Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1969
- Issue
- No. 25 (April 1969)
- Date
- 1969-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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(Fortsetzung von Seite 1) neskraft des jiid. Volkes begnügen. Laban suchte die Axt an die Wurzeln des jüdischen Baumes zu legen, indem er die jüdische Familie zu treffen suchte. (Wir sind weit entfernt von denjenigen, die in unseren Tagen die Frage zur Debatte stellten und in Zweifel zogen, ob wirklich nur derjenige Jude ist, der von einer jüdischen Mutter geboren ist, zu unterstellen, als hätten sie “Auflösungstendenzen” im Auge gehabt. Das Gegenteil ist vielleicht der Fall. Sie wollten wohl “aus Liebe zum jüdischen Volk” — wenn auch falsch verstandene Liebe — alle diejenigen zu Juden machen, die sich zu unserem Volke bekennen. Die Antworten aus allen Lagern haben in ihrer überwiegenden Mehrheit sich zu dem seit jeher geheiligten Grundgesetz bekannt. Aber die Diskussionen über die Frage “Wer ist Jude” sind nicht verstummt. Wir möchten jedoch meinen, dass sich hinter der Frage noch ein viel tieferer Grund verbirgt. Es ist leider Tatsache, dass weite Kreise des jüdischen Volkes seelisch entwurzelt sind und nicht wissen, was sie mit dem Judentum anfangen sollen, und wozu sie Juden sind. Ihre Losung ist — nicht im völkischen Sinne — D’lJD rrni wir wollen “frei” sein wie alle anderen Völker u. sie sehen in dem Begriff nVno Dl? das “ausserwöhlte Volk” leider nichts anderes als den Ausdruck einer Selbstüberschätzung anstatt einer hohen “Selbst-Verpflichtung”. Wir beginnen unsere Feier in der Pessach Nacht mit einer historischen Reminiszenz san^ Sil lonms itOK ’7 N’JS Das ist das armselige Brot, das einst unsere Väter in Aegypten assen und wir fahren fort mit einer doppelten Aufforderung sich am jüdischen Tisch zu sättigen: noD’i ’rv” Tnm to ’n« rs3i "Wer hungrig ist, komme und esse mit uns, wer bedürftig ist, komme und feiere mit uns das Pessach Fest”. Wozu diese wiederholte Aufforderung an die Hungrigen? Sollte nicht der erneute Ruf nOD’l W *p"i27 t’a ein Aufruf an das jüdische Gewissen bedeuten, sich auf den geistigen Inhalt der ungeheuren Evolution des jüdischen Volkes in Aegypten zu besinnen? Freilich nicht frei von etwas sondern frei zu etwas, zu dem Entschluss aus einer deformierten willenlosen Masse zu einem Willensstärken, in Selbstbewusstem Volke zu werden. Nicht allein nrv’n körperliche Freiheit sondern min ins Herz eingegraben das jüdische Gesetz, durch das unser Volk allein seine jüdische Existenzberechtigung hat. Vielleicht wäre das ein Gesprächsthema zwischen uns und unseren Kindern am Seder Abend? Rabbiner H. B. Auerbach, Tel-Aviv SHAOOLY -<»"•- '1INUJ GOLD and SILVER JEWELLERY ART OBJECTS Bib Selection of religious articles for BAR-MIZVA: Kosher Tfilin, Talith, Sidur, Bibles etc. Orders accepted and firwarded to any place in the world. Recomended by the Government Tourist Corporation. Tel-Aviv, 62 Ben-Yehuda St. — Tel. 220138 Germania Judaica, zweiter Band (1238 BIS ZUR MITTE des 14. JAHRHUNDERTS) ENDLICH, endlich also ist das langersehnte Werk erschienen, die Fortsetzung des 1934 vollendeten ersten Bandes der Germania Judaica: Germania Judaica, zweiter Band 1238 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts) (Tübingen 1968. I.C.B. Mohr. Dr. Siebeck 1000 S.). Als die erste Hälfte des ersten Bandes (A. bis Löwenberg) Ende 1916 erschien, besprach ich sie Anfang 1917 im Israelitischen Familienblatt, Hamburg, der damals führenden Jüdischen Zeitung, unter der Überschrift: “eine Wissenschaftliche Grosstat”. Vielleicht kann mit gewissen Einschränkungen nach mehr als 50 Jahren auch dieses grosse abschliessende Werk als wissenschaftliche Grosstat bezeichnet werden, und es wird zweifellos als Gesamtwerk für die Zukunft bleibend sein, und spätere Forscher werden es als Grundlage für weitere Arbeiten verwerten können. Es hat sich auch, dem Fortschritt der Zeit entsprechend, die neuen Formen, Bilder, Karten u.s.w., zu eigen gemacht, aher — man muss auch mit Wehmut feststellen, wie lange und wie schwere Zeiten inzwischen über das jüdische Volk gekommen sind, und wieviel wir an wissenschaftlichen Spezialkräften verloren haben, für die es keinen Ersatz gibt. Der erste Teildes ersten Bandes wurde 1916 herausgegeben von Professor Marcus Brann und Professor Aron Freimann, der zweite Teil 1934 von Professor Ismar Elbogen, wiederum von Professor Aron Freimann und Dr. Haim Tykocinski. Der zweite Band wurde jetzt herausgegeben von Dr. Zvi Avneri (der früher Hans Lichtenstein hiess). Zu den Mitarbeitern gehörten damals und auch heute Moses Ginsburger, Adolf Kober, Louis Lewin (in beiden Bänden aber nur mit einem einzigen Artikel!), Hans Lichtenstein, Leopold Moses, Berthold Rosenthal. Ferner arbeiteten damals mit: Jakob Freimann, Jakob Jacobson, Leopold Löwenstein, Siegmund Salfeld. Heute haben von den 19 Mitarbeitern die meisten nur wenige Artikel geschrieben, mehr als 30 Aufsätze schrieben: Moses Ginsburger, Emst Fränkel, Felix Lazarus, Toni ölsner, Berthold Rosenthal. Dass auch ich zu diesen Mitarbeitern gehöre, dürfte kein Hindernis sein, ganz objektiv über die Arbeiten der Andern über das Gesamtwerk zu urteilen. Eines aber ergibt sich beim Vergleich mit den Namen der früheren Mitarbeiter: Wir sind arm geworden, sind gewissermassen Epigonen! Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums wurde 1902 auf Initiative des Rabbiners Dr. Leopold Lucas in Glogau gegründet. Schon im Winter 1903 hat ihr Ausschuss beschlossen: unter dem Titel” “Germania Judaica” ein alphabethisches Verzeichnis aller Ortschaften des Deutschen Reiches, in denen von den ältesten Zeiten bis zu den Wiener Verträgen jüdische Ansiedlungen bestanden haben, anzulegen und deren Geschichte auf Grund der Quellen wissenschaftlich darstellen zu lassen”. Von der Planung bis zur Verwirklichung ist freilich ein weiter Weg. Bis heute sind es fünfundsechzig Jahre geworden, und die Arbeit reicht nur bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Ob sie fortgeführt werden wird, wenigstens bis zum Ende des Mittelalters, wenn nicht, wie ursprünglich geplant, bis zu den Wiener Verträgen, ist unbekannt. Man wandte sich damals an den gefeiertesten mitlebenden Gelehrten Moritz Steinschneider, der freilich mit seinen damals 88 Jahren die Mitarbeit ablehnte, und man wandte sich an die besten jüdischen Historiker, die ihre Mitarbeit in einem beratenden Ausschuss zusagten. Es waren die Professoren Philipp Ploch-Rosen, Brann-Breslau, Georg-Caro-Ziirich, Freimann-Frankfurt, Ludwig Geiger-Berlin, Salfeld-Mainz und die Rabbiner Gross- Augsburg und Loewenstein-Mosbach. Manche von ihnen starben bald, Andere traten an ihre Stelle, wie die Professoren Martin Philippson, Ellbogen, Kracauer-Frankfurt, und Dr. Haim Tykocinski. Erst 1909 erschienen in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums die ersten acht Artikel von Brann, Freimann und Tykocinski, die als Proben zeigen sollten, wie zu arbeiten sei. Aber erst 1916 erschien der erste Teil des ersten Bandes, der von Aachen bis Loewenberg reicht. (Frankfurt a.M. I. Kauffmann 1917. 163 Seiten). Die Herausgeber gaben der Hoffnung Ausdruck, dass der abschliessende zweite Teil binnen Jahresfrist erscheinen würde. Sie hatten sich gründlich geirrt. Es wurde nicht in einem Jahre, aber auch nicht in 10 Jahren, in den ruhigen Zeiten um 1928, sondern erst nach 18 Jahren kam der zweite Teil heraus. (Lothringen bis Zuelpich. Breslau. M. und H. Marcus 1934. S. 161 bis S. 540). Man hätte annehmen können, dass bei dem immer stärker werdenden Druck der Nazizeit die Fortsetzung des Werkes vertagt werden würde. Es zeugt vofi dem unbeirrbaren Willen der Juden, sich trotz allem nicht in der jüdischen Arbeit stören zu lassen. Auf der Versammlung der Gesellschaft im Juni 1936 beantragte Rabbiner Dr. Nahum Wahrmann in Oels, die Fortsetzung der Arbeit zunächst bis ungefähr 1350. Es dürfte wohl kein Zufall sein, dass von Glogau und von Oels die Anregungen zu diesen wissenschaftlichen Unternehmungen ausgegangen sind: Der Einfluss des Breslauer Seminars zeigt sich hier weiter wirkend. Wir wurden also damals, 1936, von den bisherigen Heraisgebem, den Professoren Ellbogen und Freimann, zur Mitarbeit an diesem zweiten Band aufgefordert, und wer auch noch unter dem Druck dieser Zeit fähig war, arbeitete noch bis Ende 1938. Bei seiner Auswanderung im Herbst 1938 hat Ellbogen noch auf der Durchreise in Frankfurt mit Freimann über Einzelheiten der weiterzuführenden Arbeit beraten, und das Ergebnis dieser Beratungen wurde den Mitarbeitern mitgeteilt. Es hätte sich gehört, in dem jetzt erschienenen Band dieser beiden tragenden Kräfte zu gedenken. Auch Emst Fränkel sei genannt, der damals als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter für uns Quellenmaterial sammelte und jetzt, inzwischen als Universitäts-Professor selber zu den wesentlichsten Mitarbeitern gehört. Die Zerschlagung des deutschen Judentums seit November 1938 schien Alles zu zerstören. Aber dem war nicht so. Zwar wurden die eingegangenen Artikel beschlagnahmt, aber es gab genug Duplikate, und so konnte 80 Prozent des Materials über London nach Jerusalem gerettet und sofort verwertet werden, als nach der Zeit der Schrecken das Leo Baeck-Institut 1955 gegründet wurde und die Fortführung des Werkes beschloss. Für diejenigen, die einen grossen Teil der Arbeit schon 1938 vollendet hatten, nahm die Fortführung und Vollendung nicht viel Zeit in Ansprach. Aber für viele Gebiete mussten erst neue Mitarbeiter gesucht werden, und vor Allem musste der geeignete Herausgeber gefunden werden, der zu dieser verantwortungsvollen Aufgabe fähig und auch bereit war. Es war nur ein Zufall,, dass Hans Lichtenstein, nunmehr Zvi Avneri genannt, noch für den 1934 erschienenen Teil einige Zeilen als Ergänzung zum Artikel Aschaffenburg geliefert hat. Diese zwölf Zeilen wurden entscheidend für die Fortsetzung des Werkes, aber auch für Avneri’s persönliches Schicksal. Er wurde mit der Herausgabe des Werkes betreut, und er widmete sich mit staunenswertem Eifer dieser Arbeit, die er mit (Forts, auf Seite 3) 2