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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1967-10-01 · No. 22 (October 1967) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1967
Issue
No. 22 (October 1967)
Date
1967-10-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Die Schlacht Die Morgenberichte des 5.VI.1967 schienen durchhaus beruhigend. Freilich hatte uns die Ernennung Moshe Davans zum Verteidigungsminister zu denken gegeben, aber er war ja noch nicht einmal eingeschworen. Ich schrieb in völliger Ruhe einen Brief an eine Cousine in England, die vor Angst um ihre eigene Pelle zitterte: sie träumte von Völkerkrieg und Weltuntergang. — Um acht Uhr begannen die Sirenen zu blasen und zwar eine Entwarnung. Kein Mensch nahm es ernst, wir hatten seit langem solch eine Übung erwartet. Um neun kam eine Mitbewohnerin: ob wir denn nicht wüssten: der Krieg mit Ägypten sei ausgebrochen. Ich stellte sofort das Radio an und hörte zum erstenmal die Mobilmachungsaufrufe mit den komischen Tarnungsnamen. — Ich befand mich mit vielen anderen in einem kompletten Irrtum die Lage in Jerusalem betreffend. Kurz vorher hatte mir mein Schwiegersohn gesagt, es befände sich kein einziger Offensiv-Soldat in der Stadt, und in der Tat hatte man in den zwei Wochen der Krise nichts anderes hier gesehen als eine Art boy-scouts mit komischen Hüten, die der arabischen Legion, der einzigen ernst zu nehmenden Truppe der Araber wahrlich nicht imponieren würden. Wir glaubten an eine Art gentleman agreement zwischen Jordan Und uns: tu mir nichts, ich tu dir auch nichts. — Als Eva die Absicht gehabt hatte, vor dem Kriege nach Rishon le Zion zu gehn, hatte ich das für ganz abwegig gehalten. Dort sei Gefahr von Ägypten her, hier würde weder die UNO noch der Papst etwas Ernstliches geschehen lassen. In diesem Irrtum widersprach ich nicht, als Eva die Absicht äusserte, die Wäsche von der Waschanstalt am Ende unserer Strasse abzuholen. Dass sie noch in Ruhe zurückkam, war ein reines Glück. Genau um zehn Uhr 25 Minuten hat der “König” von Jordan (der sich wohl besser wieder Emir von Transjordanien nennen sollte), seinen ersten Fehler durch einen zweiten zur Katastrophe gemacht. Der erste Fehler war gewesen, dass er sich dem laut brüllenden Papiertiger, der mit Ägyptern hinter sich Hitler spielte, in die Arme geworfen hatte. Jetzt nun begann er ganz plötzlich und völlig unerwartet eine gradezu schreckliche Kanonade gegen die Neustadt. Es war sein erster und letzter Kriegserfolg. Er traf uns Juden absolut überraschend: die Menschen wimmellten auf den Strassen der Innenstadt, und die Kinder waren in den Schulen. Das hatte zwei böse Folgen: es wurden sozusagen im Augenblicke zehn Menschen getötet und 50 verwundet, verglichen mit 1948 eine entsetzlich grosse Zahl. Ferner wurden hunderte von Kindern in den Schulen festgehalten. Die Eltern wurden durch Radio beruhigt, dass sie in den Sheltem ein geschütztes und vergnügtes Leben führten, aber es war nicht angenehm. Tatsächlich scheint keinem der “Moteks” etwas geschehen zu sein. Wir gingen in den Miklat, der vorher anständig hergerichtet worden war: der Boden war mit Palatten versehen worden, die Wände geweisst und sogar elektrisches Licht war hineingezogen worden. Der Miklat war sachlich gut, akustisch miserabel, und das war schlimm, man fühlte sich wie auf der tobenden Strasse. Es trennte ihn vom Treppenhause und unseren Wohnungen der riesige Eingang. Eine Schutzmauer hatte ich vergeblich durchzusetzen versucht, es war dann zu spät gewesen. Die Tatsache dieses weiten Einganges war die ganzen Tage über eine schwere Belastung. Glücklicherweise ist nichts hereingeflogen gekommen. Im Miklat wird der Mensch zu einem grossen Ohr, das er hinaus ins Freie hängt. Es war deutlich zu hören, dass diese wild gewordenen Jordanier systematisch jeden Teil der Stadt unter Kanonenfeuer nahmen. Um elf etwa kamen wir dran: das war eine bittre Stunde und eine trauum Jerusalem (5 BERICHT EINES ALTEN ZUHÖRERS rige Erinnerung an die schlimmsten Zeiten der Belagerung von 1948: das schreckliche Heulen und Rasen der schweren Granaten, das entsetzliche Getöse und das Erzittern der Erde, wenn sie in der Nähe einschlugen. Wahrscheinlich sind wir in dieser Stunde von zwei Seiten durch Kreuzfeuer beschossen worden: von der Altstadt her, also von Osten und gleichzeitig von diesem verfluchten Beth Iksa, im Norden, das uns schon 1948 die Hölle gemacht hatte. Dafür spricht die Art der Einschläge, die wir später nicht weit von unserem Hause fanden. Dass unserm eigenen ziemlich hohen Hause nichts geschah, war ein reines Glück von Gott, ein purer Zufall. — Eva sagte; es ist wie bei einem Gallenanfall, man denkt immer nur: wenn es doch nur einmal für einen Augenblick aufhören würde. — Ich sagte vor mich hin: warum um alles in der Welt lässt man Jerusalem wieder ohne Abwehr wie 1948, warum zieht man nicht mehr Militär herauf? — Diese Stunde war eine sehr hässliche Ouvertüre. Gegen zwölf verzog sich das Feuer und beglückte andere Stadtteile. Die Frauen huschten in die Wohnungen und kochten etwas. Das war ein enormer Vorteil gegenüber 1948, wo DAS FLUGZEUG Seht! Wieder muss sich das Flugzeug heben Und zu den grauen Wolken schweben Es singt der Motor, der Himmel ist grau, So fliegt es hoch über Flur und Au. Es fliegt im Licht, es fliegt im Dunkeln, Es fliegt, wenn droben Sterne funkeln, Es lacht über Schüsse, es lacht über Regen, Und lachend fliegt es dem Feind entgegen. Vom Himmel scheint es Dir wie ein Stern, Es denkt an Dich und beschützt Dich von fern. Der Motor singt für Dich in der Nacht, Das Flugzeug geht für Dich in die Schlacht. Im Wüstenwinde, in Sturmes Toben Reitet es sicher und mutig dort oben. Das Feuer am Himmel strahlt kupferrot, Es fürchtet nicht Feind, es fürchtet nicht Tod Zwischen Himmel, Feuer und Feind in der Nacht Fliegt es mit Bombenlast mutig zur Schlacht. Du segne es, wenn es nachts fliegt so verwegen Für Dich in den Kampf, dem Frieden entgegen. Elly Kurz, Tel-Aviv wir wochenlang absolut nichts zum Essen gehabt hatten. Der Miklat war 4 zu 5 Meter gross, wir waren 27 Personen, darunter elf geliebte “Moteks”, unter ihnen 5 Babies. Es stellte sich bald heraus, dass diese “Moteks” weit schlimmer waren als die Granaten. Die Babies gingen noch, den steckte man ein Zäpfchen hinten rein, aber die Grossen waren furchtbar: nicht eigentlich ängstlich, aber schrecklich aufgeregt. Von allen Seiten, auch von Kibbuzim, haben wir dasselbe gehört. Die Mütter wurden nicht mit ihnen fertig. — Um eins machten die arabischen Kanoniere “Mittagspause”.Das war wahrscheinlich wirklich so. Um zwei begann es wieder, aber nicht bei uns, sondern in der bedauernswerten Musrara und anderen Grenzbezirken nahe der arabischen Front. Der Wille zu einem Durchbruchsversuch war sehr deutlich. — Das Licht funktionierte nicht mehr, wohl aber noch das Telefon, das uns Ferngespräche für andere Hausbewohner bescherte, bis ich Eva verbot, an 7 Juni 1967) dem offenen Eingang vorüber zu gehn. An diesem Nachmittag sprachen wir noch mit Judith, der es überraschend gut ging. Im Vergleich zu ihren Schlachterfahrungen von 1948 schien ihr das Shelterdasein problemlos. Wir waren sehr froh darüber. So ging diese verfluchte Schweinerei ohne Abwehr bis etwa acht Uhr abends. Dann bekamen die werten Kanoniere ihr Abendbrot. Um neun Uhr war das Hörbild gänzlich verändert. In diesen Abendstunden war eine grosse Armee nach Jerusalem hinaufgezogen worden. Und zwar nacn der polnischen, nicht nach der deutschen party-Methode. Nicht allmählich, zlzerlweis, setzt man seinen lieben Gästen etwas vor, sondern alles wird sogleich auf den Tisch des Hauses geworfen, alias in die westlichen Vororte von Jerusalem: Von Beth Hakerem bis nach dem Herzlberg lag es voll Elite-Truppen, darunter unser Stolz, die gesamte Paraschut-Brigade. Shimon, der bei der Haga, Luftschutz, war, ein gefährlicher und dennoch rühmloser job, hat mit ihnen gesprochen: sie waren völlig fremd hier und erkundigten sich, in welcher Gegend sie lagen und wo die feindliche Linie sei. Da war alles; Kanonen Tanks, Munitionswagen, alles. Gleichzeitig wurde die gesamte Westgrenze von Jerusalem mit Batterien förmlich gespickt. Sie lagen überall, ganz nahe von Judith, hinter unserm Hügel offenbar in Haufen, bis hin zu der Grenze von Rechaviah. So behauptet Lotte B., die Kommandos der Geschütze gehört zu haben. Was sich nun von neun Uhr ab auftat, das war für uns etwas vollkommen Neues. Hier muss ein Wort gesagt werden zum hohen Lobe unserer neugeschaffenen Artillerie. Wie war es 1948 gewesen? Im ersten Kampfabschnitt hatten wir überhaupt keine artilleristische Abwehr gehabt mit Ausnahme der winzigep Davidka, die sich jetzt auf ihrem Denkmal ausruhen darf. In der ersten Kampfpause gaben uns unsere damaligen lieben Freunde, die Tschechen, Kanonen. Da standen sie nun als eine Art Attrappen. Ich könnte Euch die Stellen zeigen. Und mussten abgebaut werden, wenn die UNO spionieren kam; denn Kanonen durften nur die Araber haben. Komische Völkermoral. Also gaben uns unsere anderen lieben Freunde, die Bulgarien, Kanoniere; denn die Haganah, selbst die Palmach, waren reine Infanterie-Truppen. Ich habe manches liebe Mal ln den Nächten vor unserm Miklat gestanden und mir das Spektakel angehört: es war unbeschreiblich, das ist ja bekannt. Manches Mal aber war eine Pause und dann — krach — ging ein Schuss von einer unserer Kanonen los. Ei, das war eine sakrische Freud! Ich hörte lauten Jubel und, wenn ich nicht irrte, auch Horrah tanzen. Das war unsere Artillerie im Jahre 1948. — Und nun vergleiche man damit das Trommelfeuer, das unsere Batterien von neun bis etwa zwei Uhr nachts hinüber nach den arabischen Stellungen schickten. Man rühmt unsere Luftwaffe, unsere Tankgeschwader, mit allem Recht. Die Taten unserer Paraschutisten in der Nacht vom 5. zum 6. Juni 1967 werden unserer Geschichte angehören, wie einst die der Palmach 1948. Aber die hervorragenden Leistungen unserer neugeschaffenen Artillerie, die “blieben im Stillen”. Nun gilt ja freilich auch für Artillerie- Geschosse das alte Wort: “Eine Jede Kugel, die trifft ja nicht”, aber niemand wird mich davon überzeugen, dass eine derartige stundenlange barrage, gerichtet auf eine doch vergleichsweise schmale Feindfront, ganz ohne vorbereitende Wirkung, für die später stürmenden Paraschutisten gewesen sei. Für uns bedeutete diese neugewonene Grossartigkeit keinen Spass. Wir bekamen nun das Getöse ab von beiden Beiten. Zwar Abschuss und Einschlag hatten wir schon 1948 zu unterscheiden ge- (Fortsetzung auf Seite 4) 3

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