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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1969-04-01 · No. 25 (April 1969) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1969
Issue
No. 25 (April 1969)
Date
1969-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Germania Judaica, zweiter Band (Forts, von Seite 2) Hilfe seiner Frau neben seiner Tätigkeit als Schulleiter durchführte. Dreimal wurden ihm Reisen nach Europa zur Aufspeerung und Verarbeitung des nur in Europa erreichbaren, nicht hebräischen Quellenmaterials ermöglicht. Einmal war er fast ein volles Jahr v. seinem Hauptamt befreit Dennoch zog sich die Arbeit, die Machtprüfung, die Ergänzung der früheren Arbeiten immer weiter und weiter hin und verzehrte seine Kräfte. Noch auf seinem Krankenbett galten seine Gedanken der Beendigung der Arbeit, und immer hoffte er auf Vollendung. Im Mai 1967 ist er seiner Krankheit im Alter von erst 66 Jahren erlegen. Vielleicht wird man nachdenklich fragen, ob nicht noch ein zweiter Herausgeber zu finden gewesen wäre, der die nötige Vorbildung besass und bereit war, diese Last auf sich zu nehmen. Es scheint mir, dass man diese Frage leider verneinen muss. Es gibt heute wohl keine Gelehrten mehr, wie die Professoren Brann, Ellbogen oder Freimann, die neben ihren zahlreichen anderen Arbeiten auch diese Last auf sich zu nehmen geeignet und bereit sind. Und so musste Avneri, ursprünglich kein Spezialist auf diesem Gebiet, sich erst in diese Arbeit hineinknieen und musste die Last auf sich nehmen, die beim ersten, nur halb so umfangreichen Band zwei bezw. drei Gelehrte getragen hatten. Ein beträchtlicher Teil der Artikel ist nicht signiert, stammt also aus seiner Feder, alle anderen sind von ihm überarbeitet worden und so ist wirklich das Werk in seiner Gesamtheit sein geistiges Eigentum. Es hat natürlich ein anderes Gesicht, als das Werk von 1916 und von 1934, nicht nur wegen der schon erwähnten Bilder, Karten us.w. Damals hat man sämtliche Artikel einem einzigen Mitarbeiter übertragen, diesmal überlies man die speziellen Arbeiten über mittelalterliche Gelehrte zwei talmudisch vorgebildeten Facharbeitern. Emst Daniel Goldschmidt und Joshua Amir (das ist Hermann Neumark/Duisburg). So hat Goldschmidt Alexander Süsskind bearbeitet, den Verfasser des Werkes: ”Agudda“, ferner Ascher Ben Jechiel, “Rosch” genannt, Chajim Paltiel, “Tolaat” genannt, den “Mordechai”, das ist Mordechai Ben Hillel aus Nürnberg, und vor allem hat er eine ausführliche Abhandlung über den bedeutendsten Rabbiner dieser Zeit geschrieben: über Rabbi Melr aus Rothenburg. Aehnlich hat Amir über den Bruder des Rabbi Meir geschrieben, Abraham Ben Baruch, zwei Nürnberger Gelehrte, Zeitgenossen des Mordechai, über den Sohn und den Bruder des “Rosch”, Jakob Ben Ascher, den Verfasser der “Turim”, und Ghajim Ben Jehiel und schliesslich über Chajim Ben Isaak Or Sarua aus Wien. Geographisch hat der zweite Band eine Einengung erfahren. Man hat in dem ursprünglichen Programm von 1903 beschlossen, alle Ortschaften “des Deutschen Reiches” zu behandeln. Damals, dreissig Jahre nach Gründung des Bismarck’schen Reiches, stand man offenbar noch so im Bann dieses neuen Reiches, dass man vergass, historisch zu denken. Zu allen Zeiten haben sich die Grenzen der Länder geändert. Das “Römische Reich deutscher Nation” ist in seinen Grenzen nicht identisch mit dem Habsburger Reich und erst Recht nicht mit dem Bismark’schen Reich. Man hat vergessen, dass in den Grenzen des neuen deutschen Reichs von 1871 auch Franzosen und Polen wohnten. Im ersten Band hat man noch Metz, Posen und einige kleine Posen’sche Ortschaften, (Gnesen, Kraschwitz, Wronke u.s.w.) berücksichtigt und sie sogar ins Register für den geplanten zweiten Band aufgenommen. Noch 1938 hat Ellbogen in der erwähnten Beratung mit Freimann auch über Juden in Gnesen und Kumik beraten. Inzwischen aber ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass in der “Germania Judaica” das mittelalterliche deutsche (und zumeist deutschsprechende) Judentum zu behandeln ist, ohne Rücksicht auf die politischen Grenzen von damals und von heute. Daher ist Metz und Posen weggefallen, selbstverständlich bleibt das Neue Deutsch-Östreich, und es bleiben auch Prag, Brünn und andere Tschechische Orte. Andererseits hat man die ganze deutschsprachige Schweiz (nach der mittelalterlichen Sprachgrenze) hinzugenommen, ebenso Luxemburg und einen Teil der Niederlande, sogar auch Antwerpen und Brüssel. Im Süden konnten deutsche und italienische Juden von einander abgegrenzt werden, und daher auch die italienischen und die jugoslawischen Gebiete von Triest, Goerz, Friaul und Krain weggelassen werden. Man kann mit sehr viel Energie und Ausdauer alle zehn Bände von Dubnow in vielen Monaten durcharbeiten, aber man kann nicht ein Lexikon, eine Enzyklopädie und auch nicht die “Germania Judaica” durchlesen, weil es sich eben um Nachschlagwerke handelt. Will man im Enzelnen Prüfungen vornehmen, so kann es sich nur um Stichproben handeln, Fehler und Lücken kann man nur zufällig erkennen. Dabei ergibt sich, dass die Arbeit nicht ganz gleichmässig ist. Manche der Mitarbeiter haben kurz und bündig geschrieben, andere sind sehr weitschweifig, wie Ernst Fränkel, z.B. in den Artikeln Aschersleben und Stendal. Den kleinen Ort Aken hat er so umfangreich beschrieben, wie Prag von Awneri bearbeitet wurde. Awneri hat es überhaupt verstanden, sich Beschränkung aufzuerlegen, wie z.B. im Artikel Bacharach, aber er hat nicht gewagt, bei anderen Arbeitern zu streichen oder zu kürzen, was nötig gewesen wäre. So hätte der einzige Aufsatz von Louis Lewin gänzlich fortfallen können: Braunau, angeblich Stadt im Kreis Gührau in Schlesien. Aber seine Quellen sind ausschliesslich aus Österreich und aus Mähren. Es handelt sich ohne Zweifel um einen Ort in der Tschechoslovakei. Auch bei Toni Oelsner hätte vieles gekürzt und manches gestrichen werden können. Sie hat eine ganze Anzahl Ortschaften behandelt, die in der vor zwei Jahren von der Archivdirektion Stuttgart veröffentlichten Darstellung der jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollem in diesem Zeitraum keine Juden vermerken. Sie hat manche Orte behandelt, die ursphiinglich nicht vorgesehen waren und in denen das Vorhandensein von Juden zweifelhaft ist. Als ein Beispiel sei Goeppingen angeführt: Ein wahre Kurz vor meiner Auswanderung nach Bolivien hatte ich ein Erlebnis, welches ich Ihnen gern erzählen möchte. Vor meiner Auswanderung lebte ich 2—3 Jahre in Leipzig, vorher aber jahrelang in Breslau. Mein verstorbener Mann war in den Jahren 1938 bis 1939 im Sanatorium in Berlin, da er Depressionen hatte. Eines Tages bekam ich eine telefonischen Anruf, ich möchte schnell ins Sanatorium kommen, da sich mein Mann nicht gut fühle. Ich beeüte mich den Schnellzug zu erreichen und stand nun am Bahnsteig. Ich war sehr aufgeregt und die Tränen kamen mir aber ich achtete nicht darauf. Plötzlich wurde ich angesprochen. Ein Schutzmann stand neben mir und fragte mich, warum ich weine. Ich erzählte ihm, dass ich einen kranken Mann hätte, zu dem ich nach Berlin fahren will. Dann sagte ich noch, dass die Situation für die Juden doch sehr schwer sei und antwortete er mir, auch er sei Jude, was ich ihm aber nicht Die einzige höchst fragwürdige Nachricht stammt aus dem alten Deutzer Memorbuch. Dieses ist keine zeitnahe Quelle, sondern eine sehr späte Abschrift eines Memorbuches. Darüber hat sie zwei Zeilen geschrieben, vorher aber über die allgemeine Geschichte der Ortschaft vier Zeilen. Das ganze hätte wegbleiben können, ebenso Geislingen und eine ganze Anzahl Ortschaften, die in der von der Regierung Baden-Württemberg vor zwei Jahren veröffentlichen Darstellung der jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollem entweder überhaupt fehlen, oder in diesem Zeitraum keine Juden nennen. Im wohltuenden Gegensatz wird das Württemberg benachbarte Baden mit besonderer Gründlichkeit von Berthold Rosenthal, auch schon im ersten Band, und jetzt wieder behandelt. Am Beispiel von Freiburg konnte ich feststellen, dass er sogar eine kleine Arbeit, die von mir schon 1911 verfasst wurde, in einer entlegenen Oberrheinischen Zeitschrift aufgespürt hat. In der kürzlich erschienenen, auch von der Regierung Baden-Würtemberg herausgegebenen Darstellung der jüdischen Gemeinden in Baden fehlen manche Gemeinden, die Rosenthal mit Recht behandelt hat. Besonders geglückt sind auch die Arbeiten von Arje Maimon. Es wird behauptet, dass er identisch sei mit Herbert Fischer. Falls dies stimmt, hat auch er schon am ersten Band mitgearbeitet und den sehr ausführlichen Artikel Würzburg von Leopold Loewenstein ergänzt. Neben Goslar seien seine Arbeiten über Braunschweig, Goettingen, Helmstadt als Musterbeispiele hervorgehoben. Dann sei noch Stolpe, zwischen Berlin und Potsdam, genannt, dass ich schon früher festgestellt hatte. Die Juden der Vogteien Stolpe, Jagow und Kyritz beteiligen sich 1345 an einer ausserordentlichen Steuer für den Markgraten von Brandenburg. Stolpe ist fast gleichzeitig mit dem nahen Berlin gegründet worden, damals war es schon Sitz einer Vogtei. Berlin ist Weltstadt geworden, aber Stolpe hat sich nicht entwickeln können. Es hat keinen Sinn, noch mehr einzelne Aufsätze zu beobachten und zu kritisieren. Andere mögen anderes Gutes oder Fehlerhaftes herausfinden. Der Wert des Werkes liegt in seiner Gesamtheit. Es darf gesagt werden, wir können uns freuen, dass es dem Leo Baeck-Institut gelungen ist, alle persönlichen, sachlichen, technischen Schwierigkeiten zu überwinden u. nach so vielen Jahrzehnten dieses Werk zu vollenden. Es ist ein Standartwerk und es wird bleiben. Rabbiner Dr. Neufeld s E r I e b n i s glauben wollte, denn es gab ja in dieser Zeit keinen jüdischen Schutzmann mehr. Da ich zweifelte holte er seinen Pass aus der Tasche und zeigte mir seinen Namen. Er hiess “Fritz Jude“. Da musste ich doch lachen und meine Stimmung war gebessert. ALLE EHEM. BRESLAUER treffen sieb in TEL-AVIV, im Cafe NOGA (vis ä vis Mograbi) Pinskerstr. 4 (TeL 56063) Touristen u. Einheimische herzlich willkommen! Behaglicher Aufenthalt, auch air conditloned. Räume für Konferenzen, Versammlungen, Künstlerische Veranstaltungen, usw.

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