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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1968-09-01 · No. 24 (September 1968) · p. Seite 2

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1968
Issue
No. 24 (September 1968)
Date
1968-09-01
Page
Seite 2 (sequence 2715)
Language
German
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Die ehemalige „Landschule" in Breslau und ihr Inventar In den letzten Jahren vor Kriegsausbruch ist der alte Pokyhof ln Breslau abgebrochen worden; er hat einem Monumentalbau für Handelszwecke weichen müssen. Im Mittelpunkte des Grosshandels der schlesischen Hauptstadt gelegen, bestand der alte Bau aus einem Winkelwerk von Baulichkeiten, die hier mehrere Jahrhunderte lang als Warenstapel und Kontore benutzt worden waren. In einem der Höfe des grossen Baukomplexes war Ende des 17. Jahrhunderts die “alte Landschul” errichtet worden. Urkunden über ihre Entstehung fehlen. Der Breslauer Magistrat hat das interessante Bauwerk vor dessen Abbruch im Lichtbild festgehalten; sein kunst- und kulturhistorisch wertvolles Inventar ist in die Betstube überführt worden, die die Gemeinde dieser alten Synagoge seither in einem Privathause eingerichtet hat. Die Gründung dieser Glaubensgemeinschaft und ihre Geschichte sind von Professor Dr. Brann aus den Archiven gesammelt und in der Festschrift für Prof. Guttmann veröffentlicht worden. Die Juden waren Ende des 16. Jahrhunderts fast gänzlich aus Schlesien, in das sie 500 Jahre vorher eingewandert waren, vertrieben. Dies änderte sich nach dem Dreissigjährigen Kriege; schon 1680 erfahren wir von einem Erlass der Böhmischen Hofkanzlei, die vom Schlesischen Oberamt eine Ermittelung der Judenzahl anfordert, um diese ergiebige Steuerquelle für sich zu erfassen. Die Zählung, die bis 1691 mutmasslich aus sebstischen Rücksichten verzögert wird, ergab aus 70 Ortschaften im Jahre 1722 650 Seelen, 1753/54 bereits 2510 und 1791 die Anzahl von 3779. Die ausserhalb Breslaus wohnhaften “Landjuden” hatten hier die Stapelplätze für ihren Handel, ohne dort heimatberechtigt zu sein. Mitglieder einzelner Landgemeinden (Glogau, Zülz) hatten hier beschränktes Aufenthaltsrecht, während die Ostjuden, deren Wert für die Handelsbeziehungen Schlesiens offenbar höher bewertet wurde, unbeschränkt in Breslau weilen durften. Mit Rücksicht auf die Sabbat- Heiligung sowie religiöse Bedürfnisse der Gäste wurde diesen gestattet, in “entlegenen Winkeln Betstuben zu mieten, wenn diese nach aussen hin in keiner Weise als solche kenntlich waren”. So entstanden seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts etliche polnische Betstuben, ferner solche für die Glogauer und Zülzer Juden.1) Nun schlossen sich aber auch die ausserhalb stehenden Landjuden zu einer “Landgemeinde” zusammen und gründeten die “Landschule”, die einzige unter den damals entstandenen Synagogen, die dem vorgenannten Verbote ausserlich Trotz bot und ein Bauwerk darstellt, das unverhüllt, wenn auch in bescheidener Weise, den Typus der östlichen, charakteristischen polnischen Holzsynagogen zur Schau trug. Was über diese kunstgeschichtlich und baufachlich bis heute bekannt geworden ist, muss ebenso als spärlich bezeichnet werden. Der Verfasser hat einiges Material wissenschaftlich bearbeitet und zusammengetragen-; indessen ist die Forschung nach wie vor lückenhaft und mit der Eigenart der vordem russischen, heute polnischen Verhältnisse erklärt. Bis zum Umsturz waren die einzigen deutschen Vertreter dieses Bautypus die Holzsynagogen in Kurnik (Posen) und Lublinitz (Oberschlesien), beide Orte sind heute polnisch; als dritter Vertretei' ist nun die ehemalige Landschul’ in Breslau anzusehen. Wir sehen die bei den polnischen Typen immer wiederkehrende Holzgalerie, die hier im Gegensatz zu diesen nicht nur ausschliesslich Schmuckmotiv ist. Sie bildete nämlich den eigentlichen Zugang zur Betstube, die je eine Männer- bzw. Frauenabteilung aufwies, zu denen gesonderte Treppen führten. Das auffallen hohe Mansardendach, das keinerlei Zweckbestimmung hatte, ist als Konzession an die polnische Synagogenbauart zu bewerten, zu deren baulichem Gepräge das Von Professor Dr.-Ing. Alfred Grotte in Breslau ★ künstlich hochgeschraubte, oft pagodenartig geformte Dach gehört. Nur dass hier, inmitten des höheren Häuserblockes die rituellen Motive für das hohe Dach wegfielen; aber gerade das Betonen dieses Dachformmotives (ohne praktischen Nebenzweck) lässt den Schluss zu, dass dem Baumeister — offenbar, wie auch in anderen Fällen ein polnischer Jude — der Typus seiner Holzsynagogen vorgeschwebt haben mochte. mms v Sehr beachtenswert erscheint auch das Silbergerät dieser Landgemeinde, wobei auffallend ist, dass sich dieses in seinem künftlerischen Duktus sehr vorteilhaft unterscheidet von dem Inventar, das in sonstigen alten Synagogen des Ostens vorhanden ist. Leider enthalten weder die Silbergeräte noch das Archiv Hinweise auf die Erstellungs- Begegnung mit Dr. Herbert Hupka Bonn in Israel Im Laufe von 2 Jahren besuchte Dr. Herbert Hupka und Gattin zum 2 Male den Staat Israel, um sich ein Bild vom Aufbau zu machen und auch alte Schulfreude aus Ratibor zu besuchen. Am Flugplatz waren Vetreter des Verbandes “Ehemaliger Breslauer” und des Verbandes “der Oberschlesier” erschienen, was bei beiden eine angenehme Überraschung und freundschaftliche Atmosphäre auslöste. In den 14 Tagen seines Aufenthaltes bereiste er das Land mit seiner u. Frau kreuz und quer, Teile, die er kannte und auch die neuen Gebiete. Die beiden Verbände “Breslauer” und “Oberschlesier” gaben den Gästen ein Abendessen im “Astor”, an dem 28 Prsonen teilnahmen. Den Abend leitete Herr Tauber als 1. Vorsitzender der Breslauer. Es sprachen Erich Schönguth für die ehemaligen Oberschlesier sowie Erich Lewin als Sekretär des Verbandes der Breslauer. Herr Karliner, Ti von für die Gruppe Haifa der “ehemaligen Oberschlesier”. Julius Sachs trug in Gedichtform humorvoll die Begegnung mit Hupkas in Bonn und in Israel vor und Dr. Hupka fand in seinen Dankesworten den freundschftlichen Ton, der ihn und seine Gattin sofort in Kontakt mit uns brachte. Es war ein sehr gelungener Abend. — Vor seiner Abreise war nochmals eine Besprechung ernsterer Natur im Hotel “Dan”, mit den Vertretern beider Verbände, die Fragen berührten, die uns alle angehen. Wir sind überzeugt, dass beide Teile von der Anwesenheit dieses bekannten Journalisten zufrieden gewesen sind. E. L. zeit und die Urheber bzw. Anfertiger dieser Gegenstände. Aber sie lassen aus Form und ornamentaler Zier schliessen, dass es Erzeugnisse des 18. Jahrhunderts sind, die demnach aus einer Zeit stammen, die mit der wirtschaftlichen Erstarkung der frommen Stifter zusammenfällt. — Besonders prächtig erscheint das Thoraschild, in reichem barocken Schmuckwert gehalten, aus dem nur die Löwen mit dem charakteristischen “Jargonstil” stilwidrig herausfallen. Sie zeigen den Jahrhunderte hindurch im Ghetto Polens tausendfach auf Ritualgegenständen immer wieder verwendeten romanischen Geist, den die aus Deutschland vertriebenen mittelalterlichen Juden nebst Sprache und Kleidung im Ghetto behüteten und den der Verfasser an einem Grabstein aus Krotoschin nachzuweisen versucht hat (s. “Denkmalpflege” Nr. 8/ 1919). Gerade dieses charakteristische Löwenmotiv lässt den Schluss zu, dass das Gerät einem ostjüdischen Goldschmidt zuzuschreiben ist. Letzteres gilt völlig zweifelsfrei von dem zweiten, hier abgebildeten Thoraschild, das technisch und ornamental weit unter dem erstgenannten steht, a ber in seiner Komposition sehr eigenartig erscheint. Die perspektivische Stellung des Dekaloges ist gänzlich vom üblichen Schema abweichend, das hier in der Anordnung der beiden historischen Tempelsäulen “Jachin und Boas” beibehalten ist. Hingegen zeigt sich der schöpferische Geist des Künstlers in der Wiedergabe alttestamentlicher Symbole, die den Raum zwischen Dekalog, Säulen und Krone (Symbol der Lehre, als Krone des Lebens) geschickt füllen. Rauchaltar, Wasserbecken (in Erinnerung an das “eherne Meer” Salomons), Tisch mit Schaubroten, siebenarmiger Leuchter, Palme und Lebensbaum (in Anlehnung an Spr. Salom. 3, 16—18) find eine ebenso gefällige als sinnreiche Zier. — Eine prunkvoll gearbeitete Krone, sowie zwei klassizistische Aufsätze (letztere für die Enden der Holzstäbe, auf denen das Pergament des Pentateuch gewickelt wird) und endlich ein silbernes Waschflecken mjbst Krug für den Dienst der Leviten sind weitere kostbare Inventarstücke dieses alten Gotteshauses, das, als einziger Zeuge des altpolnischen Typus auf deutschgebliegenem Boden, unsere Beachtung verdient. ■4 TJ’AJ^W 615886 t a SHEINKIN 4 lipj'UJ 'N-n

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