Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1970
- Issue
- No. 27 (April 1970)
- Date
- 1970-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BÜCHERSCHAU: Von Anbeginn. Vier Jahrtausende Heiliges Land Im Modernsten Museum der Welt Das Israelmuseum in Jerusalem wurde 1965 eröffnet. Der Verlag Hoffman und Campe, Hamburg, der einst der Verleger Heines gewesen ist, hat einen ungewöhnlich schönen Bildband über das Museum veröffentlicht. So kann dieses einzigartige Kulturinstitut auch ausserhalb Israels mehr bekannt werden. (Englische Ausgabe bei Weidenfeld & Nicolson, London). Das Museum wurde erbaut in dem landschaftlich eindrucksvollen Bezirk im Westen Jerusalems, in dem Berge und Taeler den Blick freigeben auf die Universitätsgebäude, das Observatorium, die Universitätssynagoge. Auf ansteigendem Gelände ragt das neue Knessethgebäude empor und tief im Tale reicht der Blick hinab bis zum aus byzantischer Zeit stammenden kuppelgeschmückten Kloster Johannes vom Kreuz. Das Kulturinstitut besteht aus fünf verschiedenen Museen: Das Biblisch-archaeologische Musseum, das Bezallel National Museum, der Schrein in der Schrift, das Jugendmuseum, der Billy Rose Garten der Skulpturen. Die Architekten konstruierten den Grundriss in der Weise, dass auch künftige Erweiterungen in den Plan einbezogen werden können. Das Museum soll eine Kontinuität schaffen von der Zeit der Erzväter, Könige und Propheten durch die Zeit der Galuth bis zur Neuzeit und Wiederaufrichtung Israels. ★ Von den verschiedenen Facharbeitern gibt. P. P. Kahane einen Überblick über das Archaelogische Museum. In der Zeit der britischen Mandatsregierung waren Ausgrabungen im Rockfeller Museum gesammelt worden. Während der Zeit des geteilten Jerusalems waren diese Sammlungen nicht zugänglich. Der reiche Schatz, der im Israelmuseum gesammelten Ausgrabungen stammt aus der kurzen Zeit seit der Staatsgründung. In hervorragender Reproduktion sehen wir Werkzeuge der Steinzeit, die südlich von Tiberias gefunden wurden, wie Kugelsteine, die als Waffen dienten, Steine mit deutlicher Schneidekante, erste Menschendarstellungen, Muttergottheiten, Eber, die als magische Symbole zur Erhöhung der Jagdbeute wurden. Die Figuren in ihrer religös-magischen Bedeutung zeigen, wie aus dem kultisch-religiösen Bereich die Kunst aufwächst. Die zahlreichen Funde von Tongefässen werden in dem umfassenden Bildband als Überreste einer späteren Kulturstufe von bereits sesshaft gewordenen Völkern gedeutet. Jägervölker hätten die Tongefässe auf ihren Zeugen nicht brauchen können. Die Sammlungen schreiten fort zu Kupfer- und Metallgegenständen. Wir sehen Kronen und Zepter, die mit metallgegossenen Geweihen von grosser Formschönheit verziert sind. Aus der kanaanäischen Epoche sind eindrucksvolle Funde abgebildet: erwähnt sei eine steinerne Abgussform der dreifach-gehörnten Starte-Göttin, die bei Naharia in kanaanäischen Tempelresten gefunden wurde. Ebenfalls aus dem Nordbezirk stammt einer der grossen Steinlöwen, die das Tempeltor von Chazor flankierten. Der Körper des Basalt-Löwen ist reliefartig gestaltet, während der Kopf vollplastisch hervorragt. Chazor, das zwischen Rosch Pinah und Kirjath Schmoneh liegt und die Strasse von den syrischen Höhen bis zum Meer beherrschte, ist nach der Staatsgründung auch wieder besiedelt worden. Eine Konservenfabrik, die die Fruchterträgnisse der umliegenden Kibbuzim verarbeitet und Neueinwanderern Arbeit gibt, wurde dort eingerichtet. In dem mehrmals als Schlachtort in der Bibel erwähnten Megiddo, durch das die Handelsstrassen und Kriegszüge vom Zweistromland ins Niltal durchzogen, wurden Tontafeln mit Keilschrifttexten des Gilgamesch Epos ausgegraben, in denen die babylonische Sintflutgeschichte erzählt wird. Auch diese Tafeln sind abgebüdet. Nach moderner wissenschaftlicher Datierung fällt der Auszug der Bne Israel in die Regierungszeit von Ramses II, Ende des 13. Jahrhunderts vor der gewöhnlichen Zeitrechnung. Da die bildliche Darstellung nach der Gesetzgebung am Sinai verboten war, gibt es keine figürliche Darstellung. Doch Töpferarbeiten, Gebrauchsgegenstände aus der Zeit der frühen Könige Saul, David, Salomon 10. und 9. Jahrhundert sind in Tel Amal sichergestellt worden. Sie heben sich von den Tongegenständen der Philister, die aus dem kretisch-mykenischen Kulturkreis kamen und den Küstenstrich besetzten, deutlich ab. In der Königszeit ist der Einfluss der seefahrenden Phönizier, gegen den die Propheten gekämpft haben, bedeutend gewesen. Bezog, doch schon Salomo nicht nur Holz sondern auch Bauleute aus Tyrus. König Ahab, Omris Sohn, nahm Isebel, die Tochter des Königs von Sidon zur Frau. Reicher Schmuck, phönizische Glasemphoren, Kosmetikpalotte, Amulette, Webgeräte, die aus dieser Zeit stammen, sind abgebildet. Aus späterer Zeit sind Becher, Körbe, Pfeilspitzen, Sandalen, die Jigal Jadin in Massada fand, abgebildet. Münzen aus verschiedenen Jahrhunderten sind auf bewahrt; so ein Tonkrug, der mit Münzen gefüllt ist, die den Kopf Alexanders des Grossen tragen, eine Münze aus der Makkabaerzeit, die die erste bildliche Darstellung des siebenarmigen Leuchters zeigt, und auch die Münze, die die siegreichen Roemer prägten mit dem Bild einer Trauernden und der Inschrift: Judea Capta! Ein überraschend gut erhaltener Mosaikfussboden einer Synagoge in Beth Schan aus dem 6. Jahrhundert nach der christlichen Zeitrechnung, der einen Thoraschrein zeigt, ein Schmuckstück des Museums, ist abgebildet. ★ Über den eigenartigen Kuppelbau, in dem die im Jahre 1947 auf gefundenen Schriftrollen ihre Statt gefunden haben, berichtet Magen Broschi. Die sensationelle Entdeckung wirkte, als sei sie der Auftakt gewesen zum Beginn einer neuen Periode in der Existenz des Judentums, denn kaum ein Jahr später wurde der Staat Israel aufgerichtet. Diese, in den Khumran Höhlen in der Nähe des Toten Meeres gefundenen Manuskripte sind tausend Jahre älter als alle bisher bekannten hebräischen Schriftzeugnisse. Umfassungswände und Stufen in dem Pavillion sind mit behauenen Steinplatten belegt, um den archaischen Stil festzuhalten. Der innere Kuppelraum ist durch der Form angepasste enge Rundriefen gegliedert, die ein Gefühl einer lebendigen Ewigkeit erwecken. Die aufgefundenen Rollen sind das Buch Jesaia, eine zweite weniger gut erhaltene Rolle des Jesaiabuches und vier Sektenschriften, von denen der “Kampf der Söhne des Lichts mit den Söhnen der Finsternis” grosse Diskussionen in Forscherkreisen ausgelöst hat. Auch die am Fundort Massada, der Felsenfestung, die der letzte Zufluchtsort vor den römischen Legionen gewesen ist, aufgefundenen 14 biblischen, apokryphen und Sekten entstammenden Schriftrollen, und der Briefe aus dem Barkochba Aufstand sind hier aufbewahrt. Der Museumsbildband zeigt auch Gruppen von Freiwilligen aus aller Herren Länder, die unter Leitung von Jigal Jadin halfen, Massada freizulegen. ★ Über die Museumsabteilung: Jüdische Tradition in der Kunst schreibt Karl Katz: Diese Sammlung von Kultgegenständen zeigt, wie in der fremden Umgebung der Diaspora beeinflusst von ihrer Formenwelt, aber erfüllt vom Sinn der Lehre, sich das Judentum fortsetzt von Geschlecht zu Geschlecht. Von der griechisch-römischen Aera bis zur Zeit der Gothik und Renaissance klafft eine Lücke von Jahrhunderten, die die Zerstörungen und Vertreibungen in Altertum, Mittelalter und Kreuzfahrerzeit verschuldet haben.Erst spät beginnt die Zeit von aufbewahrten (nicht ausgegrabenen) Sakralgegenständen. Nach der Zerstörung Jerusalems und dem Aufhören des Opferdienstes, war an dessen Stelle das Gebet in der Synagoge (griechische Bezeichnung für Versammlungsort) getreten und in ihr bildete der Thoraschrein das Zentrum des Gottesdienstes. An einigen Beispielen sei aufgewiesen, wie am Stil der Kunstgegenstände der Herkunftsort erkennbar wird. So erhielt das Museum eine Synagogentuer des 13. Jahrhunderts im Ornamentenstil eines fatimidischen Khalifenpalastes, die aus Fustat in Aegypten stammt. Ein winziges Bethaus in barokkem Stil von 1701 aus Vittoria Veneto, einem von Juden verlassenen italienischen Städtchen, wurde in Teilen verpackt nach Jerusalem gesandt und dort wieder aufgestellt. Ein Thoraschrein aus dem 17. Jahrhundert aus Krakau, der aus Blei und Holz gearbeitet und reich mit Inschriften und Sakralengegenständen verziert ist, wurde von Kunst- Sammlern gestiftet. Auf die prachtvolle Ausgestaltung von Thoramantel, Kronen, Brustplatten, und Lesezeigern hat sich die Kunstfertigkeit naturgemäss konzentriert. Eine aus Nordafrika stammende Thorarolle trägt als Kronen zwei Minarette! Die Gewürzbüchse, die bei der Trennungszeremonia zwischen Ruhetag und Arbeitstag am Ausgang des Schabbath eine Rolle spielt, sehen wir in mannigfachsten anmutigen Formen, ebenso goldene Kidduschbecher und silberne Schabbathlampen des 17. und 18. Jahrhunderts. Der siebenarmige Leuchter des Heiligtums durfte nach der Tempelzerstörung nicht nachgebildet werden. Man wählte deshalb die achtarmige Form der Chanukiah. Einer dieser Leuchter zeigt deutlich den Anklang an eine französische Kathedrale mit Fensterrose und Arkaden. Eine andere zierliche Menorah, die aus Augsburg stammt, trägt an der Spitze eine Judithgestalt mit dem Schwert und dem Haupt des Holofernes. Gross ist die Zahl der künstlerisch ausgeschmückten Hagadoth und Sederplatten, kostbarer Beschneidungsmesser, reichsvariierter Heiratsversträge (Kethuboth), ein Kupferstich von 1730 aus Nürnberg stellt eine Hochzeitszeremonie mit Trauhimmel und Musikanten dar. Ein silberner Schmuckkasten bildet Szenen aus dem Leben der jüdischen Frau ab, wie Brotbacken, rituelles Bad, Kerzenzünden. So begleiten geschmückte Sakralgegenstände das Leben des jüdischen Menschen bis zur Almosenbüchse beim Begräbnis. ★ Das Bezalel National Museum, über das Karl Katz im Kapitel “Kunst der Welt” berichtet, ist nicht nur ein Bildermuseum. Es besteht der Plan eine Abteilung, in der sich schon kostbare Stücke aus Persien befinden, wie ein Teller mit silbergetriebenem Adler, ein andrer auf dem eine Löwenjagd dargestellt ist, (6. Jahrhundert Sassanidenzeit) zu einem völkerkundlichen Museum des gesamten Ostens auszugestalten. (Forts. Seite 7) 6