Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1969
- Issue
- No. 25 (April 1969)
- Date
- 1969-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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iAAAAAAAA/1 Zum Feste der Freiheit im Lande der Freiheit Die “Watikim” unter uns, alle diejenigen, die in den dreissiger Jahren oder gar noch früher ins Land kamen, erinnern sich heute an viele Pessach- Feste, die sie in Palästina-Israel verbrachten. Es waren oft Feste voller Hangen und Bangen, vorher und nachher und auch oft während der Feiertage gab es Unruhen verschiedenster Art, aber immer ragte Pessach wie ein ruhender Pol gleich einer immerwährenden Hoffnung heraus aus der stets gefahrgeladenen Atmosphäre. Und als gar die Staatsgründung erfolgte und wir das Pessach 1949 erstmals auf eigenem Grund und Boden begehen durften — wie gross war da unsere Freude, unsere innere Dankbarkeit gegenüber all den früheren Jahren einer drückenden Mandatsmacht. Jedoch kann jeder nur vpn seiner eigenen Erfahrung berichten: Wir kamen im Sommer 1933 ins Land, traten (als ehemalige J.J.W.B.-er) sofort in einen der noch kleinen, noch recht primitiven Kibbuzim ein, er hiess damals Ramath-Hazafon, auch Usch, wurde erst später nach dem Besuch des berühmten General Smuts zu “Ramath Jochanan”. So heisst er bis heute, dieser nun sehr grosse, schön angelegte Kibbuz, in enger Nachbarschaft mit dem Kibbuz Kfar Makkabi. Unser kleiner Kibbuz Ramath Hazafon also, der damals rund sechzig(l) Menschen beherbergte — grösstenteils junge Amerikaner — nahm mit unserer noch nicht zehnköpfigen Gruppe die ersten “Jeckes” bei sich auf. Der eminente gesellschaftliche Sprung dieser Handvoll junger Leute beiderlei Geschlechts aus den meist wohlsituierten Verhältnissen in den verschiedenen Gegenden Deutschlands, aus den geräumigen, bequemen, gut eingerichteten Wohnungen in die Zelte und Baracken eines neu entstandenen Platzes gelang nur mit grossem jugendlichem Mut und Elan und aufgrund einiger zionistischer Vorbildung. Natürlich war es nicht einfach, sich beispielweise damit abzufinden, dass es am Ort noch sehr wenig Wasser gab und dass auch Wasser in einstigen Petroleum- Fässern aus dem nahebelegenen Kfar-Ata gebracht wurde. Das damit gekochte Essen hatte stets einen leichten “Hautgout”, doch trösteten wir Jungen uns immer untereinander damit, dass ja “Neft” ein ausgezeichnetes Desinfektionsmittel sei... Ja, es gab viel Begeisterung in jenen Tagen, wie hätten wir es überhaupt ohne sie geschafft? — Die meisten von uns hatten bisher nie körperlich gearbeitet, nun taten sie es in der noch so jungen Landwirtschaft, begannen bald mit dem Häuserbau in Ir-Ganim und in den heutigen Krajoth; wir Mädchen und Frauen wuschen Wäsche, nähten einfache Kleidungsstücke zur Arbeit, bereiteten das Essen, für das zu jener Zeit im Kibbuz ein “Taxif” von 3Mi Piaster pro Kopf und Tag(l) ausgesetzt war — heute gar nicht mehr vorstellbar! Dabei gab es auch einige amerikanische Elternpaare, darunter Kranke und Schwache, die eine gewisse Diät nötig hatten — alles wurde bewältigt. Und dann erlebten wir die ersten Feste: als im Herbst 1933 die “Jamim noraim” nahten, fuhren wir nach Haifa zu neugewonnenen Freunden, um diese Tage dort zu verbringen, halbfertige Synagogen zu besuchen, unter Tränen die altvertrauten Melodien mitzusingen — wusste doch ein grosser Teil von uns noch seine Lieben dort in der entsetzlichen Hölle. Im Dezember feierten wir Chanukkah im Kibbuz, es gab damals schon vierzehn Kleinkinder, wir zündeten die Kerzen an und unser lautes “Maos Zur” drang hinaus in die milde Regennacht. Dann wurde der Winter stärker, wir lernten die Kälte eines heissen Landes kennen, froren auf unseren Strohsäcken und in Zelten und freuten uns, als endlich Pessach näherrückte. Nun erlebten wir zum ersten Mal in Palästina das Fest der Freiheit — aber noch nicht im Lande der Freiheit! Es gab laufend arabische Unruhen, englische Razzien, Verhaftungen, Übungen im geheimen und vieles andere, was heute schon fast dem Vergessen anheimgefallen ist. — Und dennoch war es ein so herrliches Pessachfest: wir nahmen erstmals an einem Kibbuz-Sederabend teil, der in manchem vom traditionell Gewohnten abwich, weil er bereits die neuere Geschichte mitbeinhaltete, es war eine Art von modernisierter Haggadah, die wir zu hören bekamen. Dafür war die Kost streng rituell, Kaum Jemand aus Elbing und nur sehr wenige alte Breslauer werden sich noch des Rabbiners Dr. Leo Fabian erinnern, der vor mehr als 60 Jahren in der grossen Synagoge am Schweidnitzer Stadtgraben neben Professor Dr. Guttmann als Rabbiner tätig war. Vor 100 Jahren, 1868, ist er in Elbing geboren. Wer die Vergangenheit der Elbinger Gemeinde kennt, muss sich wundern, dass ein Elbinger Kind, in Elbing geboren und erzogen, damals, noch vor der Zeit des Zionismus, soviel jüdische Werte besass, dass er die Berufung in sich fühlte, Rabbiner zu werden. Ob er im Elternhaus viel jüdisches erlebte, ist nicht bekannt. Einer seiner Brüder war Arzt in Elbing und stand jüdischen Fragen gleichgültig gegenüber. Ein Anderer, in Königsberg verheiratet mit einer Baerwald aus Nakel (Matzotfabrik) war positiver eingestellt und nahm im Gemeindeleben in Königsberg, als Präsident der Kant-Loge und im Ostpreussischen Synagogenverband eine geachtete Stellung ein. Die Beziehungen zu seinem 16 Jahre jüngeren Kollegen Leo Baerwald in München waren wohl nicht nur freundschaftlicher, sondern auch verwandschaftlicher Natur. Wie es um die Gemeinde Elbing stand, wissen wir genau. Es gab zwar keine Neuerung im Gottesdienst, aber die Gemeinde, die damals schon mehr als 500 Seelen zählte, war gleichgültig. Die führenden Leute, zum Teil Akademiker, wehrten sich mehrere Jahrzehnte gegen die Anstellung eines Rabbiners, wobei sie nicht nur Geld sparen, sondern vor Allem nicht aus ihrer Gleichgültigkeit aufgescheucht werden wollten. Der Erste, welcher damals den Posten eines Rabbiners bekleidete, Dr. Imanuel Schreiber (1873 bis 1878) war sicher nicht Rabbiner. Er erregte in Elbing und später in Bonn wegen seines unjüdischen Lebenswandels Unwülen und ging nach Amerika, wo er als Reformrabbiner an der richtigen Stelle war. Nach ihm kam Dr. Gottlieb Klein (1879 bis 1883), der wie sein grosses Vorbild Dr. Siegmund Maybaum aus Ungarn stammte und nur Deutscher sein wollte, in diesem Sinne hat er auch die Elbinger Jugend erzogen. Diese Beiden können also nicht auf den jungen Fabian gewirkt haben. Aber nachher kam ein damals noch sehr junger Rabbiner Dr; Max Kopfstein (1883 bis 1887), der später in Ems und in Beuthen war und der, wie noch heute viele Oberschlesier bezeugen können, durch sein bewusst jüdisches Auftreten, die Jugend begeisterte. Eine bezeichnende Aeusserlichkeit: Sofort nach seinem Amtsantritt in Elbing sorgte er dafür, dass die Knaben beim Unterricht mit Kopfbedeckung sassen, was es gab die ganzen acht Tage auf neuem Geschirr Mazzoth und alle die guten Dinge, die sich daraus bereiten lassen, und wir, die dem grausamen Schicksal der europäischen Juden Entronnenen, glaubten, noch nie ein so schönes Pessachfest erlebt zu haben. Inzwischen haben wir viele Wiederholungen gefeiert, unzählige Neueinwanderer strömten ins Land, immer brachten die jeweiligen Gruppen ihre eigenen Sitten und Gebräuche mit; aber die Grundidee ist geblieben, aus welcher Herren Länder auch immer unsere neuen Mitbürger hierher, also wirklich nach Hause kommen: Pessach ist heute für uns alle nicht nur der Inbegriff der Erinnerung an den Auszug aus ägyptischer Fron, sondern aus der Fron der Galuth schlechthin. Pessach in Israel hat nun endlich die Bedeutung des Freiheitsfestes im Lande der Freiheit — für uns und hoffentlich für alle kommenden Generationen! Frieda Hebel bei seinem Vorgänger nicht geschehen war. Es ist nicht nachzuweisen, aber sehr wahrscheinlich, dass Kopfstein aus Leo Fabian von 1883 bis 1887, also in Fabians entscheidenden Jugendjahren, vom 15. bis 19. Lebensjahr, einwirkte. Wer immer Fabian beeinflusst haben mag, jedenfalls entschloss er sich, 1887 das Breslauer Seminar zu beziehen, er beendete seine Studien 1896, war Bibliothekar der jüdischen Gemeinde und von 1900 bis 1909 Schuldirigent und stellvertretender Rabbiner in Breslau. Aber er fand in seinem Beruf offenbar nicht die Befriedigung, die er erhoffte. Auch hier sind die Beweggründe nicht nachzuweisen. Jedenfalls entschloss er sich, 1909 die Leitung der Israelischen Weisenanstalt in Breslau zu übernehmen. Er starb dort sehr jung, im 50. Lebensjahr, am 14. Februar 1918, also im letzten Kriegswinter, in der Zeit der mangelnden Ernährung, in der die Wiederstandskraft gegen Krankheiten gebrochen war. Rabbiner Dr. Schlomo F. Ruelf in Naharia hat in seiner Selbstbiographie: Biographie: “Ströme im dürren Land” auch die Zeit beschrieben, in der er, schon nach dem Tode von Fabian, in der Israelitischen Waisenanstalt tätig war und dort auch die Söhne von Fabian, Walter und Alfred, unterrichtete. Walter ist leider gestorben; Alfred ist, wie sein Vater, auf dem Breslauer Seminar gewesen, ist Rabbiner geworden und wirkt heute als Rabbiner in Lindfield (N.S.W.) in Australien. Rabbiner- Dr. Neufeld NOTIZ Dr. Siegmund Hadda, New York früher Breslau, der bekannte und beliebte Arzt und Chirurg weit über Schlesiens Grenzen berühmt, der in den Nummern 19 und 20 unserer Verbandsblätter über “Jüdische Aerzte in Breslau“ so interessant geschrieben hat, kam mit einem beachtungswerten Aufsatz heraus, der im Jahrbuch der Schlesischen Friedrich Wilhelm Universität zu Breslau 1969 Band XTV Holzner Verlag Würzburg 1969 als Sonderdruck erschienen ist. “Medizinstudent in Breslau am Anfang unseres Jahrhunderts“. Wir danken Herrn Dr. Hadda für die Übersendung der Broschüre, die Zeugnis ablegt für die grosse Arbeitskraft, die der Verfasser in die Arbeit hineingelegt hat und die hochinteressant jedem empfohlen werden kann, der sich diese Zeit noch einmal vergegenwärtigen will. Wir wünschen Herrn Dr. Hadda weitere Schaffenskraft und geistige Regsamkeit und danken ihm für die Überreichung der Broschüre. Verband ehemaliger Breslauer In Elbing und in Breslau ZUM 10«. GEBURTSTAG VON Dr. LEO FABIAN *