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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1969-04-01 · No. 25 (April 1969) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1969
Issue
No. 25 (April 1969)
Date
1969-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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(Forts, von Seite 5) Und Nochmals: Die unvergessene Landschul in Breslau auf mit den Worten: “Es ist ja höchste Zeit, in einer Stunde beginnt mein Orchesterkonzert. Also, ganz schnell! Was wissen Sie von der Zahl PI? und ich: 3, 1415926” — Grossartig! Kommen wohl vom Realgymnasium? — “Nein, Herr Professor, vom humanistischen Johannesgymnasium” — “Also ein Schüler von Prof. Töplitz?” — “Nein, von Prof. Döpene”, erwiderte ich. — “Dann grüssen Sie ihn und richten Sie ihm meine Hochachtung aus, dass er solch ausgezeichnete Schüler in Mathematik und Physik ausgebildet hat”. Tatsächlich ging ich tagsdarauf in mein altes Schulgebäude und erwartete leichten Herzens den alten Mathematiker vor dem Lehrerzimmer “Nu, was wollen Sie denn noch hier?”, fragt er erstaunt — “Ich soll Ihnen Grüsse von Prof. Lummer bestellen. Er lässt Ihnen zu den guter Erfolgen Ihrer Mathematikschüler gratulieren”. Der alte Lehrer starrt mich unglaäubig an. “Frozzeln Sie Andere!” und liess mich stehen. Nach eines Lehrers sei gedacht, der uns gemäss dem Lehrplan einmal wöchentlich Geographieunterricht erteilte. Als bekannter Bergsteiger — eine Spitze in den Beskiden war von ihm erstmalig bestiegen und nach ihm benannt — war er sicher der Natur stark verwachsen, im Geographienunterricht freilich liess er die Naturverbundenheit vermissen. Gerade stand das Thema “Russland” zur Behandlung. Eifragte einen Schüler: “Wie lang ist die Wolga?” — Antwortet: “1350 km” — “Falsch, sie ist 1356 km lang”, stellt der Herr Professor fest. Nie werde ich das mitleidige Lächeln im Gesicht des gescheiten Sekundaners vergessen, der übrigens später auf deutschen Hochschulen Germanistik dozieren sollte. Vermutlich dachte er sich: und diese sechs Kilometer sollen einen Ersatz bieten für die Grösse des Stromes und seiner Landschaft, die z.B. in dem Liede die “Wolgaschlepper” viel treffender charakterisiert wird. Es erscheint als Ironie, dass dieser gleiche prosaische Zahlenmensch uns die unvergessliche Musik der Verse Homers vermitteln sollte mit ihrer unerschöpflichen Vielheit von Rhytmus und Bewegung der Hexameter. Ebenso wichtig erschien ihm freilich die Grammatik der griechischen Sprache, mit der jedoch mancher Schüler nicht recht mitging. Dann erhielten seine Eltern ein Schreiben, in dem der Ordinarius vorsorglich mitteilte, dass die Versetzung des Zöglings in die nächsthöhere Klasse zweifelhaft sein dürfte. Einmal erschien der Vater eines solchen Versagers persönlich, um seinen Sohn abzumelden. “Ach tun Sie das nicht”, meinte der Ordinarius, “warten Sie doch wenigstens bis Ostern. Bis dahin nehmpn wir nämlich noch die unregelmässigen Verben auf “my” durch. Und da hat der Junge doch etwas für sein ganzes späteres Leben”. Hier hatten wir es eben mit einem “Pauker” der alten Schule im übelsten Sinne zu tun. Im übrigen waren die Lehrer unseres Gymnasiums nicht schlechter als überall. Nur die damaligen Lehrpläne und Methoden waren reformbedürftig. Nicht selten wirkte jedenfalls die Komik einiger Lehrer auf unser Nachahmungstalent bildend ein. Die oft ungewollten Witze und grotesken Situationen waren in einem sogenannten “Blödsinnsbuch” festgehalten, das in den obersten Klassen zirkulierte. Mit seinen Auszügen könnte man eine Sondernummer dieser Zeitung als Purimbeilage füllen. Dr. S. W. Boss, Tel-Aviv In der letzten Nummer 24 unseres Nachrichtenblattes erschien ein Artikel über “Die ehemalige Landschule und ihr Inventar” Wenn nach einer kurzen Beschreibung über die Geschichte der Landschul über ihr Inventar geschrieben wird, so ist es m.E. auch Pflicht, derjenigen Männer zu gedenken, welche im Laufe der Jahrzehnte als Vorsteher oder sonst “Von Amts wegen“ in der Landschul eine Rolle gespielt haben. Ich halte mich hierzu nicht nur berechtigt, sondern vielmehr sogar verpflichtet, da ich wohl zu den wenigen Überlebenden gehöre, welche bereits vor mehr als 70 Jahren, ich also bereits als Kind die Lanschul besucht haben. Mit den folgenden Zeilen ist, wenn auch unfreiwillig, eine Art Autobiographie verbunden, denn beim Gedenken an die Landschul tauchen bei mir, als Mann von 77 Jahren, Erinnerungen aus meiner Kindheit auf, welche sich mir s.Zt. unauslöschlich eingeprägt haben. Mein sei. Vater nahm mich als Kind von 4 oder 5 Jahren, also 1896 oder 1897 zum ersten Mal in eine Synagoge mit, wie er mir sagte: Wir überquerten einen grossen Platz — Karlsplatz —, wo ich noch heute in Gedanken Frauen mit vielen bunten Papierfahen sehe. Dann gingen wir über einen grossen Hof, eine Treppe hinauf in einen grossen Raum, in welchem sehr, sehr viele Lichter brannten und sehr viele Männer waren, welche grossen Lärm machten. Ih. der Mitte war ein extra erhöhter Platz, auf welchem nur ein einziger Mann stand (Almemor). Mein Vater unterhielt sich besonders mit einem Mann mit grossem Bart und zeigte hierbei wiederholt auf mich. Am Ende des grossen Raumes waren einige Treppenstufen und dort war ein sehr schöner Vorhang, wo 2 aufrechtstehende Löwen eine grosse goldene Krone hielten. Ob mein Vater sagte, dass hier die heil. Thorarollen stehen, was das bedeutet, weiss ich heute natürlich nicht. -Der “Mann in der Mitte” war der alte Kantor Ehrlich, und der Mann mit dem Bart, mit welchem mein Vater sprach, wa unser verehrter Herr Landshut, was ich damals natürlich noch nicht wissen konnte- Der “Mann mit dem Bart”, ich möchte ihn jetzt bei seinem Namen nennen, ging dann die Treppenstufen hinauf, zog den Vorhang zur Seite, öffnete einen weissen Schrank dahinter, alle Männer waren auf einmal ruhig geworden, und der Mann nahm die grossen Thora-Rollen heraus mit grossen oder kleinen silbernem Schildern. Er verteilte die Rollen an die Männer, welche dann im Kreise herumgingen und dabei Lieder sangen. Der Mann mit dem Bart blieb vor dem weissen Schrank stehen. Plötzlich rief er mich zu sich und sprach mit mir. Dann gab er mir ein wunderschönes Licht, wie ich es noch nicht gesehen hatte, dieses war aus vielen dünnen bunten Lichtem zusammengesetzt, und gab mir aus einer grossen braunen Tüte viel Bonbons. Ich bewunderte auch “den alten Mann in der Mitte” wegen seines sehr langen weissen Thalith Umhanges und besonders wegen des sehr breiten silbernen Bandes um seinen Hals. (Dies war natürlich der Thalith!). Dies war also mein erster Besuch in der Landschul und gleichzeitig mein erster Simchath-Thora Abend. Nun noch einige besondere Worte über unseren hochverehrten Herrn Landshut. Im Laufe der Zeit erfuhr ich, welch ehrenwerter, hochherziger und hilfsbereiter Mensch dieser Mann sA. gewesen ist. Zwischen ihm und meiner Familie bestanden besonders herzliche Verbindungen, wie mir meine liebe sei. Mutter später sagte: Meine Mutter, eine geb. Norden stammte aus Lissa/Posen, woselbst ihr Vater eine grosse Kürschner-Werkstatt besass, und Herr Landshut war dort beschäftigt. Nach dem leider frühen Todes des Vaters meiner Mutter leitete “der Geselle” Landshut die Werkstatt und stand trotz damaliger Jugend soweit er konnte, der Witwe zur Seite. Soweit ich mich an die Erzählungen meiner sei. Mutter erinnere, sah sie Herrn Landshut nach vielen, vielen Jahren in der Landschut wieder, als sie meinen sei. Vater dorthin begleitete. Herr L. war uns auch weiter familiär verbunden, und als wir 1902 das grosse Unglück hatten, unseren lieben Vater nach langer Krankheit für immer zu verlieren, war auch er es, welcher mich ausser meinem Lehrer in der Schule, Herrn Rabb. Klüger sA. über das Kadisch-Gebet unterrichtete, denn ich war damals erst 9 Jahre alt und, wenn wir auch eine grosse Familie waren, so war es Herr L., welcher stets dafür sorgte, dass wir an der Jahrzeit Minjan auf dem Friedhof hatten, und auch selbst trotz Winterkälte (28. Tebeth) zum Friedhof kam. Ich sehe ihn auch immer noch vor mir, wie er mit seinem etwas schleppenden Gang stets am Montag und Donnerstag früh während der Thora-Vorlesung mit einer kleinen Silberschale umherging und Spenden einsammelte! Bei nennenswerten Spenden pflegte er stets zu sagen: “Im Namen der Empfänger Besten Dank”. Dieser Ausspruch ist auch auf seinen Nachfolger, unseren ebenfalls sehr hochverehrten Herrn Hirschberg — über welchen noch einige besondere Zeilen folgen übergegangen und — vielleicht auch im Gedenken an diese beiden hochverehrten Herrn -an mich beim Empfang von Spenden für den sogen. “Waad Lemaan Hachajal” eine Sonder-Einrichtung zur Fürsorge für unsere Chajalim, für welche Einrichtung ich arbeite. Seine Wohnung war im Riembergshof, dem bekannten Durchgang zwischen Blücherplatz und Karlsplatz. Die familiäre Verbundenheit übertrug sich auch auf das sogen, nächste Geschlecht, denn meine beiden sei. Schwestern waren mit seiner Tochter Ella sehr befreundet und von dieser erhielt ich zu meiner Bar-Mizwah einen wunderschönen handgestrickten Tefillin-Beutel. Ausser dem unvergesslichen Herren Landshut und Hirschberg möchte ich besonders erinnern an den bereits erwähnten alten Kantor, Herrn Ehrlich, nicht nur wegen seines Ansehens, welches er in der Gemeinde genoss, sondern auch wegen seiner patriarchalischen Gestalt. Besonders ist er mir in Erinnerung geblieben, wenn er vor Schabbath-Ausgang alle paar Minuten auf seine grosse silberne Uhr blickte, um genau pünktlich anzufangen mit “LEDOVID BO- RUCH”. Ebenso sehe ich auch vor mir den Scham - mes, den alten Herrn Durra, besonders, wenn er am Schluss Daumen und Zeigefinger an seinen Lippen benetzte, um zwischen diesen beiden Fingern die brennenden Kerzen auszudrücken. Wenn ich auch im Laufe der Jahrzehnte meinen Thallith und die Tefillin gewechselt habe, so ist der Tefillinbeutel geblieben und bei meinen Gebeten und Benutzung der Tefillin sind “der alte” Herr Landshut, der Weg durch den Pokoyhof mit seinem schlechten Pflaster und die “alte” Landschul für mich unvergessen. Chanoch Heinrich Cohn Ramat-Gan, Renanim Str. 16 6

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