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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1968-04-01 · No. 23 (April 1968) · p. Seite 3

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Jüdische Presse im XIX. Jabrh undert Solange die Bevölkerung in Israel teilweise feindlich gegen Deutschland eingestellt war, konnte eine deutsche Bibliothek nur ganz im Verborgenen blühen. Sie wurde schon 1954 unter dem Namen des Arztes Dr. Walter Hirsch, der inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt und zum Professor ernannt worden war, in einem etwas entfernt gelegenen Haus in der Tel-Aviver Yarkonstrasse gegründet, und nur durch Flüsterpropaganda, nicht durch Zeitungsmitteilungen, erfuhr man erst nach Jahren, dass so etwas vorhanden ist. Jetzt erst, nachdem ein deutscher Botschafter nach Israel gekommen ist, der von manchen Fanatikern auch nicht gerade freundlich begrüsst winde, konnten sich die Kreise, die hinter Professor Hirsch stehen, entschliessen, an zentraler Stelle, am Keren Kajemeth Boulevard 94 geeignete, grössere Räume zu beziehen. Sie wurden, wie schon bekannt, mit einer Rede des deutschen Botschafters feierlich eröffnet. Gewissermassen als Leckerbissen wurde zur Eröffnung eine Leihgabe geschickt, deren Bestände aus dem internationalen Zeitungsmuseum der Stadt Aachen stammen, und die in Tel- Aviv einige Wochen zu sehen ist. Es ist nur eine kleine Auswahl aus dem einzigartigen Museum in Aachen. 95 jüdische Zeitungen mit 136 Ausgaben, sämtlich aus dem XIX. Jahrhundert; aber was geschickt und in einem vornehm ausgestatteten, illustrierten Katalog (Aachen 1967, 147 S.) für die Dauer festgehalten wird, das bietet dem Feinschmecker weit, weit mehr, als er ahnen konnte. Als E. G. Lowenthal vor zwei Jahren in Aachen war und auf das Zeitungsmuseum aufmerksam machte, konnte er an Hand des Katalogs noch zwei unbekannte Zeitungen aus Thüringen zu den ' vielen Zeitungen hinzufügen, die bei Herlitz im Jüdischen Lexikon, Band IV, registriert sind. Ich konnte im vorigen Jahr zwei weitere Zeitungen aus Westpreussen nennen. Dass jede Zusammenstellung lückenhaft ist und bleiben muss, leuchtet ein. Aber es muss festgestellt werden, dass dieses Museum die denkbar grösste Zahl der Zeitungen erfassen konnte. Die Ausstellung beschränkt sich auf das XIX. Jahrhundert, beginnend 1806 mit der in Dessau erschienenen Zeitschrift Sulamith. Was vor 1800 war, wird nicht berücksichtigt. Es gab vor 1800 auch nur wenige fast unbekannte Zeitungen jüdischen Inhalts. Als erste wurde 1750 in Berlin von Moses Mendelssohn eine hebräische Zeitschrift Kohelet Mussar im Sinne der Aufklärung gegründet. Aber Mendelssohn war damals erst 21 Jahre alt, sein Name noch ziemlich imbekannt, die Zeitung konnte daher nicht lange bestehen. 1751 erschien in Neuwied unter der Leitung von Benjamin Croneburg eine Zeitschrift mit dem prahlerischen Titel “Der Grosse Schauplatz” in deutsch, und im folgenden Jahr eine andere Zeitschrift “Der Kuriose Antiquarius”. Wie es möglich war, dass in der unbedeutenden Gemeinde Neuwied zwei Zeitungen ungefähr je ein Jahr erscheinen konnten, ist nicht festzustellen. Dagegen ist es wohl verständlich, dass in der bekannten Dyhemfurther Druckerei die Dyhernfurther privilegierte Zeitung 1771—1772 deutsch in hebräischen Lettern erscheinen konnte. Als letztes und viertes Blatt aus dem XVIII. Jahrhundert sei die hebräische Monatsschrift Hame’assef genannt, die auf solider Grundlage von 1784-1811 bestehen konnte und im Geiste Moses Mendelssohn weiterwirkte. Auf die erste im XIX. Jahrhundert erschienene Zeischrift Sulamith folgen einige fünfzig Zeitschriften in deutscher Sprache. Die meisten von ihnen sind Eintagsfliegen, die kaum ein Jahr bestehen konnten. Herausgegeben wohl von Phantasten, die nicht rechnen konnten und die Aussichten einer solchen Zeitschrift weit überschätzten. Die meisten, auch die erst in den achtziger und neunziger Jahren gegründeten, haben das erste Jahrzehnt des XX. Jahrhunderts kaum erlebt. Aber es sind auch unter ihnen solide Unternehmungen, die gut basiert und wahrscheinlich auch rentabel sind. Als erste die Allgemeine Zeitung des Judentums, 1837 von Ludwig Philippson begründet, die bis 1922 bestand, und deren Namen die CV-Zeitung (Zeitung des Zentralvereine deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) als Untertitel übernahm, und die gewissermassen 1937 ein schwaches hundertjähriges Jubiläum feiern konnte. Als Pendant sei der orthodoxe “Israelit” in Mainz genannt, 1860 von M. Lehmann gegründet; ferner die zionistische “Welt” in Wien, die “Jüdische Presse” von Hirsch Hildesheimer in Berlin und, sehr spät, erst 1898, das am weitesten verbreitete “Israelitische Familienblatt” in Hamburg mit einer Auflage von 36,000. Zu diesen soliden Blättern sind auch die wissenschaftlichen Zeitschriften zu zählen, die teilweise auch hier vermerkt sind. Am verbreitesten ist die “Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums” (MGWJ), von Fränkel und Graetz geleitet, (1851—1938), aber auch andere Zeitschriften wie “Der Orient” von Dr. Julius Fürst in Leipzig, der nur neun Jahrgänge (1840— 1848) herausbrachte, oder Samson Rafael Hirsch’s “Jeschurun” in Frankfurt, ein streng orthodoxes Monatsblatt. Erstaunlich ist, in welchen kleinen oder entlegenen Orten jüdische Zeitungen erschienen: ausgestellt sind Zeitungen u.a. aus Meiningen, Bayreuth, Schwerin (Mecklenburg), Ingelheim, Liegnitz, Kattowitz, Elbing, Briesen, Loebau, Gelsenkirchen, Duermenach. In hebräischer Sprache sind nur 8 Zeitungen zu sehen, meist aus Osteuropa, aber auch schon aus Jerusalem, u.zw. das erste dortige hebräische Blatt “Halevanon” 1863. Im selben Jahr erschien ebenfalls dort, eine Zeitschrift “Habazeleth” v. Israel Back, die aber schon nach 6 Monaten von der Regierung verboten wurde. Sieben Jahre später, 1870, gab unter dem selben Titel Dov Frumkin, der Vater des späteren Richters Gad Frumkin, eine neue hebräische Zeitung heraus, die mehr als dreissig Jahre bestand. In Deutschland erschienen nur sehr wenige hebräische Zeitungen, die bekannteste u. älteste “Hamagid” in Lyck seit 1857. Lyck ebenso wie Königsberg und Memel (T’wuna 1861- 1862) als Druckorte weisen darauf hin, dass die Zeitungen eigentlich für Leser im nahen Russland bestimmt waren. Nur dreizehn Zeitungen in Jiddisch werden gezeigt, mit Ausnahme von Königsberg erscheinen fast alle in Osteuropa oder Amerika. Nur vier Zeitungen sieht man ln Ladino aus Konstantinopel, Smyrna, Saloniki. Aeusserst dürftig sind Zeitungen in anderen Sprachen vertreten, nämlich ir English, Französisch, Ungarisch, Italienisch, Holländisch, Rumänisch und Polnisch. Man muss sich vor Augen halten, dass dies? Ausstellung nur ein winziger Ausschnitt aus dem reichen Schatz des einzigartigen Zeitungsmuseum: ln Aachen ist. Es birgt ungefähr zehntausend Zeitungen, darunter ungefähr neunhundert Jüdische In den letzten 60 Jahren hat sich auch für dir jüdische Presse die Situation geändert. Sehr viele Zeitungen erschienen inzwischen in Hebräisch Jiddisch, Englisch, Französisch, in Südamerika auch Spanisch und Portugisisch, während durch Hitlers Vernichtungsaktionen die deutsche unci erst recht die polnische Presse auf ein Minimum gesunken sind. Uber 850 jüdische Zeitungen sind in Deutschland, Österreich und in den besetzter Gebieten zerstört worden. Heute betägt der Anteil der deutschsprachigen jüdischen Presse keine 4% gegenüber 21,5% vor 1900. Damals hatten die deutschsprachigen jüdischen Blätter den erster. Platz eingenommen, heute stehen sie an 6-ter Stelle, vor ihnen Englisch mit 34,7%, Hebräisch 26,6%. Jiddisch mit 16.4%, Französisch und Spanisch - Portugisisch. Das deutsche Titelbild auf der Vorderseite zeigt die erste Ausgabe der “Allgemeinen Zeltuni des Judentums”, Leipzig, 2. Mai 1837, das hebräische Titelbild den “Hamagid” aus Lyck vom 1 Januar 1873, schon im XVII. Jahrgang. Auf der letzten Textseite, S. 147, finden wii einige deutsche Zeitungen, die typisch sind; die “Aachener Nachrichten” in ihrer ersten Ausgabe Ende Januar 1945, also nach der Besetzung durch die Westmächte. Es würde sich lohnen, vielleicht später über Besonderheiten und Seltenheiten au;, kleinen Orten zu berichten. Vorerst sei den Ausstellern, der Stadt Aachen und den Verfassern de. Katalogs, Dr. Bernhard Poll in Aachen und Prof Dr. Johann Maier, Direktor des Martin-Buber-Instituts für Judaistik der Universität Köln, herzlichst gedankt. Rabbiner Dr. Neufeltl Welt der Musik Die schöne Schallplatte — < Interessante Neuerscheinungen — < Grösste Auswahl — < W. H. ROBERT (früher Breslau) J RADIO UNION < 116 DIZENGOFF STR. TEL-AVIV Tel.: 248526. \ Alles für den Schreibtisch, Alles fürs Büro — Niemals bleibt es gleich sich, WAS du kaufst — und WO! I. 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