Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1970
- Issue
- No. 27 (April 1970)
- Date
- 1970-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Vor genau hundert Jahren wurde auf der Synode in Leipzig 1869 beschlossen, die in Deutschland bestehenden, aber zersplitterten jüdischen Gemeinden in einem Gesamtverband zusammen zu schliessen, der den Namen Deutsch-Israelitischergemeindebund erhielt Es ist vielleicht kein Zufall, dass dieses Zentralisierungsbestreben zeitlich zusammenfiel mit dem Bestreben der Zusammenfassung der einzelnen deutschen Länder im deutschen Reich. Die mindestens theoretisch erreichte Gleichberechtigung der Juden gab den einzelnen Juden Rechte, liess aber die einzelnen Gemeinden ohne festen Zusammenschluss. Es ist das Verdienst, führender Juden, wie Professor Moritz Lazarus und Dr. Samuel Kristeller die einzelnen Gremien im Deutsch - Israelitischengemeindebund zusammengefasst zu haben. Man könnte meinen, dass es sich hier im Wesentlichen um Verwaltung- und Organisationsfragen handelt. Diese waren jedoch nur die Basis, auf der sich ein blühendes Gemeindeleben mit allen Institutionen, mit Fürsorge für Junge, Alte Und Schwache, mit ausgedehnter Wohlfartspflege entwickeln konnte. Auoi, wissenschaftliche Bestrebungen konnten sich mit seiner Hilfe entfalten, die Kommission für die Geschichte in Deutschland und die (alte) Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland winden gegründet und haben wertvolle historische Werke herausgegeben, z.B. Aronius, Regesten der Juden im Deutschen Reich. Salfeld, das Martrologium des Nürnberger Memorbuches. Von seinen Präsidenten seien die Professoren Martin Philippson, Salomon Kalischer und Moritz Sobernheim genannt. Der Hauptzweck, der bei der Gründung vorschwebte, winde nicht erreicht. In vielen Jahrzehnten bemühten sich angesehene jüdische Juristen, wie Professor Heinrich Rosin in Freiburg u. nachher Rechtsanwalt Heinrich Machol in Königstein, (Taunus) ein angemessenes Statut für eine Qtsamtorganisation zu schaffen. Leider aber wurden ihre Vorschläge nicht angenommen, weil die verschiedenartigsten Bestrebungen unmöglich auf VON ANBEGINN (Forts, von i Seite 6) Eine Innenarchitekturabteilung der westlichen Länder wie Holland, Spanien, Italien ist ebenfalls vorgesehen, als Anschauungsmittel für den Geschichtsunterricht. Ein kostbarer französischer Salon des 18. Jahrhunderts ist bereits vorhanden. Das Bildermuseum, das auf Spenden von Sammlern und von Malern selbst, die in diesem Museum “eine Oase in Nahost” sehen, angewiesen ist, ist noch nicht reichhaltig. Mehrere Kunstwerke, deren Themen in Beziehung zur Bibel und zum Judentum stehen, sind bereits im Besitz des Museum. Ein erst wieder entdecktes Bild von Peter Paul Rubens stellt ergreifend den Kampf von Rossen und Reitern mit den Wassern des Roten Meeres dar. Wir finden eine Federzeichnung von Rembrandt: Die Heilung des Tobias, von Dürer einen Heiligen Hieronymus, den Loewen zu Füssen, Miniaturmalereien eines französischen Malers, die dramatische Szenen aus der Josephsgeschichte zeigen, ein berühmtes Portrait von Sasportas, der Sabbatai Zwi, den falschen Messias bekämpft hat. Auch einige weltberühmte Maler des 19. u. 20. Jahrhunderts besitzt das Museum: Cezannes: Haus am Fluss, Van Goghs herstliches Feld in der Provence, Soutin, 2 Gauguin-Südseebilder, ein klar gestaltetes Taubenpaar des grossen englischen Bildhauers Jakob Epstein, ein Bild der alten Stadtmauer von Jerusalem, in dem die Steine wirklich zu sprechen scheinen, von der grossen israelischen Kunstlererin Anna Ticho. I D J G B | DEUTSCH-ISRAELITISCHER GEMEINDEBUND 1925 zur Gründung des Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden führte. Die Schaffung einer Organisation für ganz Deutschland wurde erst aus der Not geboren, indem 1933 die Reichsvertretung der Juden in Deutschland gegründet wurde. einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. Jahrzehnte später erst ist es Dr. Ismar Freund, dem Syndikus der Berliner Gemeinde, gelungen, wenigstens für Preussen die Grundlage einer Gesamtorganisation zu schaffen, die dann Ein weitbekanntes und vertrautes Handbuch hat der DIGB in dem Handbuch der Jüdischen Gemeindeverwaltung geschaffen, das vor 1914 fast in jedem Jahre, später selten, erschien. Rabbiner Dr. Neofeid “VOUS RESTEZ ICI” Oder die "Schweiz als Flüchtlingsasyl im letzten Weltkrieg" Ihr Mann, ein berühmter Laryngologe aus Wien, war, als die Deutschen Paris besetzt hatten, wohin das Ehepaar aus Österreich geflüchtet war, auf der weiteren Flucht nach Südfrankreich in den Armen seiner Frau am Herzschlag gestorben. Die Witwe fand ein Unterkommen bei mitleidigen Franzosen in der Nähe von Nizza. Dort war sie geborgen, bis die Nazis auch Südfrankreich besetzten und auf die dort befindlichen Flüchtlinge Jagd machten. Ihres Bleibens war dort nicht mehr. Gerüchte waren zu ihr gedrungen, dass französische Fischer von Evian aus Flüchtlinge nachts in Booten über den Genfer See rüber in die Schweiz schmuggelten. Sie fuhr also nach Evian, um sich von dort nach der Schweiz übersetzen zu lassen. Zu ihrer Enttäuschung war aber dieser Schmuggel grade zu Ende gegangen. In der Nacht vorher waren Fischerboote mit Flüchtlingen von der Schweizer Polizei auf dem See abgefangen worden, wobei Flüchtlinge ums Leben gekommen waren. Mit dieser Möglichkeit, die Schweiz zu erreichen, war es also aus. Nun erboten sich französische Die Moderne verkörpert sich in einem in expressionistisch - kubistischer Manier dargestellten Rabbi von Chagall, einem Studienfenster von Picasso und führt weiter zu den wichtigstens Israel Malern wie Zaritzky, Tumarkin, Arikha und Ardon. Die andere Kunstform, die Bildhauerei wurde im Billy Rose-Garten, der seine grosse Skulpturensammlung dem Museum vermacht hat, im Freien zwischen Terassen und Oelbäumen eindrucksvoll aufges teilt. Eine besondere Jugendabteilung mit Hörsaal, Studios und Werkstätten ist dem Museum angegliedert worden, in der gegenwärtig — nach Erscheinen des Museumbuches — 1500 Schüler in verschiedenen Arbeitskreisen unterrichtet und angeleitet werden; auch arabische Jugendliche nehmen teil. Die sich mit der dramatischen Kunst beschäftigenden Arbeitsgruppen beginnen beim Puppentsheater, Jerusalem Post zeigte 20.9.69 ein Bild aus diesem Museumskomplex. Kinder kostümieren Puppen, andre beginnen das Spiel im Halbrund der Puppenbühne. Die Leitung des Jugendmuseums versucht Jugendlichen und Kindern von Einwandrern, die ja aus verschiedensten Kulturkreisen stammen, dadurch dass sie das gleiche Erziehungssystem durchlaufen, eine Basis zu geben, auf der sie in eigengewachsener Kultur einst schöpferisch werden können. Seit dem Erscheinen des Museums-Albums wurde bereits der Grund für eine sechste Abteilung, für die Schaffung einer Kunstbibllothek, gelegt. Hanna Evenari (Anni Löwenstein, Ramat Chen) Bergführer, die Gruppe von jüdischen Flüchtlingen, die sich in Evian angesammelt hatte, über die Berge nach der Schweiz zu Fuss zu führen. Den Hitlerflüchtlingen — 12 im ganzen — blieb nichts übrig, als dieses Angebot zu akzeptieren und eine viel höhere Summe, als die Fischer verlangt hatten, zusammenzuschiessen. Oben, hoch in den Bergen angelangt, wiesen die Führer den Unglücklichen die Richtung nach der Schweiz und verschwanden dann , da sie selbst Schweizer Boden nicht zu betreten wagten. Die Witwe übernahm die weitere Führung und fand auch den richtigen Weg in die Schweiz, aber leider nur, um dort mit allen anderen der Schweizer Grenzwache in die Arme zu fallen. Die Schweizer Grenzsoldaten brachten alle 12 zunächst in eine nahe Schutzhütte und vernahmen sie dort einzeln über ihre Person, Herkunft und Ziel. Die Arztwitwe wurde wie alle anderen auch gefragt, ob sie Verwandte oder gute Freunde in der Schweiz hätte. Sie konnte gute Freunde in Zürich benennen. Dann wurde die Gruppe ins Tal geführt und über Nacht in einem kleinen Ort ln einem Hotel unter Verschluss untergebracht. Am Morgen führte man alle in einen eingezäunten Hof bei dem Hotel, wo am Gittertor Schweizer Soldaten Wacht hielten. Jeder wurde einzeln aufgerufen und dann den Grenzsoldaten überwiesen. Als die Witwe an der Reihe war, wurde ihr zugerufen: “Vous restez ici!” Sie war die einzige, die in der Schweiz bleiben durfte, weil die anderen offenbar dort keine Verwandte oder Freunde hatten. Alle anderen — 11 Personen — wurden den Hitlerhäschem Uber die Grenze ausgeliefert und sind elend umgekommen. Die Witwe aber kam mit dem Leben davon und lebt heute in New York. So hat leider die Schweiz zum unseligen Ende vieler Flüchtlinge beigetragen, die von dort ausgewiesen einem tragischen Lose zum Opfer gefallen sind. Dr. Ernst Warschauer New York ¥ ADOPTION DER GEMEINDE BRESLAU Das Beth Sefer Hatichon Hadati, Kfar Ata (Religiöses jüdisches Gymnasium in Kfar Ata (Israel) hat die Gemeinde Breslau adoptiert. Die Schüler sammeln Material über die Institutionen, das jüdische Leben etc. der Gemeinde, besuchen ehemalige Mitglieder aus Breslau, schreiben Aufsätze und es wird ein “Gedenkbuch” über die Gemeinde herausgegeben werden. Wir bitten alle Mitglieder und Freunde, die Material in Händen haben oder sonst etwas über die Gemeinde wissen, jeder in seiner Art und in seinem Gebiete das leihweise zur Verfügung zu stellen. Anschriften: Direktor Efrajim Jonai, Bet Sefer Hatichon Hadati, Kfar Ata (Israel) oder an Erich Lewin, Ramat Gan, Mazadastr. No. 27. 7