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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1969-09-01 · No. 26 (September 1969) · p. Seite 2

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1969
Issue
No. 26 (September 1969)
Date
1969-09-01
Page
Seite 2 (sequence 2749)
Language
German
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ANMERKUNG DER REDAKTION: Die Betrachtung “Der Gott der Väter” ist ein kleiner Abschnitt aus einem Buche von Frau Dr. Ester Rabin, Haifa, (früher Breslau), das in absehbarer Zeit zur Veröffentlichung gelangt. Es trägt den Titel “Der verschlossene Garten. Erinnerungen einer jüdischen Mutter”. Das Buch hat autobiographischen Charakter. In Israel haben führende Verlage vier Bücher für die Jugend in Hebräischer Sprache aus der Feder von Ester Rabin herausgegeben. Vor einem Jahre veröffentlichte The World Zionist Organisation, Department for education and culture in the Diaspora einige ihrer Erzählungen für die Jugend in leichtem Hebräisch in ihrer Schriftenreihe: Gescher lanoar. In Deutschland erschien ein Teil ihrer Arbeiten im Jüdischen Verlage, Berlin. Dieser Verlag publizierte 1936 das Sammelwerk “Jüdisches Festjüdischer Brauch”, bei dessen Herausgabe Ester Rabin mitwirkte. Die Auflage wurde s.Z. von den Nazis vernichtet und erschien nunmehr im Neudruck. Wir werden unsere Leser zur gegebenen Zeit auf das Erscheinen ihres neuen Buches aufmerksam machen. * Der Gott, von dem meine Kinder in den ersten Geschichten hörten, die ihnen erzählt wurden, war nur von einen Teil der Eigenschaften umleuchtet, die der jüdische Geist in ihm erkannt hat. Seine volle gewaltige Grösse, die der Verstand nicht erfassen kann, der sich aber die Seele in ehrfürchtigem Erschauern beugt, konnte ihrer Auffassung naturgemäss nicht nahegebracht werden. Ihr Erfahrungskreis führte sie noch nicht zu dem Sehnen nach ihm und hatte ihnen nicht gezeigt, was in dem Begriff “Heilig” umschlossen ist. So wie das Volk Israel durch die Wüste wandern musste, um ihn zu finden, fern und doch nah, in Wolken gehüllt, und sich doch dem Menschen offenbarend, bei ihnen, und doch erhaben über alles Sein, so muss der Mensch Strecke um Strecke seines Lebens zurücklegen, Bitteres und Süsses erleben, Erhabenes und Lächerliches, Groteskes und Einfaches, bis er für die Idee reif wird: Gott. Schrifttum und Gebet sind die beiden Feuerbrände, die seinem Auge Licht geben. Doch dieses Licht ist nie das gleiche für ihn; es wird einmal dunkler und einmal leuchtender sein. Es wird sich wandeln, so wie die Erfahrungen seines Lebens ihn erschüttert und gewandelt haben. Es wird eine Zeit für ihn geben, in der ihm das Wort, das über den Kämpfer Simson gesagt wird: “Und er wusste nicht, dass der Ewige von ihm gewichen war” nur bedeutet: Die Kraft des Körpers war von ihm gewichen. Und es wird eine Zeit kommen, da wird er in Angst vergehen beim Hören dieser Worte, dass das kostbarste Erbteil des Ewigen im Menschen, der Geist der Reinheit, so wie er von Simson gewichen ist, auch ihm selbst verlorengehen kann. Und der so erschütterte Mensch wird diese Worte unter Tränen lesen und stammeln: Reinige unsere Herzen wie früher. Aber Kinder haben den Lebensweg, der sie zu bitteren und süssen selbständigen Erfahrungen führt, noch nicht beschritten, und daher können sie den ungeheuerlichen Gott der Väter nur als den vertrauten Gefährten erfassen, so wie ihn das Wort umschreibt: Der liebe Gott. Ich lag nach einer Operation im Krankenhaus, allein. Es war der Abend, mit dem der Jom Kippur begann. Alle, die mir nahe standen, waren im Gotteshaus. Draussen war Nacht. Es war der drit¬ 3olt Väter rr te Tag nach der Operation. Ich hatte dem Arzt erklärt, dass ich fasten würde. Der Arzt war nicht einverstanden und sprach von Blutverlust, der mich geschwächt hätte. Ich müsse zumindest etwas trinken, Milch. Dann hatte er sich meiner Erklärung gefügt: Wer an diesem Tage nicht fastet, ist von seinem Volke abgeschnitten. Ich war zu schwach, um zu beten. Beten ist an diesem Tage ein Aufreissen der Seele. Aber Gedanken aufnehmen konnte ich, wollte ich. Ich schlug den Hymnus des spanischen Dichters R. Salomo ben Juda ibn Gabriol auf: Keter malchut, die Königskrone. Es ist üblich, dieses Gedicht in der Nacht des Versöhnungstages zu lesen. Der grosse heilige Gott meines Volkes und der ganzen Menschheit stand vor mir in seinem Geheimnis. Der Verstand des Menschen kann es nicht fassen. An der unendlichen Grösse seiner Schöpferkraft schlägt sich der Gedanke müde, wie die Flügel eines kleinen Vogels an den Eisenstäben seines Käfigs. Aber das Gefühl weiss: Gottes ist die Herrschaft in dieser wie in allen Welten, die er ins Leben gerufen hat. Die Geschöpfe der Höhe und der Tiefe versinken ins Nichts. Er aber dauert. Einzig ist er, unfassbar in seiner Einzigkeit. Keine Veränderung trifft sie, nicht Vergrösserung, nicht Verminderung. Anders ist diese Einzigkeit als die Zahl Eins, die die Lippe des Menschen scheu auf sein unerklärliches in Verborgenheit thronendes Wesen anwendet. Das Ohr kann ihn nicht hören, und die Augen können ihn nicht erreichen. Aber gewiss ist des Menschen Herz, dass er existiert. Allein für sich steht er, der Gott der Väter, in seiner Wesenheit, kein Gott ist an seiner Seite, der sich mit ihm in die unendliche Aufgabe geteilt hat und teilt. Bevor es eine Zeit gab und einen Ort, war er da, der gewaltige Schöpfer alles Seins. Er schwebte auf den Fittichen des Windes. Vor seinem Glanz trennten sich die Wolken mit Blitzen und Donnern. Er deckte die Gründe des Erdbodens auf in gewaltigen Beben. Er liess rasende Fluten über sie hinwegströmen, alles erfüllend. Er ist der Gewaltige, der den Zeiten Ordnung, dem Leben Gesetz gibt. Dieses Gesetz offenbart seinen heiligen Willen. Er hält Gericht über die Verächter seines Willens. In diesem Gericht stösst er die Fürsten von ihren Thronen, die sein heiliges Wort mit Füssen treten. Und er erhebt die Verachteten aus dem Staube, die seinen Willen taten. Sein Gericht ist gerecht; deswegen schreit der Unterdrückte zu ihm in seiner Not. Eiist die Quelle aller Güte; deswegen wendet sich die durstende Seele zu ihm, und seine Gnade gewährt ihr Erlösung. Vor seiner Macht und seiner Stärke, vor seiner Weisheit und seiner Würde, gibt es keine menschliche Würde und Grösse, keine menschliche Einsicht und Erkenntnis. Worte sucht der Mensch, ihn zu ergründen. Aber sie verflattem ins Nichts und erreichen sein Wesen nicht. Aber aus seines Glanzes Pracht hat der Heilige die Seele des Menschen erschaffen. Der Ort ihres Ursprungs ist der Gottesglanz. Einen winzigen Funken der Erkenntnis hat er in ihr aufglühen lassen. Mit dieser ihrer Kraft ging sie in den Leib ein, zu seiner Hilfe bestimmt, seiner Hut anvertraut. Nie vergesse der Mensch seine Kleinheit. Er gleicht dem Staube, der verfliegt, der Wolke, die vergeht. Sein Leib wird ein Raub der Würmer. Die Begierden seines Leibes entweihen seine reine Seele. Sie entstellen sie durch Gewalt u. Hass, Lug und Heuchelei. In Hülle und Fülle mag er leben, aber er streckt seine Hand aus nach d. Gute des Armen. In Mangel und Not sündig er um eines Stückchen Brotes willen. Seine Sehnsucht ist Reichtum. Um ihn zu gewinnen, sendet er seine Schiffe in die weiten Meere, seine Heere in die Wüsten. Seine Sehnsucht ist Macht. Aus Gier nach Herrschaft schickt er seine Pfeile in die Brust seiner Brüder, stösst sein Schwert in das Herz seines Nächsten. Er verbannt ihn ins Elend, lässt ihn im Kerker verschmachten, unter Martern zu Grunde gehen. Er verfolgt ihn mit Schmähungen und reisst den Kranz seiner Ehre in den Staub. Doch die Seele weiss von ihrer Entweihung; sie erkennt ihr Verderben, weil die Kraft des göttlichen Ursprunges in ihr ist. Sie ist wie ein Gefäss angefüllt mit Scham bis zum Rand. Sie stöhnt in Qualen; Mein Vater, hilf mir, die Reinheit wieder zu finden. Mache mich stark, dass ich voll werde der Ehrfurcht vor deinem heiligen Willen. Ich bin von deinen Geboten abgewichen. Lass mich dein heiliges Wort verstehen! Führe mich zurück zu dir! Nichts ist mir geblieben als dein Erbarmen und deine Gnade! Gott und sein Wille, der sich in seiner Lehre verkörpert hat; alle Gedanken des jüüdischen Volkes führten zu ihm während der Jahrtausende, alle Hoffnung klammerte sich an ihn als den gerechten Richter und väterlichen Beschützer. Und die Lippen des Juden murmeln die Worte tagtäglich im Gebet. Du sollst die Lehre des Gottes deiner Väter deinen Kindern einschärfen, zu jeder Zeit, wenn du auf deinem Wege gehest und auf deinem Lager ruhest. Dies ist deine Pflicht, und du musst sie erfüllen. Die Landscbul Wer erinnert sich nicht an Löbl Falk, einen treuen Schulgeher der Landschul, der als erster zu Schacharith erschien unr als Letzter nach Maariw das Minjan verliess. Eigehörte zur unvergesslichen Landschaft der Landschul. In den kalten Wintertagen kam er nasetropfend und beide Hände “je in dem gegenüberhängenden Aermel steckend”. Uns Kindern machte er viel Spass, da er uns stets mit Bonbons fütterte. So erinnere ich mich wie einmal der Schammes zu ihm herantrat vor Schluss des G”ttesdienstes und ihm sagte: Der Vorsteher beehrt Sie mit “Pticha” (Oeffnen des Aron Hakodesch) der heiligen Lade. Darauf antwortete Löbl Falk in seinem unverfälschten Schlesisch: “Sagen Sie dem Vorsteher, er soll sein Tierei alleine auf und zu machen”. ELI FREIER IRENE ) Wie verworren ist alles, / Wie umnebelt die Sicht, J Jede Tat schwankt im Dunkel, ) Jeder Masstab zerbricht. ) Nur die grossen Schmerzen < Stehn wie Felsen vor mir, / Die ich denen bereitet, / Deren Welt nicht mehr hier. ) Und die kleinen Freuden \ Dringen klar durch den Flor, < Die ich ihnen versagte, < Deren (Weg sich verlor. / ELSE MEIDNER ) 2

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