Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1970
- Issue
- No. 28 (September 1970)
- Date
- 1970-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 2790)
- Language
- German
- Belongs to
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MAN kann heute nach Polen reisen wie nach jedem anderen Land. Der einzige Unterschied ist, dass man im polnischen Konsulat bei Antragstellung für das Visum einen Scheck im Werte von 5 $ pro Tag des beabsichtigten Aufenthalts zugunsten des amtlichen polnischen Reisebüros Orbis vorzeigen muss. Solche Schecks kann man bei jedem grösseren Reisebüro erhalten. Mein Reiseweg führte mich per Eisenbahn, (Schlafwagen) von Wien nach Kattowitz (der Zug, der nach Warschau und Moskau weiter geht, trägt den musikalischen Namen “Chopin”) und von dort mit dem Krakau—Breslau’er Schnellzug (“Slezak”, d.h. “Der Schlesier”) nach meiner früheren Heimat. Es war ein eigenartiges Gefühl, an einem heissen Sommermorgen auf dem Bahnsteig 2 in “Wroclaw” auszusteigen und den Hauptbahnhof, mit seiner langen Verkehrshalle und festungsartiger Architektur, imverändert vorzufinden. Auch im “Hotel Monopol” als Gast abzusteigen, erschien mir als altem Breslauer recht sonderbar. Übrigens ist das Hotel innen genau so eingerichtet wie vor vierzig Jahren, allerdings durch 'Hinzunahme des nebenan liegenden Geschäftshauses, Ecke Schweidnitzer Strasse vergrössert. Bevor ich auf Einzelheiten eingehe, möchte ich feststellen, dass ich ebenso sehr erstaunt war, wie viele Teile von Breslau trotz der Beschiessung unversehrt geblieben sind, wie ich andrerseits über das totale Verschwinden ganzer Vorstädte erschüttert war. Wroclaw macht den Eindruck einer pulsierenden jungen Stadt, voll von jungen Menschen, jungen Ehepaaren mit jungen Kindern, vollen Geschäften und vollen Kaffees und Restaurants. Selbst im Stadttheater, dass vollständig wie früher ist ,war es schwer einen Sitz zur Aufführung des Hinter den Kulissen Forts, v. S. 4 eine heilige gttesdienstliche Pflicht, beten kann er auch zu Hause zu anderer Zeit. In gleicher Weise kontrollierte er auch die Geflügel Handlungen und die Stellen, an denen dies geschächtet wurde. Mit weniger Energie konnte der Dajan die Aufsicht über die Mikweh (rituelles Tauchbad) führen. Hier war noch unter der Leitung des Amtsvorgängers die Hauptarbeit geleistet worden. Es hatten sich nämlich im Laufe der Zeit Mängel gezeigt, die eine Instandsetzung dringend erforderlich machten. Freilich konnte manches Mitglied es nicht recht begreifen, warum man sich nicht zu Reinigungszwecken einer der Badesanstalten oder eines Privatbades bedienen sollte. Sie wussten nicht, dass ganz bestimmte rituelle Voraussetzungen beim Bau und Betriebe einer Mikweh notwendig waren. So ist z.B. für ein rituelles Tauchbad ein bestimmtes Quantum Wasser notwendig. Bei den archäologischen Ausgrabungen z.B. neuerdings bei Massadah fand man ein solches rituelles Tauchbad, das den Vorschriften entsprach. Freilich als Klagen laut wurden, dass sich bei unserer Mikweh Mängel in hygienischer Beziehung bemerkbar machten, traten bei der Beratung über dieses nicht unbeträchtliche Bauprojekt die Kosten in den Hintergrund und die erforderlichen Verbesserungen und Neueinrichtungen wurden bewilligt. Auch der liberale Vorsitzende des Vorstandes hat sich die berechtigten Gründe für den Umbau zu eigen gemacht, und es ist erstaunlich und erfreulich, dass er zu dem neuen Dajan bei seinem Amtsantritt sagte: Und nun möchte ich Ihnen das Schmuckkästchen unserer Gemeinde unsere “Mikwe“ zeigen. Vielleicht erklären diese Worte des Gemeindevorsitzenden, dass man in Breslau eine Einheitsgemeinde erhalten konnte. Dr. Seew (William) Boss, Tel-Aviv “Zigeunerbaron”, natürlich in polnischer Sprache, zu bekommen. Nun zum Aussehen der Stadt selbst. Der Ring und das Rathaus stehen entweder wie vor dem Kriege oder die Häuser sind so wiederhergestellt worden, wie sie früher waren. Die Geschäfshäuser der früheren Firmen Geschwister Trautner, Louis Lewy Junior und Albert Schäffer fallen einem sofort ins Auge. Gebrüder Barasch ist immer noch Warenhaus, allerdings ohne Weltkugel auf dem Dach. Der Geschäftsraum des früheren Bankhauses E. Heimann hat noch dieselbe Einrichtung wie vor fünfzig Jahren, nur vermisst man Richard Calomon und Herrn Born herauskommen zu sehen. Die einzigen nicht wieder aufgebauten Häuser sind das frühere Kreuzberge’sche (vormals E. Breslauer) Eck-Grundstück und das Eckgrundstück gegenüber von Hecht & David, wo früher das Zigargeschäft Löser & Wolf war. =lll=lll=lll=lll=m=IH=lll=ll!=IIIEIII=lll=lll=lll=lll=lll=lll=IH: Wiedersehen mit Breslau und dem Riesengebirge i=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=iii=nb In der früheren Ohlauerstrasse ist die Facade des Mendelsohn Baus von Petersdorf genau so eindrucksvoll wie bei der Eröffnung kurz vor dem ersten Weltkrieg, und auf derselben Seite stehen noch eine Menge früherer Häuser. Aber hinter der Schuhbrücke (die Magdalenen Kirche und auch die Elisabeth Kirche sind immer noch im Zustande der Wiederstellung) ist ein wüstenartiger weiter Raum, der sich bis zur ehemaligen Hauptpost und Holtei-Ufer erstreckt. Dort steht, wie eine vereinsamte Oase, ein funkelnagel-neues Hotel mit dem, wenn ich mich recht erinnere, etwas sarkastisch anmutenden Namen “Panorama”. Aber Lessing- und Kaiserbrücke sind noch da, die alte Scheitniger Vorstadt hinter der Lessingbrücke kaum vom Bombardement berührt, nur vom Zahn der Zeit. (Für Aussenreparaturen von Häusern ist scheinbar überhaupt kein Geld zur Verfügung). Zwischen Kaiserbrücke und Scheitnig ist fast alles zerstört, mit einigen der uniform-gleichen Mietskasernen planlos betupft. — Jenseits der Passbrücke steht der zoologische Garten, Jahrhundert-Halle und der Scheitniger Park wie anno dazumal, nur mit dem Unterschied, dass die Bäume 35 Jahre älter sind und viel weniger Licht auf die Wege durchlassen. Vom Ring nach Süden gehend fällt einem auf, dass die Junkern Strasse verschwunden ist. Auf der linken Seite muss alles zerstört gewesen sein, denn es erhebt sich eine Reihe neuer zurückgerückter Häuser bis zur Karlstrasse, der ersten wieder erkennbaren Seitenstrasse. Auch das ehemalige Knittel’sche und F.W. Woolworth’sche Geschäftshaus ist noch erhalten. In der Dorotheen- Kirche wird katholischer G“ttesdienst abgehalten, auch die Häuser, wo früher Pedro Coli seine Südfrüchte und Eisspezialitäten verkaufte und das anstossende rote Sandsteinhaus (früher Caspari) und der Zwingerplatz mit Gymnasium, jetzt Mädchenschule, dem Klubhaus der Zwinger-Gesellschaft (jetzt Marionetten Theater) und dem ehrwürdigen gegenüber liegenden Gebäude, wo früher das Cafe Fahrig war u. das Herrenmode-Geschäft Gebr. Pfeiffer, gegenüber dem Stadt-Theater seinen Sitz hatte, sind noch da. Verschwunden ist die ehemalige Kommandantur und das Kaiser Wilhelm Denkmal, aber an der Normaluhr scheinen sich immer noch junge Paare zu treffen, und in der Wache werden Blumen verkauft. Gegenüber von dem Regierungs-Warenhaus (früher Wertheim) an der Ecke Schweidnitzer Stadtgraben steht noch das Gebäude, in dem früher das Kaufhaus von M. Schneider betrieben wurde und später das Postscheckamt für mehrere Jahre war. Am Tauentzienplatz stehen nur die Gebäude der früheren Dresdner Bank und Gustav Fischers Savoy Hotel. Alle übrigen Gebäude zusammen mit den Vierteln zwischen Tauentzienplatz und Gartenstrasse sind in einheitlichem Stil als moderne Geschäftshäuser mit Arkaden ausgebaut worden und sehen sehr elegant aus. Die Eckhäuser an der Südseite der Garten- Strasse, und Schweidnitzer Strasse Ecke, bestehen nicht mehr. An ihre Stelle sind Blumenbeete getreten. Die einzigen Gebäude, die man wieder erkennen kann, sind das damals moderne Geschäftshaus zwischen Gartenstrasse und Unterführung, wo das Seidenhaus Michel die Breslauer Filiale hatte und das ehemalige Schauspielhaus, in dem heute Drama gespielt wird. Zwischen Eisenbahnunterführung und dem früheren Kaiser Wilhelm Platz ist nichts, wirklich nichts, ausgenommen die Ecken der Kerbsteine zu den Seitenstrassen, die man abzählen muss, um sich an die früheren Namen zu erinnern. Die in einer Seitenstrasse noch liegenden alten Strassenbahngleise erinnern einen, dass dort einstmals die Viktoria Strasse war. Weit weg, dort wo früher die Höfchenstrasse gewesen ist, ragen neue Mietskasernen auf. Wenn man aber am früheren Kaiser Wilhelm Platz ist, glaubt man sich in alte Zeiten versetzt. Die Häuser von der Hohenzollern Strasse bis zum ehemaligen Friebeberg, das ehemalige Ober-Bergamt und die Häuser bis zur ehemaligen Steinstrasse sind ganz intakt, ebenso wie die Oberpost-Direktion, das Viertel zwischen Friebeberg und Kuerassierstrasse, mit dem Schwippbogen zur Oranienstrasse, die sogenannten Poelzig Wohnhäuser zwischen Woelfel und Hohenzollern Strasse, das ehemalige Jüdische Krankenhaus und der Wasserturm — sie alle stehen noch. Dagegen sind die Kuerassier Strasse und Kirschallee ganz zerstört. Im alten Kleinburg sind noch viele der alten Patrizierhäuser in der Kastanien-, Akazien- und Ebereschenallee erhalten, ebenso in der Kleinburg Strasse. In der Kaiser Wilhelm Strasse sieht man noch die Reste der ehemaligen Tennisplätze und die verwilderten Parks, wo früher das Schliebs Restaurant war. In unveränderten Schönheit steht der Südpark. Obwohl auch da die Bäume an vielen Stellen zugewachsen sind, gibt es noch die Durchblicke über die weiten Rasenflächen. Das Restaurant, wo Herrmann Behr die so beliebten Südpark Konzerte zu dirigieren pflegte, auch der Pavillon am Teich, besteht nicht mehr, nur die alten Bäume, die den Tischen Schatten spendeten. Aber die Strassenbahn, immer noch die alten roten Wagen, verkehrt regelmässig, nur ist es nicht mehr die Linke 2, und die sich drängenden Passagiere gehören zur Arbeiterklasse und fahren zu ihren kleinen Wohnungen in den Mietshäusern, die dort enstanden sind, wo früher die Gabitzstrasse war. Noch ein Wort für den westlichen Teil unserer früheren Heimatstadt: das einzige am Blücherplatz zerstörte Haus ist dasjenige, wo man durch den Sieh-Dich-Führ zur Stadtbibliothek gelangen konnte, die heute zusammen mit dem früheren Gebäude der Kommerz- und Privatbank die Universitätsbibliothek enthält. Wo früher der “Käse Boehm” seine appetitlichen Brötchen verkaufte, gibt es auch heute etwas zu essen, was aber sicher nicht appetitanregend ist. Das einzige, von einem Volltreffer beschädigte und nicht aufgebaute Geschäftshaus ist das ehemalige Leinenhaus Bielschowski. Sonst sind noch eine Reihe bekannter Geschäftshäuser in Reusche- und Nikolaistrasse erhalten. Nur der Brunnen am Ende des Stadtgrabens weist darauf hin, wo früher der Königsplatz war, und die unter dem Namen “Tschepine” bekannte Vorstadt, war vollständig dem Erdboden gleich gemacht, mit Ausnahme des grossen Gebäudes am Forts. S. 6 5