die erste Spende. Ein grosser Teil dieser Erfolge ist zweifellos zurückzuführen auf das allgemeine Management der hiesigen Organisationen und vor allem auf das Verständnis der massgebenden Behörden in Israel, die so viele Emissäre hierher nach Miami senden und die Früchte ihrer Propaganda mit eigenen Augen wahmehmen können. Namen wie President Schazar, Golda Meir, Aba Eban, Mosche Dayan, Yigal Alon, die vielen hohen Militärs, Israeli Consuln sind hier sehr gern gesehene Gäste und der Dank ist Ihnen sicher. Noch ein anderes Factum wäre hier zu erwähnen: Ein hiesiges grosses Aluminium Unternehmen ist in sehr erheblichem Masse an der Erweiterung der dort bereits bestehenden Aluminium- Fabrikation sowohl financiell als auch am technischen Fortschritt beteiligt, was für das Land von besonderem Vorteil ist. Nach diesem Querschnitt über das Jüdische Leben hier in Miami und die Zusammenhänge mit Israel möchte ich zusammenfassend sagen — wobei ich keineswegs den Anspruch erheben möchte, dass diese Darlegungen vollständig sein sollen, — dass Miami Beach als Beispiel dienen kann, was intensive Arbeit für Israel zustande bringen kann und wie man am Aufbau des Staates Israel mithelfen kann. Zur Zeit dieser Ausarbeitung ist Nasser gerade in Moskau und ausserhalb Israel werden Verhandlungen geführt um einen Weg für die Lösung des Middle-East Problems zu finden! Welches das Resultat dieser Verhandlungen sein werden ist schwer vorauszusehen und zu sagen. Zu viele Klippen sind zu überklimmen. Zu viele Opfer hat der Kampf um die Existenz des Staates bereits erfordert und leider stehen noch andere bevor. Aus all diesen Opfern und im Namen des Kampfes um eine gerechte Sache bleibt nur die eine Konsequenz übrig: die Arbeit in der ganzen Welt seitens aller Juden zu verdoppeln und zu verdreifachen: Ich habe die Hoffnung, dass diesen Anstrengungen letzten Endes ein Erfolg beschieden sein wird, dass Israel Bestand gesichert sein wird, u. schliesslich ein Frieden mit gesicherten Grenzen erreicht sein wird, zum Wohle nicht nur des Staates Is- Forts. S. 11 9

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