Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981)
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Schwein an der Kette, wie ein Haushund. Im Übrigen spielt man May-Yong. Wir konnten das so schön in unserem Bungalow-Hotel beobachten. Sobald der chinesische Aufseher den Rücken drehte, hörten die Maleien mit der Arbeit auf und spielten May-Yong. Auch im Restaurant musste der chinesische Oberkellner scharf aufpassen, sonst machte man nichts. Wir wohnten in einem gut gehaltenen Bungalow-Hotel, das in einem grossen tunzäunten Park stand. Wem das eigentlich gehörte, war nicht ganz klar, der Regierung oder dem Regenten, Prinz Schahounouk, dem grössten Lügenmaul der Gegend und das will bei der hier ortsüblichen Korruption etwas heissen. Jeden Tag konnte man in dem kleinen französischen Blättchen etwas über ihn lesen, was er wieder Gutes für das Land getan hatte, es brauchte aber absolut nicht zu stimmen. Er behauptete nur Regent für seine Mutter zu sein, nur bescheiden von seinem Gehalt zu leben, nur ein Auto zu haben. Man erzählte uns, dass er mehr als zwei Dutzend hatte, das riesige Areal, das umzäunt war, wo er residierte, enthielt eine Menge Häuser, dazu zwei Ballettschulen, eine für moderne Tänze, eine für Volkstänze. Diese gab eines Abends in dem grossen Hof von Ankor-Vat eine Vorstellung, ein Traum aus 1001 Nacht, sehr eigenartige Tänze, die Schönheit der Tänzerinnen, ihre leuchtenden, glitzernden Kostüme, der reiche Schmuck an Hals, Brust, Armen und Beinen, der mitklirrte bei jeder Bewegung und alles unter der romantischen Kulisse von Ankor-Vat und überflutet von wechselndem, bunten Licht. Skulpturen von Tänzerinnen, den himmlischen Nymphen, schmücken die Wände der Tempel und Paläste. Die Mauern der Ruinen sind bedeckt mit grossen, weissen Steinplatten, auf denen in Relief Szenen aus dem Leben des Volkes dargestellt sind. Da sieht man den König, einer Prozession voranschreitend, Soldaten, die in den Krieg ziehen, Kämpfe zu Lande und zu Wasser. Manchmal sind drei Reihen verschiedener Bilder übereinander. Ein Mann wird von einem Schiff heruntergeworfen und ein Krokodil beisst ihn. Die Fische sind so naturtreu dargestellt, dass die einzelnen Arten zu erkennen sind. Die Königin in ihrem Zimmer, von ihren Dienerinnen umgeben. Eine Marktszene, mit streitenden Marktfrauen, die nicht merken, dass ein Junge einen Fisch stieht. Auch Szenen aus religiösen Erzählungen sind dabei. Eine weinende Frau sitzt in einer Ecke, während eine Dienerin das Neugeborene einem Soldaten übergibt, es ist die Geschichte von Krishmas Geburt und Rettung vor seinen Feinden. Die Hindu-Religion wich dem Buddismus, Buddah-Statuen, allerdings oft ohne Kopf, den Feinde abschlugen, um so die Macht des Gottes zu mindern, aber Wischnu- Anhänger sind auch heute noch zahlreich, das konnte man an dem grauen Aschenzeichen sehen, das noch viele Leute auf der Stirn trugen. An der grossen Freitreppe, die hinauf auf Ankor-Vat führt, ist eine grosse Gestalt auf einer Schlange, der Weltschlange, es ist Wischnu. Als wir da waren, hatte man 80 Stellen ausgegraben, darunter eine grosse Arena, wo die Kämpfe zwischen Elefanten und Tigern ausgetragen wurden. Ein hoher viereckiger Turm, auf jeder Seite der etwa 5 m grosse Kopf Brahmas, der nach allen Weltgegenden schaut. Mitten im Urwald in einer weiten Stein-Einfassung das Standbild eines Königs, der wie die Sage erzählt, dort in der Einsamkeit den Rest seines Lebens verbringen mussten, weil er aussätzig war. Bei unserem Ausritt auf einem Elefanten in den Urwald begegneten wir einer Elefanten-Kuh mit ihrem Kind. 22 Monate dauert die Schwangerschaftszeit bei den Elefanten. Die Verständigung zwischen dem Elefanten und seinem Führer ist perfekt. Innerhalb unseres umzäuten Gebietes, in dem sich unser Bungalow- Hotel befand, war auch eine Elefanten-Station. Auf einer Leiter stiegen wir auf eine kleine Plattform und von dort auf den Elefanten. Der Führer aber gab seinem Tier nur einen freundschaftlichen Klaps, da Hess der Elefant seinen Rüssel herunter, der Treiber setzte sich drauf und wurde sanft nach oben bugsiert. Es reitet sich sehr angenehm und man schaukelt nicht, wie wenn man auf einem Kamel sitzt. Wir wagten uns nicht so leicht aus unserer Umzäunung, denn man wurde wie von einem Fliegenschwarm von den halbnackten Eingeborenen, denen die langen, schwarzen Haare um den Kopf flogen, überfallen, sie bettelten, boten sich als Führer an oder woUten einem primitiven Musikinstrumente oder grosse Schilder, Speere oder Armbruste verkaufen, oder meterbreite Papierrollen, die mit schwarzer' Farbe bestrichen und an die Reliefs angeklatscht wurden, die Vorstufe des Druckes, weit in Asien verbreitet. Da fällt mir eine Geschichte ein, die zwar nicht hergehört, aber sehr lustig ist. Ein chinesischer Kaiser verbot einem Dichter ein Gedicht zu verbreiten und befahl den Stein, auf dem es eingeritzt war, zu zerbrechen. Das geschah auch aber erst als man in der Nacht so viel Abdrucke gemacht hatte, dass die Schrift abgewetzt war. Ich hätte gern so einen Abdruck von einem Relief gehabt, aber Friedei erlaubte es nicht. Ulkig war der Anblick der Touristen auf dem kleinen Flugplatz von Pnom-Penh, von all den bewaffneten Touristen mit meterbreiten Schilden und 2 m hohen Speeren und auf dem Kopf trugen viele, besonders Amerikaner, meterbreite Hüte aus Schilf geflochten, und da sich das Flugzeug verspätete, versuchte man Musik auf den Blasinstrumenten zu machen, die aber nur Quietschtöne von sich gaben. Wir hätten so ein Ding nicht in den Mund genommen. Zum Schluss machten wir noch eine Fahrt auf dem Mekong mit, auf einem „Showboat“. Es gab ein vorzügliches Abendessen und gleichzeitig allerhand Vorführungen. Eine Athletengruppe, wie man sie sich kaum woanders denken kann, so gefährlich waren ihre Darbietungen, dann Zauberkunststücke. Meine Tischnachbarn waren ein sehr nettes, junges Paar, Indonesier, die sich vergebens Mühe machten!, mir Essen mit Stäbchen beizubringen. Was heute von all dem noch vorhanden ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Heute fragte mich ein guter Freund: Sage mal, Du warst doch diesen Sommer soviel draussen, schreibst Du oder erzählst Du nichts darüber? Er begreift es nicht, wie verschieden Erzählen und Schreiben ist. Jeder, der mit offenen Augen, durch unsere schöne Welt geht, hat zu erzählen. Zwei mal habe ich den Ben-Gurion Airport mit der Aussicht auf künftige Erlebnisse erduldet! Zwei mal hin und zwei mal zurück! Zurück war immer schöner, mit der Aussicht, auf meine eingefleischten Gewohnheiten und das sichere Gefühl zu Hause zu sein. Wir sind zwar oft schwer erträglich — aber die anderen auch — selbst wenn wir rückfühlende Vorurteile ausklammern. Doch eben so laut, oft durch Alkohol gestärkt, noch lauter — dieselben Probleme von überfüllten Spitälern, Probleme der Altenfürsorge, Jugenderziehung, von Finanzskandalen und Bestechungsaffairen auf höchster Ebene garnicht zu reden. Drei Wochen war ich in Österreich mit einer Freundin, in einem kleinen Ort: Melk an der Donau. Die Wachau. Meinen Frühspaziergang machte an der schmutzigsten Donau, die man sich vorstellen kann Nicht das kleinste Fleckchen blau! Wir fuhren mit dem Schiff bis Kremt — zwei Stunden hin, und zwei zurück. Ein grüner Traum — an beiden Seiten Wälder auf den-Höhen Burgen, zu deren Füssen kle;ne Ortschaften mit alten Kirchen und den verschiedensten Kirchtürmen liegen; verträumt sind diese Orte nicht, sondern stark auf Touristik eingestellt. Wer Freude an alten Holz- und Schmiedearbeiten hat, kommt auf seine Kosten. Die Dorffriedhöfe wirken mit den geschmückten Gräbern, wie ein einziges Blumenbeet. Alte Brunnen mit herrlichen Trauerweiden, alt und ehrwürdig, atmet man in ihrem Schatten ein wenig Ruhe und Frieden ein. Anschliessend Strasse mit Fussgängerzone, da verschwindet der Zauber. Der Unterschied zwischen Gross- und Kleinstadt ist sehr gering geworden. Das Wort Boutique gibt es überall, ebenso Kosmetiksalon mit französischen Mak-up-Artikeln. Wenn Ihnen jemand in der Landestracht begegnet, die in der Wachau besonders hübsch ist, haben Sie das Gefühl, die sind vom Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs bezahlt. Melk, Schallaburg, rasra sasa essa rs* Dürnstein, Plätze von so eindrucksvoller Architekdas nur Historiker darüber was sie auch reichlich getan Ich habe mit der zweiten Reise begonnen. Das erste Reiseziel war Amerika. Es heisst, es waren nicht die U.S.A., die gemeint waren, sondern ein freudiges Familienereignis. Für mich wunderbar, für den Leser, wie alle Familienfreuden, die nicht die Eigenen sind, ohne Interesse. Mir selbst hatte fest versprochen, diesmal fahre nicht zurück ohne die Niagarafälle gesehen zu haben. Es war meine zweite Amerikareise. Wir kamen am Abend in Ontario, der kanadischen Seite der Fälle an. Von Natur keine Spur. Die lautesten, buntesten, kitschigsten Reklamen schlugen uns entgegen. Es gehört dazu, im sich drehenden Turmrestaurant zu dinieren. Unter uns ein Meer von Lichtern, an einer Seite Amerika, an der anderen Kanada. Rosa, blau, grün beleuchteter Nebel. Es ist der Schaum der Wasserfälle, der den Nebel verursacht. Die amerikanische Seite ist etwas weniger mächtig. Das Erlebnis begann am nächsten Morgen. Um auf die Aussichtsterrasse zu gelangen, passiert man eine Garderobe, dort wird man von Kopf bis Fuss Wasserdicht verkleidet. Ich kam mir vor, wie ein Pinguin, ohne weisse Weste. In den Stiefeln watschelte, wie ein solcher. Jetzt stand ganz nahe neben dieser Naturgewait. 350 Millionen Liter Wasser in einer Minute!! Der Eindruck ist so gewaltig, dass er die nackte Wahrheit erkennen lässt, wie klein der Mensch, wie unbedeutend sein Schicksal. Ein wenig weiter zeigt ein Museum, die verschiedenen Fahrzeuge, mit denen einige Wahnwitzige den Niagarafall durchqueren wollten. Manche fanden den Tod. Anschliessend führt ein bezaubernder, unverfälschter Weg zwischen Felsen und tanzenden Wassern, den Ausläufern der Fälle, bis zu einem Punkt, von dem es nicht weiter geht. Naturgewalten, zwingen an höchste Gewalten zu glauben. Wie auserwählt würden wir uns fühlen mit einem Teil der saftig grünen Wälder der Donauufern und einem kleinen Teil des Wassers von den Niagarafälien, egal ob von amerikanischer oder kanadischer Seite. Margot Kammermann itamat-Chen rera ALLERLEI UBER REISEN tur und Geschichte, schreiben können, haben. 36