Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1969
- Issue
- No. 26 (September 1969)
- Date
- 1969-09-01
- Page
- Seite 11 (sequence 2758)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/7411685-7412934-7412947--0259-7412958- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Erinnert Ihr euch noch? In vielen Folgen sind wir an Einzelheiten unserer lieben Heimat durch einen Quiz erinnert worden, so dass unser Gedächtnis wieder aufgefrischt wurde. Wenn ich ehrlich sein soll, so kam ich bei mancher Folge zu sehr wenig richtigen Antworten. Oft waren auch sehr spezielle Dinge gefragt, die ein Experte sicherlich leicht beantworten konnte, für unsere vielen Haimatfreunde aber wohl ebenso neu waren. Wussten doch bestimmt wenige Leser, wo sich zJB. Konsulate befanden. Für Auslandsfahrten hatten unsere Schlesier doch weniger Interesse, weil das liebe Heimatländchen so unendlich viele Schönheiten bot. “Bleibe im Lande”, das galt damals als Selbstverständlichkeit im Gegensatz zur heutigen Zeit, die den Hang in die Fremde hat. Nun will ich heute mal den Versuch unternehmen, unsere Heimatstadt an Hand von einigen Erinnerungen zu durchstreifen. Ob es wohl bekannt ist, dass vor über 35 Jahren in Breslau auf der Linie 2 der Strassenbahn der erste elektrisch beheizte Triebwagen mit der Nr. 2001 fuhr? In der Winterzeit war er besonders begehrt, da er wohl kaum Nachfolger erhielt. — Auf den grösseren Plätzen wie Benderplatz oder Matthiasplatz waren meist “Aufseher” zu finden. Diese von der Jugend ungern gesehenen Herren waren besonders auf Rollerfahrer oder Selbstfahrer scharf. Diese Kinderfahrzeuge wurden sofort aus dem Bereich des Platzes verbannt. Da gab es auch keinen Pardon, wenn die Eltern dabei waren. In diesem Fall spreche ich aus eigener Erfahrung, weil mir dies an Sonntagen auf dem Benderplatz in Begleitung meines Vaters passierte. — Bei Pedro Coli auf der Schweidnitzer Strasse waren viele unserer Leser bestimmt. Die gemütlich eingerichteten Räume waren durch Aquarien verschönt. Wissen Sie aber noch oder überhaupt, dass es damals 2 Sorten Obstsalat zu bestellen gab? Der billigere Salat enthielt Bananen, während der andere mehr Apfelsinen und Weintrauben bot. In zwangloser Folge boten die Städtischen Bühnen im Verein mit Opernhaus und Schauspielhaus bunte Abende im Konzerthaüs, an denen man die Künstler mal “in Zivil” bewundern oder auch “anhimmeln” konnte. Diese Abende waren sehr schnell ausverkauft, weil sie so beliebt waren. “Jede Nummer ein Treffer, die Ansage hatte Manfred Schaffer” hiess es am Schluss. Ob wohl ein Leser auch unter den Zuhörern war? (Forts, von Seite 10) Die Industriestadt Beuthen schaun....” Man kann sagen: juedische Selbstverspottung. Das war es gewiss, aber es war wenigstens humorvoll, und man lachte ueber seine Fehler, waehrend man doch heutzutage ueber seine Fehler nicht einmal mehr weinen kann. •k Es ist kein Zufall, dass auf den Spruchtafeln im “Roesnergrund” soviel vom notwendigen Frieden der Seele die Rede war. Schon damals, wenn auch in beschraenktem Masse, begann ja die Friedlosigkit der modernen Menscheit, die seelische Heimatlosigkeit, ihre “Unbehaustheit”, tun mit Martin Buber zu reden. Und diese Friedlosigkeit des modernen Menschen, diese tiefe Lebensunsicherheit, die hat der kleine Ort Charlottenbrunn durch das “Parkschloesschen” jeweils fuer kurze Tage besser gebannt als so manches Weltbad. Es war eine beglueckende Illusion von “einem Glueck, das ohne Reu”, die der kleine Kurort gefoerdert hat, in ihm das “Parkschloesschen” mit unserem guten, alten Schorschi Potsdamer: “Meine Gaeste...“ WALTER B. GOLD STEIN. Da wir gerade beim Opernhaus sind, wollte ich daran arinnern, dass unser so beliebter lyrischer Bariton Kurt Gester jetzt am Opernhaus in Düsseldorf ist. Nun lasst uns zum Hauptbahhof gehen. Dort war in der Bahnhofshalle ein Damen- und Herrenfriseur. Für Herren war das Geschäft morgens ab 7 Uhr geöffnet. Bestimmt aber ist es wenig bekannt, dass man dort bei grossem Andrang zur Bedienung der Herren Nummern ausgab, um die Wartezeit zu verkürzen. Heute ist man bei manchen Ärzten nach über 35 Jahren auch schon so weit. Neben dem Hauptbahnhof war das Bahnpostamt. Dass man dort auch nachts Pakete abschickken konnte, werden vielleicht nicht alle Breslauer wissen. Ich kann es nun nicht mehr sagen, ob man dafür eine Extragebühr bezahlen musste. Ob da ein Leser Bescheid weiss? Drei bekannte pharmazeutische Grosshandlungen gab es in Breslau, die mit Schnelligkeit und Sorgfalt die Apotheken und wohl auch die Drogerien belieferten. Es waren dies Otto Stumpf, Reichelt und Paul Johannes Wolf. Wer rinnert sich nicht noch gern an die beiden grössten Schallplattengeschäfte in unserer Heimatstadt. Felix Kayser, Ring, Am Rathaus 20, war es vor der Verlegung nach der Schweidnitzer Strasse, sowie Höhne auf der Graupenstrasse. Bei dieser Gelegenheit fällt mir auch die Schlesische Funkstunde ein, die meist gegen 14 Uhr einen sogenannten Werbedienst mit Schallplatten “ausstrahlte”: “Besuchen Sie in jedem Falle das volkstümliche Kabarett für alle auf der Königsstrasse mit anerkannten Spitzenleistungen”; “Rheila-Perlen mild — Rheila-Perlen stark — halbe Packung 50 — ganze eine Mark”. So tönte es schon damals aus dem Radio. Die Berieselung mit Reklame ist nicht nur eine Belastung der Neuzeit. Dass im Winter vom Freiburger Bahnhof aus Es war im Jahre 1878, als Henriette, Johann Strauss’ erste Gattin, starb. Sie war ihm nicht nur die über alles geliebte Ehefrau, sie hatte es auch verstanden, ihn aus den mehr oder weniger engen Gefilden der Tanzmusik zum berühmten Operetten-Komponisten zu inspirieren, sie hatte ihm Mut für dieses Genre gemacht und hat ihm die Sorgen und Unannehmlichkeiten des Alltags ferngehalten. Die weltberühmte “Fledermaus” entstand in der Zeit, in der er mit “Jetty” eine sehr glückliche Ehe führte. Der Tod der Gattin aber machte den Meister elend und haltlos, machte ihn nufähig zum Arbeiten. Da lernte er plötzlich eine Frau kennen, wohl noch ein Mädchen, das seiner nicht wert war. Die Auserwählte, Lili, verstand überhaupt nicht, mit welcher genialen Persönlichkeit sie es zu tun hatte! Sie war dem berühmten Mann durch ihren Lehrer, den Kapellmeister und Liederkomponisten Heinrich Proch zugeführt worden und studierte in Wien das Opemfach. Nach kurzem Brautstand machte der Meister sie zu seiner Frau. Fünf Jahre waren die beiden miteiander verheiratet, dann verliess Lili ihren Gatten, um den Direktor des “Theaters an der Wien”, Franz Steiner zu heiraten. Das alles dürfte bekannt sein. Nicht bekannt aber ist, dass Lili, die eigentlich Angelika Dittrich hiess, eine Breslauerin gewesen ist, obwohl in den Biographien über Johann Strauss fälschlicherweise immer Koeln als Geburtsort angegeben ist. Mir liegt die Kopie der Eheschliessung vor, darin heisst es u.a., dass morgens sogenannte Verwaltungssonderzüge für dei Bediensteten der Reichsbahn ins Gebirge gingen, wird nur für einen kleinen Kreis dieser Berufsgruppe von Interesse sein, wenn ich daran erinnere. Von dem Ferienkalender, der für Apotheken existierte, werden nur die Kollegen wissen. Die Stadt war nämlich bei dieser Regelung in 4 Gruppen eingeteilt für den Nacht — und Sonntagsdienst, sowie für eine Ferienzeit von jeweils 13 Tagen. Einen solchen Kalender aus dem Jahre 1945 habe ich noch in meinem Besitz. Ich bin stolz darauf, ihn durch alle Wirren gerettet zu haben. Den älteren Breslauern ist sicher der Name Ohagen bekannt. Dieser Name war allerdings immer mit einem traurigen Anlass in Verbindung zu bringen. Es war der Name eines bekannten Beerdigungsinstitutes unserer Heimatstadt. Ihr werdet mich nun fragen, weshalb ich grade diesen Namen in der kleinen Erinnerungschronik erwähne. Wie war es doch damals, wenn ein teurer Verstorbener vom Trauerhaus zum Friedhof gebracht wurde? Der Leichenwagen, dem oft noch eine Kutsche mit Trauernden folgte, wurde natürlich von Pferden gezogen. Auf den Strassen erwiesen die Bürger dem Zug durch Lüften der Kopfbedeckung oder durch ein kurzes Verweilen einen letzten Gruss. Zum Abschluss will ich nochmals zum Odertor zurückkehren. Dass rechts neben dem Gebäude des Odertorbahnhofes kleine Schalter waren, die dem Verkauf von Sonntagsfahrkarten bestimmt waren, die durch kleine Barrieren getrennt waren, wird auch nicht jeder mehr wissen. Diese Barrieren waren beliebte Turngeräte der Kinder, die auf dem Benderplatz keine Spielgelegenheit finden konnten. Wenn nun meine kleine Reise in die Vergangenheit in manchem Breslauer Erinnerungen geweckt hätten, die bisher nur geschlummert haben, dann würde ich mich sehr freuen. Denn all das Geschriebene soll die Vergangenheit nicht verblassen lassen. Vielleicht gibt es auch Heimatfreunde, die meine Schilderungen ergänzen können, KARL HEINZ MENZEL DORTMUND Angelika Dittrich aus Breslau die eheliche Tochter des Ernst und der Franziska Dittrich geb. Langer gewesen sei. (Hans Jaeger Sunstenau: Johann Strauss der Walzerkoenig und seine Dynastie). Noch etwas andres aus dem Leben des Fledermaus-Komponisten ist fuer uns interessant. Strauss’ dritte Frau Adele stammte von juedischen Eltern. In der Aufgebotsverhandlung des Stadtarchivs Coburg heisst es: Es erschienen: Adele Strauss geb. Deutsch, aus Wien, Tochter des Leopold und der Hermine geb. Strasser, beide in Wien als Israeliten lebend... (siehe Hans Jaeger, wie oben). Mit Adele, aus einem anderen Milieu stammend, verlebte Johann Strauss eine hoechst beglueckende Zeit. Auch sie hat den Meister zu grossen Werken auf seinem Gebiet angeregt, z.B. “Nacht in Venedig”, “Zigeunerbaron” u. vielem anderen. Sie überlebte den Gatten um 30 Jahre und starb 1930 in Wien im 77. Lebensjahr. Was koennte die Leser dieser Zeitung “rund um Johann Strauss” noch interessieren? Etwa, dass er mit seiner Kapelle im Jahr 1840 mehrere Konzerte in Breslau gab? Und dass er einen Juedischen Urahnen gehabt hat: Wolf Strauss (1762). Und dass das Gasthaus in der Wiener Flossgass 7, wo Strauss’ Vater geboren ward, allgemein das Juden Wirtshaus hiess, denn der Grossvater des berühmten Strauss, der Gastwirt Franz Strauss, war Sohn juedischer Eltern: dessen Vater hiess Michael Strauss. JULIUS SACHS. Jüdisches und Breslauerisches um ichenn Strauss, den Walzerkönig ii