Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1969
- Issue
- No. 26 (September 1969)
- Date
- 1969-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 2753)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Formen der Warheit (Ports, von Seite 5) Es fehlt ihnen die Schlaeue und Gerissenheit des Politikers im schlechten Sinne des Wortes. So sagen sie z.B., gaenzlich der Wahrheit entsprechend, dass wir Frieden wollen. Nur wir selbst wissen, wie schmerzlich-sehnlich wir ihn wollen. Und diese Wahrheit nun wird seit Jahr und Tag, fast immer mit denselben Worten wiederholt. Ja, was denn sollen wir sagen? Das Gegenteil waere doch eine glatte Luege und noch dazu eine dumme?! Richtig, aber man muesste die Wahrheit etwas variieren, sie einkleiden, ausschmuecken, schmackhaft machen. Und das haben wir noch nicht heraus. Warum koennen nicht einmal in einem grossangelegten Communiquö — Radio und Television geben ja die technischen Mittel dazu in die Hand — alle die Binsenwahrheiten, die uns beinahe schon langweilig geworden, unseren Feinden aber anscheinend immer noch nicht klar geworden sind, äosammengefasst und in eindrucksvoller Weise nicht nur in die weite Welt, sondern gerade auch ih unsere naechste Umgebung filtriert werden? Warum kann Nasser grosse, zündende Reden halten, die seine Volksmassen in den Mordrausch treiben und von denen er hofft, dass sie sowohl in der grossen Welt Eindruck machen als auch uns entsprechend einschüchtern werden, und wir nicht einmal eine einzige flammende Propagandarede fuer alles, was wir getan haben und noch tun wollen? Sind wir denn auf einmal und im ganz falschen Moment so ueberaus bescheiden geworden? Weis ist los mit uns? Woran hapert’s? Warum sollen wir nicht noch einmal die juengere Vergangenheit aufrollen und deutlich machen, wie von 18 Millionen Juden innerhalb weniger Jahre der dritte Teil ausgemordet wurde, wohingegen die arabischen Laender nichts, aber auch garnichts gelitten haben und ihnen auch weiterhin kein Haar gekruemmt worden waere, wenn sie nicht in missverstandenem Befreiungseifer sofort losgeknallt haetten, nachdem die Sonne des 29. November 1947 untergegangen war? Und warum sollen wir nicht einmal eindeutig feststellen, dass nicht wir es waren, die das arabische Flüchtlingsproblem geschaffen haben, sondern dass die Massenauswanderungen, z.B. aus Zfat auf Anraten der umgebenden “Freunde” stattgefunden haben, bevor noch ein einziger Chawer Zahal dort gesehen wurde? Und zwar auf das Versprechen dieser Freunde hin, dass sie “falestin” binnen kurzem auf dem Praesentierteller dargereicht bekommen wuerden, “judenrein”, und um darin zu schalten und zu walten, wie es ihnen beliebt. Dazu hat schon eine ganz grosse Kunst, zu luegen und falsche Versprechungen zu machen, gehoert — da koennen wir allerdings nicht mit. Und welche Kirnst der Luege und Verstellung und der Verdrehung von Tatsachen gehoert dazu, diese Luege von den “armen Vertriebenen” aufrecht zu erhalten durch mehr als zwanzig Jahre hindurch, waehrend ringsherum arabische Laender z. T. riesigen Ausmasses liegen, die aber unmoeglich ihre treugeliebten Brueder haetten absorbieren koennen!! Und warum erzählt man nicht bei dieser selben Gelegenheit — was wir ja natuerlich wissen, was aber in nichtjüdischen (wahrscheinlich sogar in uns wohlwollenden Kreisen längst vergessen ist, aus war für unwahrscheinlich kleinen elenden Anfaengen sich die Besiedlung und Fruchtbarmachung des Landes entwickelt hat, wie waffenlos und waffenungeuebt die Juedischen Einwandrer waren? Und wie zufrieden die damaligen Effendis, ihren wertlosen Boden, den sie selbst aus Prestlgegruenden(!) nicht bearbeiten konnten, und aus dem ihre Fellachen mit den miserablen Hilfsmitteln, die ihnen zu Verfuegung standen, unmoeglich nennenswerte Ertraege herausholen konnten, an die juedischen Institutionen zu verkaufen. Und wie die Wut erst anfing, als der Boden durch juedi- «che Arbeit und Investition wertvoller geworden war und immer mehr im Preise stieg. Wie weite Strecken des Landes ueberhaupt erst bewohnbar wurden, nachdem die Suempfe trockengelegt waren, die vorher nichts als Brutstätten fuer Malaria darstellten, weswegen ja auch die kahlen Hoehen besiedelt waren, die Niederungen hingegen leer. Es könnte auch ruhig einmal darauf hingewiesen werden, dass die sogenannten “sozialistischen” arabischen Länder auch heute noch ihre Effendis und Fellachen haben, dass sie von Sozialismus so weit entfernt sind wie die Erde vom Monde, während hier in diesem kleinen Lande der bisher erste geglückte Versuch freiwillig sozialistischer Siedlungen gemacht wurde, der in nicht geringem Masse zur Wiederbelebung der einstmaligen Wüste beiträgt. Dass (Werte geschaffen werden, wo vorher nichts war, dass es nicht einmal, wie seinerzeit bei der Besiedlung Amerikas, Bäume gab, aus denen man hätte Blockhäuser bauen können! Das alles ist natürlich “Zionuth”, aber es ist anzunehmen, dass auch unsere Jugend es sehr begrüssen würde, wenn “Zionuth”, über unsere Grenzen hinaus in die Nachbarländer gepredigt, allmählich zur Folge haben würde, dass sie zu friedlichen und fruchtbareren Beschäftigungen zurückkehren könnte. Kriegführen ist bei uns ein hartes Muss, keine Leidenschaft. Es hat, noch vor wenigen Jahrzehnten, in einigen arabischen Ländern Askese und Weitabgewandtheit gegeben, die einem Aussenstehenden Bewunderung abringen konnten. Der genügsame Beduine, frei mit seinen Herden herumziehend, das war noch eine Art Ideal, das war noch Romantik. Aber mit dem für das ausströmende Neft einströmende Geld hat sich dieser Geist sehr rasch verflüchtigt. Wo sind die arabischen Ideale? Wo? Alles ist negativ. Geld fliesst in wenige Taschen, schafft Einzelnen Luxus, aber dem Lande keine Prosperität. Es dient aber auch zum Waffenkauf, zum Anschaffen von Flugzeugen. Und gerade deshalb ist unsere immer wieder betonte Friedenssehnsucht so völlig in den Wind geredet. Denn Waffen müssen benutzt werden, sonst rosten sie womöglich ein! Und wenn nicht gegen uns, dann im Kampfe einer Volksgruppe gegen die andere. Hauptsache: es knallt. Anders fühlt sich anscheinend der junge Araber, der ja das Hauptkontingent der Heere sowohl als der Sabotagebanden bildet, nicht wohl. Frieden ist langweilig, da heisst es womöglich arbeiten! Leider spielen wir die Rolle eines Erwachsenen, der einem Kinde, das lieber saure Gurken isst, dauernd Schokolade anbietet. Es liebt aber saure Gurken. Und ist es nun nicht kläglich, dass wir ein Wort, das uns so viel bedeutet, “Schalom”! soweit erniedrigen, dass wir es den arabischen Ländern immer wieder zurufen, obwohl wir doch schon wissen können, dass es für sie kein Ideal enthält? (Wie könnten wir also die Wahrheit variieren, um sie schmackhaft und interessant zu machen? Zahal tut, weiss Gott, das seine. Aber das scheint doch nicht zu genügen. Es lohnte sich, einmal ein Bild davon zu entwerfen, was wäre, wenn... Wenn nämlich der wilde Traum arabischer Herrscher sich verwirklichen liesse: Juden raus, das Land leer, — ja, und was dann?? Alles zerstören, was da ist, stehlen, rauben, in die Luft sprengen —• und dann? War es denn vor unserer Einwanderung so schön und würde es denn dann so herrlich sein? Das Land blüht ja nur und ist begehrenswert, solange unserer Hände Arbeit es dazu macht und unablässig neue Schönheit und neue Werte schafft. “Theoretisch könntet Ihr das vielleicht auch, aber praktisch würdet Ihr es nicht tun. Ihr habt es ja auch nicht so dringend nötig, denn Ihr habt Ja mehr als genug andre Länder. Versucht doch erst einmal, aus denen mehr zu machen! Hier in diesem winzigen Lande könntet Ihr nichts als zerstören. Das wäre vielleicht eine Augenblicksfreude, ein wilder Rausch. Dann blieben Trümmer und keine Hände, die sie wieder aufbauen”. “Aber Ihr glaubt doch nicht etwa in Wirklichkeit, dass Ihr dieses “Ideal” erreichen werdet? Wir sind keine Türken, für die Palästina eine Aussenprovinz war, gerade gut genug, um Steuern herauszupressen. Wir sind aber auch keine Engländer. Wir haben unser Mandat nicht vom Völkerbund bekommen, sondern vor sehr langer Zeit von Hakadosch baruch hu. Und wir sitzen jetzt wieder hier, weil es unser kleines, heissgeliebtes Land ist, das wir in 2000 Jahren nicht vergessen konnten — und die Welt hat das ihrige dazu getan, dass wir es nicht vergessen haben. Von dieser Hoffnung haben wir gelebt, um ihretwillen alles ausgestanden, was man uns angetan hat. Viele Völker haben versucht, uns zu vertilgen: Spanien in seiner höchsten Blüte, Russland, Polen und wer nicht noch alles, grosse, mächtige Länder, zuletzt noch Deutschland auf der Spitze seiner Macht — aber sie haben es doch nicht geschafft, obwohl wir verstreut waren und keine Waffen hatten, um uns zu wehren. Und da glaubt Ihr Araber, dass es Euch gelingen wird, jetzt, wo wir hier eingewurzelt sind und endlich, endlich wieder eine Heimat haben?! Mit vereinten Kräften könnten wir von dieser Ecke des Mittelmeers ein blühendes Paradies machen, wie sie es in früher Zeit schon einmal war. Euer jetziges System hingegen führt nur zu Zerstörung und Ruin, und zwar bei Euch selber!” Wäre das nicht die Wahrheit? Aber eine Saure-Gurken-Wahrheit, keine Schokoladen-Wahrheit. Kaethe Tal-Plessner August 1969. I Meinem hochverehrten und lieben Freund 1 Herrn Prof. ROBERT STOLZ, ) dem grossen Meister und Patriarchen der < Wiener Operette, dessen Werke auch in < Breslau einst viel gespielt wurden, übersende / ich mit herzlichen Grüssen an Frau “Einzi” / die innigsten Glückwünsche zum Geburtstag. ) Julius Sachs, Tel-Avlv / DEIN FEST — OB ZU HAUSE ODER IM SAAL — BEI „TCHELET" GELINGTS DIR JEDESMAL TEL-AVTV. Tel. 22 05 45 nvj mvi 59, Sheinkinstr. 6