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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981) · p. Seite 39

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981)
Date
1981-01-01
Page
Seite 39 (sequence 39)
Language
German
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S*£7 „Mutter" in Israel In Israel neigt inan dazu, Geschichte nach Jahrtausenden zu betrachten, und historische Reste unter diesem Gesichtswinkel zu sehen. Der geographische Raum des Mittleren Ostens blühte und entwickelte Kulturen als das Gebiet, das wir Europa nennen, noch unerforschtes Gelände darstellte. Erst die Römer, im Mittelmeerraum beheimatet, kolonisieren ‘im fernen Norden’, und in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung ziehen die Juden mit ihren Legionen. In der Kolonie Köln werden sie 321 urkundlich erwähnt. Nach Ostelbien — es ist fast die gleiche Linie, die heute West- und Osteuropa trennt, kommen sie erst später. — Die erste bekannte Überlieferung bezieht sich auf Prag, als 965 ein Mitglied der Gesandschaft des spanischen Kalifen zum deutschen König, der in Magdeburg residierte, Abraham ben Jakob, Ibrahim lbn Jacub, den Umweg über Prag machte, wo-, hin er über Frankreich und Süddeutschland kam, um dann durch das Erzgebirge und Halle zum König zu kommen. Er berichtet, ‘Prag eine Handelsstätte, gebaut aus Stein und Kalk, wo Russen, Mohammedaner und Juden den Markt beherrschen’. Juden sind nicht erst 965 nach Prag gekommen. Man nimmt an, dass zwei Gemeinden bestanden. Prag war damals eine bedeutende Stadt, 973 zum Bischofsitz erhoben. Eine Gruppe westlicher Juden, wie eine byzantinische, die dem Weg der Handelsstrasse von der Krim und Südrussland gefolgt sind. Einige wohnten auf dem Gebiet der späteren Kleinseite, unterhalb der Burg Hradschin, andere südlicher, am gegenüberliegenden Flussufer, wo eine zweite Burg stand, Wischerad. Ein Dokument aus dem Jahre 1124 stellt die Juden den Deutschen gleich, ein in jenen Tagen unerhörtes Ereignis, fast soviel wie die bürgerliche Gleichberechtigung bedeutend. Rabbi Petachia aus Regensburg besucht 1124 die Gemeinde, er beschreibt die Synagogen. Man erfährt nicht, ob er noch das alte Judenviertel, links der Moldau, sah, oder schon das in der Altstadt, das spätere Getto, das um diese Zeit, manche datieren es hundert Jahre vorher, besiedelt und ummauert wurde. In dieser Zeit, spätestens vom 13. Jahrhundert an, wird alles das geschaffen, was noch heute an antiken Resten, Syschaffen, was noch heute an antiken Resten, Synnagogen, Teile des Rathauses und der Judenfriedhofs als museale Erinnerungen gezeigt wird. * Die Bedeutung Prags, als Hauptstadt des Königreichs Böhmen, als zetiweilige Resident deutscher Kaiser, wurde durch das Miteinander, aber auch durch die Spannungen der verschiedenen Bevölkerungsschichten charakterisiert. Solange eine starke Zentralmacht, wie das Königstum herrschte, wurde das labile Gleichgewicht irgendwie aufrechterhalten und zum Vorteil aller Bewohner ausgenutzt, Privilegien und Verordnungen stellten die Waage dar. Die Geschichte der Jugendgemeinde wechselt zwischen guten und bösen Zeiten, die aber — im Rückblick betrachtet — niemals zur Zerstörung der Gemeinde führten, wie es in unserem Jahrhundert geschah. Während des ersten Kreuzzuges, 1096, kam es zu blutigen Ausschreitungen, aber, wie wir erwähnt haben, dreüssig Jahre später das Judendekret. Als 1142 die Burg belagert wurde, brannte auch das Judenviertel ab, und die Synagoge, die sicherlich noch unterhalb des Hradschin, auf dem linken Moldauufer lag. Von dem Datum an, gibt es nur die Judensiedlung am rechten Flussufer. König PremysI Ottokar II., 1254—68, erteilt den EINE TAUSENDJAEHRIGE GEMEINDE Juden weitgehende Privilegien, und hilft der Entwicklung der Judenstadt. Man nimmt an, dass sich die Juden damals der tschechischen Umgangssprache bedienten. Später, bis zum 16. Jahrhundert überwiegt der deutsche Einfluss. Im Jahre 1348 gründet Karl IV. die erste deutsche Universität in Prag. Bis in unsere Tage spielt die ‘Sprachenfrage’ ein Vorwand und Mittel der Politik. Während eines Pogroms 1389 werden 3000 Juden erschlagen, ein Ereignis, das der damalige Rabbiner,. Avigdor Karo, in einer Slicha, in einem Bussgebet, verewigt. In den Hussitenkriegen, 1419—1439, versuchen die Juden, die Ja immer dem Neuen zustreben, mit ihnen freundlich zu leben, aber sie finden wenig Gegenliebe, — ein Vorgang, der in der Geschichte und Gegenwart oft zu beobachten ist, die jüdischen ‘Fortschrittler’ sind die Enttäuschten. Ein Pogrom der Hussiten, 1422, führt zur Abwanderung, aber da die Gemeinde erhalten bleibt, sprechen einige Historiker von einer „relativen Toleranz“ der Hussiten,... Hundert Jahre später, 1522, leben nur noch 600 Juden in Prag, aber 1541 schon wieder 1200. Am Ende des 15. Jahrhundets hat es noch oder schon wieder Juden auf der Kleinseite gegeben, ebenso in der Neustadt, nahe der Bing Wischerad. Um die Jahrhundertwende zum 17. Jahrhundert kann die Gemeinde neue Grundstücke erwerben, und noch einmal 1627, so dass alle Juden in der Judenstadt leben können. In dieser Zeit, 1605, wird die Altschul errichtet und die Pinkasschul, 1600, erneuert. Wir wollen uns mit wenigen Daten begnügen. Zwei Ausweisungen unter Ferdinand I., 1543 und 1559, müssen erwähnt werden, die Rückkehr erfolgte 1545 beziehungsweise 1562. Unter Rudolf II.. 1576—1611, der in Prag residiert, verbessert sich ihre Lage, für mehr als hundert Jahre bricht das an, was man mit dem ‘goldenen Zeitalter’ der Juden Prags bezeichnet. Während des Dreissigjährigen Krieges 1618—48, verteidigen die Juden die Stadt. Der Kaiser dankt ihnen mit einer grossen Fahne, die noch heute an einer Säule der Altneuschul verkettet ist, aus Purpurbrokat, mit einem „Schwedenhut im Davidstern“, das Zeichen, das zum Symbol der Gemeinde wurde. Die Legende berichte, dass sie so schwer ist, das zehn Männer sie tragen mussten. Um 1600 lebten in Böhmen, einschliesslich Prag, 4000 Juden. 1636 zählte Prag allein fast 8000 Juden, eine der grössten Judengemeinden Europas, die während des Krieges Flüchtlinge aufnahm. Es waren Kaufleute und Handwerker, die ihre eigenen Zünfte hatten und ihre Zunftzeichen besassen. 1512 wurde in Prag eine hebräische Druckerei eröffnet, die erste nördlich der Alpen, von Gerschon Kohn, der 1526 eine illustrierte Hagada herausbrachte und später, die Nachfolger, eine von Rabbiner Eibenschütz redigierte Talmudausgabe. Im Jahre 1650, wie noch einmal 1727 werden Gesetze erlassen, nach deren nur der älteste Sohn heiraten dürfte, 1689 zerstört ein Feuer elf Synagogen und 300 Wohnhäuser, — die Zahl erscheint etwas zu gross, vielleicht sind Wohneinheiten gemeint? Die Judenausweisungen unter Maria Theresia beschwören eine weltpolitische Krise herauf. 1745 verlassen mehr als zehntausend Juden Prag. Nachdem während der Besetzung der Stadt durch die Preussen (Friedrich II., 1744), durch Zufall das Judenviertel nicht bombardiert wurde, es hatte Ja keine geographischen Verbindungen mehr zu den Festungsanlagen, beschuldigte die Kaiserin die Juden des Verrats. Diesmal werden die Juden Hollands und Englands aufmerksam. Der britische König, Georg II., lässt seinen Wiener Botschafter bei Maria Theresia vorstellig werden, der ihr 1748 einen Kompromiss abringt: der Ausweisungsbefehl wird zurückgenommen, die Juden erhalten eine auf zehn Jahre begrenzte Aufenthaltserlaubnis, die erst ein andere österericher, fast zweihundert Jahre später, rückgängig macht, — aber in unserem Jahrhundert fand sich kein König, kein Regent und keine Regierung, die lauten Protest einlegte. Eine Generation später folgt das Toleranzpatent Joseph II., 1780—90, der damit die Juden zur „Germanisierung“ Böhmens einspannen wollte, was ihm gelang, wie die grosse Zahl bekannter Persönlichkeiten des 19. und 20 Jahrhunderts, die zum ‘Prager Kreis’ gehörten, zeigt. Joseph II. vereinigte 1784 die Prager Stadtteile zu einer Munizipalität, aus dem Getto wurde die Josephstadt. Einige Zahlen sollen das Bild abrunden. Das Gesetz, das den Juden untersagte, ausserhalb der Judenstadt Boden zu erwerben, wird 1841 aufgehoben, die bürgerlichen Rechte werden ihnen 1848 zuerkannt, 1852 wird die Josephstadt Teil des 5. Prager Bezirks Im Jahre 1939 lebten in Prag 40 000 Juden, von denen weniger als 2500 zurückkehrten. Nach dem Holocaust waren gegen 11 000 wieder in dem Gebiet der Tschechoslowakei gezählt, um 1950 setzte die erste Abwanderung ein. Das neue Regime nach dem Weltkrieg drückte den Juden den dreifachen Stempel der Nichtzugehörigkeit auf: die ■wenigsten waren im 'tscneclllschen KulturkeTeia’ aufgewachsen, als Mitglieder bürgerlicher Familien’ waren sie ‘Klassenfeinde’, und drittens Juden, in einem Land, das die anderen Minderheiten ausgewiesen hat. Eine gewisse Erleichterung trat zwischen 1965—1968 ein, die Zeit des 'Prager Frühlings’, den die russische Invasion beendete, und zu erneuter Auswanderung führte, so dass die heutige Gemeinde Prag weniger als 2000 Seelen zählt. * Nach einem Hochwasserschaden 1890 wurde beschlossen die Moldau zu regulieren, und die Altstadt zu sanieren. Von den 17 Synagogen des Getto wurden elf abgerissen, und Teile des Judenfriedhofes aufgelassen. Diese Bauten, sechs noch bestehende Synagogen, das Jüdische Rathaus, das Durcheinander der Grabsteine auf dem Friedhof, sind Mahnmäler einer jüdischen Vergangenheit, der Geschichte einer Judensiedlung In Europa, der ‘Mutter in Israel’, Ein grausames, vielleicht ironisches — Schicksal, brachte es mit sich, , dass die Steine erhalten sind, wo die Menschen vernichtet wurden. Es scheint, dass die Nazis, die 1939 Prag besetzten und ihre Pläne, die Juden auszurotten, ausführten, sich irgendwie vor den historischen Bauten fürchteten. Sie zerstörten die Gotteshäuser in den Provinzen, aber sie sammelten 5400 religiöse Geräte aus 153 Gemeinden Böhmens und Mährens und 6070 Objekte historischen Wertes. Alles, was sie aus den verbrannten Gotteshäusern zusammenschleppen konnten, brachten sie nach Prag, wo eine ‘Zentralstelle’ die Synagogen als Lagerhäuser bestimmte, um hier, nach Ihren Plänen, nach dem Krieg ein „exotisches Museum einer ausgestorbenen Rasse“ aufzubauen. Prag hat dadurch die grösste Sammlung jüdischer Ritualien und Judalca der Welt, die von 39

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