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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1970-09-01 · No. 28 (September 1970) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1970
Issue
No. 28 (September 1970)
Date
1970-09-01
Page
Seite 8 (sequence 2793)
Language
German
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BARTENURE Bartenure — ein merkwürdiges, italienisch klingendes Wort ist dies. Dem Laien besagt es nichts, aber dem, der einmal in den Tagen der Jugend ein wenig Mischna gelernt hat, irgendwo in West oder Ost, bedeuted es angenehme Erinnerungen an jüdische Betätigung in frühen Tagen. Bartenure, ein nachlässig ausgesprochenes Wort, müsste korrekt gesprochen werden: Bertinoro und deutet auf die gleichnamige Stadt in der Provinz Perugia in Mittel-Italien. Weder im Brockhaus, noch im Meyer, auch in keinem grösseren Atlas ist diese Stadt zu finden, kaum jemand würde sie kennen, wenn nicht ein grosser Gelehrter dort als Rabbiner gewirkt und sie in jüdischen Kreisen bekannt gemacht hätte: Rabbi Obadjah wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in einer kleinen Stadt der Romagna in Oberitalien geboren. Er lernte in der Jeschiwa des damals berühmten Josef Kolon und wurde durch dessen Empfehlung Rabbiner in Bertinoro. So wie später Jakob Lorbeerbaum sich als Lissaer Raw bezeichnete, obwohl er nachher in Stry gewirkt hat, so nannte sich Obadja nach seinem ersten Wirkungsplatz Obadja Mibertinoro, und sein Lebenswerk, der Mischnakomentar, ist dann, als “Bartenure” in die Geschichte eingegangen. Aus Gründen, die wir nicht kennen, entschloss er sich, 1486 über Palerme nach Jerusalem auszuwandern. Was er auf der Reise erlebte und was er an armseligem jüdischem Leben in Jerusalem vorfand, hat er mit lebhaften Schilderungen der ihm fremden Sitten in zwei Briefen an seinen Vater beschrieben, die erst nach vierhundert Jahren bekannt und gedruckt wurden. Es lebten damals nur wenige Juden in Jerusalem, nicht viel mehr als tausend, und es waren heterogene Elemente, aus dem Orient, von den Pyrenäen und aus Mitteleuropa. Die fast restlose Vertreibung aus Spanien und Portugal im nächsten Jahrzehnt hat einige Versprengte auch nach Palästina gebracht. Obadja wurde Rabbiner dieses Kreises. Es war keine erfreuliche Aufgabe, in diesem kleinen uneinigen Kreise zu Leben, aber Obadja fühlte sich offenbar berufen, Frieden, Ordnung und Moral in diese Gruppe zu bringen. Ein etwas späterer Reisender aus Italien berichtet über ihn: “Er ist der angesehenste Mann im Lande, und nach seinem Befehl wird Alles geleitet, seinen Worten wagt niemand zu widersprechen. Predigt er, so lauscht jedes Ohr auf sein Wort und man vernimmt dabei nicht das leiseste Geräusch, so still und andächtig sind seine Zuhörer”. Trotz dieser Gemeindearbeit zog es ihn zu stiller Forschung. Er wagte sich an eine Arbeit, die bisher noch nicht geleistet worden war. Er kommentierte die sechs Bände der Mischna. Dem Laien sei erklärt, dass die Mischna nur die Vorstufe der Gemara ist, und dass das Ganze als Talmud bezeichnet wird. Die fast ganz Hebräisch geschriebene Mischna wird in späterer Zeit sehr ausführlich in der zumeist aramäischen Gemara kommentiert, die manchmal leicht, manchmal aber sehr schwer verständlich ist. Will man sie verstehen, so braucht man auch zu ihr Erklärungen. Der bedeutendste aller Kommentatoren, Raschi, hat auch die Gemara kommentiert. Obadja versuchte und vollendete ein Aehnliches. Er kommentiere die Mischna, aber brachte in seiner Erklärung auch Raschi und die Quintessenz der Gemara hinein, sodass er also in möglichst verständlicher, volkstümlicher Weise beide Werke demjenigen nahe brachte, der nicht über viel Wissen verfügt. Da sein Werk vollständig und ausserdem leicht verständlich ist, hat man es seit der Mitte des 16. Jahrhunderts allen Ausgaben der Mischna beigedruckt. Der Mischnatext steht in der Mitte der Seite. Auf der Innenseite ist Bertinoro gedruckt, auf der Aussenseite Taussfaus Jomtow, das ist der häufig erwähnte Kommentar des deutschen Gelehrten Jomtow Lipmann Heller aus Wallerstein in Franken. Obadja dürfte um 1500 gestorben sein. Man sagt, er sei in einer kleinen Höhle am Fuss des Ölbergs gegenüber dem Siloah-Teich begraben. In Israel hat man einige schöne Einrichtungen auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung getroffen, man lernt Daf jomi, täglich ein Blatt Gemara, man lernt aber auch täglich ein Kapitel Mischna, und man lernt täglich ein oder zwei Kapitel T’nach, die auch im Radio vorgetragen und erklärt werden. Das Lernen der Gemara bleibt Reservat für eine gelehrte Minderheit. T’nach lernen ist für das ganze Volk bestimmt. Das Lernen der Mischna könnte heute Mancher versuchen, wenn er sich nur aufraffen würde. Die Erinnerung an die Jugendzeit wird ihm dabei helfen. Rabbiner Dr. Neufeld Archivalia Judaica Während Neuerscheinungen zur Geschichte der Juden im Mittelalter und in der Neuzeit in den Nachkriegsj ähren sich erfreulicherweise immer mehr häufen, ist wenig über jüdische Archive zu berichten. Wir können froh sein, dass auch im zweiten Weltkrieg manche Archive erhalten blieben und Neue, besonders in Israel, errichtet wurden und dass in diese die aus den mittel- und osteuropäischen Ländern teilweise geretteten Archivalien überführt werden konnten. Hierüber berichtet in der vom bayerischen Hauptstaatsarchiv herausgegebenen archivalischen Zeitschrift im 63. Band (Köln und Graz 1967) Bernhard Brilling, Obercustos in Münster, der nun bald 40 Jahre als Archivar, zunächst in der jüdischen Gemeinde Breslau, dann in Tel-Aviv, jetzt in Münster tätig ist. Er schreibt über das jüdische Archivwesen nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland, Frankreich und Holland. Bei den Arbeiten in Deutschland wird mit der Leistung von Eugen Taubier und Georg Herlitz begonnen, die in den Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden in den Jahren 1908 bis 13 eine Bibliographie der Neuerscheinungen zur Geschichte der Juden in Deutschland herausgegeben haben, die in ähnlicherweise von Heinrich Loewe nach dem Kriege in der Zeitschrift der Soncino-Gesellschaft und nachher in der Zeitschrift der Geschichte der Juden in Deutschland bis 1933 weitergeführt werden konnte. Aehnliche Versuche, die durch die Vernichtungsaktionen der Nazis teilweise gestört wurden, werden auch in Frankreich fortgesetzt. Insbesondere lassen sich Erfolge aus Paris, Versailles und Metz melden. In Holland war der Zustand vor dem zweiten Krieg befriedigend. Man hatte kein Verständnis und wenig Interesse für die Aufbewahrung der Archivalien, und es wurden sogar vor achtzig Jahren drei Schiffsladungen mit Gemeindeakten in die Papiermühlen gebracht, heute ist das Interesse lebhafter geworden, sowohl im sephardischen, wie im aschkenasischen Bezirk. Besonders aufschlussreich ist die Korrespondenz der deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung, die den nach Palästina ausgewanderten Juden zu helfen versuchte. Ein Teil dieser Korrespondenz ist auch schon vor zwei Jahren im Druck erschienen und von mir besprochen worden. Rabbiner Dr. Neufeld RACHEL-LYRIK Ausgcwähltc Lieder, aus dem Hebräischen ins Deutsche übertragen von RITA GOLDBERG Ein mehr als interessantes Unternehmen, aus den hebräischen Gedichten der RACHEL die besten und wichtigsten in deutscher Übersetzung darzubieten. Ihre Lyrik wird in Israel seit vielen Jahren vorgetragen, vertont, gesungen und in den Schulen des Landes ist Rachel ein beliebtes Thema. Dichter waren zu allen Zeiten Seismographen ihrer Zeit, Bilder des Lebens werden in Worten gespiegelt. Rita Goldberg, aufs innigste mit dem Werk der Dichterin und mit der hebräischen Sprache vertraut, fand offensichtlich die congenialen Worte in der deutschen Sprache, poetisch verklärt oder verdeutlicht. Und diese besondere Lyrik der Rachel verlangt ein völliges Sicheinfühlen in die Stimmungen, in die Visionen, in die Bilder, die die Dichterin vor sich sah, die ihr Dasein auf ihre Weise reich machten. Ihr Wort lebt und leuchtet in dieser Übertragung. Ihre Gedichte drücken Liebe aus, zum Vaterland, zur Mutter Erde, zur Arbeit, sie sprechen von der Einstellung zur Natur, dem Lebensgefühl, von inneren Kämpfen. Ihre Lieder singen uns von ihrem Leben,- ihrem Erleben, von Sehnsucht und Enttäuschung, von Wehmut, Lust und Leid. Im Wortklang und Rhytmus der Übersetzung ins Deutsche scheint der hebräische Originaltext weiter zu klingen. Man möchte sagen, deutsch sind die Worte, aber hebräisch ist das gedankliche Gefüge geblieben. Die Ausdrucksmöglichkeiten lassen aufhorchen. Das Wagnis der Übertragung hat Rita Goldberg erfreulich verstanden. Oft sind ihre Worte wie im Urtext, Musik, Musik der Seele. Denn sie besitzt die Gabe, einen Ton anzuschlagen, der aus dem Herzen erklingt und viele Verse kennzeichnen das. Sinngemässe Zeichnungen von David Davidow verschönern den Textteil in hervorragender Weise. Sie vergrössern noch den Wert der Sammlung. Das Werk ist im Davar Verlag erschienen und in dessen Druckerei sorgsam gedruckt und gesetzt worden. Die Übersetzerin dankt im Vorwort S. E. dem Herrn Staatspräsidenten Salman Schasar für seine Hilfe am Entstehen des Buches. Mögen viele deutschsprachige Leser an der Lyrik Rachels Gefallen und Freude finden. J. S. UM DIE JUDENSCHULE Forts, v. S. 6 beralen Flugblätter “Die Zionisten erstreben die Judenschulen (sic) und die Herrschaft über dieselben!, was Dr. Schlesinger entschieden abstreitet. Im Programm des oppositionellen Wahlblocks sei von konfessionellen Schulen nicht die Rede, obwohl zu gleicher Zeit die jüdische Presse von der Reichsschulkonferenz berichtet, auf der Vertreter der jüdischen Lehrer zusammen mit den christlichen Kollegen für den Bestand der konfessionellen Privatschulen eintreten. Und so waren es denn auch nur 12 (nach meiner Erinnerung) oder 18 (nach der Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland vom 27. März 1931) Schulanfänger in einer Gemeinde von über 20.000 Juden, deren Eltern sich zu der “Judenschule” bekannten. JOSEPH WALK, Jerusalem 8

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