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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1968-09-01 · No. 24 (September 1968) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1968
Issue
No. 24 (September 1968)
Date
1968-09-01
Page
Seite 4 (sequence 2717)
Language
German
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Anni Löwenstein (-Priebatsch). Zu den Erinnerungen an den Historiker Heinrich Grätz Die Würdigung von Heinrich Graetz durch Dr. Neufeld in den Mitteilungen des Verbandes Ehemaliger Breslauer und Schlesier vom April 1968 ist heute schon deshalb sehr interessant, weil sie auf die wenig bekannte Tatsache aufmerksam macht, dass Graetz Moses Hess zur Veröffentlichung der bedeutenden, zionistischen vor-Herzlschen Schrift “Rom und Jerusalem” geholfen hat. Ich möchte einige Sätze aus dem Lebensbild von Heinrich Graetz aus der Feder meines Vaters “Felix Priebatsch”, veröffentlicht in “Schlesier des 18. und 19. Jahrhunderts” (Verl. Woilm. Gottl. Korn, Breslau 1926) zufügen. Mit der Gewährung der Bürgerrechte an die Juden im Anfänge des neunzehnten Jahrhunderts ergab sich die Notwendigkeit, für den jetzt staatlich geregelten Schulreligionsunterricht auch die Ge schichte der Juden in Schulbüchern zusammenzufassen. Die damit betrauten Verfasser gingen im Sinne der Vorschriften der staatlichen Obrigkeit von der Meinung aus, dass die ursprünliche Geschichte der Juden mit dem Aufgehen in den Völkern, mit der sogenannten Emanzipation, für immer abgeschlossen sei. Da kam Graetz’s Werk, das auf ganz andern Grundlagen fusste... Er sah in ihnen eine durch das Land der Herkunft, durch die überlieferte Lehre und durch die gleichen Schicksale verbundene Gemeinschaft, deren Rolle in der Weltgeschichte noch bei weitem nicht zu Ende sei... Im ganzen hat Graetz’ Werk mehr Ablehnung als Beifall erfahren und nur die spanische Akademie der Wissenschaften in Madrid hat, unbeirrt durch Graetz’ sehr scharfe Verurteilung der grössten spanischen Herrscher, in seiner Darstellung eine sehr wertvolle Arbeit auch zur Aufhellung der Geschichte Spaniens gesehen und ihn zu ihrem Mitglied erwählt. Trotz aller Gegnerschaft ist Graetz’ Werk bis auf den heutigen Tag das Buch geblieben, das jeder für alle Fragen der jüdischen Geschichte zuerst zu Rate zieht... (Fortsetzung von Seite 3) Macht des Allmaechtigen und darum eine Unmoeglichkeit. Das geht durch sein ganzes Werk und ist dort einer der allerschwierigsten Punkte. Es widerspricht der jüdischen Anschauung, wie sie sich durch die Jahrhunderte hin auf Schritt und Tritt manifestiert, auch wenn wir nicht an die Erbsuende glauben. Von der christlichen Auffassung gar nicht zu reden. Ich aeussere mich zu diesem Problem in einem Buche “Der Glaube Martin Bubers”, das ich in absehbarer Zeit vorzulegen hoffe. Bei den mir gezogenen Grenzen muss ich es hier mit diesen Andeutungen bewenden lassen. Den Abschluss moegen ein paar Verse bilden, die im Anfänge unserer Beziehung, 1942, zu mir gekommen sind: seltsamerweise schon damals in der Vergangenheitsform, wohl im Hinblick auf die vergangenen allerersten Begegnungen, sie lauten: O Streit der Seele! Nur den Tor zerreisst es. Den Starken traegt es doppelt hoch und weit.— Der vor mir thronte, war ein Fuerst des Geistes — Ein suchend-mutterloses Kind der Zeit. Ja, seines Wesens Grund war doppelschichtig, Halb erdgebunden-heiss, halb kuehl und klar. So wie einst Janus war er zwiegesichtig. Und immer stand man vor dem Zwillingspaar. Die Wirkung von Graetz’ Werk auf die Juden Deutschlands war trotz der erheblichen Verbreitung lange Zeit ziemlich gering... Die Judenschaften dieser Länder, im wesentlichen Angehörige der bürgerlichen Mittelschichten und der freien Berufe pflegten die Bourgeoigesinnung solcher Kreise und ihre unhistorische Richtung zu teilen. Sie freuten sich über ihre wirtschaftlichen und literarischen Erfolge, hatten aber wenig Neigung, sich in eine Vergangenheit zu versenken, die für sie nur in Leiden und Verfolgungen bestanden hatte... Ganz anders war die Wirkung im Osten Europas. Dort sass noch ein ungebrochenes Judentum, das alle Schichten und Berufe umfasste und unter schwerem Drucke litt... Graetz wurde den Juden des Ostens zum Führer. Sein Hinweis auf die in den vergangenen Jahrtausenden erprobte Lebenskraft tröstete und stärkte sie gegenüber den schweren Leiden des Augenblicks. Sie verwarfen daher die Beschränkung der Juden Westeuropas auf das rein religiöse Gebiet, führten ihre politischen und sozialen Kämpfe unter dem nationalen Banner und schufen sich eine lebendige jiddische und bald auch neuhebräische Literatur. Die zionistische Bewegung hat Graetz nicht mehr erlebt. Die Neubesiedlung des heiligen Landes, der schon darum eine grosse geschichtliche Bedeutung zukommt, weil sie ein Glied der nach dem Weltkriege beginnenden Wiedererweckung des vorderen Asiens ist, dürfte ihr bemerkenswertestes Ergebnis sein. (! geschr. 1926). All das ist von Graetz’ Werken, so wenig er als Forscher unmittelbar in die Fragen der Zeit eingriff, aufs stärkste beeinflusst worden, und diese Tatsache zeigt uns, in welche Reihe er einzuordnen ist. Im 19. Jahrhundert erstanden allen Völkern, Gruppen, Gemeinschaften grosse Historiker. (Palacky, Lelewel, Macaulay)... Eine solche Führerpersönlichkeit... ist auch der stille Mann des Breslauer Seminars gewesen, obwohl er es vielleicht nicht einmal mit klarem Bewusstsein erstrebt hat”. Stieg man hinan auf seines Hauses Treppen Zum grossen Rebben aus dem Odenwald, Sprach man zu ihm — zu nichts als zu dem Rebben Ward der Professor leicht chockiert und kalt. Doch liess man nur sich den Professor taugen, Hielt man sich wissenschaftlich kuehl und glatt — Dann stoben Funken aus den Wunderaugen, Und schnell war er des trocknen Tones satt. So lang er ruehrend mit sich selbst im Streite, Ging aber in der Seelennot nicht fehl, Wuchs grad’ im Kampf zur Hoehe und zur Breite, So war er wir. So war er Jisrael. ' ALLE EHEM. BRESLAUER treffen sich in TEL-AVIV, im Cafe NOGA (vis ä vis Mograbi) Pinskerstr. 4 (Tel. 56063) Touristen u. Einheimische herzlich willkommen! Behaglicher Aufenthalt, auch air conditioned. Räume für Konferenzen, Versammlungen, Künstlerische Veranstaltungen, usw. nanu ru\s> Wesffalia Judaica Neben vielen und vielseitigen kleineren Forschungen hat Bernhard Brilling jetzt als Krönung und teilweisen Abschluss seiner bisherigen Forschungen über Juden in Westfalen zusammen mit Oberstaatsarchivrat Helmut Richtering ein umfangreiches Urkundenwerk: “Westfalia Judaica” (Stuttgart 1967, Kohlhammer, 239 Seiten), herausgegeben, welches mehr als zweihundert Originalurkunden über Juden in Westfalen bis 1350 lateinisch, deutsch und teilweise auch hebräisch enthält. Um den Umfang der Arbeit und die Präzision, mit der sie geleistet wurde, richtig beurteilen zu können, muss man selber ein wenig von Urkunden- und Archivwesen verstehen. Vor 60 Jahren schon hat Professor Eugen Täubler, der Leiter des Gesamtarchivs der Deutschen Juden, weitreichende Pläne für ein Urkundenbuch der Juden in Deutschland aufgestellt, in denen er die höchsten Anforderungen stellte. Diese Pläne konnten niemals verwirklicht werden. Was überhaupt erschienen ist, sind Darstellungen, mehr oder weniger gewissenhaft, die sich direkt oder indirekt auf Urkunden stützen, aber es sind keine Originalurkunden. Es wäre wohl auch in dieser langen Zeit, auch in den Friedensjahren zwischen den Kriegen, nicht möglich gewesen, überall in den Archiven einschlägig Urkunden einzusehen. Dazu fehlt es an genügend sachlich vorgebildeten Mitarbeitern. Täubler’s Frau, Selma Stern-Täubler, hat in Täubler’s Sinn innerhalb 40 Jahrn zwei Werke über den Preussischen Staat und die Juden herausgegeben, deren umfangreicher Urkundenteil ungefähr dem entspricht, was Täubler vorgeschwebt hat. Was jetzt von Brilling und Richtering herausgegeben wird, erfüllt genau Täublers Forderungen. Denn sämtliche Urkunden sind im Original eingesehen worden. Brilling hat keine Mühe und keine weite Reise gescheut, um Alles zu erforschen. Dazu kommt dann die fachgemässe Bearbeitung, mit allen Erklärungen, Anmerkungen und der einschlägigen Literatur. Die erste unzweifelhafte Urkunde stammt aus dem Jahre l(j>74, die letzten handeln von den Verfolgungen der Jahre 1349—50. Manche Urkunden geschäftlichen Inhalts tragen auf der Rückseite hebräische Vermerke. Im Ganzen handelt es sich um 207 Urkunden, 6 Notizen aus späterer Zeit sind hinzugefügt. Freilich kann eine solche umfangreiche Arbeit nur für ein Teilgebiet erfolgen, nicht nach Taeublers Forderungen für ganz Deutschland. Dieses Teilgebiet ist das Land Westfalen in seiner heutigen Gestalt, einschliesslich Lippe, ein Gebiet, das im Wesentlichen eine historische Einheit ist. Da Brilling noch jugendlich und arbeitsfreudig ge-' nug ist, kann er sich die Fortsetzung der Arbeit, etwa bis zum Ausgang des Mittelalters, vornehmen, aber auch diese nur in einzelnen geschichtlich gewordenen Gebieten, zunächst im Fürstbistum Münster, dann wohl im Sauerland. Brilling selbst bezeichnet es als ein Glück, dass er in Helmut Richtering den geeigneten Mitarbeiter gefunden hat. Man kann nur Beiden für ihre sorgfältige Arbeit danken und Beiden die nötige Kraft für die Fortsetzung der Arbeit wünschen. Möge sie Vorbild für andere Forscher werden. Rabbiner Dr. Neufeld I Möbel SIMON tel-aviv j; Sheinkinstr. 16 Tel. 612857 ij Sonderverkauf zu den Feiertagen <[ zu aussergewöhnlich billigen Preisen <[ Ess-Tische Fauteuilles Einzelmöbel Stühle Sofas j > Beste Qualität. Gute Bedienung. <[ Teewagen: Dinelt u. Variete! (' niio ro\y!; rtAAAA/SA*WWWWNA/\A/W\AAA/W\^ <WWWWWVWVWWWWWWWSA/WWWWWWV^^^WWVIVWWWW Begegnung mit Martin Buber 4

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