Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1968
- Issue
- No. 24 (September 1968)
- Date
- 1968-09-01
- Page
- Seite 10 (sequence 2723)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/7411685-7412902-7412917--0227-7412927- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der jüdische Bis zur sog. Machtergreifung der Nazis führte dieser Verein nur ein bescheidenes Dasein. Viele jüdische Schwimmer hatten gute Sport- und Trainigs-Möglichkeiten in allgemeinen Vereinen. Trotz kleiner Mitglieder-Zahl und geringer Möglichkeiten hatte der Verein aber einen guten Namen in der Schwimm-Bewegung und stellte anteilig auch Rettungswachen undmannschaften bei der vorsorglichen Überwachung des Oder-Schwimm-Betriebes. Alle zugelassenen Schwimmvereine stellten diese Rettungsdienste, die jeden Sommer sehr oft eingreifen mussten. Trotz Eingaben und Vorsprachen erhielt der Jüdische Schwimm-Verein weder geldliche Zuwendungen noch sonst irgendeine Unterstützung seitens der Jüd. Gemeinde. Begründet wurde die Ablehnung u.a. damit, dass dann auch der Allgemeine Touren-Ruder-Club e.V. oder der Breslauer Reiter-Verein gleiche Anträge stellen könnten, beide aus Juden bestehend, und dass ein Bedürfnis nach einem speziell JÜDISCHEN Schwimmverein damals nicht vorlag. Der Verein war völlig neutral, organisatorisch auf sich selbst gestellt und konnte den Mitgliedern ausser den gemeinsamen Schwimmzeiten im Hallenschwimmbad Zwingerstrasse kaum etwas bieten. Erst Frühjahr 1933 traten viele neue Mitglieder bei, auch solche mit langjähriger Schwimm-Sport- Erfahrung in anderen Vereinen. Der Verein wurde so stark, dass er jede Woche im Hallen-Schwimmbad einen Abend ausschliesslich für seine Mitglieder in beiden Hallenbädern belegen und pauschal bezahlen konnte. Vorstand waren damals u.a. die Herren Miedzwinski, Blumenthal (Steuerberater), Dr. Georg Goldschmidt, ferner immer ein Arzt, meistens vom Jüd. Krankenhause. Er hatte den ärztlichen “Dienst” an den Schwimmabenden, auch die ärztliche Kontrolle über Teilnehmer zu Sportkämpfen und während der Trainingzeit. Etwa April 1936 kam der sehr bekannte Jüd. Schwimmverein Hakoah aus Wien mit sehr guten Schwimmern zu einem freundschaftlichen Wettkampf nach Breslau. Ein gemütlicher Sonnabend-Abend im Restaurant WOLF, Neue Tauentzienstr. 12 vereinte die Wiener und Breslauer Schwimmfreunde. Am Sonntag Vormittag besuchte der Wiener Pisker auf dem Friedhofe Cosel das Grab seiner 1928 in Breslau verstorbenen Mutter, der Altistin der Breslauer Oper Margarete Pisker. Sonntag Nachmittag winde das gut vorbereitete Schwimmfest im Hallenschwimmbade durchgeführt. Dir. Möller war als interessierter Gast anwesend, ferner ein Vertreter des österreichischen Konsulats. Die Zuschauerplätze waren überfüllt. Vorstand und Repräsentanz der Gemeinde waren fast vollzählig anwesend. Von den eingeladenen vier Rabbinern war niemand erschienen; nur die Erefrau von Dr. Sänger kam “in Vertretung”, aber so verspätet, dass sie keinen Sitzplatz mehr erhalten konnte. Besonders gefiel das sehr hart durchgeführte Wasser Ball-Spiel der beiden Gruppen. Der Abend vereinte wieder alle Teilnehmer und viele Gäste zu gesellschaftlichem Beisammensein. Die ganze Veranstaltung wurde zügig und mit guten Ergebnissen durchgeführt, über sie wurde auch in der Presse berichtet. Der kommende Sommer machte aber wegen Schwimm-Möglichkeiten im freien grosse Sorgen: Juden war das Betreten der öffentlichen Freibäder untersagt worden. Es bestand starkes Interesse an einem Freibade für die Mitglieder. Nur im Hallenschwimmbade zu schwimmen, war für den Sommer ungenügend. Schon einige Zeit vorher war die Vereinszeit verlegt worden. Bis dahin hatte der Polizei-Schwimm-Verein — schon aus dienstlichen Gründen — die letzten Abendstunden belegt. Nun protestierte sein Vorstand dagegen, nach den Juden ins Bassin zu gehen. Direktor Möller musste Schwimm-Verein Breslau e.V. daher die Zeiten der beiden Vereine vertauschen; erst in der zehnten Abendstunde konnte der Jüdische Schwimm-Verein das Bad betreten. — Dennoch waren die Donnerstag-Abende stets stark besucht. Auch Mitglieder von auswärts kamen zu diesen Schwimmmöglichkeiten regelmässig in die Stadt. Der Vorstand musste sich sehr umsehen, wo vielleicht eine Frel-Bade- und Schwimm-Möglichkeit geboten wäre. Ein Grundstücksbesitzer auf der rechten Oderseite kurz vor Wilhelmshafen war bereit, für gutes Geld einen Streifen Land parallel zur Oder zu verpachten. Die örtliche Lage war ungünstig: Eingehende Besichtigung ergab: Sehr weit von der Endhaltestelle der Strassenbahn entfernt, kein befahrbarer Weg bis zum fraglichen Gelände. Die Errichtung von Anlagen und Kabinen hätte sehr viel Geld gekostet. Es war ungewiss, auf wie lange Zeit überhaupt eine Pacht verantwortet werden konnte. Dauernd wanderten Mitglieder aus, die behördlichen Schwierigkeiten wuchsen. Man musste mit allen möglichen Schikanen rechnen. Keinesfalls war das benötigte Geld aufzubringen. Ein Zufall kam zur Hilfe. Der Fischermeister Huhndorf hatte seit Jahren an der “Alten Oder” nahe der Universitätsbrücke die KALLENBACHsbhe Badeanstalt. Sie war sehr reparaturbedürftig, Huhndorf wollte sich gern vom Berufe zurückziehen. Im Restaurant Wolff hatten Miedzwinski, Blumenthal und ich (als zweiter Vorsitzender) eine lange Unterhaltung mit Huhndorf, der sich sportlich verbunden und entgegenkommend zeigte, aber natürlich an der Verpachtung verdienen wollte. Sein Mindestangebot war Vertrag auf drei Jahre, für vier Sommermonate jährlich sechstausend RM ohne Rücksicht auf Witterung und Besuch, ferner die Übernahme aller zu erwartenden Auflagen der Behörden. Ferner verlangte Ruhndorf eine sichere Bürgschaft für die Pacht, dir. insgesamt in Höhe von 18.000.— RM, zahlbar jeweils monatlich im voraus. An eine Bank konnten wir mangels aller beleihbaren Unterlagen nicht herantreten. Wir konnten uns auch nicht mit Zinsen belasten. Es gab nur eine Möglichkeit: Nochmals beim Gemeinde-Vorstand vorstellig zu werden, der sich ja bei unserem Schwimm-Sport-Feste von unseren Leistungen überzeugt hatte. Es gab zunächst Bedenken von orthodoxer Seite, weil ja “gemeinsam” gebadet werden sollte. Wir liessen keinen Zweifel darüber, dass das Freibad notwendig wäre, es keine andere Möglichkeit geben könnte. Wir stellten Kalkulationen an, dass bei einigermassen gutem Wetter die Pacht aufzubringen wäre. Schliesslich übernahm die Gemeinde die Bürgschaft, nachdem unser Voranschlag sehr kritisch geprüft worden war. In der Folgezeit bezahlte der Verein stets pünktlich seine Pacht, die Gemeinde wurde mit keinem Pfennig in Anspruch genommen. Hierfür war allerdings Voraussetzung, dass kein Vereinsmitglied irgendwelche Entschädigung erhielt. Es gab keinen bezahlten “Sekretär” oder Funktional-. Der gesamte “Dienst”, Einlass-Kontrolle, Aufsicht usw. wurden ehrenamtlich geleistet. Lediglich der vom Sport-Amt der Stadt vorgeschriebene Bade- und Schwimm-Meister wurde bezahlt. Sein Honorar kam aber dadurch herein, dass er für jeden Schwimm-Schüler einige RM erhielt, und dass jeder Jugendliche die Gelegenheit benutzte, hier die “Freiprobe” abzulegen. Die vom Verein gestempelten, vom Schwimm-Meister unterschrieben Zeugnisse hatten volle Beweiskraft für die abgelegte Schwimmprüfung. Die Gestapo führte mit uns drei Vorstandsmitgliedern eine lange Verhandlung durch. Sie hatte diktierenden Charakter. Immerhin aber waren die Bedingungen erfüllbar: Grosse Sichtblenden aus Sackleinwand mussten die Schwimmer und Badenden gegen die Passanten abschirmen. Peinlichste Sauberkeit war vorgeschrieben. Der Meister musste stets anwesend sein, eine Imbiss-Stube war angeordnet, damit nicht nahegelegene Lokale von unseren Besuchern aufgesucht werden konnten. Restaurateur WOLFF übernahm zu vereinbarten, niedrigen Preisen die Verpflegungs-Stätte. Mehrfach am Tage kam ein Radfahrer mit angehängtem Kastenwagen mit Speisen zur Anstalt. Getränke wurden von der HAASE-Brauerei und einer Selterfabrik direkt herangebracht. Das Bassin, d.h, der abgeteilte Teil der Oder, war stets stark besetzt, mindestens ein Schwimm- Schüler hing stets an der “Angel”, die Rasenfläche wurde zu Ballspielen benutzt. Viele, oft arbeitslos, blieben Stunden in der Anstalt, es gab viele Abonnenten. — Der Vorstand haftete persönlich dafür, dass kein “Arier” das Bad betreten durfte. Sofortige Schliessung drohte für irgendeinen Verstoss gegen die Anordnungen. Die Gestapo kontrollierte nur selten, brachte am Ende der ersten Saison aber zum Ausdruck, es wäre alles “gut gegangen”. Mit Ende der Sommerzeit 1938 war das “Jüdische Schwimmbad an der Oder, vorm. Kallenbach” beendet. Die ganze Anstalt war zu baufällig geworden, fast alle Bohlen hätten erneuert werden müssen. Die Zahl der Interessenten wurde immer kleiner. Heute ist man oft geneigt, das Leben in den Restgemeinden noch mehr zu verkleinern, als die Zwangslage sowieso herbeiführte. Tatsache ist aber: Trotz aller Schwierigkeiten hatte es der Vorstand des JSV Breslau erreicht, drei Sommer lang eine Bade- und Schwimm-Anstalt an der Oder nahe der City durchzuhalten, unzähligen Jugendlichen Schwimm,unterric)jit und überhaupt Gelegenheit zur sportlichen Betätigung und zur Erholung zu geben. November 1938 fand sich fast der ganze Vereinsvorstand mit vielen Mitgliedern im KZ-Lg. Buchenwald wieder zusammen. Dr. Georg Goldschmidt war mit Rücksicht auf seine hohen Kriegsauszeichnungen vom Transport zurückgestellt worden und musste und konnte in drei Tagen nach Bolivien auswandern. Hier wurde er Militärarzt, bis er nach 1945 in das damalige Palästina auswandern konnte. Vor einigen Jahren verstarb er in Afulah. Auch andere Mitglieder des Jüdischen Schwimmvereins Breslau e.V. kamen um oder verstarben. Lebende werden sich aber gern und mit Stolz an die Zeit “ihres Vereins” in schwersten Situationen zurückerinnern. Dr. Franz Unikower, Langen-Oberlinden IRGUN JOZEI BRESLAU IN ISRAEL Wir wünschen unserem hochverehrten Herrn MARTIN GUTHMANN, New-York, Kassierer der Society of Friends from Breslau dem rührigen Verbindungsmann mit der Orts gruppe in Israel baldige, vollkommene Genesung. Verband ehemaliger Breslauer in Israel ERNST TAUBER, 1. Vorsitzender Vorstand und Mitglieder sämtlicher Ortsgruppen AUS LONDON ist uns unter "Ungenannt” eine grössere Spende für unserem “Altersheimfonds” überwiesen worden. 10