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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1968-04-01 · No. 23 (April 1968) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1968
Issue
No. 23 (April 1968)
Date
1968-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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VON UNSEREN ARABISCHEN NACHBAREN Heute erleben wir eine fundamentale Änderung des Verhältnisses unseres Staates zu den arabischen Nachbarländern, so dass man wohl versuchen sollte, die geschichtlichen Zusammenhänge mehr als bisher zu verstehen. Es ist naheliegend aus der Tatsache, dass Hebräisch und Arabisch semitische Sprachen sind, auf die Verwandschaft, der diese Sprache sprechenden, Völker zu schliessen. Aber es ist noch nicht gelungen, den Ursprung des israelitischen Volkes aus Arabien zu beweisen. Die Bibel erzählt nur, dass Ischmael der Stammvater der Araber, und Jizchak der Stammvater der 12 Stämme Israels, einen Vater haben. Überliefert ist auch, dass die Israeliten bis zur Landnahme, wie die Araber, in dem Raum zwischen Zweistromland, Ägypten und der Arabischen Halbinsel umherzogen. Die Weidezüge führten durch weitentfernte Länder. Abraham zog von Ur in Chaldaea am unteren Euphrat nach Haran zwischen dem oberen Euphrat und Tigris und weiter nach Israel und siedelte dann in Hebron. Jakob floh vor Esau nach Haran zurück und ist in Ägypten gestorben. Das südarabische Reich Sabaea, dessen Königin Salomo besuchte, sandte (nach Hitti: The Arabs) seine Handelskarawanen bis nach dem nördlich gelegenen Haran. Mohamed war in seiner Jugend Karawanenführer nach Syrien. So sind uns wohl die Züge der israelischen und arabischen Nomaden überliefert, aber wir wissen nichts über ihren Ursprung. Dass die Araber eine der Natur ihres Landes angemessene hohe technische Kultur entwickelt haben, ist nicht mehr bewusst, weil die Entwicklung abgebrochen wurde. Südarabien mit seinen festumwallten Städten in seinen Königtümern Sabaea, Ma’an, Hadramaut, Quataban (Saba und Ma’an später zu Jemen vereinigt) hat einen ganz anderen Charakter gehabt, als der nördliche Teil der Halbinsel, der offenes Wüste- und Weideland ist. In Südarabien durchzogen Wadis das Steppenhochland, das durch grossartige Daemme und bis zu 1000 Fuss ansteigende Terassenkulturen fruchtbar gemacht war. Berühmt war der Damm von Marib, etwa 50 Meilen nordöstlich von, Sanaa, der heutigen Hauptstadt von Jemen, der nach byzantinischen und abessinischen Berichten im 5. und noch einmal im 6. Jahrhundert repariert worden ist. Wie kam es, dass diese Kultur verfiel? Die Beziehung zur grossen \Welt, die durch die Handelsstrassen hergestellt war, ging verloren, als die Schiffahrt sich so weit entwickelt hatte, dass die alten Karawanenstrassen überflüssig wurden. Ausserdem hatte die Gründung der umfassenden “Kirche” des Islam, der der Antrieb für die siegreichen Feldzüge nach Syrien, dem Zweistromland, nach Persien und ins Mittelmeergebiet bis nach Spanien und Frankreich (in Spanien herrschten die Araber 700 Jahre) gewesen ist, eine ganz andere Situation geschaffen. Unter den Omajaden im 7. Jahrhundert wurden noch Quellen gegraben, Aquaedukte konstruiert. Schon ein Jahrhundert später unter den Abassiden verfiel alles. Beim Bau der türkischen Hedschasbahn fand ein Ingenieur die Trümmer vergessener Irrigation. Im Jahre 1910 erreichten die Überschwemmungen sogar die Kaaba, den schwarzen Magnetstein, der sich im Zentralheiligtum in Mekka befindet. Das Ausgangsland Arabien war in den Hintergrund getreten. Von den religiösen Zentren strahlte Fanatismus und feindliche Abtrennung gegen Fremde. (Montgomery: The Arabs and the Bibel). Neben den technischen Fähigkeiten ist die andere dem Menschen innewohnende Kraft die Religiosität. In diesem Zusammenhang führen wir Montgomery’s Hinweis auf Renan an: “Der grosse französische Historiker sah mit genialem Blick, Von ANNI LÖWENSTEIN, Ramat-Chen dass die Einheitlichkeit und Monotonie der Wüste, sobald als der Glaube an örtliche Götter und Geister (Djinns) überwunden ist, dazu führt, dass der Glaube aufsteigt zu einer höchsten göttlichen Einheit”. Der Einfluss des Judentums ist stark gewesen, denn einige arabische Stämme hatten das Judentum angenommen. Die Bezeichnung Rahman (der Barmherzige) für Gott wird schon ein Jahrhundert vor Mohamed nachgewiesen. (Nach Glaser und Winkler). Dieser Gottesname wird nachher im Islam weiter neben Allah gebraucht. Es wird überliefert, dass die ersten Erfahrungen goettlicher Berufung bei Mohamed in Begleitung epileptischer Krankheitszustände auftraten. Doch wurde er später frei davon. Seine entscheidenden Schritte waren die Zerstörung der Goetzenbilder, das Verbot des Kinderopfers und der Grausamkeit gegen Tiere. Er lehrt “Wisse, jeder Moslem ist dein Bruder”. Wohltätigkeit u. Almosengeben sind die “Säulen des Glaubens”. Diese Sure des Khoran zeigt deutlichen Anklang an die Bergpredigt. Eine andere empfiehlt: “um das Andenken Deiner Mutter zu ehren, grabe eine Quelle und lösche d. Durst der Durstigen”. Am Freitag findet gemeinsames Gebet in der Moschee unter Leitung eines Imam statt, das aber auch von jedem ehrlichen Moslem geleitet werden kann. Die täglichen Gebetszeiten sind fünfmal am Tage, das dreimalige jüdische Gebet noch übertreffend, weil der Gläubige nicht lange ohne den Gedanken an Gott sein soll. (Nach Bouquet: Comparative Religion) So hat der Prophet neben seiner Aktivität als Heerführer einen verbindenden und humanisierenden Einfluss auf seine Stammesgenossen geübt. Nach den grossen Eroberungszügen des Islam nach Palästina, Syrien, Zweistromland hatten die Abassiden das Khalifat in Bagdad aufgerichtet. Die nomadische Stammesstruktur war in eine asiatische Despotie übergegangen, in welcher die Araber keine Vorrechte mehr besassen. Der Zenit dieses Reiches wird durch Harum, al Raschid bezeichnet. (gest. 809). Im Schosse dieses islamischen Raumes konnten später unter den Ghassaviden die dort beheimateten Vorkulturen wieder wirksam werden, und es enstand eine neue Blüte der persischen Poesie. (Im 10. Jahrhundert Firdausis Heldenepos). In ihrer 'Glanzzeit haben die Araber durch Belebung und Überlieferung der antiken Wissenschaften das europäische Mittelalter befruchtet und den Grund zur Renaissance gelegt. Die Mathematik und Chemie, sowie die griechische Philosophie, die die Araber dem christlichen Europa vermittelten, führten zu einer Auseinandersetzung zwischen Vernunft und Glaube, zwischen philosophischen Denken und religiöser Tradition und löste später die europäische Aufklärung aus. Aber in der arabischen Welt blieb die Wissenschaft auf einen kleinen Kreis beschränkt und hatte keinen Einfluss auf Kultur und Technik. Die arabischen Philosophen sind heut mehr bekannt durch ihre Weiterwirkung in der abendländischen und jüdischen Philosophie. (Maimonides). Das nationale Erwachen, letztlich eine Auswirkung der abendländischen Aufklärung, das heute durch die arabische und die ganze übrige Welt geht, führt zur Spannung mit der. Traditionskultur, von Atatuerk bis Nasser. Dass die Araber eine eigenartige, überall deutlich erkennbare Baukunst geschaffen haben, ist bekannt, wie z.B. die berühmte Alhambra in Spanien. Die absolute Bildlosigkeit ihrer Bauwerke ist dem Judentum verwandt. Im Gegensatz zur bedeutenden Baukunst macht der Orientalist Margoliöuth darauf aufmerksam, dass die Form der arabischen Dichtkunst sehr künstlich und gebunden ist und den Ausdruck gestört haben muss, denn von Zehntausenden Oden ist nur wenig übersetzt und im Abendland verbreitet worden. Demgegenüber haben die Psalmen und Propheten eine solche Tiefe und einen solchen Ernst erreicht und vermittelt, dass sie in alle Weltsprachen übersetzt wurden. Die Ausweitung des Lebensraumes durch die siegreichen Eroberungszüge hatte die Wiederherstellung des Dammes in Südarabien erspart. So könnte man vielleicht heute folgern, dass der Verlust grosser Landesteile zu einer besseren Auswertung des unbenutzten Landes führen könnte. Die Araber wünschen zwar an der fortgeschrittenen technischen Kultur teilzunehmen, haben aber wegen ihrer finanziellen Stärke durch die reichen Petroleumvorkommen nicht die Notwendigkeit gehabt, sie nachzubilden. Auto, Kino, Radio, Television, Aircondition wurden importiert, jedoch wird nicht versucht, selbst herzustellen. Die Juden, die Vorposten dieser europäischen Zivilisation lösen grade durch ihren Fortschritt bei ihnen Schock I und Feindschaft aus. } Die geistige und soziale Entwicklung Europas ' ist von den Arabern nicht mitgemacht worden und sie müssen, ebenso wie die andern heute in die Geschichte selbstständiger Staaten eintretenden Völker (z.B. die afrikanischen) erst den Sprung zur heutigen Weltstunde tun. So wirkt auch diese Tatsache auf die Spannung zwischen Arabern und Israelis, so dass wir noch weit entfernt sind von einem geistigen und sozialen Austauch. ALLE EHEM. BRESLAUER treffen sich in TEL-AVIV, im Cafe NOGA (vis ä vis Mograbi) Pinskerstr. 4 (Tel. 56063) Touristen u. Einheimische herzlich willkommen! Behaglicher Aufenthalt, auch air conditioned. Räume für Konferenzen, Versammlungen, Künstlerische Veranstaltungen, usw. Stationer — Bookseller > JOSEF FREYHAN formerly Dr. Wilhelm Freyhan ÜNT 1 7 DTIRTI Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 60 60 min' 13 'Hl empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel, NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN GRÖSSEN Special-Abtlg.: Israel Reiseführer TEL. 240256 4

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