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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1967-10-01 · No. 22 (October 1967) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1967
Issue
No. 22 (October 1967)
Date
1967-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Israel braucht jetzt vor allem Erntehelfer 380 Familien wollten 450 Kinder aufnehmen Das aktuelle Geschehen im Nahen Osten stand im Vordergrund einer Veranstaltung der Bremer Volkshochschule im Rathaus. Dr. Max Plaut und Renate Reinke von der Gesellschaft für Brüderlichkeit berichteten über den Abschluss des NS-Prozesses gegen Friedrich Hildebrand. “Die Hintergründe des Prozesses und der Ereignisse in Nahost sind nicht sehr verschieden voneinander”, sagte Dr. Plaut. “Es ist die Hetze, die die Massen der Arabisehen Welt verführte — so, wie es einst die Hitler- Parolen in Deutschland taten.” Bezeichnend sei die Tatsache, dass man eine arabische Übersetzung von Hitlers “Mein Kampf” benutzt habe, deren Polemik weiterwirke. Dr. Plaut betonte, man habe nichts gegen die arabischen Menschen; sie seien nur Feinde, soweit sie Krieg führten. “Wir wissen, dass viele Arme, Analphabeten dazu, die Lage nicht übersehen. Israels Zukunft hänge davon ab, mit den Arabern in Frieden zu leben und Handel und Wandel zü treiben.” Er plädierte auch dafür, den arabischen Ländern weiter Entwicklungshilfe zu geben — nur solle diese Hilfe nicht verwandt werden, um Kriegsmaterial anzuschaffen, während die sozialen Verhältnisse im argen liegen. Man müsse alles daransetzen, die arabischen Länder zur Demokratie zu führen. Dr. Plaut, der in Hamburg lebt, aber oft als Sprecher der Juden auch in Bremen auftrat, drükte seine Freude über die spontane Hilfsbereitschaft aus, die Bremer Bürger für Israel an den Tag legten. Insgesamt wurden Angebote von 380 Familien registriert, die etwa 450 israelische Kinder aufgenommen hätten, wenn es zu einer Evakuierung gekommen wäre. Viele sind nun auch bereit, ihre Hilfsbereitschaft mit einer Spende zu beweisen. Die Gesellschaft für Brüderlichkeit, die Deutsch- Israelische Gesellschaft, die Israelitische Gemeinde Bremen und die Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem in Bremen bitten weiterhin um Geldspenden auf das zentrale Postscheckkonto Köln 36 46 unter dem Stichwort “Hilfe für Israel”. Für das Geld sollen Medikamente, Verbandsmaterial und Infusionsflüssigkeit nebst Infusionsgeräten eingekauft werden, um den Verwundeten zu helfen. Die Jugend wird gebeten, sich weiterhin bei der Aktion Sühnezeichen, 1 Berlin- Charlottenburg, Jebenstrasse 1, zur Erntehilfe zu melden. Erntehelfer könne das Land, das in hohem Masse auf den Export seiner Landesprodukte angewiesen sei, gerade jetzt in unbeschränktem Umfang gebrauchen. Dr. Plaut betonte in der Diskussion, dass der Oberrabbiner — der gleichzeitig Fallschirmjägergeneral sei - ausdrücklich als einzige territoriale Forderung Israels Anspruch auf die jordanische Hälfte der Stadt Jerusalem angemeldet habe. Es sei ein erhebender Augenblick gewesen, als die Klagemauer israelischer Besitz geworden sei. Das Widderhorn, das nur zu hohen Feiertagen erklinge, habe Soldaten und Zivilisten gerufen, die dann an der Klagemauer gebetet hätten. Israel werde, so sagte Dr. Plaut, die heiligen Stätten der Juden, Christen und Moslems, die in diesem Land so nahe beeinander liegen, in Ehrfurcht gewahren. Renate Reinke hatte eingangs über den Hildebrand-Prozess berichtet sowie über die Anteilnahme der Jugend am Kampf des israelischen Volkes. Sie hob die Tatsache hervor, dass die spontanen, aber wohlüberlegten Hilfsangebote zum grossen Teil von jungen Familien gekommen seien, die das Kriegserlebnis nur aus zweiter Hand kennen würden und vor zehn Jahren “noch als die desinteressierten Halbstarken verschrien waren”. Ungereimtes aus Sydney Das Opernhaus — Fortsetzung und Schluss aus No. 21, April 1967. Es ist kein Zweifel mehr, dass bei der Planung und Errichtung des Opernhauses, soweit es bis jetzt nach vielfachen Abänderungen fortgeschritten ist, schwere, unverbesserliche Fehler gemacht worden sind, die grössere Veranlassung zu einer Ode an die Trauer (Seid verschlungen Millionen) als zu einer “Hymne an die Freude” geben. Dessen ungeachtet oder grade deswegen gehen die krampfhaften Bemühungen, aus dem Fehlresultat noch das Beste zu machen, unentwegt weiter fort. Was aber das Beste ist, wie es einmal aussehen und welchem Zweck es einmal dienen wird, ist immer noch in Dunkel gehüllt. Die ganze Angelegenheit hat sich zu einer Karikatur ausgewachsen, ja, zu einer National-Katastrophe, oder um es etwas milder auszudrücken, zur Karikatur einer National Katastrophe. Unter diesen Bedingungen könnte es unangebracht erscheinen, mit Spott und Hohn darüber hinwegzugehen. Doch kann man auch anders darüber denken, und ich schliesse mich hierin dem Dichter Juvenal (etwa 43—113 n. Chr.) an, welcher sqgte: “Difficile est satiram non scribere”. d.h. “Es ist schwer, keine Satire zu schreiben”. Mein Vorschlag zur Eröffnung des Hauses “die Stumme von Portici”, von Auber zu wählen, war, iwie zu erwarten stand, nicht einstimmig angenommen worden, und besonderen Widerstand dagegen leistete in unserem zur Beratung darüber eingestetzen Kommittee ein Russe, der sich die Oper "Boris Godunov” in den Kopf gesetzt hatte und auf keinen Fall davon abgehen wollte. “Warum denn in aller Welt gerade” Boris Godounov? wagte ich dagegen einzuwenden. Darauf antwortete er kurz und mit einem höhnischen Seitenblick auf die vielen anwesenden Australier; “Boris good enough for you!” Die darauf eingetretene, erregte Stimmung besänftigte sich erst, als plötzlich ein Telegramm eingebracht wurde mit der überraschenden (dokumentarischen) Mitteilung, dass “Die grosse Halle” des Opernhauses zum ersten möglichen Termin für eine Convention einer “Melboumer Dairy Gesellschaft” benötigt und gemietet worden sei. Doch das ist kein Scherz, denn schon lange vorher konnte der Name “Opernhaus” nicht mehr aufrechterhalten und musste in völliger Ratlosigkeit in den vielsagenden aber wenig bedeutenden Namen eines “Art Centres” umgewandelt werden. (Der witzige Volksmund hatte ihn sogar auch schon einmal in “Verbauungshalle” umgetauft.) Nun aber, auf Grund des Telegrammes, wehte sofort ein frischer, würziger Wind um das Problemgebäude. Misstimmung, Unzufriedenheit und Ratlosigkeit waren mit einem Schlage gewichen und von Optimismus sprach Jung und Alt nur noch vin einer glücklichen “Kuh-Zunft” des Sydney«- Opernhauses. Die letzte Anregung aber in der denkwürdigen Kommittee-Sitzung ging dann noch von einer ehrwürdigen Dame aus, wie ich später erfuhr, der Haadmistress der “Lady Chatterly — Highschool for Girls”. “Wäre es nicht fair” — so meinte sie, "die von Utzon erträumte Originalidee eines Musentempels auf das neue Projekt eines Musen — "Stalles” zu übertragen und sinngemäss durch das Standbild wenigstens einer der neun Musen in der Eintrittshalle des Hauses symbolisch zu verewigen? ” Das war in der Tat ein guter Vorschlag und die Auswahl einer der neuen göttlichen Schwestern zu besagtem Zweck wurde mir persönlich übertragen. Ich habe nämlich zu den Musen immer gute Beziehungen gehabt und ihre Namen durch einen Merkvers memotechnisch in Verbindung gebracht, sodass ich sie jeder Zeit wie am Schnürchen aufzählen kann. So konnte ich auch hier extempore mit dem Namen der Muse für die Milchwirtschaft “Euter-pe” antworten und erntete dafür einen wahrhaft olympischen Beifall. Der magische Vers aber, mit dessen Kenntnis man ohne Mühe in den Ruf kommen kann, gebildet zu sein, lautet: “Euer Urpokal Klio Meltertal”. Da sind sie nun alle neun der Reihe nach: Euterpe, Erato, Urania, Polyhymnia, Kaliope, Klio, Melpomene, Teramenes, Thalia. Und die letzte da- . von bringe ich freudigen Herzens den Breslauer Freunden in Tel Aviv hierdurch in Erinnerung. Denn wir liebten doch alle das kleine Theater in der Schwert-Strasse und betonten dies dadurch besonders, dass wir es so oft auf der ersten Silbe, also falsch, betonten. Dr. Ludwig Labonel, Sydney Sonderangebot Mohair-Anzüge, beste Verarbeitung und Zutaten. 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