Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1970
- Issue
- No. 28 (September 1970)
- Date
- 1970-09-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2787)
- Language
- German
- Belongs to
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Juden im frühen Breslau .’s war halt immer asu, asu.. 1204. Die beiden ersten urkundlich erwähnten Breslauer Juden hiessen Josef und Chazchel. Sie müssen reich gewesen sein; denn sie befanden sich, vermutlich pfandweise, im Besitz eines Teiles des Falknerdorfes bei Breslau. — Die Breslauer Juden wohnten damals und noch später südlich von den neuen Kurien (Häusern mit Gehöften) der Herzogsfamilie an der Oder (dem späteren Westteile der Universität). Sie waren auf diese Weise unter dem Schutze des Herzogs. Die spätere Ursulinerstrasse hiess ursprünglich Jüdengasse. Dort gab es das sogenannte Rebbinergässel, wahrscheinlich weil dort der Rabbiner der kleinen Gemeinde wohnte. Denn die Behauptung, das Wort sei aus Rebhühnergässel verbalhornt, hat keine Wahrscheinlichkeit für sich. Es sei hier kurz angedeutet .dass die zweite Wohngegend der Breslauer Juden sich an der ungesunden Ohlau befand und zwar im Südwesten der Stadt in der Gegend des späteren Karlsplatzes; also Antonienstrasse, Graupenstrasse und Karlstrasse. Auch in der Weissgerbergasse mögen Juden gewohnt haben. An der Rückseite dieser Häuser lässt Gustav Freytag die Schreckenszenen seines antisemitischen Hetzromanes “Soll und Haben” spielen. — Die nächste Wohngegend befand sich nach der zwangsweisen Assimilation, die das deutsche Volk nie einen Augenblick akzeptiert hat, in der Gegend des Berlinerplatzes, hauptsächlich in der Freiburgerstrasse. Nicht zufällig baute die “Gesellschaft der Freunde” ihr schönes Gesellschaftshaus in der Graupenstrasse. — Um 1900 begann der Zug nach dem Süden, also nach der Kaiser Wilhelmstrasse und ihren Nebenstrassen bis hin zum Südpark, in dem einige Trotzköpfchen sich sogar noch während des Dritten Reiches (1933-1938) Villen bauten. Dies nebenbei. 1219. Brand des linksufrigen Breslau; doch werden die hölzernen Häuser bald wieder aufgebaut. Auch anderes Missgeschick kam dazu; Teuerung, Epidemien usw. Folge: z 1226. Die erste Judenverfolgung in Breslau. Doch kauften sich die Vertriebenen bald wieder mit Geld ein. 1319. Es entstand ganz plötzlich eine Judenverfolgung, der eine grosse Feuersbrunst folgte; denn man pflegte die Judenhäuser nach Mord, Totschlag und Raub anzuzünden. Schon die nächsten Jahre aber lieferten wieder Erträge der Judensteuer in die Breslauer Stadtkasse. Früher hatte sie sich auf etwa 30 Mark belaufen; 1326 waren es 165 und 1331 gar 366 Mark. Dieses Ansteigen hatte'gute Gründe: man musste die Juden immer wieder dulden, weil sie allein die von der christlichen Kirche verpönten, direkte Geldgeschäfte machten. Ferner darf nicht vergessen werden, dass zwischen 1226 und 1319 der grosse Wandel durch den Sieg über die Mongolen bei Walstadt in der Nähe von Liegnitz fällt, die Verwüstung des polnischen Breslau und die beginnende Konsolidierung des deutschen Breslau. Diese deutsche Stadt erstreckte sich von der Oder bis etwa zur Jungherrenstrasse (Junkernstrasse) und von der Adalbertkirche über den Ring nach Westen (später bis zur Ohle). Im Westen gab es den sogenannten “Hiersewinkel” (Röhrgasse) mit der neuen “Judenschule”, also dem Tempel. — Der erste jüdische Friedhof befand sich in dem spitzen Winkel, den die Ohlische Strasse (Ohlauerstrasse) mit der Stadtohlau (Kaetzelohle) bildete. Die Gegend hiess zu unserer Zeit: Ketzerberg. Er wurde aber bald nach der Strehlener Landstrasse verlegt. Die muss früher schon in der Innenstadt begonnen haben; denn die Strehlener Strasse unserer Zeit jenseits der Hubenstrasse war vom alten Breslau unmässig weit entfernt. Gemeint ist also sicher der sogenannte alte jüdische Friedhof am Fränkelplatz, dessen Rest erhalten war und den wir alle noch kannten. Er hat sich ein halbes Jahrtausend erhalten und wurde im 19. Jahrhundert von dem Friedhof an der Lohestrasse abgelöst. Der letzte Friedhof befand sich im äussersten Westen der Stadt, in Cosel, gegenüber dem Gandauer Exerzierplatz. Auch dies nebenbei. 1348. Um diese Zeit tauchte zum erstenmale in Osteuropa ein unheimlicher Gast aus Asien auf, den man den “Schwarzen Tod” nannte, die Pest. Man sah in ihr eine himmlische Heimsuchung, und um Busse zu tun, schlossen sich Gruppen von Männern zusammen, die sich mit Geisselhieben den Rücken zerfleischten. Man nannte sie “Geisselbrüder” oder Flagllanten; sie selbst nannten sich “Kreuzbrüder”. 1349 gelangte ein solcher Schwarm von religioes und körperlich erregten Menschen von Ungarn her nach Schlesien. Am 28. Mai 1349 loderten plötzlich mehrere Judenhäuser auf der Jüdengasse (Ursulinerstrasse, wo sie die Schmiedebrücke kreuzt) in Flammen auf. Die Feuersbrunst griff um sich und verbreitete Entsetzen und Verwirrung. Mittlerweise brach eine Poebelbande, vermutlich der Abschaum der nicht aus der Stadt verjagten? Geisselbrüder, in die Häuser der Juden ein, raubte sie aus, ermordete viele Bewohner und warf den Brand auch noch in die stehengebliebenen Häuser. Der Rat der Stadt Breslau versuchte dann eine Mohrenwäsche der Breslauer und schob alle Schuld auf die fremden Vagabunden, indem er erklärte, durch den Brand der Judenhäuser selbst grossen Schaden erlitten zu haben. 1351. Es müssen aber wohl viele Juden mit dem Leben davongekommen sein; denn in diesem Jahre machte der Rat schon wieder eine Anleihe von 500 Mark (damals eine sehr grosse Summe Geldes) bei Breslauer Juden. — Jedoch: im allgemeinen machten sie Miene, nach der entsetzlichen Erfahrung, die sie gemacht hatten, nach Schweidnitz auszuwandern, wohin man sie eingeladen hatte. Die Breslauer beschwerten sich darüber und sagten, es seien doch alle Versprechungen, die man gemacht habe, getreulich gehalten worden. In der Tat scheint es gelungen zu sein, die misstrauisch Gewordenen durch neue feierliche Schutzbriefe in Breslau zurückzuhalten. Es bestand damals eine merkwürdige Situation die Juden betreffend: man konnte nicht mit und nicht ohne sie leben. Man konnte die von der Kirche Verfemten für den Geldverkehr nicht entbehren. So beneidete eine Stadt die andere wegen ihrer Juden, und man versuchte, sie sich gegenseitig abspenstig zu machen. Hatte man sie aber und waren sie reich geworden, dann schlug man sie tot und plünderte sie aus. Aber die Unentbehrlichkeit erklärt es, dass die Juden trotz Ausplünderugen und Verfolgungen doch immer wieder auf ihren alten Wohnstätten erschienen, um leider stets neue, trübe Erfahrungen zu machen. 1360. “Der schwarze Tod”. Die Pest in Schlesien. Es taucht das Greuelmärchen auf, die Juden hätten die Brunnen vergiftet und dadurch die Seuche bewirkt. Ergebnis: Judenverfolgung, Brandstiftung. Diesmal aber hatten die Pogromisten kein Glück: das Feuer wütete die ganze spätere Schmiedebrücke entlang bis zum Ringe und zerstörte dort Häuser. Das war am 25. Juli 1363. — Schon im nächsten Jahre 1364 verordnete der Rat der Stadt Breslau, dass alle verbrannten Häuser am Ringe aus Steinen oder Ziegeln neu gebaut werden müssten. — Eine weitere böse Folge dieses wüsten Geschehens war eine furchtbare Teuerung. 1397. Wiederum waren die Juden an die Stätte des Gemetzels zurückgekehrt und spielten bereits wieder als Geldgeber eine grosse Rolle. Sie s'tanden in innigem Verkehr mit der Breslauer Kaufmannschaft und selbst mit dem Rate. — Namen: Joseph von Schweidnitz, Helyn (Elias). Jakob von Kalisch, die mit dem Breslauer Rate Geldgeschäfte machten. Ferner: Beneschius, Isaak von Schweidnitz, Lazarus und Israel von Striegau. Man sieht, dass sich auch in den kleineren schlesischen Städten wohlhabende Juden befanden, vor allem in Schweidnitz. 1420. Es muss nun festgehalten werden, dass ein grundsätzlicher Wandel in der Beziehung zu den Juden eingetreten war. Hatte man es im 14. Jahrhundert den niederen Klassen überlassen, zuweilen die Juden auszurauben und totzuschlagen, sodass Kaiser Karl IV. gegen solche Scheusslichkeiten auftreten musste, so war das im 15. Jahrhundert anders geworden. Jetzt erst kam sozusagen System in die Sache. Nim hielten es nämlich die Stadtöbrigkeiten für erlaubt, die reichen Juden zu schröpfen. Der Chronist sagt, das habe mit dem damaligen Stande der Moral zusammengehangen und mit dem durch den Hussitismus stärker gewordenen Ketzerhasse. Auch habe es im Zuge der Zeit gelegen, dass man die Wegelagerei und Freibeuterei in einem milderen Lichte ansah. 1420 also weilte Kaiser Sigismund in Breslau und befand sich in arger Geldnot. So ballte sich ein neues Gewitter über den Breslauer Juden zusammen. Und zwar gab Sigismund selbst den Befehl zur — wie es heisst — “Brandschatzung dieser vielgehetzten Parias der mittelalterlichen Gesellschaft”. Er liess also die Juden gefangennehmen und ihren Besitz ins Rathaus bringen. Schon ein Jahr später wurde gewissen Juden, die als Bankier des Rates eine grosse Rolle spielten, wie z.B. Helias, Michel von Reichenbach, Jakob von Breslau u.a. ein Teil des Weggenommenen wiedererstattet. Doch einen andern Teil von “der Juden Geld und Kleinod, das auf dem Rathaus liegt”, nahm noch im Herbst 1421 der Kaiser in einem Schreiben an den Rat in Anspruch. Es finden sich in den Jahren 1421 und 1422 zahlreiche Quittungen von Breslauer Juden, die durch ihre Fassung den Verdacht erregen, es sei keine Zahlung geleistet worden. Michel von Reichenbach wurde gar erst 1424 aus dem Gefängnisse entlassen und erklärte zugleich, keine Forderungen an den Bischof zu haben. Mitte des 15. Jahrhunderts nahm das “Schätzen” der Juden immer üblere Formen an. Manche aber liessen es sich nicht gefallen, z.B. der “hinkende Mosche” von Liegnitz. Es gibt da tolle Einzelheiten, die hier nicht aufgeführt werden können. 1453. Dies ist das Jahr der schaurigsten Judenkatastrophe im Breslau der frühen Zeit. Es kreist um den Namen des verfluchten Hetzmoenches Johannes von Capistrano, wohl dem wütendsten Antisemiten, der jemals in Breslau sein Unwesen trieb. Er muss hypnotische Kräfte besessen haben. Der Schauplatz seiner berühmten Predigten war der Salzring (Blücherplatz). Aber auch im Dome hielt er private Predigten für die Geistlichkeit. Er soll 25 Wunder getan haben, es seien viel mehr gewesen. “Wohl vier bis zehnmal soviel wurden in dieser christlichen Stadt wunderbar geheilt, die unter allen Städten Deutschlands die grösste Neigung und Ehrfurcht gegen Capistrano geäussert, daher er auch sie vor allen anderen Städten geliebt und ihrer oft in seinen Schriften gedacht”. Er hatte sie “seine liebste Stadt auf dem Erdkreise” genannt. Capistrano war ein Begeisterter, dabei ein Asket und demütig trotz der hohen Ehren, die er in Breslau genoss. Wenn er ausging, um Kranke zu heilen, die Messe zu lesen oder zu predigen, begleiteten ihn die Vornehmsten der Stadt wie auch die Geistlichkeit mit brennenden Kerzen. Schliesslich kam, was kommen musste: die Diffamierung der Juden. Das Märchen von der Forts. S. 3 2