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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1968-09-01 · No. 24 (September 1968) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1968
Issue
No. 24 (September 1968)
Date
1968-09-01
Page
Seite 8 (sequence 2721)
Language
German
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Ody ssee einer Thora- Rolle Die Gemeinde für fortschrittliches Judentum “Emeth we Schalom” in Nahariah erhob sich von ihren Plätzen: Rabbi Dr. Bezalel Wechsler, gefolgt von dem Vorsänger der Gemeinde Hans Redlich, schritt feierlich auf die Heilige Lade zu. Im Arme des Rabbis ruhte eine kleine, sehr kleine Thorarolle, die von den Männern und Frauen der Gemeinde mit einem kleinen Lächeln der Zuneigung begrüsst wurde. Es war das gleiche Lächeln, das wir einem Kinde zeigen, dem zum erstenmal im Gotteshaus ein Becherchen mit Kiddusch-Wein gereicht wird. In der Heiligen Lade wartete eine eigens angefertigte Konsole auf die Aufnahme der Thorarolle, die nach langen Irrfahrten endlich ihre Heimstätte gefunden hatte. ★ Breslau war einmal die drittgrösste jüdische Gemeinde Deutschlands gewesen, deren Gründung bereits im 12. Jahrhundert erfolgte. Seit dem Jahre 1854 hatte das Jüdisch-Theologische Seminar den Namen der schlesischen Hauptstadt in allen Zentren des Judentums in Europa und in Amerika bekannt gemacht. In dieser Stadt lebte ein frommer gottesfürchtiger Mann: James Jacob Elsner, dessen Gattin Stine zum Judentum übergetreten war, ein Umstand, der die beiden wahrscheinlich in den schlimmsten Jahren der Verfolgung vor der Deportation rettete. Sicher ist, dass die Elsners unter furchtbaren Entbehrungen, lange Monate Untergrund, in Leid und Angst dahinlebten aber irgendwie doch überlebten. Der Zwangsarbeiter James Jacob Israel Elsner fand eines Tages unter Schutt und Geröll, das von einem Luftangriff herrührte, bei Aufräumungsarbeiten eine kleine unversehrte Thorarolle, die er versteckte und dann später im Schutze der Nacht unter Lebensgefahr, unter seinem Mantel verborgen, nach Hause brachte. Die Thorarolle im Hause verwandelte das Leben der Elsners in erschütternder Weise. Plötzlich bekam ihr Dasein weit über den Selbsterhaltungstrieb hinaus wieder einen Sinn. Die Thorarolle zu verwahren, zu verstecken und sie vor dem Zugriff barbarischer Hände zu bewahren, erforderte Geschicklichkeit, Mut und höchste Wachsamkeit. All diese hervorragenden Eigenschaften entwickelten die Eheleute Elsner in ungeahnter Weise. Von der Thorarolle strömte ihnen neuer Lebensmut zu. Als in den letzten Kriegsmonaten Breslau in russische Hände fiel, war zwar die Zeit der äusseren Bedrängnis vorüber. Die Elsner zogen aber mit vielen anderen Schicksalsgefährten, nur mit dem Notwendigsten versehen, von Ort zu Ort, immer weiter auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Treue Begleiterin auf all diesen Fahrten kreuz und quer durch das Land war ihnen die Thorarolle. Nach langem beschwerlichen Herumziehen kam das Ehepaar Elsner nach Berlin. Dort gründeten sie einen neuen Hausstand, und von Berlin aus besuchten sie im Laufe der Jahre mehrere Male den Staat Israel. Verwandtschaftliche Bande zu Menschen hier im Lande hatten sie zu diesen Reisen ermutigt und ermuntert. James Jacob Elsner starb im Jahre 1963 in Berlin. In seinem Testament bat er seine Gattin Stine, die Thorarolle, die sie beide in schweren und später auch in leichteren Jahren treu begleitet hatte, zu hüten und dafür Sorge zu tragen, dass sie dermal einst nach Israel gebracht würde. Frau Stine Elsner schloss im Juli dieses Jahres für immer die Augen, und die Verwandten der Elsners, Ernst und Hilde Schiller in Kirjat Jam, brachten die Thorarolle entsprechend dem letzten Willen James Jacob Elsners nach Israel. Hier sollte sie einer Gemeinde übergeben werden, die den liberalen Vorstellungen des Erblassers entsprochen hätte. Schalom Ben-Chorin in Jerusalem, der Vorkämpfer für das fortschrittliche Judentum im Lande, war es, der dem Breslauer Hans Redlich den “remes”, den Hinweis, gab, dass sich in einer Vorstadt Haifas eine in Breslau gerettete Thorarole befinde... Die Verhandlungen zwischen Hans Redlich und der Familie Schiller, die später von Vorstandsmitgliedern der Gemeinde “Emeth we Schalom” weitergeführt wurden, gestalteten sich sehr freundschaftlich. Die Nahariyaner konnten gute Gründe ins Feld führen für ihren Wunsch, die kleine Thorarolle mit allen Ehren aufzunehmen und zu bewahrent Nahariya ist eine von deutschen Juden gegründete Siedlung. Der Gemeinde gehören Zu den künstlerischen Berufen, die Juden vor der Emanzipation in Schlesien ausüben durften, gehörte das Goldschmiedehandwerk. Der erste jüdische Goldschmied in Schlesien namens Kiph (= Akiba) wird 1565 in dem niederschlesischen Städtchen Beuthen a.d. Oder erwähnt. Der erste jüdische Goldschmied, der in Breslauer-Akten erscheint, war der Juden-Goldschmied Schöps (= Schabbathai) aus Posen; in Glogau werden jüdische Goldschmiede erstmalig 1686 und in Zülz OS 1660 genannt. Dort konnten sie ihren Beruf ausüben, und zwar für jüdische Auftraggeber. Dies galt aber nicht für die Stadt Breslau, wo Juden überberhaupt nicht als Goldschmiede arbeiten durften, weil die dortige Goldschmiede-Innung besonders eifrig auf die Einhaltung ihrer Privilegien achtete, wonach nur Innungsmitglieder (d.h. Christen) Goldschmiedearbeiten ausführen durften, zumal die Innungsmitglieder allein das Recht auf Stempelung der von ihnen angefertigten Gegenstände besassen. Daher konnten in Breslau (im Gegensatz zu Glogau und Zülz) jüdische Goldschmiede vor der Emanzipation ihren Beruf nicht ausüben; sie konnten nur als Goldscheider und Schmelzer für die Münze, sowie als Krätzewäscher (Krätze ist der Abfall bei Goldschmiedearbeiten) bei Goldschmieden arbeiten. Am Ende des 18. Jahrhunderts, z. Zt. der beginnenden Aufklärung und Toleranz, erlaubten die Breslauer preussischen Behörden unter dem liberalen Minister für Schlesien, dem Grafen Karl Georg Heinrich von Hoym, christlichen Handwerkern, jüdische Lehrlinge anzunehmen. Als nun ein Breslauer christlicher Goldschmied, namens Carl Joseph Graetz, um 1790 einen jüdischen Lehrling anlernen wollte, stiess er auf den Widerstand der Innung, die ihn durch Demonstrationen der Gesellen zwang, seinen jüdischen Lehrling zu entlassen. Die Regierung billigte ihm für seine vorbildliche Haltung und als Ersatz für den ihm bei den Tumulten zugefügten Schaden eine Prämie von 50 Rtl. zu und publizierte dies sogar in den “Schlesischen Provinzialblättem”. Aber sie konnte die Innung nicht zu einer Änderung ihrer Haltung gegenüber den jüdischen Goldschmieden veranlassen. Nach der Aufhebung des Zunftzwanges in Preussen und nach der Emanzipation der preussischen Juden im Jahre 1812 konnten die Juden auch in Breslau das Goldschmiedehandwerk öffentlich ausüben, wurden aber nicht in die Innung aufgenommen. Diese blieb bei ihrer judenfeindlichen Haltung bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1893. Damals zog sie es vor, sich eher aufzulösen, als Juden als Innungsmitglieder aufzunehmen. In anderen schlesischen Städten, besonders in Oberschlesien, war die Haltung der christlichen Goldschmiede den Juden gegenüber grosszügiger. In Neisse nahm ein christlicher Goldschmied bereits 1802 einen Juden als Lehrling an, Meyer Hahn aus Glogau (Vorfahre des bekannten Pädagogen Dr. Kurt Hahn). Seit 1817 Hessen sich einige Männer und Frauen an, die aus Breslau und Schlesien stammen. Die mit der Gemeinde verbundenen Rabbiner Dr. Schlomo Rülf und Dr. Bezalel Wechsler besuchten während ihrer Studienzeit auch das berühmte Breslauer Rabbiner-Seminar. Aber vor allem war es die liberale Grundhaltung, die auch dem Weltbild James Jacob Einers das Gepräge gegeben hatte. So kam es im Rahmen eines Freitagabend- Gottesdienstes zu einer sehr würdigen Feierstunde. Als die Gemeinde den Lobgesang anstimmte: “Jimloch Adonai Le’olam”, übernahm den Sopran-Solopart des “Hallelujah” Frau Carla Wolff geborene Grabowski. Sie hatte als junges Mädchen mit den Elsners in Breslau im Untergrund gelebt. Erich M. Lehmann, Nahariya — erschienen in “Jedioth Chadaschot”, Tel-Aviv. Goldschmiede aus Schlesien, die wohl alle ausserhalb von Breslau ihren Beruf erlernt hatten, in Breslau nieder. Der erste war der aus Zülz gebürtige Joseph Meyer Proskauer (1817). Ihm folgten Jacob Guttentag aus Guttentag OS (1823), Eduard Isaac Koebner aus Breslau (1833), Louis Lazarus Scholem aus Glogau (1835), Isaac Königsberger aus Rybnik (1844) und Aron Danziger aus Ratibor (1846). Viele von ihnen stammten — wie ersichtlich — aus Oberschlesien, wo es auch vor der Emanzipation jüdische Goldschmiede gegeben hatte, und zwar in Zülz, wo bis zur Emanipation die grösste jüdische Gemeinde Oberschlesiens existierte. Dort sind jüdische Goldschmiede vom 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Als die dortige jüdische Gemeinde sich im Laufe des 19. Jahrhunderts schnell auflöste, Hessen sich jüdische Goldschmiede nach 1812 in den oberschlesischen Städten Neisse, Nikolai, Oppeln, Pless, Ratibor, Rybnik und Tarnowitz nieder. In Niederschlesien hatte es nur in der alten grossen Judengemeinde von Glogau Goldschmiede gegeben, und /zwar vcrm 17. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Ausführliche Angaben über die einzelnen schlesischen jüdischen Goldschmiede findet man in dem namentlichen “Verzeichnis aller jüdischen Goldarbeiter und Goldschmiede, die in Schlesien von 1565 bis 1850 nachweisbar sind.” Dieses Verzeichnis ist am Ende der von unserem Mitglied, Oberkustos Dr. B. Brilling, Münster, verfassten Arbeit “Geschichte des jüdischen Goldschmiedegewerbes in Schlesien” abgedruckt, die im VI. Band der “Hamburger mittel und ostdeutschen Forschungen” 1967 erschienen ist. Dieser Arbeit die grösstenteils auf urkundlichen Belegen beruht, sind auch die hier gebrachten Angaben über die jüdischen Goldschmiede in Schlesien entnommen. Die Redaktion des Blattes teils mit, dass Herr Dr. Brilling sich freuen würde, wenn ihm aus dem Leserkreis der Zeitung Angaben über jüdische Goldschmiede in und aus Schlesien übermittel wrden, die für eine eventuelle Fortsetzung und Ergänzung der Arbeit verwendet werden können. Hotel Italia HOTEL GARNI 8 München 15. Schillerstr. 19. Tel. 5915 37 / 59 36 20 ★ 3 Minuten vom Hauptbahnhof Ruhige Lage direkt im Grosshandelsviertel Lift, Empfangsräume Aufenthaltsraum mit Fernsehen Jedes Zimmer mit Radio, Dusche, Toilette, Telefon. Jüdische Goldschmiede in Schlesien 8

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