Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1969
- Issue
- No. 25 (April 1969)
- Date
- 1969-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein schlesischer Verleger und Politiker Etwas über die kleinen Synagogen in Alt-Breslau Der Artikel in unserem Blatt Nummer 24 von Dr. Erich Büchler, New York, hat mich veranlasst, noch einiger Männer zu gedenken, die im Mittelpunkt dieser Synagogen standen. Isaak Plessner sA. der rührige, vielseitige jüdische Mensch, der alte Zionist, aus Posen, einer angesehenen Familie entstammend, hat in Breslau im zionistischen Leben eine grosse Rolle gespielt. Als geschäftstüchtiger Agent in der Versicherungsbranche war er der allseitig beliebte, ausgezeichnete “Ba’al Tfila und Ba’al Kore”, ein Amt das er ehrenhalber viele Jahre in der “Synagoge zum Tempel” Antonienstrasse versah, aber immer bereit war, in der “Landschul” oder in anderen Betstätten auszuüben. Seine Anhänger strömten in das Beth Hakneset, um sein “Tal- oder Geschemgebet” zu hören, das uns heute noch lebendig ist. In Israel setzte er diese ehrenamtliche Tätigkeit in Ramat Gan bis ins hohe Alter fort. Seine Tochter, Frau Kaete Tal, kam bereits 1924 nach Palästina; sein Sohn ist der bekannte Universitätsprofessor Dr. Martin Plessner, Jerusalem. Georg Hirschberg, der letzte jahrelange Vorsteher der “Landschul”, war ein Muster von Pünktlichkeit und Ehrenhaftigkeit. Der Unterzeichnete betete in der “Landschul” von 1914 bis 1927 täglich und bewunderte neben vielem Anderen die innige jüdische Religiosität dieses Menschen. Immer war er zur Stelle, wenn es galt, grössere Summen für “Z’daka” aufzubringen. Die wertvollen Stickerein der “Landschul” aus dem 16. Jahrhundert hat er durch Rosa Weyl in der Breslauer Kunstgewerbeschule stopfen und auf arbeiten und viele “Sifrei Thora” in Ordnung bringen lassen. Seine Liebe galt den schönen Silbergeräten seiner Schul, die mit Hilfe von Herrn Gradenwitz gepflegt wurden und immer wie neu wirkten. Seine “T’fillot” waren von tiefer Andacht und schönen Melodien getragen, imvergesslich insbesondere war sein Schacharith an den Jamim Noraim. Der Chasan der Gemeinde, Herr Freier, sein Mechutan, wirkte als echter Ba’al T’filla in der selben Schul, und Viele haben seine “Nigunim” übernommen. Die Herren Freier und Hirschberg haben der “Landschul” ihr Gepräge gegeben. Rabb. Dr. Freier, Berlin, London, Zürich und jetzt in Israel lebend, ist der zuendende zionistische Redner, Sohn des unvergesslichen Chasans Freier der “Landschul”. Georg Hirschbergs Töchter wohnen in Israel. Sein Sohn ist zur Mandatszeit durch eine verirrte Kugel ums Leben gekommen. Er stellte sich vom Anwalt zum Landwirt um. Eine Tochter und ihr Mann wurden Opfer der Naziverfolgung. All das bleibt uns unvergessen. E. L. I Möbel SIMON TEL-AVIV 2 Sheinkinstr. 16 Tel. 612857 Ji Sonderverkauf zu den Feiertagen 11 zu aussergewöhnlich billigen Preisen '| Ess-Tische Fauteuilles Einzelmöbel 11 Stühle Sofas 1j Beste Qualität. Gute Bedienung, i1 Teewagen: Dinelt u. Variete! ,1 Zum zweiten Male tritt Ursula Schulz mit einer Arbeit hervor, die sich mit jüdischen Dingen vor hundert und hundert und fünfzig Jahren in Deutschland befasst. Im vorigen Jahr hat Guenther Schulz, vermutlich ihr Ehemann, als Heft 10 der von der Bremer Volkshochschule für Erwachsenen-Bildung herausgegebenen Schriften eine Arbeit veröffentlicht, die mit dem bescheidenen Titel: “Das Berlin-Archiv” viel mehr hält, als sie verspricht. Ursula Schulz hat zu dieser abseitsgelegenen Arbeit eine Bibliographie zusammengestellt, in der eine Fülle von völlig unbekannten Arbeiten aus der Zeit um 1800 registriert werden, die sich zum Teil mit Juden befassen. Jetzt hat sie im “Jahrbuch der schlesischen Friedrich-Wilhelm-Universität zu Breslau” in Band 14 (1969) eine 63 Seiten lange Abhandlung herausgegeben, die sich mit “Wilhelm Levysohn (1815 bis 1871), einem schlesischen Verleger und Politiker” beschäftigt. Die Arbeit versetzt uns in jene romantische Zeit des Vormärz, in der die Romantiker noch zeitlich an Goethe angrenzten und nachher in der Märzrevolution 1848 und in der Paulskirche ein Neues in Deutschland zu schaffen versuchten, was freilich misslang. Bettina von Arnim, als junges Mädchen noch im Briefwechsel mit Goethe, steht in enger Verbindung mit dem Buchhändler Levynsohn in Grünberg, bei dem sie einen Teil ihrer Bücher verlegte. Wilhelm Levysohn war 1815 in Glogau geboren. Sein Vater Heymann Levysohn, ein wohlhabender Kaufmann, war schon damals, vor der Judenemanzipation von 1847, zweiter Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung. Der Sohn besuchte das Gymnasium in Glogau, studierte seit 1835 Jura in Berlin und promovierte 1841 in Jena mit einer lateinischen Arbeit, in der er auch das Asylrecht (Ir Miklat) bei den Juden behandelte. In seiner Studienzeit fühlte er sich, wie so viele andere Juden, in nicht jüdischer Gesellschaft wohl. Er verkehrte im Salon von Bettina von Arnim und sogar bei seinem Rechtslehrer Savigny, der durchaus nicht judenfreundlich eingestellt war. Ausserdem gehörte er einer literarischen Gesellschaft: “Tunnel über der Spree” an, zu der sehr bedeutende Schriftsteller gehörten, wie Theodor Fontane und Gustav Freytag. Die Wirklichkeit zerstreute freilich alle Illusionen. Er konnte nicht einmal zum Rechtsanwaltberuf zugelassen werden und entschloss sich daher zu journalistischer Tätigkeit. In Grünberg in Schlesien hatte sein Vater Anteile am Haus und an der Buchdruckerei von Martin Wilhelm Siebert. Levysohn trat zunächst als Mitarbeiter bei Siebert’s “Grünberger Wochenblatt” ein, wurde bald Redakteur und kaufte mit Hilfe seines Vaters 1842 sowohl die Druckerei, wie den Verlag, sodass er alleiniger Inhaber des “Grünberger Wochenblattes” und des Verlages wurde. Eine Fülle von Büchern, die in seinem Verlag in den Jahren 1839 bis 1859 erschienen, teilt Ursula Schulz auf 10 Seiten ihrer Arbeit mit. Es lag nahe, dass Levysohn als Herausgeber und Redakteur einer Wochenschrift sich mit der Politik beschäftigte. Er machte aus seiner demokratischen, fast radikalen Einstellung keinen Hehl und kam dadurch sogar mit dem Pressegesetz in Konflikt. Ein Gedicht “an den König von Preussen” enthält mit Bezug auf die Märzrevolution “gröbliche Schmaehungen auf den König”. Levysohn wurde deshalb vom Oberlandesgericht Glogau wegen Majestaetsbeleidigung zu einem Jahr Festungsarrest verurteilt. Einen Teil dieser Strafe büsste er in Grünberg ab. Inzwischen war er bei einer Nachwahl zur Frankfurter Nationalversammlung als Vertreter des Kreises Grünberg gewählt worden. Der in der Paulskirche tagenden Nationalversammlung gehörten ausser ihm noch mehrere Juden an, u.a. Johann Jacoby aus Königsberg, Moritz Veit, aus Berlin und vor allem Gabriel Riesser, der Vizepräsident des Parlaments war. Nach seiner Heimkehr konnte er mit grossen financiellen Schwierigkeiten seine Zeitung aufrecht erhalten, er verlegte auch andere Zeitschriften, wie das Wochenblatt des Nachbarkreises Schwiebus, eine literarische Zeitschrift: “Kritische Blätter” und sogar Abraham Geiger’s “Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie”, die sich freilich nur wenige Jahre hielt. Der jüdische Teil seines Verlages ist später an Kaufmann in Frankfurt a.M. verkauft worden. Seine Zugehörigkeit zum Judentum hat er nie geleugnet, seit 1855 war er Repräsentant der Synagogengemeinde Grünberg. Aber sein ältester Sohn Arthur liess sich frühzeitig taufen. Er hatte von seiner Frau Philippine Bernhardt, deren Eltern aus Lissa bezw. Posen stammten, sieben Kinder, ausser Arthur Eugen, Oskar, Jenny, Ulrich, Agnes und Lucie. Arthur war zuerst Redakteur der schon erwähnten Grünberger Zeitschrift “Kritische Blätter”, dann bis 1906 Chefredakteur des “Berliner Tageblatts” (vor Theodor Wolf) — und ist älteren Berlinern noch in Erinnerung. Die übrigen Geschwister waren jüdisch verheiratet. Ulrich war nach seinem Vater Inhaber des Verlages und später Direktor des “Berliner Boersen-Couriers”. In diesem “Jahrbuch der Schlesischen Friedrich- Wilhelms-Universität ” findet man auch andere Arbeiten, die sich mit Juden beschäftigen. Insbesondere sei auf den Aufsatz über des aus Rybnik stammenden Rechtsanwalt Otto Landsberg hingewiesen, den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten und Reichsjustizminister, dem anlässlich seines 100. Geburtstags ein Gedenkblatt gewidmet wird. In unserer Zeit, wo so Vieles vernichtet wurde oder aber vergraben in Archiven ruht und nie herausgeholt wird, ist es ein mühseliges, aber dankbares Unternehmen, solche vergessene Erscheinungen der Nachwelt in Erinnerung zu bringen. Wir dürfen Frau Schulz für ihre nicht ermüdende Energie herzlich danken und der Hoffnung Ausdruck geben, dass weitere gediegene Werke aus ihrer Feder folgen werden. Rabbiner Dr. Neufeld BÜCHER in sorgsamer und reicher Auswahl, hebräisch, englisch und deutsch, neu und antiquarisch LANDSBERGER Inh. I. S. Parnes TEL-AVIV, BEN JEHUDA STR. 9. Tel. 56330 7