Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1970
- Issue
- No. 27 (April 1970)
- Date
- 1970-04-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Louis Lewin 1868-1941 Louis Lewin, Rabbiner, Ph. D. Historiker, Bibliographer und Bibliophile wurde am 29. Dezember 1868 in der kleinen Stadt ZNIN, in der früheren deutschen Provinz Posen, geboren. Seine erste Grundlage in jüdischen Dingen erhielt er von seinem Vater, einem Kaufmann, der gut im Talmud versiert war und von dem lokalen Rabbiner Elia Jacob Haim. In Frankfurt a/M auf gewachsen, an der Hochschule immatrikuliert setzte er seine jüdischen Studien bei Rabbiner Markus Horowitz fort. Später an der Berliner Universität zugleich am Hildesheimerschen Rabbinerseminar erhielt er 1895 seine “Semicha” (Rabbinerdiplom.) Bereits 1893 erwarb er an der Heidelberger Universität seinen Dr. Phil, über “Rabbi Simon ben Jochai” die erste Dissertation, die in Frankfurt 1893 gedruckt wurde und von einer deutschen Universität angenommen worden ist. Als Rabbiner am Beth Hamidrasch in Inowrazlaw (Hohensalza), Pinne, Posen ging er an die Gemeinde Kempen i/Posen, wo der berühmte Malbim wirkte. 1920 wurde er unter 50 Anwärtern als Rabbiner nach Kattowitz (Oberschlesien) berufen, 1925 übersiedelte er nach Breslau, leitete das Jüdische Bildungsinstitut, war Rabbiner der “Abraham Mugdan Synagoge” bis 1939. Seine wöchentlichen Vorträge im “Machsike Thora” waren ausserordentlich beliebt. Als wissenschaftlicher Berater für das Jüdische Museum schrieb er unzählige Beschreibungen über rituelle und Kunstgegenstände, die in dem gut illustrierten Katalog 1929 enthalten sind. Als der Dozent des Jüdischen Theologischen Seminars in Breslau Dr. Israel Rabin nach Palästina auswanderte wurde er ausgewählt den “Talmud Schiur” für eine bestimmte Zeit dort fortzusetzen. Ausser den funktionellen Tätigkeiten eines Rabbiners, Predigen, Rituelle Entscheidungen, Wohlfahrt benützte er seine Ruhestunden zum Schreiben vieler historischer Werke. Anfang 1939 siedelte er statt hach England zu gehen nach Bne Brak über, wo er seine Studien fortsetzte, seine Gemarah “Daf Jomi” mit einem seiner früheren Kollegen lernte und am 22. Dezember 1941 verstarb. Er machte sich einen Namen als Historiker des Osteuropäischen Judentums, besonders der früheren deutschen Gemeinden der Provinz Posen. Er schrieb die Geschichte der Gemeinden Lissa, Posen, der Chewra Kadische Breslau, Beiträge über Inowrazlaw (Hohensalza), Krotoschin, Pinne, die alle in Posen gelegen sind, Auras, Breslau und Zülz (Schlesien). Es ist unmöglich im Form dieses Artikels all die vielseitigen Arbeiten aufzuzählen, die Dr. Louis Lewin herausbrachte. Er war Mitarbeiter der “ Jewish Encyclopedia, New York — London, Jüdisches Lexicon und Encyclopedia Judaica, Heppner Herzberg “Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden in den Posner Landen”, Germania Judaica, Zeitschrift für jüdische Familienforschung und Wörterbuch des Deutschen Volkstums” Topic “Ost Judentum” Leipzig 1932. Er schrieb meistens in seiner deutschen Muttersprache aber auch in fliessendem Hebräisch in Correspondenz mit bedeutenden Gelehrten u. Rabbinen in der ganzen Welt. Er besas ausser seiner Manuscript Sammlung eine Bibliothek von ungefähr 15.000 Büchern, die ihm eine unerschöpfliche Quelle von Freude und Befriedigung gaben und ihn aus den Sorgen des Alltages befreiten. Bei all dem war er ein ganz bescheidener Mann und erzog seine Kinder in seinem Geiste. Einer seiner Söhne ist Rabbiner Dr. Daniel Lewin in Canada lebend. Secher Zaddik Liwracha. Rabbiner Dr. Moritz (Mosche) Freier s.A- Moritz (Mosche) Freier kam aus Schildberg (Provinz Posen) nach Breslau. Er besuchte hier das Johannes-Gymnasium. Seit dieser Zeit waren wir befreundet. Man sollte es kaum für denkbar halten, dass der Gymnasiast noch längere Zeit Sorgenkind für den Deutschlehrer war; denn sein Stil im deutschen Aufsatz liess noch zuviel “jüdisches Städtel” nachklingen. Der Lehrer erkannte aber damals die tiefen Gedanken und den Wert des Schülers und nahm sich seiner persönlich an durch gemeinsames Lesen literarischer und stilistischer wertvoller Lektüre. Dank seines Fleisses und seiner eisernen Energie erreichte er es, dass er ein journalistisch ausgezeichneter Schreiber und hervorragender Sprecher wurde. Seine theologischen Studien absolvierte er im Breslauer Rabbiner-Seminar. Wegen seiner Fähigkeiten wurde er vom Lehrerkollegium geschätzt und zwar noch als Kandidat wurde er mit den Festpredigten zu den “Hohen Feiertagen” beehrt. Nach Absolvierung des Seminars wurde er Rabbiner in Eschwa>je, dann Oberrabbiner in “Bulgarien”. Da er aber in seinen Predigten politische Momente einwob, musste er das Land verlassen. Nach längerer rabbinischer Untätigkeit — jedoch nach Veröffentlichung umfangreicher und wertvoller Abhandlungen namentlich in der Presse — fand er seinen endgültigen Amtssitz in der “Alten Synagoge Heidereutergasse Berlin”. Seine Predigten waren ein Erlebnis für die Beter. — Als er im Zuge der Hitlerzeit auch diese Kanzel aufgeben musste ging er in die Schweiz, wo er sich namentlich in Zürich einen Kreis von Verehrern schuf. Am liebsten aber widmete er sich splendid islation seinen Studien. Aber immer zog es ihn, den alten Vorkämpfer der Misrachibewegung in seine Heimat Israel. Seinen Lebensabend verbrachte er bei seinem fürsorglichen Sohn, der am Weizmanninstitut Rechowoth tätig ist. Wer die Treue des Verstorbenen kannte, vergisst ihn nicht. Secher Zaddik Liwracha. Dr. William (Seew) Boss, T.-A. Zum Andenken an Rabbiner Dr. Hugo Klein Es ist schwer, sehr schwer, eines Jugendfreundes, eines Weggenossen in langen Jahrzehnten zu gedenken, der unter friedlichen Verhältnissen noch heute hätte wirken und jetzt auf achtzig Jahre seines Lebens zurückblicken können, wenn nicht die Schergen Hitlers ihn vernichtet hätten. Hugo Klein, dessen Vater religiös, man könnte sagen orthodox war, wurde im Frühjahr 1890 in Berlin geboren und wurde mit vier Brüdern und drei Schwestern im traditionellen Elternhaus und in der Religionsschule Adass Jisroel in die Quellen des Judentums eingeführt. Nach schweren inneren Kämpfen entschloss er sich 1909, die liberale Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zu besuchen, und bestand dort kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs das Rabbinatsexamen. Schon ein Jahr vorher hatte er in Würzburg mit einer Dissertation; “Das Klima Palästinas in der Mischna” promoviert. Anfang 1915 wurde er zum Rabbiner in Hirschberg (Schlesien) berufen. Seine Tätigkeit wurde durch seine Ernennung zum Feldrabbiner im Frühjahr 1918 unterbrochen. Er war zunächst in Rumänien, dann als Nachfolger von Dr. Sonderling in Lettland tätig. Bald nach Kriegsende wurde er zweiter Rabbiner in Chemnitz, ging von dort nach drei Jahren als akademischer Religionslehrer nach Breslau und einige Jahre später nach Berlin. In Verbindung mit seiner Lehrtätigkeit war er als Rabbiner in Hermsdorf, im Norden Berlins, tätig, wo sich eine Anzahl religiöser Juden, besonders in den Sommermonaten angesiedelt hatte. Die von ihm geleitete Synagoge hatte traditionelles Gepräge. Er war verheiratet mit Hertha, der Tochter des Eisenacher Landesrabbiners Dr. Josef Wiesen. Beiden war es nicht vergönnt, irgendwohin auszuwandern. Im September 1942 gingen sie im Osten, wahrscheinlich in Riga, zu Grunde. Rabbiner Dr. Neufeld Im Memoriam Dr. med. Erich Büchler war eines der 12 Kinder aus der in Breslau bestens bekannten Familie des Weinhändlers Heinrich Büchler. Der Vater war sowohl durch seine innige Frömmigkeit wie durch seine strenge Rechtschaffenheit im geschäftlichen Leben ausgezeichnet und sehr geachtet. Seine Familie war ein Muster echt Jüdischen frommen Lebens. Alle Kinder erhielten trotz der Grösse der Familie eine erstklassige Erziehung und Ausbildung. Ein Teil von ihnen erwarb sich akademische Gerade. Dr. Erich Büchler erwählte den Beruf eines Arztes und widmete sich mit grosser Hingabe seiner ausgedehnten Praxis in seiner Heimatstadt Breslau. Er war neben seiner privaten ärztlichen Tätigkeit als Arzt der städtischen Krankenkasse tätig, hatte seinen Wirkungsplatz in der “Tschepine”, einem Breslauer Vorort, in dem Arbeiter und Fabrikangestellte wohnten. Dort widmete er sich den ärmeren Patienten mit all der Fürsorge und menschlichen Anteilnahme, deren ein echt Jüdisches Herz fähig ist. Die drohende Ausschaltung aus der Krankenkassentätigkeit zwang ihn im Beginn der Naziherrschaft an die Auswanderung zu denken. Im Jahre 1936 wanderte er nach Amerika aus und eröffnete in New York nach einigen Monaten seine Praxis. Die Einordnung war im Anfang schwer, aber da er ein sehr guter und sorgsamer Arzt war, baute er sich wiederum eine gute Praxis auf und erwarb sich die Liebe und Anerkennung seiner Patienten. Sein Herz gehörte seinem Volke und trotz grosser beruflicher Inanspruchnahme nahm er sich Zeit, für den United Jewish Appeal zu arbeiten. Er selbst gab nach besten Kräften. Er gehörte mit zu den Gründern des Health Insurance Plan (HIP), einer Sozialversicherung, für die er bis seiner Pensionierung arbeitete. Er war, trotz liberaler Anschauungen, stark mit der Tradition des Judentums verbunden, hielt vieles von den Vorschriften des gesetzlichen Leben aufrecht. Es war seine besondere Freude, dass ihm die religiöse Erziehung, die er in seinem Elternhause erhalten hatte, befähigte, aus der Torah im Bethause vorzuleinen. Und wenn dies auch nicht oft geschah, er hat die in der Jugend erlernte Kunst nie vergessen. In New York erfreute er sich wie in Breslau grosser Beliebtheit unter seinen zahlreichen Freunden. Um seinen Verlust trauern seine Frau Ruth geb. Coleman, früher Nürnberg, seine verheiratete Tochter Peggy Steiner und Familie und seine fünf noch lebenden Geschwister, davon 4 in New York (Arthur, Alice, Edith, Toni) und eine Schwester in Tel Aviv, die Witwe des Prof. Alfred Fürst. Dr. Erich Büchler starb am 16. September 1969 in Los Angeles, Califomien im Alter von 80 Jahren. Er war dorthin ein Jahr zuvor aus Gesundheitsrücksichten übersiedelt, um in der Nähe seiner verheirateten Tochter und ihrer Familie zu sein. 13