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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1968-09-01 · No. 24 (September 1968) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1968
Issue
No. 24 (September 1968)
Date
1968-09-01
Page
Seite 6 (sequence 2719)
Language
German
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Etwas über die kleinen Synagogen in Alt-Breslau Der Verein ehemaliger Breslauer in New York tagt etwa acht Mal im Jahr, gewoehnlich Sonntagnachmittags von 2: 30 bis 5: 30. Der letzte Nachmittag in dieser Saison 1968 — unter glaenzender Klavierbegleitung — gab eine historische Entwicklung juedischer Musik von aeltesten Zeiten her — (beginnend mit dem Musikzeichen in der Thorah: Mapach, Paschta, Sokeif, Katan, usw.), sowie auch die verschiedenen Variationen des Kadischgebetes, je nach den Feiertagen, Lecho daudi, Kol nidre, Eicha Jaschwah Badad. Bei dieser Gelegenheit wurde in mir die Erinnerung wach an all die kleinen Synagogen in Alt- Breslau; und ich dachte, dass es von Interesse sein koennte, aus meiner Erinnerung heraus — ohne echte historische Forschung — etwas ueber diese kleineen Bethaeuser zu erzaehlen. Ich fand in einem Buch, betitelt “Chronik der Stadt Breslau” von Arnold Weiss erschienen 1888 in Breslau, dass bereits 1204 Juden in Breslau lebten und, dass einige von diesen sehr reich waren und unter dem Schutze des Herzogs lebten. Ich fand in dieser Chronik keine Erwaehnung einer Synagoge, aber viel von Judenverfolgungen, fast in jedem Jahrhundert nach dem 13. Jahrhundert. Ich moechte eine interessante Mitteilung von A. Weiss aus dieser Chronik, nicht unerwaehnt lassen, dass nach den Judenverfolgungen im Jahre 1420, den Juden ein Teil der weggenommenen Habe zurueckerstattet wurde, sodass es also damals schon, vor 500 Jahren, eine Wiedergutmachung gab. Nun fand ich auch, in einem kleinen jiddisch geschriebenen Buechlein von Bernhard Brilling, eine Beschreibung des Kampfes der vierten Landessynode um Bethaeuser in Breslau im 17. Jahrhundert. Damals gäbe es auch einen Krankenunterstuetzung- und Minjan Verein in Breslau. Die Errichtung von Bethaeusern war wahrscheinlich nur privat-initiativen Vorbehalten, da es keine organisierte juedische Gemeinde gab. Und so ist es zu erklären, dass eine ganze Anzahl von Beth hamidrasch gab, abgekürzt bis Besmidrasch. Beth hamidrasch war ein internationaler gebrauchter Ausdruck fuer juedischen Gottesdienst. Bereits im 13. Jahrhundert gab es in Frankreich Midrasch hakatan (klein) u. hagadol (gross). Das Letztere war eine Lehranstalt fuer Rabbiner. Midrasch allein bezeichnet schon das Lehrhaus oder auch “Schul” genannt. So waren diese kleinen Synagogen Sammelpunkte zum Lernen und fuer den Gottesdienst. Sie waren meist in grossen Durchgangshoefen gelegen, nie von Aussen sichtbar, beinahe versteckt. Manche befanden sich in sogenannten Gasthoefen mit Ausspannung. Ein Solches war, unter anderem, in Breslau die “Schul” im “Goldenen Rad”. Besucher von ausserhalb, die aus benachbarten Staedten oder sogar aus Polen, das ja nicht zu weit von Breslau entfernt war, in ihren Pferdewagen geschaeftlich herkamen, hatten somit die beste Gelegenheit in Schul zu gehen. Das Versttecktsein beruht wohl auch darauf, dass Juden nicht erlaubt war eine oeffentlichsichtbare Synagoge zu haben. Das wirft ein Licht auf die Abgeschlossenheit der Juden vom oeffentlichen Leben und damit auch auf ihre niedrige wirtschaftliche und soziale Lage. Aehnliche Zustaende fand ich auch im heutigen Spanien. Noch vor ein paar Jahren als ich in Madrid war und eine Synagoge aufsuchen wollte, wurde ich in ein Privathaus verwiesen wo der Gottesdienst im 2. Stock stattfand. In den meisten dieser kleinen Synagogen, gab es immer einen bedeutenden juedischen Lehrer oder sogar Rabbiner, der dort die wichtigste Rolle spielte. Geld — sich einen, oder wie man so sagt, sich einen “fulltime” angestellten Rabbiner zu halten, war wohl kaum vorhanden. Ein Vorbeter, gleichzeitig auch Schammes hatte gewoehnlich die Verwaltung. In einem oder anderen dieser Bethäuser waren auch materielle wohl bestallte Mitglieder, die zu den Unkosten wie — Miete, Licht, Bezahlung des Vorbeters, Instandhalten der Thorahrollen und zur Reinigung, usw. beitrugen. Geld kam auch ein, durch Vermietung der Sitze und besonders auch durch Versteigerung der “Lies” und durch Schnödem, wenn man zur Thorah aufgerufen wurde. Diese kleinen Synagogen waren ein Sammelplatz fuer die wirklich streng religioesen Juden, die in den spaeter errichteten grossen Synagogen ihre Andacht nicht in dem Gefuehl fuer ihren Glauben und einer gewissen Abgeschlossenheit verrichten konnten. Meistens wurde im Anschluss an den Gottesdienst Morgens ein Stueck Mischnah oder Gemarah gemeinsam gelernt und somit die Gelegenheit zum Rabonim Kaddisch gegeben. Manche Mitglieder, die breits nach der Kiduscha in die Synagoge kamen, benutzten das Vorhandensein des Minjan, um selbst allein die Kiduscha vortragen zu koennen. Diese klein juedischen Schul’s waren mehr oder weniger im alten juedischen Ghetto Breslau’s gelegen, ringsum den Karlsplatz, Karlsstrasse, und Antonienstrasse / oder Goldene Radegasse. Später wurden solche Schul’s errichtet in der Naehe des Sonnenplatzes und der Gartenstrasse, da in dieser Gegend eine ganze Menge streng religioeser Juden lebten. In meiner fruehesten Jugend ging ich in die Synagoge zum Tempel, die schon damals eine recht ansehnliche Groesse hatte. Mein seliger Vater hat dort oft geleint, oder auch an Feiertagen vorgebetet. In dieser Synagoge wurden meine vier Brueder und ich selbst barmizwah. Zu den wohlbekannten Mitgliedern gehörten, u.a. auch: Salo Freund (Breitestrasse), Perle, Levy (Vater des bekannten Zionisten, Zahnarzt Levy, frueher Breslau, spaeter Israel), Teppichhaendler Schimkowitz, Frau Hausmann (geb. Levy, Schwester des Kommerzienrates Levy in Berlin), und Frau Hausmann’s uralte Mutter. Unser Rabbiner war der Prediger Piorkowsky. Wohlbekannt war mir natuerlich auch die Fuchs’sche Synagoge, die durch ihre bekannten Führer Elieser Pinczower, Leopold Silberberg und Rabbi Krakauer, eine bedeutende Rolle im Gemeindeleben Breslau’s spielten. Ich habe noch schoene Erinnerungen an die Schewuothnacht, wenn man vom Abend bis zum Morgen die Thorah durchstudierte, das Schacharith Gebet verrichtete und dann morgens schlafen ging. Wie gluecklich waren wir, dass wir nach dem Aufstehen nochmal beten zu muessen gleich zum Frühstück gehen konnten. Erzählungen von Esther Rabin (ZEICHNUNGEN: JAAKOV SCHACHAM) Verlag: MASSADA, Ramat Gan 1968 Wieder hat Else Esther Rabin die Bibliothek unserer Jugend um einen neuen Geschichtenband (Die Arche Noahs). Die n;i bereichert: Verfasserin hat Legenden aus dem alten jüdischen Sagenschatz (z.B. Midrasch Rabbah, Midrasch Tanchumah, Pessiktah sowie aus Talmud Bawli) in moderne ansprechende Form gegossen und damit aus mancher scheinbar veralteten Legende eine aktuelle Novelle geschaffen. Nicht immer gelingt es dem Leser der Midraschim den eigentlichen Kernpunkt zu erfahren und daraus die Lehre zu ziehen, die uns die tiefere Tendenz unserer Weisen erahnen lässt. In gewissen biblischen Agadoth der aelteren Quellen (siehe z.B.: M. Bin Gorion: “Der Born Judas.”) mutet uns die Erzählung manchmal übertrieben und unverständlich an, so manchem Leser erscheint sie als “naive Fabel.” Die Fuchs’sche Synagoge war eine der bestfundierten Synagogen, durch die Fuchs’sche Stiftung, sowie auch durch den glaenzenden Organisator Jacobowitz, der Leiter der Fuch’schen Stiftung war. In demselben Grundstueck, im Hof der Sonnenstrasse 25, war die urspruengliche Neustadtsche Synagoge, begründet von Rabbi Pinchas Neustadt, Vater des Herausgebers der “Juedischen Volkszeitung in Breslau”, Dr. Neustadt. Diese Synagoge wurde später die “Pinchas Synagoge” genannt. Eine besondere Bedeutung hatte die Alt-Glogauer Schul, beruehmt durch unseren alten seligen Freund, Dr. Wilhelm Freyhan und geleitet von Rabbi Dr. Hamburger, der Vielen ein glaenzender Lehrer war. Zu den grossen Hoefen gelegenen Schul’s gehoerten: 1) Schul zum Goldenen Rad, in einem Haus, dass von der Antonienstrasse zur Goldenen Radegasse fuehrte. Dort waren zu erwaehnen: Rabbi Schi Levinsky, Familie Wislizky, Abraham und David Nelken, Moebelhaendler Seidemann — der einen Stock unter der Betschule sein Möbelgeschäft hatte. 2) Die Landschul, die ursprünglich am Karlsplatz gelegen war und später nach der Wallstrasse, gegenueber dem Seminar, uebersiedelte. Kuerschnermeister Landshut, war dort der Leiter und dann viele Jahre bis zum Ende Georg Hirschberg. 3) Schul zum goldenen Hirsch, gelegen in dem Durchgangshaus vom Exerzierplatz nach der Karlsstrasse. Dort beteten die Familie Freund mit ihren Soehnen und Toechtern, auch von der Breitenstrasse; Spediteur Elias war wohl der Organisator. 4) Die Sklower Schul, ein sehr ehrwuerdiges Bethaus in der Goldenen Radegasse, gegruendet von Dyrenfurter Juden, vornehmlich Familie Falk, Lederhaendler in Breslau. Dorthin ging ich oefters zu Maariv, mit meinem Freund 'Meyer Falk, der jetzt Kinderarzt in Israel ist. Andere sogenannten Schul’s waren: die Lemberger Schul in der Graupen Strasse dicht neben Wislitzky’s Hotel; die Abraham Mugdan Schul am Rhedigerplatz (anscheinend nach Dajin Mugdan genannt); und einige kleine Privat Gottesdienste in der Metallhandlung Joseph Kober und in den Privat Räumen von Prof. Badt. Vielleicht habe ich manche vergessen oder verwechselt, sollte dies der Fall sein, bitte ich um Entschuldigung. Geschrieben von: Dr. Erich Buechler 420 East 86th Street New York, N.Y. 10028 Esther Rabin versteht es vortrefflich, diese Legenden neu zu beleben, ihnen ein neues Sprachgewand zu verleihen und damit diesen Schatz der heutigen Generation zu erschliessen. Die Themen umfassen die Zeiten vor, während und nach der Sündflut, und in fast jeder Erzählung finden wir Parallelen, die uns an Psukim oder Deutungen der (Parschath Noach) erinnern. In den meisten von ihnen erkennen wir klar den ewigen Kontrast zwischen Gut und Böse, Idealisten und Materialisten, Wahrheit und Lüge, Rechtschaffenheit und Verbrechen. Hervorzuheben wäre noch die geschmackvolle, künstlerische Ausstattung des Buches — sowohl Einband wie Zeichnungen — die den Genuss des Lesers erhöht. Wir wünschen der Verfasserin eine schnelle Verbreitung ihres neuen Werkes unter der Jugend aller Kreise. DAVID PRI - CHEN (Theo Freyhan) 6

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