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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981) · p. Seite 40

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981)
Date
1981-01-01
Page
Seite 40 (sequence 40)
Language
German
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der staatlichen Museumsverwaltung unterhalten wird, und ein Touristenziel darstellt. Die politische Lage bringt es mit sich, dass sie für die Masse der jüdischen Reisenden nur schwer zugänglich sind. Die Synagogen in der Altstadt leiden unter Feuchtigkeitseinflüssen, und immer wieder müssen einige für längere Zeit wegen Renovierungen geschlossen werden. Als Gotteshäuser werden sie nicht mehr benutzt. * Zum Bild des Prager Judentums gehört die Altneuschul. Sie erscheint in Romanen, Beschreibungen und Schilderungen. Und wirklich, es ist die älteste bestehende Synagoge Europas, in der immer noch Gottesdienst abgehalten wird. Ein frühgotischer Bau, der bis auf das hohe Dach eher einen romanischen Eindruck hinterlässt. Im 13. Jahrhundert errichtet (die Angaben schwanken zwischen 1260 und 1270), erhielt das Gotteshaus den Namen im 17. Jahrhundert, nachdem die Altschul erbaut wurde, die einigemale abbrannte, und ihre heutige Form: 1861 erhielt. Man nimmt, an, dass auf dem Platz eine ältere Synagoge stand, und sie also die ‘Neue’ war, daher ‘Altneuschul’. Eine hübsche Legende will dem Namen eine hebräische Bedeutung geben, sie ist 'al Tnai’ errichtet, unter der Bedingung, sie beim Erscheinen des Messias abzutragen und nach Jeruschalajim zu überführen. Aus dieser Bauperiode kennt man — aus Bildern — nur zwei andere, die in Worms aus dem Jahre 1084, später oft verändert, von den Nazis 1938 verstört, und vor einigen Jahren nach alten Plänen rekonstruiert, wie die in Regensburg, um 1270 errichtet, und von der Bürgerschaft 1529 abgebrochen. Die Altneuschul ist damit das einzige bestehende gotische Gotteshaus, das noch immer seine Funktion erfüllt. Der Inneraum ist 14,3 Meter lang und 7,1 Meter breit, die Aussenmauern messen einen Meter. Im 17. Jahrhundert wurde eine Frauenschul angebaut, und die Mauer durch trichterförmige Löcher durchbrochen. Das Deckengewölbe, von zwei neun Meter hohen Pfeilern getragen, weisen Je fünf Trägerbalken auf, um die Kreuzform, die bei gotischen Dachgewölben typisch ist, zu vermeiden. Die Bima, das yorbeterpult ist versenkt. Die Pinkasschul, von einem Rabbi Pinkas, der 1495 verstarb, erbaut, wurde erstmalig 1479 errichtet, 1553 und wieder 1600 umgebaut. An den Wänden wurden nach der Befreiung die bekannten Namen von 77 297 Opfer der Vernichtung verewigt, einmal im Jahr wird ein Gedenkgottesdienst zum Andenken an die Juden Prags, Böhmens und Mährens abgehalten. Die Feuchtigkeit zerstörte einen Teil der Gedenkwände. Im Jahre 1978 wurde mit der Entwässerung begonnen, und der Restauration der Inschriften, die zu einer Korrektur führt, da viele Namen ungenau angegeben wurden, und heute bessere Unterlagen vorliegen. Bei der letzten Renovierung, die noch nicht abgeschlossen ist, wurde eine im romantischen Stil gehaltene Mikwe, ein religiöses Bad (eine Übersetzung, die ich nie gerne gebrauche, denn die Hygienevorschriften der Vergangenheit waren eben religiöse Vorschriften, wie das Händewaschen, und die haben den Jüdischen Menschen erhalten können und viele Epidemien, wie die der Cholera 1831 in Preussen überstehen lassen. Jedenfalls ist die Mikwe viel älter als die ‘nur’ 500 Jahre alte Synagoge, — ein Hinweis, das dort vorher schon eine andere stand. Die Klausschul, von Jehuda ben Bezallel um 1680 gegründet, auf einem Platz, der an den Friedhof grenzt, abgebrannt und neuerrichtet, ist ein Barockbau. Hier befindet sich die Sammlung ritueller Gegenstände, wie eine Schau, die die historische Entwicklung des Getto zeigt. In der erwähnten Altschul, 1605 erbaut, 1861 erneuert, werden Prochot, Toraschreinvorhänge, gezeigt und Toramäntel, während in der Hochschul, von M. Maisl 1568 am Rathaus erbaut, heute Ausstellungsstücke aus der Renaissance gezeigt werden und Folklore. Die Malslschul, genannt nach dem gleichen Stifter, Mordechai Maisl, 1528—1601, wurde etwas später von ihm errichtet, 1592. Er war ein erfolgreicher Handelsmann, lange Jahre Vorsitzender der Gemeinde, dem sie das Rathaus verdankt, eine Mikwe, ein Hospital, das 1639 Rbbrannte, es stand auf dem ‘Nefele Hügel’, dem Friedhofshügel, auf dem die ‘Nefel’, die totgeborenen Kinder bestattet wurden, und die, die in den ersten Lebenstagen verstarben. Er Hess die Strassen der Judenstadt pflastern, errichtete und unterhielt eine Kleiderkammer für die Armen der Gemeinde und einen Fond zur Ausstattung unbemittelter Bräute. — Das Rathaus, fast einmalig in Europa, heute befinden Sich dort die Verwaltungsbüros der Gemeinde und das gesellschaftliche Zentrum, wurde Ende des 16. Jahrh. aufgestellt, und 1763 umgebaut. Das Bild, das sich jdem Besucher einprägt, ist das des Barocktürmchens, mit dem 'Schwedenhut’ im Magen David über einer Kugel als Symbol, und die doppelten Uhren, die im Turm mit römischen Ziffern, darunter, in einem aufgesetzten Giebelbau, die mit hebräischen Buchstaben, deren Zeiger Sich in entgegengesetzter Richtung drehen. Der Judenfriedhof, von dem Unterlagen seit dem Jahre 1440 voriiegen, der älteste Grabstein, dessen Inschrift man entziffern konnte, ist 1439 datiert, schloss sich eng an das Getto an. Der schon erwähnte König Premysl Ottokar II. erliess am 29. März 1254 eine Verordnung, in der es heisst, '.. .und wenn ein Christ in seiner gottlosen, verruchten Art ihre Friedhöfe zerstört oder sie mit Gewalt betritt, soll er zum Tode verurteilt werden, und sein Besitz der königlichen Kammer verfallen’. Man weiss nicht, wo der damalige Begräbnisplatz lag. Vor mehr als hundert Jahren, 1866, wurden bei Strassenbauten, ausserhalb der Judenstadt, alte gotische Grabsteine gefunden mit hebräischen Inschriften, die um 1346 entziffert wurden. Bei Untergrundbahnbauten 1976 fand man Spuren einer jüdischen Siedlung, wie eines Friedhofs an einer Strasse zwischen dem Hradschin und Wischegrad. Der ‘alte jüdische Friedhof’, heute ein interessantes Museumsstück, wurde am 17. Mai 1787 geschlossen, als die letzte Beerdigung vorgenommen wurde. Von den um die Jahrhundertwende aufgelassenen Teilen hat man die Steine zwischen den anderen aufgestellt, die Gebeine auf dem ‘Nefele Hügel’, neben der Klausschul beigesetzt. Man spricht von 15 000 bis 20 000 Grabsteinen. Eine genaue Aufstellung kann, es nicht geben, viele sind zerbrochen oder in die weiche Erde versunken. In den mehr als dreihundert Jahren, in denen der Begräbnisplatz benutzt wurde, war er immer zu klein, es musste Erde aufgeschüttet werden, um übereinander zu bestatten, bis zu zwölf Schichten an einzelnen Stellen.. Die Grabinschriften, Zeichen, Bilder und Namen, erzählen die Geschichte dieser Gemeinde. Von den . vielen Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, können nur einige erwähnt werden, wie das gut erhaltene Grabmal des ‘Hohen Rabbi Löb’, Jehuda ben Bezallel, mit dem Bilde eines Löwen, 1609 verstorben. Ihm wird die Golem-Sage zugeschrieben, die in die Weltliteratur eingegangen ist, insbesondere durch Gustav Meyrink und Max Brod, und da in der tschechischen wie in allen slavischen Sprachen ein ‘Arbeitstier’, ein Schwerarbeiter ein Robot ist, arbeiten wir heute mit dem Roboter, dem Elektronengehirn, dem Computer. Das Grab von David Gans, dem Universalgenie seiner Zeit, einem Freund von Kepler und Tycho de Braha, Mathematiker, Astronom, Geograph, Historiker, mit einer Gans und einem Löwen, das Symbol für den Namen David. Orncmente, Zeichen und Symbole auf den Grabsteinen weisen auf Namen und Berufe hin, neben den segnenden Händen der Kohanim, den Nachfahren der Priester, und dem Wasserkrug der Leviten. Der Wolf weist auf den Namen Se’ew hin ,und das Bild eines Hirsches auf Hirsch, eine Maus für Maisl, so auf dem Grabstein des Mordechai Maisl, während auf dem seiner Frau Rose eine Rosette elngemeisselt ist. Eine Szene aus dem Paradies symbolisiert den Namen Chava, Eva. Eine eingravierte Schere zeigt, dass der Verstorbene ein Schneider war, eine Pinzette den Arzt, ein Mörser den Apotheker, eine Harfe den Instrumentenmacher, eine Geige den Musikanten, ein Buch einen Drucker oder Chasan, Vorbeter, ein Etrog den Händler ln Zitrusfrüchten, einen Karpfen für den Namen Fisch, Karp, Karpeles. Die Rufnamen sind fast alle hebräischen Ursprungs, bei den meisten steht „Sohn oder Tochter des", andere weisen auf die Herkunft hin, eine Sitte, die seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlich ist, und zum Vorläufer der Jüdischen Familiennamen wird, Unger, Wiener, Follak, Schlesinger, aber auch tschechische Orte, wie Sobotker, Kolin und andere. * Die bewusste Geschichte der Jüdischen Gemeinde beginnt vor mehr als Tausend Jahren, 965, als die Juden erstmalig in einem bekannten Dokument erwähnt wurden. Natürlich lebten Juden vorher dort. Aber wir Nachfahren müssen das Datum hinnehmen, die Jahre vorher liegen im Dunkel der historischen Unsicherheit. Die Gemeinde entwickelte sich in dem Auf und Ab der geschichtlichen Ereignisse, Kriege, Epidemien, Reformationen, Gegenreformationen. Die Gemeinde konnte sich erhalten, bis es zum entdgtiltigen Zusammenbruch während des zweiten Weltkrieges gekommen ist, — übriggeblieben sind Steine, Bauten, angefüllt mit musealen Resten einer grossen Vergangenheit, die uns von der Zeit erzählen, als sich die Prager Jüdischen Gemeinde wirklich als ‘Mutter in Israel’ fühlen konnte. Heinzwerner Goldstein STATIONERY — BOOKSELLER JOSEF FREYHAN formerly Dr. Wilhelm Freyhan 63431 Tei-Aviv, Ben Jehudaslr. 60 empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN MASSTÄBEN Spezial-Abteil.: Israel Reiseführer j TEL. 280564 40

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