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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1970-04-01 · No. 27 (April 1970) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1970
Issue
No. 27 (April 1970)
Date
1970-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Tel-Aviv zweieinhalb tausend Jahre WIE ist das möglich? Tel-Aviv hat doch erst vor wenigen Tagen seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert! ruft der Leser. Das ist richtig, aber die Geschichte unseres Volkes ist so überreich, dass sie für ihre Forscher immer wieder neue Überraschungen bereit hält. Auf einem Pult meiner Bibliothek hält sich bescheiden im Hintergrund ein jüdischer Kalender, der unter Mitwirkung hervorragender Schriftsteller und Historiker im Jahre 1858, d.i. vor 112 Jahren, in Wien erschienen ist. Eine der interessantesten Beiträge des Buches, den der berühmte Historiker Heinrich Graetz geschrieben hat, führt den Titel: “Der Prophet von Tel-Aviv”. Vom Propheten Jecheskel ist hier die Rede, der in fremden Bibelübersetzungen “Ezechiel” genannt wird, den wir aber, wie es sich schickt, bei seinem hebräischen Namen nennen wollen. Wer war dieser Prophet? Vor 2562 Jahren — wir uraltes, vornehmes Volk lieben es in Jahrtausenden zu zählen — hat das riesige Reich Babylon oder “Bavel”, wie wir es Iwrit nennen, das kleine Königreich Judäa besiegt und einen Teil seiner Bevölkerung in die “babylonische Gefangenschaft” verschleppt. In welch’ seelischer Verfassung unsere Vorfahren nach Bavel, dem sovjetrussischen Reich oder den Vereinigten Staaten des Altertums kamen, wiederspiegelt sich getreu im Psalm 137. Es heisst darin: "An den Strömen Bavels weilten wir, Ach weinten wir, wenn wir Zions gedachten! An Weidenbäumen dort hängten wir unsere Zithern. Denn dort verlangten unsere Zwingsherren von uns Lieder Und unsere Bedränger Freude: “So singet uns von Zions Sang!” “Wie sängen wir des Ewigen Sang Auf fremder Erde? Vergess' ich Dein, Jeruschalajim, Verdorre meine Rechte!” Aber allmählich siegte der nationale Lebensinstinkt und die Verbannten befolgten die Worte des Propheten Jirmijahu, der, bevor sie die Heimat verliessen, ihnen ans Herz legte, nicht zu verzweifeln. Sie sollen Häuser bauen, Gärten pflanzen und die Scholle bebauen. Viele von den Exulanten begannen sich mit dem ihnen fremden Handel und Gewerbe zu beschäftigen, wie dies vor einigen Jahren bei den Ausgrabungen einer amerikanischen wissenschaftlichen Expedition nachgewiesen wurde. Es scheint, dass die babylonischen Behörden mit den judäischen Verbannten gar nicht schlecht umgingen. Vor allem erlaubten sie ihnen, ihren Wohnort selbst zu wählen. Die Exulanten machten gerne Gebrauch von diesem Rechte, da sie nicht mit den übrigen Völkerschaften leben wollten — aus Furcht vor Vermengung mit ihnen durch Misch ehen und Götzendienst. Am Nebenfluss Kevar des Eufrat bauten sich die Judäer drei Städte. Die Namen aller drei erinnern an die Landwirtschaft: Tel-Aviv (Aehrenhügel), ferner Tel-Charscha (Ackerhügel) und Tel- Melach (Salzhügel). Der Prophet selbst liess sich in Tel-Aviv nieder und von dort aus entfaltete er seine erzieherische Tätigkeit. Dies ist auch die Antwort auf die Frage, woher unsere judäischen Vorfahren die seelische Kraft nahmen, der götzendienerischen Strömung im riesigen Reiche Widerstand zu leisten. Ihr Führer und Lehrer war der Prophet Jecheskel, den sie schon in Jerusalem kannten und verehrten und der jetzt mit ihnen das bittere Brot des Mi« ass. Von Dr. YOMTOV LUDWIG DATO Die Kraft seines seherischen Wortes erfüllte sie schon in der alten Heimat mit Bewunderung. Wie gewaltig schilderte er nur in seiner Vision den Haufen morscher Knochen, die das jüdische Volk symbolisierten. Sie hatten volles Vertrauen zum Propheten und zweifelten nicht daran, dass der Tag kommen werde, an dem sie in die alte Heimat zurückkehren würden. Hat der Prophet sogar schon die Pläne vorbereitet, wie der Opferdienst in dem zu Jerusalem aufzubauenden Neuen Tempel vor sich gehen werde, sodass sie bei ihrer Rückkehr in die Heimat sogleich mit der Errichtung des Heiligtums werden beginnen können. Nach den Weisungen des Propheten lebten sie streng nach den Geboten der Tora. Sie begingen feierlich den Schabbat und die übrigen Feiertage. Feierlich konnten sie — in Ermangelung des Heiligtums — keine Opfer darbringen. Das andachtsvolle Gebet trat an die Stelle der Opfer. Dasselbe taten ihre späte Nachkommen, als sie etwa fünfhundert Jahre später nach der Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer in die Verbannung ziehen mussten, wo die Synagoge an die Stelle des Tempels trat oder wie es der Prophet sagte: unsere betenden Lippen vertreten die Opferfarren. ★ Im Jahre 550 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, um das vierzigste Jahr der babylonischen Gefangenschaft, erschütterte eine ungeahnte Sensation Babylon, Persien und die Nachbarländer. Cyrus — oder Koresch, wie ihn die Bibel nennt — der junge König von Persien hat, nachdem er einige andere Länder besiegt hatte, dem riesigen babylonischen Reich den Krieg erklärt, das einst so mächtig war und in den letzten Jahren zu schwanken begann, und siehe da — zum grössten Erstaunen des Alten Orients — gelang es ihm, Babylon zu unterjochen. Unsere dort lebenden Verbannten atmeten auf und huldigten mit Begeisterung dem neuen Herrscher. Schon früher hiess es, dass die Juden mit grossen Hoffnungen seiner Regierung entgegensehen und dass ihn die jüdischen Propheten bereits nach den ersten Siegen den “Gesandten des Herrn” nannten. Koresch, der den Besiegten gegenüber immer grossmütig war, empfing mit Anerkennung die Huldigung der Verbannten. Kurz nach der Eroberung von Babylon erfüllte er die Bitte der Judäer und erlaubte ihnen, in die Heimat zurückzukehren und Jerusalem sowie den Tempel des Herrn, Letzteren aus den Geldern der persischen Schatzkammer, aufzubauen. Der 126. Psalm gibt uns ein Bild von der Stimmung der Exulanten: “Wenn der Herr zurückführt die Gefangenen Zions, werden wir sein wie die Träumenden. Da füllt sich mit Lachen unser Mund, unsere Zunge mit Jubel. Es sprechen die Völker: Grosses hat der Herr getan an diesen da! Grosses hat getan der Herr an uns: darum sind wir so froh! Führe zurück, Herr, unsere Gefangenen in das dürre Land”. Zur Zeit der Abwesenheit der Judäer haben allerlei Völkerschaften Jerusalem besetzt: Edomiten, die sich zwischendruch auch im Negew besetzt haben, Ammoniten, die vom gegenüberliegenden Jordan herüberkamen und anfingen, sich in der Heiligen Stadt auszubreiten, ferner Samaritaner und anderes Völkergemengsel. Diese Gruppen, die schon geglaubt hatten, dass sie sich für ewig in Jerusalem niederlassen können, betrachteten mit scheelen Augen die Rückkehr der ehemaligen Einwohner und versuchten, durch allerlei Gewalttätigkeiten den Wiederaufbau der Stadt und des Heiligtums zu vereiteln. Die Rückkehrer mussten daher mit grosser Kraft gegen diese Störungen ankämpfen. “In der einen Hand mit der Kelle und der Waffe in der anderen” gelang es ihnen die Stadt und den Tempel trotz aller hinterhältigen Angriffe und Widerstände aufzubauen. Der Prophet von Tel-Aviv hat recht behalten. Seine Voraussage hat sich erfüllt. •k Als 1909 die Stadt Tel-Aviv entstanden ist, bat Meir Dizengoff, der erste Bürgermeister der Stadt, Nachum Sokolow, einen der bedeutendsten Führer der zionistischen Organisation und ein gründlichen Kenner des hebräischen Schrifttums, einen wohlklingenden Namen für die neue Stadt ausfindig zu machen. Sokolow empfahl den Namen “Tel-Aviv”. Als er nämlich seinerzeit die hebräische Übersetzung des zionistisch - utopistischen Romans von Theodor Herzl “Altneuland” besorgte, gab er der hebräischen Fassung denselben Namen, dJi. Tel-Aviv. Es ist nicht bekannt, ob er den Stadtvätern den Ursprung des Namens erklärt habe oder nicht. Und so glaubt ein Grossteil der Israelis heute noch, dass Sokolow selbst den Namen erfunden habe. Wie dem auch sei, der Name Tel-Aviv klang sehr wohl, gefiel den Stadtvätem und er prägte sich sehr bald in das Bewusstsein des jüdischen Volkes und der Welt ein. Im Jahre 1948 wurde hier der Staat Israel proklamiert und einige Jahre hindurch hielt die Knesset hier ihre Sitzungen ab, bevor Israel seine Hauptstadt nach der Ewigen Stadt, nach Jeruschalajim verlegte. Tel-Aviv hat zwei Strassen, die das Andenken zweier fremder Könige verewigen, die zu ihrer Zeit den Juden erlaubten, in die alte Heimat zurückzukehren und sie aufzubauen: Hamelech Koresch-Strasse und Hamelech George-Strasse, unter dessen Herrschaft England die Balfour-Deklaration erliess. TRANSLATIONS TYPING DUPLICATING IN ANY LANGUAE nmu 26, ROTHSCHILD Blvd., TEL-AVIV. PHONE 612123 BÜCHER in sorgsamer und reicher Auswahl, hebräisch, englische und deutsch, neu und antiquarisch LANDSBERGER Inh. I. S. Pames TEL-AVIV, BEN JEHUDA STR. 9. Tel. 56330 4

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