Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1968
- Issue
- No. 24 (September 1968)
- Date
- 1968-09-01
- Page
- Seite 12 (sequence 2725)
- Language
- German
- Belongs to
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BRESLAU, d. BEDEUTENDE UMSCHLAGPLATZ (Fortsetzung von Seite 11) aufgestapelt. — Die Stadt hatte dadurch grosse Verdienste und die Kaufmannschaft ausreichende Beschäftigung aller Art sowie gute Gewinne und hat sich im ganzen Reich grosse Anererkennung erworben. Breslau hatte grosse Lagerhäuser gebaut, Reinigungsanlagen. Später wurde der Stadthafen mit den modernsten Einrichtungen benutzt. Ebenso gab es viele \Mühlen, welche enorme Mengen G$?‘ treide auf nehmen konnten: Die Schottwitzer Mühlenwerke, Anwand, Marienmühle, Klostermühle, Iwand, Clarenmühle 1 u. 2 diese alle in Breslau. Ferner grosse Mühlen in Ober — Mittel und Niederschlesien. Die bedeutendsten Grossfirmen, die sich hauptsächlich mit Grossisten, Händlern, Mühlen, In u. Export befassten waren im letzten Jahrhundert Albert Kuh, Lipschütz & Peiser, Koppenheim & Goldschmidt, Schreiber & Guthmann, Kary & Gerson, Birkenfeld Cohn, Isidor Freund, Gebrüder Maschler etc. Dann gab es einen anderen Zweig von Grossfirmen, die lediglich mit Landwirten im Inland handelten, es waren Sternberg, Düngerhandlung, Jakob Lobethal, Oswald Hoffmann, Friedenthal, Kuester & Co, Oskar Schuftan und viele andere. Selbstverständlich befassten sich auch die am Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten grossen Genossenschaften wie Raiffeisen, Hauptgenossenschaft etc. mit den gleichen Funktionen. Es wurden grosse Quantitäten von Saaten geliefert, wobei Breslau als Umschlagplatz und für Manipulation etc. benützt wurde. Zwei bedeutende Reinigungsanstalten waren vollauf beschäftigt und später wurden diese Saaten im ganzen Reiche gehandelt. Benso gab es grosse Firmen in der Kolonialwarenbranche, die speziell Hülsenfrüchte und Gewürze aus dem Osten aufkauften, um sie dann in kleineren Mengen dem Konsum resp. Handel zuzuführen. Bedeutend war auch die Breslauer Spritfabrik, die sich ebenfalls mit Getreide und Futtermittelhandel befasste. Es gab auch eine Malzfabrik in Breslau, ferner viele in Schlesien. Breslaus Handel war besonders berühmt. In früheren Jahrhunderten war es die grosse öffentliche Gettreidemarkthallle am Christophorieplatz, die vorher auch als Lagerplatz für alle Arten von Gütern diente, wo die täglichen Zusammenkünfte aller Interessenten mit der Bezeichnung “Getreidemarkt” stattfanden. Später trat an ihre Stelle die “Produktenbörse” in den Räumen der Handelskammer, Graupenstr. wo viele, viele hunderte Firmen, Gesellschaften, Makler tagten. Vorsitzender der Produktenbörse war Wilhelm Lasch i/Firma Albert Kuh, nach dessen Tode Fritz Goldschmidt. Es wurde auch eine Getreide — Futtermittel und Saaten Vereinigung gegründet, der ein eigenes Schiedsgericht angeschlossen war. Die einzelnen Paragraphen und Statuten wurden von den besten Köpfen der Branche in monatelangen Sitzungen ausgearbeitet. Das Schiedsgericht bestehend aus 1 Obmann, 2 Beisitzern tagte wöchentlich 2 bis 3 Mal, das Oberschiedsgericht mit einem Obmann und 4 Beisitzern jeden Montag, dem Hauptbörsentag. Ein Syndikus sekundierte jedoch lediglich beratend, zuerst war es Siegfried Morgenstern, dann Stadtrat Simon, zuletzt Dr. Lachmann. Die Funktionen des Schiedsgerichts waren möglichst Vergleiche zu erreichen (, was in ca. 50% aller Fälle gelang. Die Urteile waren nach 30 Tagen durch das zuständige Amts — Landsgericht volstreckbar. Diese Blütezeit nahm wie vieles andere ein Ende als Hitler zum Ruin Deutschlands die Regierung übernahm. Der Breslauer Thealerkomiker Oskar Will Das war eigentlich vor jeder Spielzeit so: erinnern Sie sich liebe Breslauer Leser? Direktor Loewe eröffnete die Saison im Lobetheater stets an Goethes Geburtstag. Also erschien Anfang August eine Vorschau über die Werke, die die “Vereinigten Theater” im Laufe der kommenden Saison aufzuführen gedachten und gleichzeitig eine Liste der Künstler, der bisherigen und der neuengagierten, mit Rollengebiet und “woher der Fahrt”. Alle waren sie da genannt, die Bühnenvorstände, die Kapellmeister, die Correpetitoren, die Regisseure für Oper, Operette und Schauspiel, das Balletpersonal, die technischen Mitarbeiter, Bühnenmeister Beleuchter, Chor und “Statistik” und las not least der “Kastengeist” (Souffleur), und die nette Dame mit dem “einnehmenden” Wesen. — Und in keinem Vorbericht der Dinge, die da kommen sollten und der Völker und Namen, die wir als Liebhaber, Bonvivants, Väter, Helden oder Bösewichter im Laufe der Saison bewundern und schätzen lernen sollten, fehlte derjenige unseres Regisseurs und Komikers Oskar Will. Es ist unvorstellbar, wie beliebt dieses kleine rundliche Theaterblut beim Breslauer Theaterpublikum war. Man nannte ihn “Papa Will”. Vielen Volksstücken im Thaliatheater war er der verständnisvolle Regisseur, der selbst aus den verstaubtesten Possen und Schwänken noch herausholte, was überhaupt denkbar war. Wenn der Theaterzettel ankündigte: Regiesseur Oskar Will, oder in der Hauptrolle Oskar Will, dann gab es unweigerlich ein ausverkauftes Haus! In vielen Stücken der damaligen Aera Loewe haben wir diesen Meister der Komik im Loebe und Thaliatheater belacht und uns an seinen Typen erfreut. In den ‘‘Journalisten”, in den Schwänken von Blumenthal und Kadelburg, in Alt Heidelberg als Kellerman in der unsterblichen “Fledermaus” als genial-versoffener “Frosch” (Herr Direktor, es Klingelt... “der Direktor seufzt unter dem Druck der Presse”..., so was wie die Schwester Ida — war noch nie da... dann in der melodiösen “Geisha” als Marquis Jmari, im Bettelstudent als Enterich, in Stücken von L. Arronge. Mein Leopold. Hasemanns Töchter, in Willentz Kyritz-Pyritz, in Kalisches Possen Dr. Klaus, in Räders “Robert und Bertram”, in Skowroneks Militärlustspielen, in Sensationsstücken, Komödien, Schwänken und Possen mit und ohne Musik. Wer hätte je seinen “Giesecke” aus dem “weissen Rössl” vergessen können, oder seine Typen aus “Zapfenstreich”, Rosenmontag, “Ehre” (Sudermann) und in Gerhart Hauptmanns naturalistischen Stücken? Natürlich hat er auch Ibsen, Strindberg, Björnson, Tolstoi und Wedekind gespielt. “Lorbeerbaum und Bettelstab” war oft sein Benefiz! Ohne Übertreibung: eine ganze Literaturgeschichte war sein Rollengebiet. Man muss sich fragen: Was hat dieser sympathische und kundige Bühnenmensch nicht gespielt? Sogar in Hamlet sah ich ihn und in Wilhelm Teil. — Aber dann noch etwas: Nahte das Weihnachtsfest, so gab es unweigerlich im Stadttheater eines der von Oskar Will verfassten reizenden Weinachtsmärchen. “Rübezahl, König Drosselbart, “Schneewitschen und Rosenrot” und Frau Holle”. (Ich glaube, die Textheftchen erschienen damals bei Reclam in Leipzig) . Es wurde ein grosser Apparat aufgeboten, Kapellmeister Justus Debelak dirigierte das Stadttheaterorchester, das gesamte Opernballet mit den Solistinnen Gröger, Haber, Sterna und Terka wirkte mit und alle kleinen und grossen Kinder waren schwer begeistert. Oskar Will spielte die Hauptrolle. Er ist sicherlich vielen imvergessen. Im Sommer leitete Will stets das Kurtheater in Altheide. Zum Schluss darf ich wohl seiner liebenswürdigen Gattin Erwähnung tun. Betti Wills “heitere Fünfuhrtees” waren in Breslau beliebt und stadtbekannt. Und ein reizendes Töchterchen hatten die beiden? Mieze Will die bezaubernde Operettensängerin. Wo sind die Zeiten hin? Liebes, altes Breslau, erinnerst Du dich? * ( Dass aber der Weg dieser altehrwürdigen Breslauer Theater ein so erfolgreicher war, kann weiter nicht wundetnehmenj denn wo es einen Will’ > I gab, da gab es auch eineh Weg!... Julius Sachs s Dr. Walter Gotdstein ) J zum 75. Geburtstag j Wir wollen es nicht versäumen, auch von dieser Stelle aus unserem hochverehrten Dr. Walter Goldstein zum 75, unsere innigsten Glueckwuensche zu uebermitteln. Geboren als Sohn des Grosskaufmanns Leo Goldstein, Mitglied der Breslauer Handelskammer und seiner Ehefrau Elise geb. Hainauer, Tochter des in Breslau hochangesehenen Hof-Buch-und Musikaienhaendler, Handesrichter und Kommissionsrates Julius Hainauer, der viele Jahre Direktor der “Gesellschaft der Freunde” war und deren Geschichte er geschrieben hat. Im Jahre 1913 am Zwinger-Gymnasium das Abitur bestanden, war Walter Goldstein bereits 1909 Zionist. Vier seiner Mitschueler haben damals mit ihm schon zionistische Arbeit geleistet. Alle Freunde fanden sich im Staate Israel wieder. Nach dem Weltkrieg, den er als Soldat mitmachte, hat er bereits 1920 als Dr. jur. promoviert und brachte es bei der bekannten Drogen Engros Firma F. Reichelt vom Volontaer zum Prokuristen. Trotz starker Inanspruchnahme und verschiedener Familienumstellungen belegte er an der Universität Breslau Philosophie-Literaturgeschichte-und Staatsrecht, das er 1932 mit Dr. Phil, abschloss. 1934 ins Land gekommen, gab es schwere Zeiten. Land-und Kuhwirtschaft, Strassenbau, dann Beamter der Mandatsregierung, Arbeit in den Potash-Werken und waehrend dieser ganzen Zeit schrieb der Jubilar Buecher und bemerkenswerte Abhandlungen. Die Begegnung mit Martin Buber seit 1942 bis zmn Heimgang dises grossen Gelehrten befruchtete sein reichhaltiges Geistesleben. Es ist uns unmöglich, die einzelnen Buecher, die Dr. Walter Goldstern geschrieben hat, aufzuzählen. Sie alle zeugen von grossem Wissen, Eindringen in die Materie und wahrer Menschlichkeit. Wir wuenschen unserem lieben Dr. Goldstein zusammen mit seiner Gattin Eva geb. Herrnstadt, die ihm seit Jahrzehnten treu zur Seite steht, und der weiteren Familie viele Jahre in Gesundheit und die gleiche Schaffenskraft, die er bisher entwickelt hat, zum Besten des Landes, das er so sehr liebt. Ad mea weessrim E. L. BERICHTIGUNG In dem Nachruf auf Chajim Feilchenfeld s.A. New York in unserer Zeitung No. 23 muss es heissen. Er hat den Titel Raw von der “Jeschiwah Thorah Wedaath” erhalten. Diese ist eine der ältesten und angesehensten Jeschiwoth in Amerika. Der Fehler lag in einer falschen Information und bitten wir um Entschuldigung. Erich Lewin verantwortlich für das Verbandsblatt. 12