Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1967
- Issue
- No. 22 (October 1967)
- Date
- 1967-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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\ JERUSALEM STRAHLT MUSIK AUS \ Jerusalem hat schon viele Komponisten zu wertvollen Werken angeregt. So sagt man, dass die ursprüngliche Kol-Nidre-Melodie aus Jerusalem stamme, die Rabbi Yehuda Ga’on (der im 8. Jahrhundert lebte) der Liturgie des Yom Kippur eingefügt habe. Von dieser Melodie erzählt man sich u.a., dass Felix Mendelssohn den schwerkranken Heine in Paris einmal am Yom Kippur Abend besucht habe. Plötzlich hören die beiden aus einer Synagoge der Nachbarschaft das Kol Nidre herüberklingen, sie umarmen sich aufgeregt schluchzend und erinnern sich an den jüdischen Gottesdienst ihrer Kindheit. Obwohl beide äusserlich längst einen anderen Glauben angenommen hatten, verband sie die Melodie dieses Gebetes zu verinnerlichter Andacht. Heine bat den Freund, die Melodie auf dem Klavier zu spielen und Mendelssohn trug die weihevolle Weise vor und improvisierte noch eine Variation darüber. Diese also vermutlich aus Jerusalem stammende Melodie hat auch den nichtjüdischen Komponisten Max Bruch (geboren in Köln) zu seiner berühmten Konzertbearbeitung des Kol Nidre für Violoncello inspiriert. Er war von der ausserordentlichen Schönheit der Melodie als Künstler stark beeindruckt. Bekannt ist, dass mit der Regierung König Davids die Musik der Israeliten überhaupt begann. Schon symbolisch ist König David der Schutzpatron der holden Kunst geworden, und biblische Quellen sprechen von der Musik der Heiligen Stadt. David erkor die Leviten für die Musik des Tempeldienstes, es wurden Instrumente wie Harfen, Zimbeln, Trompeten und Leiern benutzt und freudige Melodien wurden gesungen. Auch die Oper hat sich des öfteren Jerusalem als den Schauplatz interessanter Bühnenvorgänge ausgewählt. Verdi’s packendes und ergreifend schönes Werk Nabucco spielt dort in vergangenen Zeiten (587 v. Ch. Geb.). Ein weiteres Werk das eine grosse Sensation war, ist Richard Strauss’s “Salome” (1905). Salome spielt im Palast des Herodes in Jerusalem (30 Jahre n. Ch. Geb.). Dieses epochale Drama voll glühender Sonne, östlichem Kolorit und exotischer Harmonik hat bis heute nichts von seiner Wirkung verloren. Karl Goldmark nimmt Jerusalem als Schauplatz seiner früher viel gespielten Oper “Die Königin von Saba”. Und Anton Rubinstein’s “Makkabäer” spielen ebenfalls hier. Einen Einblick in die Entwicklung der neuen israelischen Musik geben eine Anzahl Jerusalem- Lieder, die in den letzten Jahren gedruckt, resp. auf Schallplatten auf genommen, vorliegen: 1. Moshe Rappaport: Yerushalayim (Text: Avigdar Hame’iri) 2. Joseph Hadar: Yerushalayim (Text: vom Psalm und Jesaiah) 3. Marc Lavry: Im Eshkacheich Yerushalayim (Psalm 137) 4. Moshe Wilensky: Ein Ki’Yerushalayim (Text: A. Broides) (Alle erschienen bei: Music Edition “Negen”, Tel Aviv). Und gerade in diesen Tagen erschien Yerushalayim Shel Zahav von der israelischen Komponistin Nomi Shemer, das eine klingende Mission der Bedeutung unseres Sieges darstellt: keine Siegesfanfare, sondern mehr ein Einfühlen in das innerste Wesen unserer Menschen, unseres Volkscharakters. Das Lied wird man dankerfüllt überall anstimmen, wo Juden sind. Julius Sachs / Tel-Aviv Der 6 Tage-Krieg in einer Mittelstands-Siedlung In den Nächten vor Ausbruch der Feindseligkeiten wurde unsere Jugend aufgefordert sich jeweils am nächsten Tage bei ihren Einheiten zu melden bis alle einige Tage vor Beginn der Kämpfe mobilisiert waren. Wir die Gründer der Farmen mussten wieder die Leitung unserer Meschakim übernehmen. Selbstverständlich hätten wir das allein nicht machen können, wenn nicht die gesamte Jugend, unsere Kinder oder Enkel im Alter von ca 14 bis 17 Jahren sofort eingesprungen wären. Die erste Arbeit war das Ausheben von Splittergräbendie wir GsD nicht gebraucht haben- und bei deren Anlage sich die Kinder durch die ungewohnte Arbeit eine Menge Blasen an den Händen zugezogen haben. Viel wichtiger war natürlich die Hilfe in den Kuhställen. Die Polizei war stillschweigend damit einverstanden, dass die Jungen sich auf unsere Traktoren setzten und im Dorf und auf den Feldern das Grünfutter für die Kühe schnitten, das Futter in die Ställe brachten, die vollen Milchkannen abholten die leeren Kannen zurückbrachten und anderes Futter soweit dies notwendig war abholten. Selbstverständlich durften die Traktoren nur im Dorf von den Kindern gefahren werden. Dabei ist zu bemerken, dass nicht ein einziger Unfall geschehen ist! Die Disziplin und Einsatzbereitschaft und Pünktlichkeit der Kinder war ausgezeichnet. Entschädigung oder Bezahlung für die Arbeit wurde nicht angenommen. Abgesehen von der z.T. schon ungewohnten Arbeit waren insbesondere die Tage der Kämpfe für uns Alte nicht leicht, die Sorge um unsere Kinder wurde freilich etwas erleichtert dadurch, dass fast alle immer wieder die Möglichkeit fanden uns durch einen Telefon-Anruf oder eine Nachricht durch einen Kameraden über ihr Ergehen Bescheid zukommen zu lassen. 2 schwere Verluste hatte unser Dorf durch den Verlust von 2 Söhnen unseres Dorfes, die beide von der Gründung unserer Gemeinschaft bei uns waren, sich beide sehr gut eingeordnet und beide Familien gegründet haben. Auch nach dem Abschluss der Kämpfe war die zusätzliche Arbeit für uns noch nicht zu Ende. Die Mehrzahl unserer Kinder war ca. einen Monat eingezogen, einige sogar noch viel länger. Hoffen wir, dass die Einsatzbereitschaft und der Mut unserer Kinder nicht umsonst gewesen ist und unser Land sich endlich einmal in Ruhe weiter aufbauen und entwickeln kann. Ernst Tauber, Beth Jizchak Die Schlacht (Fortsetzung von Seite 4) mit ihren Wagen). Kürzere Strecken wurden ganz eingestellt, die längeren Strecken wurden angewiesen, alle Passanten zu befördern, was sich aber bei Fahrtzeiten mit %—3/4 Std. Unterbrechung, besonders während der rush-hours als reine Theorie erwies. An allen Haltestellen hingen grosse gedruckte Plakate, die Privatfahrer höflich aufforderten, soviel wie möglich der wartenden Passagiere aufzunehmen. Nim wurde diesem Ansinnen in der ersten Zeit in grossartigster Weise nachgekommen, und speziell die weiblichen Fahrer waren bereit, Umwege auf sich zu nehmen, um Wartenden beim Erreichen ihrer Ziele behilflich zu sein. Ich war anfangs ganz entzückt, in welch kurzen Zeiträumen ich nun meine Besorgungen erledigen konnte. Nach Beendigung des Krieges änderte sich dieser Zustand wesentlich. Man war viel mehr auf die Autobusse angewiesen, und bei keinem Ausgang war mehr zu übersehen, wann es einem wieder glücken würde, nach Hause zu kommen. Erst nach einem Monat erhielten wir “unsere” Linien in Betrieb gesetzt. Erfahrungen hatten uns gelehrt, dass im Ernstfälle wohl zuerst das elektrische Licht versagen würde. So begann ein Sturm auf die elektrischen Geschäfte nach Batterien und Taschenlampen, und bald konnte man an jeder Tür einen Zettel finden, der mitteilte, “Keine Taschenlampen und Batterien”. Nur durch alte Beziehungen gelang es einem, eine neue Taschenlampe zu erhalten, selbst wenn man ein Dutzend der herrlichsten Modelle mit ausgebrannter Batterie besass. So holten wir die alten Sturmlaternen aus der Kuhstallzeit hervor, putzten die Gläser, füllten sie mit Petroleum und — siehe da — sie brannten klar und zuverlässig wie vor dreissig Jahren. (In der Praxis ergab es sich dann aber, dass wir doch zu kurz gedacht hatten, denn der Fortfall der Elektrizität bedeutete gleichfalls das Aussetzen des Frigidaires und somit die Gefährdung aller im Freezer befindlichen Geflügel- und Fisch-Vorräte). Unterdessen hatte jede Partei im Haus den Auftrag erhalten, Sandsäcke zu füllen, um damit das Fenster vor dem Miklat gegen Splitter abzusichem. So begann die Zeit des Säckenähens aus zerschnittenen Tischdecken und anderen entbehrlichen Stoffen, — später gab es neue alte Säcke um Jerusalem an verschiedenen Stellen zu kaufen. Den Sand holten wir anfangs aus der Sandkiste eines Kinderspielplatzes, es wurden aber später riesige Sandhaufen an verschiedenen Stellen der Stadt angefahren, die nach den Zugriffen aller Bewohner der umliegenden Häuser wie Schnee unter der Sonne schmolzen. Da der Zugang zu unserem Hause ziemlich steil ansteigt, mussten wir die gefüllten Eimer immer bergauf schleppen, was wir uns aber mit dem kleinen Drahtwägelchen für meine alltäglichen Besorgungen erleichterten. Es müssen wohl 30—40 Eimer gewesen sein, die wir füllten, heraufbrachten und schliesslich in Säcke verteilten, um vor allem die Gasboiler und das Küchenfenster abzudichten. Auch die Abende waren mit mancherlei Beschäftigungen ausgefüllt. Als erstes tauchte das Problem des Beklebens aller Glasscheiben auf. Mit fertigen gummierten Papierstreifen, (die bald wieder von selbst abfielen), mit Plastikstreifen und schliesslich mit Stoffen aller Art. So begann ich mit alten Gardinen, die ich in ganzen Stücken auf Fenster und Glastüren klebte. Das ging schnell und sah ganz gut aus, wenn z.B. das Toilettenfenster mit Hand-Hohlsaum-Dessin und das Badezim mer mit Klöppelspitze verziert wurde. Dann folgte ein ganz weiter petitcoat aus Amerika, der in gleich breite Streifen geschnitten und kreuzweise aufgeklebt wurde und dann kam — der Krieg und war glücklicherweise vor meiner weiteren Kleberei beendet. Die Verdunklung war infolge der dicht schliessenden Fensterläden nur an wenigen Stellen notwendig geworden. Ein junger Student aus Südafrika, der am Kriege nicht aktiv teilnehmen konnte, war in “Erster Hilfe” ausgebildet worden; er unterrichtete uns über das Verhalten mit Verwundeten bis zum Eintreffen eines Arztes, wobei er es sich nicht nehmen liess, uns künstliche Atmung an einem jungen Mädchen vorzuführen. Ganz besonders hervorheben muss man aber noch die Leistungen der freiwilligen Helfer, ganz gleich ob teenagers oder ältere Männer und Frauen, die durch Sortieren und Verteilen den Postbetrieb in Gang hielten und in den Krankenhäusern tätig waren. Dr. Walter B. Goldstein, Jerusalem 5