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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981) · p. Seite 35

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981)
Date
1981-01-01
Page
Seite 35 (sequence 35)
Language
German
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Etwas ü Es sind nun ISO Jahre her, Frankreich war noch im Besitz seines grossen asiatischen Kolonial- Besitzes, der u.a. Vietnam, Laos, Kambodscha umfasste, nur Siam war nie unter fremder Herrschaft, als es einem hohen französischen Beamten einfiel, den Urwald, der weite Gebiete bedeckte, zu erforschen. Das war nicht so einfach. Menschenfüsse kamen da nicht vorwärts, dazu brauchte man Elefanten. Nun davon gab esja genug in dem Jungei, auch Tiger. Die gibt es auch heute noch im tiefsten Inneren. Die Bäume wachsen bis zu 40 m Höhe und Luftwurzeln streben nach unten und die Eidwurzeln auf die Oberfläche, dazwischen Schlingpflanzen, so schwer zu zerreissen, wie dicke Hangstricke, dazwischen Moos und Fungus. Das Holz der Bäume ist nur als Brennholz zu verwerten inwendig ist eine weisse schmierige Masse, daher der Name „Cheesetreez“ Käsebäume. Wie Gespensterhände greifen s;e die Mauern der Ruinen an und zerstören das stärkste Mauerwerk. Man muss das mit eigenen Augen gesehen haben, schildern lässt sich der grausige Anblick nicht. Der Eindruck des Kampfes der Pflanzenwelt gegen Menschenwerk machte einen grossen Eindruck auf den französischen Beamten, so stark, dass er nach Frankreich zurückkehrte und durch seine Berichte starkes Interesse erweckte, so dass ihm die Regierung, aber auch Private die Geldes bewilligten, die den Anfang seiner Tätigkeit ermöglichen. — Archäologen kamen mit, aber es wurde nicht ausgegraben, sondern die Arbeit begann mit dem Ausroden der Bäume und zum Vorschein kamen Reste einer unbekannten, originellen Kultur. Wohl konnte man deutlich den Einfluss südindischen Ursprungs erkennen; aber die unbekannten Meister, von denen kein Name bekannt ist, schufen eine völlig neue, originelle Kunst, sowohl architektonisch, wie auch auf dem Gebiet der Bildhauerei. Wenig ist. von dem Volk bekannt, das diese Wunderwerke schuf, denn leider benutzten sie keine Tontäfelchen, wie die Leute, die uns in der Keilschrift ihre Werke überlieferten, die Khmer, wie der alte (jetzt wieder neu aufgenommene) Name der Leute lautete schrieben leider auf Palmblätter, die ja weniger haltbar sind. Auch heute noch ist die Kunst, auf Palmenblätter zu schreiben, vorhanden, in dem vortrefflichen Institut in Heyderabad, das in einem prachtvollen Palast untergebracht ist und von einem in Asien sehr berühmten Gelehrten geleitet wird, der unter seinen zahlreichen und ganz verschiedenen Assistenten auch einen Inder hat, der auf Palmblätter schreiben kann. Wir wüssten wenig über das Leben der Khmer, wenn nicht zum Glück vor wenigen Jahi-en ein chinesischer sehr umfangreicher Bericht entdeckt worden wäre, den ein Gesandter im Jahre 1295 seinem Kaiser gemacht hat. Dieser Bericht enthält eine sehr ausführliche Schilderung des Lebens am Hofe, der Aristokratie, wie auch der Bürger und der unglücklichen Sklaven, von denen es sehr viele gab. Dieser Bericht ist ins Englische übersetzt und als Taschenbuch veröffentlicht worden. Es gibt sehr schöne illustrierte Bücher über die Khmer-Kunst. Ich war zwei mal in Kambodscha und wir wären wahrscheinlich nochmals hingefahren, wenn .., ja, wenn und jetzt ist es ja unmöglich, seit Jahren tobt dort der Krieg und was von allden Kostbarkeiten noch da ist, ist unbekannt. ¥ Auf einer Seitenlinien von der grossen Route nach Indien erreichte man Pnom-Penh, die Hauptb e r K a m b [AUS EINEM REISEBERICHT) Von VERA ROSENBAUM-LONDON Stadt, die die Franzosen mit viel Geschmack auf den Ruinen der alten Stadt aufgebaut hatten. Breite Strassen mit einer merkwürdigen Art Palmen, die nur ein grosses fächerförmiges Blatt haben, ein gut gehaltenes Hotel, an einem Ende der Allee eine katholische Kirche, am anderen Ende eine Moschee und mitten ein buddistischer Tempel. Ein sauberer, bunter Obst- Gemüse- und Blumenmarkt. Die buddistischen Märkte sind sauber und man besucht sie gern, dagegen sind die Moslem- Märkte abscheulich mit ihren Fleischbänken. Gewöhnlich ist bei den Moslem-Märkten noch der sogennante Markt der Diebe da, etwa, wie der Flohmarkt. Man kann dort die unmöglichsten Dinge kaufen. Wenn einem zB. der Wischer vom Auto gestohlen wird, so findet man ihn oft am nächsten Tag auf dem Diebsmarkt und kauft ihn zurück. Pnom-Penh war so ein nettes Städtchen, es ist nicht mehr — scheussliche Dinge haben sich dort abgespielt. Es wird manchen in Kambodscha geben, der mit Trauer an die Zeiten zurückdenkt als sie noch unter der französischen Kolonialverwaltung stan-. den. Ein Franzose der 4. Republik seufzte: „Wie schön war die Republik unter dem Kaiserreiche, das Gleiche gilt von. Kambodscha. Damals konnte jeder freilich in .■-einem Bett schlafen. Man liest genug von der Not in den Zeitungen, eber nur wer dort war, dem tut es bitter leid, die Welt ist um einen Schatz ärmer geworden. Khmer, wie der alte Name von Kambodscha lautet, war Jahrhunderte lang der mächtigste Staat in dieser Gegend. Als er dann von den Nachbarn angegriffen wurde, verlegte man mehrfach die Hauptstadt., Häuser, Paläste, Tempel wurden verlassen und der Urwald nahm von der Stadt Besitz. Bis heute bestehen blieb noch Ankor-Vat, doch davon erzähle ich spätter und so, wie ich es sah. Wie es heute damit steht, darüber gibt es kaum Bericht. Das Touristen Centrum war Ankor-Vat, aber wir waren oft in Pnom-Penh, das wir entweder mit Auto, oder wenn keines da war, mit einer Rikschah erreichten. Heute rennt nicht mehr ein Mann als Zugtier vor der Rikschah. Nur einmal, tief in Indien sahen wir Rikschahs von Menschen gezogen, sonst strampelt der Führer davor auf einem Fahrrad, oder, wenn ganz modern, auf einem Motorrad. Mann konnte wunderschöne Sachen in Pnom- Penh kaufen, die Handwerker verstehen die alten Formen in Silber und Bronze nachzubilden, aber man konnte auch antike Sachen kaufen, die in grossen Mengen gefunden wurden. Ein von einem sehr energischen Franzosen geleitetes Museum gibt einen guten Begriff von der Khmer-Kunst. Etwas von dem Leben der Bewohner konnten wir durch unsere Besuche erfahren. Wir sahen die so vergnüglich verlaufenden chinesischen Begräbnisse, bei denen Geld ausgetreut wird, was den Strassenjungen viel Vergnügen macht und Musik gibt es dabei auch. Buddistische Mönche gehen mit ihren Reisschalen durch die Strassen, die Hausfrauen stehen mit grossen Töpfen mit Reis und füllen die Essnäpfe der Mönche und danken ihnen noch, dass sie den Frauen Gelegenheit zu einer guten Tat gaben. o d s c h a Wir hatten dann noch ein eigenartiges Erlebnis. Einmal, als wir uns ein bisschen ausruhen und Tee trinken wollten, gingen wir in ein Teehaus und setzten uns in den Garten. Mir war schon aufgefallen, dass an der Hauswand ein Bild von einem gutgekleideten Chinesen zu sehen war, das von bunten Papierblumen und kleinen farbigen elektrischen Lämpchen umgeben war. Wir dachten, das sei das Bild des Regenten. Kaum hatten wir uns hingesetzt, kam ein gut angezogener Herr, auch ein Chinese, brachte uns Tee, Zigaretten und Süssigkeiten und sagte uns, man feierte, wie es Brauch sei, am 30. Tag nach dem Tode eines Angehörigen, ein Gedenkfest. Eigentlich hätten wir an den langen weissen Fahnen merken können, dass hier irgend eine Trauerfeier ,-ei. Unangenehme Situation. Da hatte ich einen guten Gedanken. Ich ging zu dem Herrn, der uns so freundlich bewirtet hatte und verbeugte mich, beide Hände vor der Stirn zusammengelegt und sagte: Wir sind Fremde, wir kennen nicht die Sitten des Landes, aber wir möchten dem Toten unseren Respekt bezeugen. Da gab mir der Herr eine brennende Kerze und begleitete mich zu dem Bild des Verstorbenen, ich verneigte mich, wie ich es bei anderen gesehen hatte, dreimal, steckte die Kerze in einen Halter und ging drei Schritt rückwärts zurück. Da kam mir die Witwe, des Verstorbenen, eine nicht mehr ganz junge, aber wunderschöne Frau entgegen, band mir einen roten Faden um die Hand und fragte mich, wie alt mein Mann sei und äusserte den Wunsch, dass sich unsere Gatten in der anderen Welt treffen mögen, dann gab sie mir eine Säckchen mit Früchten und Naschzeug. (Friedei starb ein halbes Jahr später, ob er sich mit dem Chinesen getroffen hat, welss Ich nicht). Etwas abseits der Familie in einem Nebenraum sassen zwei Junge etwa 14 und 16 Jahre, vor hoch gefüllten Schüsseln mit Reis und vertilgten den mit einem Wolfshunger. Später erfuhren wir, dass nach dem Tode des Vaters die Söhne für einige Zeit, mindestens 6 Wochen, aber gewöhnlich für ein halbes Jahr, den gelben Doti der Moenche tragen müssen, in ein Kloster gehen und sich das Essen auf der Strasse geben lassen. Es war also das letzte normale Mittagessen für die beiden Jungen. In Kambodscha leben eine Menge Chinesen, sie sind fleissig, still und intelligent. Wo sie hinkommen, gewinnen sie bald die Oberhand durch ihre Tüchtigkeit und auch durch das feste Zusammenhalten aller Schichten. (Eine Zwischenbemerkung: Die Chinesen haben ohne Gewaltanwendung die mächtige und reiche Jüdische Gemeinde aus Singapur verdrängt, fast alle sind ausgewandert. Nur eine sehr reiche alte Dame hält dort noch Hof, wir waren bei ihr zu Gast, aber die wird nun auch schon lange tot sein.) Der Grossteil der Einwohner Kambodschas sind Malaien, kleine, sehr feingliedrige Menschen, die immer lächeln und wenig Neigung zur Arbeit haben. Wozu auch? Wenn das Reisfeld bepflanzt ist, braucht man nur zu warten, um es abzuernten. Bananen und Brotfrucht wachsen wild. Wer an dem grossen Binnensee wohnt, kann sich soviel Fische und Krebse und andere Seefrucht holen, wie er will. Viel Kleidung braucht man bei dem Klima nicht, das einfache auf Stelzen stehende Haus, das man mit einer Leiter erreicht, hat nur einen Raum, zum Schlafen werden Matten gelegt, unten liegt ein 35

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