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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1969-09-01 · No. 26 (September 1969) · p. Seite 5

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1969
Issue
No. 26 (September 1969)
Date
1969-09-01
Page
Seite 5 (sequence 2752)
Language
German
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Die Frau im israelischen Alltag Trotz der relativ noch jungen Geschichte des wiedererstandenen Staates Israel hat sich im Laufe der Jahre doch ein schon ziemlich ausgesprochener, mehr oder weniger einheitlicher Typus der Israelin herausgebildet. Allerdings darf bei dieser Feststellung nie übersehen werden, dass diese Frau, falls sie nicht bereits im Lande geboren ist, ja einmal aus einem der mehr als 80 Herkunftsländer (die Statistiker sprechen sogar oft von mehr als 90!) eingewandert ist und infolgedessen zumindest ideologisch zunächst einige “Rudimente” aufzugeben hat, bevor sie ganz in der neuen Allgemeinheit auf geht. Hat sie aber einmal diesen grossen Schritt getan, so gleicht sie sich wesentlich schneller und reibungsloser als ihr Partner der Umwelt an, stellt Küche und Haushalt auf die landesübliche Weise um, kleidet sich nach hiesiger Mode, versucht, die Dinge so positiv als möglich zu sehen und gleichzeitig auch mitzugestalten. Wie alle Frauen aller Länder freut sie sich am Neuen und bisher Ungekonnten und nimmt vielleicht gerade dadurch intensiveren Anteil an der Entwicklung u. dem Werdegang ihrer Kinder als es dem durch den Existenzkampf für die Familie zwangsläufig meist Uberbeschäftigten Vater möglich ist. In puncto Überbeschäftigung allerdings setzt auch die Problematik für die meisten Frauen Israels in ihrem alltäglichen Leben und Wirken ein: Viele von ihnen waren bis zu ihrer Einwanderung berufstätig oder erlernten einen Beruf, den sie später auszuüben gedachten. Nun sind sie hierzulande zunächst für meistens längere Zeit — manchmal über Jahre hinweg — ans Haus gebunden, teils durch eigene Haushaltsführung und teils durch die Erziehung noch kleiner oder schulpflichtiger Kinder. Ausserdem spielt auch das Erlernen der schwierigen Landessprache oft eine erhebliche Rolle. — Das Bewusstsein aber, doch einmal etwas gelernt zu haben, das zum Erwerb und damit zur oft erwünschten Erhöhung des Budgets dienen könnte, falls man diesen Beruf praktizieren würde, bedrückt und beunruhigt nicht selten diese israelische Hausfrau; obwohl natürlich ein Mitverdienst als nennenswerter Beitrag zu den Haushaltsfinanzen auch für den Ehekameraden in vielen Fällen eine Erleichterung bedeuten würde, stösst die Realisierung solcher Planung fast immer auf grosse Schwierigkeiten — einmal infolge des bekannten Mangels einer entsprechenden Hausgehilfin, ausserdem aber auch wegen der fehlenden Aufsicht über die Kinder. Leider lebt nicht in jeder Familie als idealste Lösung eines solchen Falles eine tatkräftige “Oma” im Hause mit. Andererseits und trotz alledem gibt es selbstverständlich auch in Israel Berufe, die von Beginn an, seit Jahren und Jahrzehnten, bis heute mit Frauen besetzt sind; viele von ihnen sind verheiratet und haben Familie. Es sind dies vor allem die Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen, Sozialarbeiterinnen und Krankenschwestern, wie aber auch die Akademikerinnen, d.h. Richterinnen, Ärztinnen und Zahnärztinnen, auch Politikerinnen und Journalistinnen und — last but not least — die grosse Anzahl der Künstlerinnen auf vielen Gebieten. Dazu kommen die weiblichen Arbeitskräfte der Mode (incl. Kosmetik und “Haarkunst”I), in den Büros, den Warenhäusern und kleineren Geschäftsbetrieben und — gerade ln Israel von besonderer Wichtigkeit — die “Poalot” (Arbeiterinnen) in der Landwirtschaft und den Fabriken, ohne die dieses Land in seiner besonderen Struktur wohl kaum existent wäre. Hier folgte den einstigen Pionierinnen eine junge und nun noch jüngere, sehr aktive Geaeratne*, deren wortgewandte Vertreterinnen heute in den verschiedensten Landesgremien an führender Stelle anzutreffen sind. Kaum weniger zu bewundern bleibt die noch relativ neue Gruppe tüchtiger Polizistinnen, die in ihren Leistungen den männlichen Kollegen in keiner Weise nachstehen! Jeder Einblick in die vorgenannten Arbeitssparten vermittelt ein typisches Bild der modernen, arbeitenden Israelin,insbesondere auch der schon hier geborenen “Sabra”, das den bekannten Interpretationen illustrierter Zeitungen oder den Photographien auf Magazin-Titelblättern durchaus widerspricht: Das Gros unserer Frauen beschäftigt sich ja nicht etwa damit, am Morgen im Meer zu baden, um später ein genüssliches “Shopping” auf der “Dizengoff” zu unternehmen oder nachmittags die Cafös und Konditoreien im eleganten Tel- Aviver Norden (man nennt ihn auch Klein-Paris!) zu bevölkern. Das oft gerügte Gebahren bestimmter, oft noch sehr junger weiblicher “Möchte-gerne” (angehende Bohemiens, Beatles, Hlppis, Pops oder wie immer sie sich nennen) präsentiert in keiner Hinsicht das Kriterium der soliden Durchschnitts-Israelin. Diese erlebt ihren Alltag wie alle Frauen der übrigen Länder, arbeitet und sorgt mit, geht gelegentlich Schwimmen oder Turnen, ist hilfsbereit, pflegt freundnachbarliche Beziehungen und ist nach Möglichkeit in vielen modernen Strömungen “zu Hause”, wie sie sich auch oft und gerne an den kleineren Annehmlichkeiten des hiesigen, nicht leichten Lebens erfreut. Dazu gehört eben auch bei ihr die wenn auch noch so bescheidene “ Freizeit-Gestaltung ”... Es sei noch angefügt, dass alle berufstätigen Frauen meist über eine feste Hausangestellte verfügen, die oft aus orientalischen Häusern stammende “Oseret”; diese ist, obgleich noch nicht völlig “emanzipiert”, sowohl als Mensch und Freundin wie auch als Arbeitskraft nicht hoch genug einzuschätzen. Wie sie es wirklich möglich macht, trotz ihrer oft grossen Kinderschar den fremden und eigenen Haushalt gleichzeitig zu meistern, treu und fleissig zur jeweiligen Aufgabe stehend, bleibt staunenswert! — Natürlich gibt es Seitdem wir begonnen haben, wieder in unser Land zurückzukehren, und mehr noch seit der Staatsgruendung geben wir Juden der Welt — mag sie freundlich oder feindlich gegen uns gesinnt sein — lauter neue Raetsel auf, oft noch verwirrendere als in der Diaspora. Wer haette z.B. gedacht, dass Juden hervorragende Landwirte sein werden? Dass dieses seit Jahrhunderten verdorrte und steinige, teils kahle, teils versumpfte Land binnen drei Generationen ein Exportland fuer die verschiedensten landwirtschaftlichen Frisch-Produkte, selbst fuer Blumen, ja selbst fuer hoechst leistungsfaehlge Milchkuehe werden würde? Wir hier haben uns an diese neue Wirklichkeit allmaehlich gewoehnt, wir finden schon alles, was geleistet wird, selbstverstaendlich, — das Ausland hingegen, soweit es ueberhaupt interessiert ist, staunt und kann sich gamicht genug wundem. Manche Laender auch schauen mit Besorgnis dieser Entwicklung zu.., Es kommt immer auf die Einstellung an. Die zweite ganz grosse Ueberraschung, die der Israeli der Welt bereitet, ist seine, ohne Eitelkeit gesprochen, ausserordentliche militaerische Begabung. Wer haette das geglaubt? Nur in geringem Ausmasse ist die Besonnenheit, Sachlichkeit und auch unter den einstigen Europäerinnen in vielen Fällen ausgesprochen ideale Wirtschafterinnen! Es würde zu weit führen, hier das Ressort der im ganzen Lande seit Jahren in Jeder Beziehung Uberforderten Sozialarbeiterinnen und ihrer Direktricen gesondert und eingehend zu analysieren. Man darf mit Recht bezweifeln, ob das in dieser Arbeit besonders unter psychologischen Aspekten bisher Erreichte von männlichen Arbeitskräften allein hätte geleistet werden können; denn hier, in den Büros der Sozialämter, kommt es immer wieder zu den wahren Szenen der “Verschmelzung”, des schwierigen Prozesses der Einordnung, dessen Lösung den Frauen irgendwie näher liegt. Da werden die brennenden Probleme der Neueinwanderer vor den geduldigen Zuhörerinnen mehr oder weniger temperamentvoll entrollt, müssen gemeinsam Wege zu vorläufigen Regelungen gefunden werden. — Allerdings wurde an vielen Plätzen inzwischen den Fürsorgerinnen ein Stab ausgebildeter, Jüngerer Sozialarbeiter beigegeben, die Publikumsempfänge abhalten, Telefonate führen, Briefdiktate aufnehmen etc. Es geht Ja nicht nur um das Beschaffen von Arbeitsplätzen oder geeigneter Unterkunft, sondern im Notfall ist oft die Einlieferung ln ein Krankenhaus zu bewerkstelligen, eine Ambulanz herbeizurufen und vieles mehr. Da verblasst jede Theorie neben akutester Realistik! Ins Alltagsbild Israels gehört aber auch die Soldatin, Offizierin, ja Majorin — doch wäre das wohl ein Kapitel für sich, ebenso wie der nicht minder grosse Begriff der “Escheth-chajil” ln ihrer ethisch-religiösen Wirksamkeit — hier wie in der ganzen übrigen jüdischen Welt — Anspruch auf einen besonderen Bericht hätte. Dass zu den bevorstehenden “Jamim noraim” den Frauen aller hiesigen Bevölkerungsschichten wiederum wie alljährlich eine besondere Rolle zufällt, bedarf keiner Erwähnung — aber eines sehr herzlichen “Schanab tovah”! FRIEDA HEBEL Einsatzbereitschaft der juedischen Soldaten im ersten Weltkrieg bekanntgeworden. Und nun? Nur eine Generation spaeter? Auch Strategie — wer hat uns die gelehrt? Der einzige Vergleich, der moeglich ist, liegt ungefaehr 3200 Jahre zurueck, naemlich, als die ehemaligen aegyptischen Sklaven und ihre unmittelbaren Nachkommen unter Jehoschua das Ihnen angelobte Land eroberten. Damals ging es allerdings etwas weniger human zu als heute: “w’lo nisch’ar ssarid”. Auch damals muss die ums oestliche Mittelmeer gruppierte Welt elnlgermassen gestaunt haben.... Was wir aber leider bisher noch nicht hervorgebracht haben, das sind diejenigen Begabungen, die noetig waeren, um unsre naechste Umwelt davon zu ueberzeugen, dass wir es nicht boese mit ihnen meinen, wenn wir auch gezwungen sind, sie mit allen uns zur Verfuegung stehenden Waffen zu bekaempfen. Woran mag dieses unser Versagen liegen? Es scheinen die zu guten Charaktere derer schuld zu sein, die bei uns Aussenpolitlk machen. Politik verdirbt, wie man weiss, den Charakter. Unsere Politiker aber scheinen bei weitem nicht verdorben genug zu sein. Sie sagen einfach die Wahrheit! (Fortaeteuxg Baite 4) Formen der Wahrheit

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