Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1968-09-01 · No. 24 (September 1968) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1968
Issue
No. 24 (September 1968)
Date
1968-09-01
Page
[Seite] (sequence 2714)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/7411685-7412902-7412917--0218-7412918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Gegründet von Dr. Wilhelm (Seev) Freyhan n i m .an'I a iüdak :A Bitte bewahren Sie die “Mitteilungen” und denken Sie immer wieder an die “Suchanseigen”. iHivin. i» imN bvz> MITTEILUNGEN No. 24 my>*T> drawn ruwn wni September 1968 DES VERBANDES EHEMALIGER BRESLAUER UND SCHLESIER IN ISRAEL E. V. Actions-Comite: Dr. LilU Berg-Platau, Dr. William Boss, Benno Cohn, M. d. K. Heinrich H. Cohn, A. Dombrowski, N. Heimann, Erich Lewin, Paula Lewy, R. Löwenberg, A. Neuländer, Dr. Prager, M. Pick, J. Sachs, M. Schmerel-Hofstein. Briefadresse: Erich Lewin, Tel-Aviv, Karl Netter Str. 7. Vorsitzender ERNST TAUBER Der jüdische Begriff von Busse, der Grundton der “Jamim Noraim”, der Hohen Feiertage, ist T’schuwah, was allgemein mit Busse uebersetzt wird. Die wahre Bedeutung von T’schuwah ist jedoch “Umkehr”. Es ist uns geboten, von den irrigen Wegen der Vergangenheit zu dem guten Lebensweg zurueckzukehren. Die moderne Gesinnung lehnt sich gegen diese Forderung auf. Ist nicht das Gebot unseres Zeitalters “der Fortschritt”, Vorwaertsgehen? Wie also kann man von uns erwarten, dass wir “T’schuwah” tun, d.h. Rueckwaertsgehen, was “Retrogression” — Rueckschritt — bedeutet? Diese Behauptung beruht auf einer falschen Auffassung der Bezeichnung “T’schuwah”. Ein einfaches Beispiel soll die Idee illustrieren. Wenn jemand in die falsche Richtung reist und als moderner Mensch es nicht wagt zurueckzufahren und deshalb seinen Weg weiter verfolgt, entfernt er sich, je weiter er reist, von dem von ihm erstrebten Ziel. Obwohl er sich vorwaerts bewegt, reist er tatsaechlich rueckwadrts, soweit sich dies auf sein Ziel bezieht. Will er wirklich sein Ziel erreichen, so gibt es keinen anderen Weg als zum Ausgangspunkt zurueckzukehren und von neuem seine Reise in die richtige Richtung zu beginnen. Genau das ist es was “T’schuwah” bedeutet. Waehrend des ganzen Jahres sind wir in vieler Hinsicht fehlgegangen, d.h. wir bewegten uns in der falschen Richtung. Bestehen wir darauf in derselben Richtung fortzufahren, so entfernen wir uns mehr und mehr vom Ideal, zu dem die Menschheit streben sollte. Wir befinden uns tatsaechlich im “Rückschritt”. Da kommen die Hohen Feiertage mit dem zum Herzen gehenden Ruf zur “Umkehr”. Gehe zum Ausgangspunkt zurueck und im kommenden Jahre wandle in der rechten Richtung zu den Idealen der Menschheit — dies ist wirklicher Fortschritt. Mit andern Worten, Dr. HURWITZ LTD. TRAVEL & TOURS AGENCY NEUE ADRESSE: TEL-AVIV, Yehuda Halevi Sfr. 43 Neue Telephon-Nummern 614025 621351 Individuelle Beratung für Ihre Reise ins Ausland. mn? „T'SCHUWAH" Ivon I RABBINER BARUCH RABINOWITZ Tel-Aviv (früher Johannesburg) | ob wir, uns vorwaerts bewegend, wirklich progressieren, haengt davon ab wie wir stehen. Haben wir die wirklichen moralischen Werte des Lebens, vor uns, so progressieren wir, indem wir uns vorwärts bewegen. Stehen wir mit dem Rücken zum traditionellen Judentum, so schreiten wir zurück, indem wir uns vorwärts bewegen. In diesen Tagen des “Cheshbon Hanefesch”, (Selbstprüfung) sollte nach dieser Auseinandersetzung jeder Jude selbst den Anspruch der Reform auf den irreführenden Namen “Progressives Judentum” pruefen. Wie steht es mit Reform in Bezug auf das Judentum, wie es von Moshe, den Propheten, Ezra usw. dargelegt ist? Moshe: “Und Du sollst Seine (G”ttes) Gesetze und Gebote befolgen.” Und die Prophezeiungen aller Propheten schliessen mit dem dringenden Ruf des letzten Propheten: “Gedenket die Thora meines Dieners Moshe, die ich ihm am Choreb (Sinai ( für das ganze Volk Israel befohlen habe, Gesetze u. Rechtsordnungen“. (Maleachi, 3, 22). Hier die klare Feststellung, dass alle Ermahnungen der Propheten auf Thorat Moshe basiert waren. Und Esra, der geistige Führer der Renaissance des Judentums waehrend des zweiten Commonwealth, von dem es heisst: “Waere die Thora dem juedischen Volke nicht durch Moshe gebracht worden, Ezra waere dessen wuerdig gewesen”. In Nehemia heisst es: “Ich hatte Auseinandersetzungen mit den Fuersten Judaea’s und sprach zu ihnen: Wie gross ist das Unrecht, das Ihr begeht, dass Ihr den Sabbath entweiht. — Und ich befahl, dass man bevor Sabbath — Anfang die Tore schliesse und erst nach Sabbath — Ende wieder oeffne” — (Nehemia 13, 17—19). Wie steht also Reform in Bezug auf das Judentum? Da Reform mit dem Rücken zum traditionellen Judentum steht, indem es sich v. ihm abwendet u. sich in der entgegengesetzten Richtung bewegt, wäre “Retrogressives Judentum”eine passendere Bezeichnung dafür. Wie recht hat der moderne nichtjüdische Denker, der behauptet, dass es der Jude war, der im Laufe der Geschichte der Welt die wahre Bedeutung des Wortes “Vorwärts” gelehrt hat. Der Jude zaehlt die Monate und Jahre nach dem Ablauf des Mondes. Jeden Monat, nachdem der Mond die verschiedenen Phasen passiert hat und den Höhepunkt im Vollmond erreicht, verschwindet er und laesst sodann von neuem sein Licht leuchten. Aus der Dunkelheit laesst er sein Licht von neuem scheinen und so durchläuft wieder der Mond die ganze Bahn vom Anfang bis zum Ende. Dies symbolisiert die charakteristische Grundidee des Judentums, Tschuwah. Nicht nur hat das Judentum der Welt die wahre Bedeutung des Wortes “Vorwaerts” gelehrt, sondern auch das Wort “Chidush” (Erneuerung) — die Bedeutsamkeit eines neuen, ernsthaften Anfangs, das Leben wieder auf einem reinen Fundament aufzubauen. Oh, wenn nur die Menschheit den dringenden Ruf des Judentums zu T’schuwah beachtet haette. Die Menschheit waere dann nicht hartnäckig weiter auf dem falschen Weg “vorwärtsgegangen”, stolz darauf progressiv zu sein, und sie haette, staendig fortschreitend, in unseren Tagen nicht schliesslich das primitive Stadium der Menschheit erreicht. Waren wir nicht im zwanzigsten Jahrhundert Zeugen dessen, dass das Gesetz des Dschungels in der Welt herrschte, waren wir nicht Zeugen dessen, dass die Menschheit zum Paganismus zurueckschritt. Waehrend des letzten Weltkrieges wurde behauptet, dass nach dem Kriege eine neue Welt geboren wuerde. Dies war das Schlagwort, das die Soldaten zu heroischen Taten anfeuerte. Was wir heute sehen, ist eine zweite Auflage der Vorkriegswelt. Viele Jahre sind seit dem Ende des Krieges vergangen und noch immer sitzt die Welt auf einem Pulverfass. Warum? War nicht das Schlagwort eine neue Welt zu errichten ein Entschluss zur “T’schuwah”? Rambam sagt: “Was wir an den Jamim Noraim tun können ist nur, uns zur Tschuwah zu entschliessen. Dies ist noch keine T’schuwah. Nur wenn danach im altäglichen Leben sich uns die Gelegenheit bietet, das gleiche Unrecht wieder zu begehen mit der gleichen Attraktion eines Gewinnes, wir es aber nicht, tim, erst dann wird es vollstaendige T’schuwah. Man kann keinen neuen Bau auf einem verfallenen Gebaeude errichten. Man muss das alte Gebaeude niederreissen und auf einem reinen Fundament ein neues errichten. Eine neue Welt bauen, heisst “zurueckgehen”, alle unmoralischen Elemente der Vorkriegswelt beseitigen und einen neuen aufrichtigen Anfang in der rechten Richtung durchfuehren. Hierzu sind die Voelker noch nicht bereit und die neue Welt kann daher noch nicht geboren werden. Hoffen wir, dass im kommenden Jahr die Welt von uns Juden die eigentliche Bedeutung der T’schuwah, eines neuen ehrlichen Anfanges, lernen wird. Dann koennen wir hoffen, dass die Menschheit zu einem Stadium der “Ruhe” progressieren wird und eine Aera von Glueck und Segen fuer das gesamte Menschengeschlecht beginnen wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.