Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981), Nachtrag
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 2596)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Schnee am Kilimandjaro Ich hatte mir schon immer gewünscht Amboseli kennen zu lernen mit seiner Aussicht auf den Kilimandjaro. „Das musst Du gesehen haben, die schönste Safari", und plötzlich war die Gelegenheit da. Ejthan, ein schöner Spitzbart, jung, sanguinisch und begeisterungsfähg fuhr hin mit seiv nem Ford Cortina Station und war zufrieden Jemanden zu finden, der die Bezinkosten mit ihm teilte. Es war noch ein Ehepaar mit, Touristen und sein Hund, ein Riesenschnauzer namens Meier. „Er sieht meinem Mathematiklehrer so ähnlich" — erklärte er uns den Namen des Hundes. „Und wie wirst Du ihn in den Nationalpark an den Rangern vorbei hereinbringen?". „Das überlass nur mir“. Wir fuhren durch die herrlch grünen Aussenbezirke von Ngong mit den fürstlichen Villen der Engländer im Walde gelegen. Hier baut „Solei Boneh“ ein Hotel. Die Landschaft wurde eintöniger, dürrer, ausgetrockneter. Bald hörten reguläre Dörfer auf. Das einzige grün waren die Blätter von Akazien. Die Akazie scheint extra für Kenya konstruiert zu sein. Ihre lange Pfahlwurzel geht tief in die Erde bis sie Wasser findet. Von ihren Blättern leben eine Menge Tiere vor allem Giraffen und die zahlreichen Ziegen und Schafherden der Massais, Hin und wieder sah man einen Moran (junger Krieger), der eine Ziegenherde über den Weg trieb. Die Massais leben, wie vor 1000 Jahren. Eine rote Decke über eine Schulter ist ihre Bekleidung. Schild und Speer sind ihre Waffen. Sie treffen mit dem Speer aus 50 m Entfernung auf den Zentimeter genau. Sie fürchten auch nicht marodierende Löwen und Leoparden. Sie sprechen ihre eigene Sprache Und hier waren wir im Herzen von Massailand. Bald kamen wir nach Kad- Jiado ein nettes europäisches Städtchen mit Behörden-Bauten, Hotels und einem grossen Bahnhof, Endstation einer Nebenlinie der Eisenbahnlinie Nairobi—Mombasa, speziell gebaut für den Export von Sodaasche vom Magadisee. Die Magadi Soda Co. ist eine Tochtergesellschaft der mächtigen „I.C.I. (Imperial Chemical Industries),” die den Magadisee ausbeutet. Hinter Kadjado wird es wieder trostlos trocken Zahlreiche ausgetrocknete Flussbetten, alle vom Kilimandjaro ausgehend und normalerweise von der Schneeschmelze gespeist. An einer Wegkreuzung machen wir Halt, um ein kleines Loch in unsere Vorräte zu reissen. Ein intelligent aussehender Neger in der Uniform eines Gamewardens nähert sich uns und fragt in tadellosem Englisch, ob wir ihn bis Namanga mitnehmen könnten. Er trinkt eine Tasse Kaffee mit uns. Meier ist inzwischen auch nicht untätig geblieben. Er inspiziert die Umgebung. Plötzlich gibt er Laut und jagt hinter einem Tier her, das wir für eine Katze halten. Dieses wendet sich um und springt den grossen Hund an. Es springt ihm auf den Kopf und beisst ihn. Der Gamewarden sagt aufs Höchste überrascht: Ein Caracal, ein Caracal-Luchs. Meier schüttelt das Tier ab und ergreift die Flucht mit einem Schmerzens-Geheul. Der Caracal hinter ihm her. Erst als der Gamewarden das Gewehr hebt und einen Wamungsschuss abgiebt, dreht er ab. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Meier wird tüchtig von uns ausgelacht sogar von seinem geliebten Herrn, aber dann werden seine Wunden desinfiziert und verbunden und er kriecht brummend unter den Sitz. Der Gamewarden bemerkt: „Seit Jahren der erste Caracal und noch dazu ein Weibchen. Es ist streng verboten sie zu töten. Die Shifta-Rebellen am Kilimandjaro haben tüchtig mit ihnen aufgeräumt. Der Pelz ist sehr teuer. Ich selbst habe einen dieser Burschen erschossen, als er den Irrtum beging, und die Grenze von Tansanja her zu überschreiten. Er hatte 4 Pelze in seinen Sachen. Wer zuerst schiesst kommt gewöhnlich mit dem Leben davon. Auf unserer Seite, d.h. in Kenya gibt es keine Shiftas mehr. Weiter geht es durch die gespenstisch trockene Landschaft, bergauf und steil bergab. Von den Warnungsschildern ist nur noch der Pfahl da. Die runde Warnungstafel haben die Massais gestohlen, bemerkt der Gamewarden und fährt fort. Für Futter für die Ziegen und Schafherden der Massais wird durch die Akazien gesorgt, aber um die noch nicht ausgetrockneten Wasserlöcher wird jede Nacht gekämpft. Endlich gelangen wir nach Namanga, die Grenzstation nach Tansanja ist mit allen Schikanen wie Polizei und Zollamt mit Schlagbaum. Aber der Schlagbaum ist heruntergelassen. Die Grenze ist von Tansanjen aus gesperrt. Vom Kilimandjaro ist noch nichts zu sehen. Etwas enttäuscht machen wir uns auf den Weg nach Amboseli. Noch 70 km, ein sogennanter „Dirt Track-weg“, d.h. man lässt eine Riesenstaubwolke hinter sich und jedes entgegenkomende Auto hüllt einen in eine erstickende Staubwolke. Zum Schluss lassen wir die Fenster geschlossen. Der Werg geht entlang am Amboseli- See. Aber wo ist der Amboselisee? Vollkommen ausgetrocknet! Eine Herde Elefanten zieht in einiger Entfernung vorbei. Sie weichen uns ]aus. Plötzlich reisst der dichte Wolkenvorhang und der Kilimandjaro ist in seiner unglaublichen Weisse und Majestät zu sehen, etwas abweisend. Er sieht „eingebildet“ aus, bemerkt Ejthan. Knappe 10 Minuten und der Wolkenvorhang schiebt sich wieder vor. „Die beste Sicht ist früh morgens und Abends, tröstet Ejthan. Es gibt jetzt mehr Wild. Giraffen, Zebras und Impalas sind längs des Weges zu sehen. „Wir sind wohl in der Nähe von Wasser“, bemerkte ich. Es ist noch Zeit; wir wollen mit einem Ranger eine Rundfahrt machen. Wir werden mit dem Ranger, einem intelligent aussehenden freundlichen Neger in Uniform rasch einig. Er spricht gutes Englisch und setzt sich ans Steuer des Autos und jetzt kommen wir ln eine Fülle von Elefanten, Cheetas (Gepards), Rhinos, grosse Herden von Büffeln, um die der'Ranger einen grossen Bogen macht und eine Gruppe von Loewen, denen wir uns bis auf 1 m nähern. „Sie lieben es fotografiert zu werden und nehmen alle möglichen Posen ein. Und sie wissen genau, dass sie hier nicht geschossen werden dürfen!“ Die Büffel sind gefährlich und unberechenbar. Wir kehren zurück zur Amboseli Serena Lodge, einer Mischung von elegantem Luxus-Hotel und afrikanischem Jagdschloss mit Trophäen von Grosswild an den Wänden. Wir duschen endlich den Staub ab und ziehen uns um. Als wir herunterkommen dämmert es sehon. Der untere Teil des Berges ist ins Dunkele getaucht und auf dem oberen schnebedeckten Gipfel ist noch heller Sonnenschein, der langsam flammendrot und dann bläulich wird. Man hat den Eindruck, dass der Gipfel im Raume schwebt, ein unvergesslicher Anblick. Nach dem — vorzüglichen — Abendbrot, von weissgekleideten Negern serviert, erscheint ein unternehmungslustiger tansanischer Neger, der sich erbietet, uns über . die — . gesperrte — tansanische Grenze und mitten in das Kilimandjaro-Gebiet bis zur Schneegrenze in seinem Safari-Minibus zu bringen. Beim Preise bleibt uns der Atem weg, aber da der Ausflug 9 Stunden dauert und er zwei tansanische Soldaten zu unserem Schutze mitnehmen (und bezahlen) muss, melden wir uns an. Jetzt erscheint der Direktor der Lodge, ein Deutsch-Schweizer, und sagt uns, dass es sich tun ein solides Unternehmen handelt und er die Mahlzeiten den Zeiten des Ausfluges anpassen wird, ein zeitiges Frühstück, ein reichliches Fresspaket und Kaffee auf dem Weg und Mittagessen, wenn wir zurückkommen.' Am nächsten Morgen, um 5 Uhr noch in der Dämmerung eine hastige Tasse Kaffee und dann geht es los, zunächst in der Richtung vom Kilimandjaro weg. Wir kommen nach Olilolitok, ein hübscher Masai-M.arktflecken und Grenzstation nach Tansanya. Hier steigen die 2 tansanischen Krieger zu. Strenge Passkontrolle, keine Kenyapässe erlaubt. Wir sind im früheren Deutsch Ost Afrika. Der Direktor der Lodge erzählte uns folgende amüsante Geschichte: Der erste (europäische) Erstbesteiger war ein Dr. Robert Meyer. Er hatte die Absicht den armen Kilimandjaro, der sich nicht wehren konnte, Kaiser Wilhelmspitze zu taufen. Aber er hatte noch Glück, denn als Dr. Meyer nur den Roten Adler Orden „Vierter Klasse" anstelle „Erster Klasse“ von „Seiner Majestät“ verliehen bekam, liess er seine Absicht fallen. Wir fahren weiter durch dne „Sserengeti- Ebene“, dann beginnt der Anstieg in der Kilimandjaro. Der Weg wird schlechter und schlechter. „Den hat wahrscheinlich der olle General von Lettow-Vorbeck gebaut, 1914 als er den Krieg nach Kenya hereintragen wollte“, bemerke ich. Der Weg führt zwischen Felswänden hindurch. Nach etwa einer halben Stunde ist eine Unterbrechung der rechten Wand durch einen schmalen Weg aus dem majestätisch ein alter Löwe hervorspaziert der sich an die Spitze unserer Safari setzt. Das hätte er besser sein gelassen, denn unser Chauffeur führt jetzt mit aller Kraft hinter dem alten Löwen her begeistert angefeuert von den 2 Soldaten. Der bedauernswerte Löwe wird so eine halbe Stunde lang gehetzt bis endlich wieder ein Seitenweg kommt, in den er sich flüchtet und dort ein fürchterliches Gebrüll anhebt, um seiner Empörung Ausdruck zu geben. Weiter geht es höher und plötzlich sind wir in den Wolken und dann darüber. Jetzt hören wir ein Getrappel hinter uns und unser Chauffeur bleibt an die linke Felswand gedrängt stehen. Hunderte von Zebras galoppieren vorbei und dann kommen noch einige Wildebeets (Gnus), die graue Bärte haben wie ein polnischer Rabbi. Es handelt sich wohl um die „grosse Wanderung“ der Zebras und der Wildebeest, die Jährlich einmal von Kenya nach Tansania und einmal von Tansania zurück erfolgt. Ejthan wundert 6ich: Was wollen diese Verrückten? Ist das Grass drüben grüner? Wir kommen Jetzt an einen Punkt, von dem wir eine herrliche Aussicht auf die beiden Glipfel des Kilimandjaro, Kiwo und Kimawenzi haben, deren Glanz in Sonnenlicht getauchte Schneegipfel das blosse Auge kaum erträgt. Alles fotografiert, dann wird das Fresspaket geöffnet und es ist so reichlich, dass noch genug für den Chauffeur und die beiden Soldaten bleibt. Jetzt gelangen wir an den höchsten Punkt der Passstrasse, wo sich der Weg teilt, links nach Moshi und Arusha, rechts nach Namanga zurück. Jetzt sind wir auch an der Schneegrenze, was wieder ein Grund zum fotografieren ist, so etwa „ICH und der Schnee vom Kilimandjaro“. Rechts ist auch der „Kofferberg", wieder eine Erinnerung an „Deutsch Ost Afrika“. In der Ferne sieht man deutlich die Häuser von Moshi, vor ca. 120 Jahren noch ein mächtiges Königreich. Der Rückweg über Namanga zur Lodge verläuft ohne Ereignis, wenn man nicht eine Reifenpanne als Ereignis rechnen will. Nachmittags wird Meier aus seinem Zwinger geholt und dann geht es heimwärts. Jetzt kann keine Katze Meier verlocken hinterher zu Jagen, so sehr wir ihn auch dazu ermuntern wollen. Es war eine schöne Safari. A. Capauner 49