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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1970-09-01 · No. 28 (September 1970) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1970
Issue
No. 28 (September 1970)
Date
1970-09-01
Page
Seite 3 (sequence 2788)
Language
German
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Dr. B. BRILLING, Münster 1—v p t y-i ,, 4 t ~- Dr. bimon rrankel aus der erste jüdische Arzt in Zülz / OS~ Jerusalem ES dürfte wohl bekannt sein, welchen Anteil die mitteleuropäische Alija an der Entwicklung des Gesundheitswesens und des Aeztestandes in Palästina gehabt hat. Weniger bekannt ist, dass der erste moderne, auf europäischen Universitäten ausgebildete, jüdische Arzt in Jerusalem und in Erez Israel überhaupt, ein schlesischer Jude war, nämlich Dr. Simon ben Nathan Fränkel aus Zülz, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Palästina ging. Aus den Berichten jener Zeit über die sanitären Verhältnisse in Palästina und speziell in Jerusalem geht hervor, dass das Gesundheitswesen dort sehr im argen lag. Das Pehlen von akademisch gebildeten Aerzten, der Mangel an sanitären Einrichtungen und die dadurch hervorgerufene Verbreitung von Krankheiten unter den Juden hatten bereits die Aufmerksamkeit der Mission auf sich gezogen, die diesen bedauerlichen Zustand ausnutzte und unentgeltliche ärztliche Sprechstunden in ihren Stationen eingerichtet hatte. Sir Moses Montefiore konnte sich bei seinen Besuchen im Heiligen Lande persönlich davon überzeugen und erkannte das Gefährliche dieser Situation sowohl in geistiger als auch in materieller Beziehung. Er beschloss als Gegengewicht gegen die Missionssprechstunden eine jüdische Armenapotheke unter der Leitung eines jüdischen, europäisch ausgebildeten Arztes zu errichten. In der “Allgemeinen Zeitung des Judentums” vom 21. Januar 1843 erschien eine Notiz, dass “Sir Moses Montefiore sich entschlossen hat, einen Arzt, den Herrn Dr. Simon Fränkel aus Zülz in Oberschlesien nach Jerusalem zu senden, um dort sich niederzulassen und die Dürftigen unentgeltlich zu behandeln”. Montefiore, der die Überfahrtskosten trug, übernahm auch die finanzielle Sicherstellung des Arztes und seiner Apotheke. Diese bestand bis nach der Errichtung des Rothschild’schen Hospitals im Jahre 1854. Ihre Einrichtung soll in der Apotheke des Bikur-Cholim-Hospitals der Peruschimgemeinde aufbewahrt sein. Dr. Simon Fränkel, der so als erster europäischer, akademisch ausgebildeter jüdischer Arzt nach Jerusalem im 19. Jahrhundert kam, stammte aus dem kleinen oberschlesischen Städtchen Zülz, das eine der ältesten schlesischen Jugendgemeinden in seinen Mauern beherbergte und zu den wenigen deutschen Städten gehörte, in denen um 1812 fast 50% der Bevölkerung Juden waren. Simon ist dort am 1. Sept. 1805 als letztes (7.) Kind des Handelsmannes Nathan ben Neta Fränkel (geb. 1756 in Zülz und dort gestorben am 10.3.1842) und seiner Frau Rosa (Ritschel, geb. 1766 als Tochter des Meir hakohen, gest. in Zülz am 14.3. 1846) geb. Aus demselben Orte stammte nicht nur der Begründer d. bekannten Leinenweberei S. Fränkel in Neustadt OS, Kommerzienrat Samuel Fränkel (geb. 1801 Zülz OS, gest. 1881 Neustadt OS), sondern auch der um 4 Jahre Jüngere Louis Löwe, Sekretär und Reisebegleiter von Moses Montefiore, ein bekannter Linquist und der erste Direktor des Rabbinerseminars in Ramsgarte (geb. 24.6.1809 in Zülz, gest. 21. Nov. 1889). Diesen landsmannschaftlichen Beziehungen verdankte wohl Dr. Fränkel seine Berufung nach Jerusalem. Mit einer Empfehlung Montefiore’s versehen traf Dr. Fränkel im Jahre 1843 in Jerusalem ein, nachdem er vorher als Arzt in Holländisch-Indien tätig gewesen war. Dr. Fränkel stiess in Jerusalem zunächst auf die Ablehnung der Kreise des “alten Jischuw”, die an diesem modernen Juden, der sich in ihrer Mitte niederzulassen wagte, Anstoss nahmen. Diese Einstellung der Leute des “Alten Jischuw” führte bereits im zweiten Jahre seines Jerusalemer Aufenthaltes zu einer nach London gerichteten Beschwerde der Peruschimgemeinde. Dies vermochte aber seiner Reputation keinen Abbruch zu tun. Er verblieb ca. 15 Jahre auf seinem Posten und galt später als einer der Jerusalemer Notabein. Dies geht deutlich daraus hervor, dass er zusammen mit Dr. Neumann (dem ersten Arzt des Rothschildschen Hospitals) in das Kuratorium der “Simon Edler von Lämmel’schen Lehr- und Wohltätigkeitsanstalt” in Jerusalem zum Zweck der sanitären Überwachung und “um eine europäische Ordnung in das Ganze zu bringen” auf genommen wurde. Auch die Statuten der Lämmelschen Stiftung vom 24. Juli 1856 sind von Dr. S. Fränkel mitunterzeichnet. In seinem Hause wohnte während seines Jerusalemer Aufenthaltes (1856) der Dichter und Sekretär der Wiener Kultusgemeinde, Ludwig August Frankl, der aus Wien speziell mit dem Auftrag der Errichtung der Lämmelschen Stiftung nach Jerusalem geschickt worden war. In seiner bekannten und auch heute noch recht lesenswerten Reisebeschreibung “Nach Jerusalem” wird denn auch sein Gastgeber Dr. Fränkel häufig erwähnt. Aus diesem Buche geht hervor, dass Dr. Fränkel eine recht ansehnliche Privatpraxis in- und ausserhalb der Stadt Jerusalem ausübte. Er hatte auch viele mohammedanische Patienten, zu denen er sogar bei Entbindungen herbeigerufen wurde. Interessant ist auch, dass er bereits im ersten Jahre seiner Jerusalemr Praxis (1843) so bekannt war, dass ihn der berüchtigte Scheich Abd er Rachman von Dura bei Chebron, dem die Hebroner Jugendgemeinde eine jährliche Abgabe zu zahlen hatte, zu sich als Arzt berief. Dr. Fränkel behandelte und heilte ihn. Als Dank erbat er sich die Gunst, die Machpelahöhle besichtigen zu dürfen, was Nichtmohammedanern verboten war. Er erhielt die Erlaubnis und sah dort, wie er berichtet, drei mit grünem Damast überhangene Sarkophage, auf denen die Namen der Erzväter in hebräischer und arabischer Goldschrift zu sehen waren. Uber das weitere Schicksal von Dr. Fränkel konnte ich bisher nichts feststellen, erhielt dagegen aber einige Informationen über seine Familie, und zwar von seiner unten erwähnten Enkelin Elfriede. Dr. Fränkel hatte zwei Töchter. Die ältere, namens Rosa, war mit einem Herrn Lewald verheiratet; ich konnte über ihr Schicksal nichts eruieren. Bei der Geburt der jüngsten Tochter Minna (am 20.1.1856 in Jerusalem) verstarb ihre Mutter. Minna (gest. 16. Okt. 1913 in Chemnitz) heiratete den aus Breslau gebürtigen Berthold Sachs (gest. 1912 in Chemnitz). Aus dieser Ehe stammten 5 Künder, die alle in Chemnitz geboren wurden. Der Aelteste war Max (geb. 1875, gest. 1935 in Vaduz). Aus seiner ersten Ehe mit Katharina, geborene Perlhöfter aus Breslau, stammte eine Tochter Anni, die 1939 zusammen mit ihrem Ehemann, dem Karlsbader Arzt Dr. Berg nach Schanghai auswanderte. Das zweite Kind war die 1878 geborene Margarethe, Frau des Hermann Wachtel aus Krotoschin (später in Posen und Berlin). Von ihren zwei Kindern Rosi und Lotte heiratete Lotte einen Dr. Selz aus Berlin und liess sich 1935 in Beer-Tuwja (Palästina) nieder. Das dritte Kind des Dr. Fränkel, Gertrud, (geb. 1885) starb 1928 unverheiratet in Chemnitz. Das vierte Kind war Elfriede, geb. 1888, Ehefrau des verstorbenen Redakteurs des “Haarez” Dr. M. J. Glückson (1878-1939). Das fünfte Kind, Fritz, geb. 1889, ist am 16. Okt. 1915 bei Dünaburg im 1. Weltkrieg gefallen. Juden im frühen Breslau Forts, v. S. 2 Schändung der Hostien und der Mästung und Opferung von Christenknaben tauchte auf: der “Rote” und der “weisse” Meier... So kam es zu dem grässlichsten Unheil der Juden im frühen Breslau. Am 2. Mai 1453 wurden sie alle eingesperrt. Sie wohnten damals noch in der alten Jüdengasse (Ursulinerstrasse). Am 4. und 5. Mai wurde die gesamte Habe der Juden durch Notare inventarisiert; sie wurde in der nahe gelegenen königlichen Burg niedergelegt. Capistrano war nun Generalinquisitor und sparte die Folter nicht, auf der viele aussagten, was nicht gestogen und nicht geflogen war. Und nun brach das Entsetzen über die Juden Breslaus herein, und ebenso über die Juden von Schweidnitz, Löwenberg und anderen schlesischen Städten. Es war noch grässlicher, als es die übliche, nur von einer Massenverbrennung berichtende Tradition erzählt. Es gibt nämlich den Bericht eines Polen darüber. — Capistrano liess 14 der Angeklagten nackt auf Bretter binden und ihnen das Fleisch mit glühenden Zangen von den Knochen reissen. Dann wurden sie in der üblichen Weise gevierteilt und das Fleisch in einzelnen Teilen an Kreuzwegen aufgehängt. Die Massenverbrennungen gingen auf dem Salzringe (Blücherplatz) vor sich. Nur 20 liessen sich taufen, alle anderen, 41 Jünglinge, Männer und Greise gingen in den Tod. Der Rabbiner der Gemeinde, Rabbi Pinchas, erhängte sich in der Nacht vorher im Kerker, nachdem er allen den Selbstmord angeraten hatte. Johannis 1453 erfolgte dann die Austreibung aller Juden aus Breslau und anderen schlesischen Städten. Den Eltern wurden alle Kinder unter sieben Jahren entrissen und zurückbehalten. Alles Hab und Gut musste zurückgelassen werden, aber der Ertrag davon war geringer, als man gehofft hatte. Lassen wir es damit genug sein von den Erlebnissen der Juden im frühen Breslau. Wenn ich in meiner Jugend sagte, ich ginge dieser Vorgänge wegen nicht gern über den Blücherplatz, so erntete ich einen stürmischen Lacherfolg. So scharf - und weitsichtig waren meine jüdischen Mitbürger im Anfänge des 20. Jahrhunderts. Bernhard Brilling lässt seine “Geschichte der Juden in Breslau” erst bis 1702 im Jahre 1454 beginnen, also nach den entscheidenden Vorgängen im Jahre vorher. W3.G. STATIONER — BOOKSELLER Josef Freyhan formerly Dr. Wilhelm Freyhan Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 60 empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN MASSTAEBEN Special-Abteil.: Israel Reiseführer TEL. 24 02 64 n a i o n i v 3

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