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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981) · p. Seite 34

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981)
Date
1981-01-01
Page
Seite 34 (sequence 34)
Language
German
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DAS FRANKFURTER VOLKSTHEATER ALS GAST IN ISRAEL MIT KLEIST: DER ZERBROCHENE KRUG ROESSLER: DIE FÜNF FRANKFURTER Unter der Patronage des Frankfurter Oberbürgermeisters Dr. Walter Wallmann und seines Tel-Aviver Gegenpartners Shlomo Lahat stand im letzten Jahr in Israel die aufsehend-erregende Aufführung des „Urfaust" gespielt vom Volkstheater Frankfurt. Es war zur gleichen Zeit als die Partnerschaft der Städte Tel-Aviv und Frankfurt beschlossen wurde und der Grundstein für ein Jugendheim auf den Namen Frankfurt a.M. in einem der Vororte Tel-Avivs gelegt wurde. Seitdem gibt es eine nichtabreissende Kette von Ereignissen, wie Besuche ehemaliger Frankfurter in ihrer Heimatstadt — Frankfurter Gruppen in Israel — betreut von den Mitgliedern des Vereins ehemaliger Frankfurter in Israel, Jugendaustausch und anderes mehr. Die Direktorin des Frankfurter Volkstheaters Liesl Christ kam bereits zum 2. Besuch, privat, trat in Tel-Aviv im Verein ehemaliger Frankfurter im hessischn Dialekt auf. Unterstützt von Lee Moos und Helmut Gans, Schauspieler der ehemaligen deutschsprachigen „Hagesher“-Bühne, wurde der Nachmittag im überfüllten Saal ein grosser Erfolg, und damit wurde die Frage eines 2. Gastspieles des Frankfurter Volkstheater in Israel akut. Dann gab Dr. Akiba Hoffmann, der 1. Vorsitzende bekannt, dass Liesel Christ sich zur Aufgabe gesetzt habe, einen Kindergarten in Tel-Aviv auf bedrängt wurde. Hier befindet sich auch der älteste jüdische Friedhof aus dem 11. Jahrhundert. Eine Fahrt durch den Odenwald beschloss den Tag. Ein Opern-Ballctt und Brecht’s „Mutter Courage“ vom Frankfurter Volkstheater mit Liesel Christ in der Hauptrolle, gespielt, die mit ihrem Ensemble sehen viermal Israel mit grossem Erfolg besucht hatte, folgten darauf. Liesel Christ schenkte uns noch einen heiteren Nachmittag mit Frankfurt-Gedichten. Ferner folgten wir einer Einladung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in der Fasanerie im alten Stadtwald, sowie einer Einladung der Bnei-Brith-Loge. Den Freitagabend verbrachten wir im jüdischen Altersheim, dem Gottesdienst beiwohnend. Den Abschluss des Besuchsprogramms bildete der Empfang im Kaisersaal, wo den Gästen ein sehr vergnüglicher „koscherer“ Frankfurter Abend bereitet wurde. Oberbürgermeister Dr. Wallmann sprach in seinen Abschiedsworten von den so schnell vergangenen Tagen, die auch oft Anlass zu schmerzlichen Erinnerungen gewesen seien, aber die Gäste sicher glücklicher in ihre neue Heimat zurückkehren Hessen. Dank allen, die za dieser Einladung beigetragen haben: Zuerst einmal dem Oberbürgermeister Dr. Wallmann, den Mitgliedern des Magistrats, den zwei Herren, die ständig um unser Wohl bedacht waren, den zwei Damen, die uns mit Ihrem Wissen und Humor bei den Führungen und Ausflügen begleiteten, dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde Farnkfurt, Herrn Ignaz Bubis, und den anderen Mitgliedern der Gemeinde, den jüdischen Organisationen, der Presse, dem Rundfunk und der Television, die sich täglich mit uns beschäftigten, und nicht zuletzt den Gästen seihst, die aus der ganzen Welt kamen, die ausgestreckte Hand ergriffen und einen nicht geringen Beitrag zur Überwindung der Vergangenheit und zur Völkerversöhnung geleistet haben. Friedei Sehwartz den Namen der Stadt Frankfurt zu gründen. Die ersten DM. 50 000.— sind bereits gesammelt — das Ziel sind mindestens DM. 300 000.—. Das Volkstheater Frankfurt, 1971 von Liesel Christ gegründet, damals noch ohne festes Haus, ist heute ein fest anerkannter Faktor im Theaterleben Frankfurts. Sie und ihr Ensemble spielen das ganze Jahr hindurch — seit 5 Jahren haben sie ein festes Haus gleich neben dem Goethehaus — und während des Sommermonate im Freilicht im Innehof des Dominikaner Klosters. Viele Gastspiele und 6 TV-AufZeichnungen zeigen die Nachfrage und Beliebtheit. Aber zu Israel gibt es eine besondere Beziehung, die sich wie ein roter Faden durch die Partnerschaft Tel-Aviv und Frankfurt zieht. Und sie kamen zum 2. Mal mit Kleists: „Der zerbrochene Krug“ und Roesslers „Die fünf Frankfurter“. Kleists Volksstück „Der zerbrochene Krug“ ist eine der bekanntesten Komödien der Weltliteratur. Goethe als Regisseur der Uraufführung im Weimarer Hoftheater am 2.3.1808 erlebte damit einen kompletten Durchfall. 3 Jahre später nahm sich der damals 31jährige Autor das Leben. Heute ist seine Komödie ein nicht wegzudenkender Faktor im Repertoir eines jeden Theaters. Die Typen des Stückes werden durch ein Volkstheater im Dialekt besonders prägnant. Und was wäre besser geeignet für eine solche Aufführung als das Frankfurter Volkstheater? Ohne auf die einzelnen grossartigen Leistungen einzugehen, sowie Regie, Bühnenbild und Kostüme, bot sich hier dem Publikum 2 Stunden Amüsement von lautem Gelächter bis zum stillen Schmunzeln. Karl Roesslers „Die fünf Frankfurter“ (Uraufführung 1911) ist bereits zum 2. Mal im Repertoir des Frankfurter Volkstheaters. Geschichte und Aufstieg des Hauses Rothschild zum internationalen Finanzfaktor ist ein heiteres harmloses Spiel in voller Übereinstimmung mit der Historie, spielt 1822 (Biedermeierzeit) — der Anlass: eine Zusammenkunft der 5 Brüder Rothschild inuHause ihrer Mutter, die noch immer im alten Haus der Judengasse in Frankfurt wohnt und auch dort wohnen bleibenwill. Sie ist die einfache Frau mit dem gesunden Menschenverstand und kann sich mit den neuen Entwicklungen nicht befreunden: Der Kaiser von Wien hatte die Brüder Rothschi'.d in den Freiherrnstand erhoben und die geplante Einheirat ihrer Enkeltochter in ein regierendes, aber verschuldetes Herzoghaus. Die straffe Inszenierung durch Wolfgang Kaus zeigt auch hier, wo er leicht in das süssliche der Biedermeierzeit und auch etwas komödienhafte hätte hineingleiten können, sein Können. Frau Gudula, die Mutter, eine geglückte Mischung einer jüdischen Mamme und einer starken Persönlichkeit, die die Zügel der Familie noch fest in ihren Händen hält und alle 5 Söhne in Ehrfurcht zu ihr aufschauen, wurde von Liesel Christ hervorragend interpretiert. Die 5 Brüder, jeder wurde zu einer eigenen Persönlichkeit, ein Lob den Schauspielern und Regisseur. Auch alle anderen Ro'len wurden adequat besetzt und verkörpert.- Wir danken dem Frankfurter Volkstheater für die erlebnisreichen Abende und waren wiederum hoch erfreut in den Israel Nachrichten, Tel-Aviv, einen Dank für die liebenswürdige Aufnahme ihres ^Theaters in Israel von Direktorin Liesel Qhrisl zu lesen. Freundschaft ist keine Einbahnstrasse. Friedei Sehwartz DAS ULMER „THEATER IN DER WESTENTASCHE” MIT SEINEM PUBLIKUM ZUM GASTSPIEL IN ISRAEL Wie Jede Wintersaison wartet das Deutschsprachige Publikum in Israel auf die Gastspiele, die ihnen eine besondere Abwechslung in der vertrauten Sprache bieten. Es war erstaunlich festzustellen, dass sich im Publikum eine Menge Junger Menschen befand — einige Touristen — sonst Jugendliche „Sabres“, die die deutsche Sprache vom Elternhaus mitbrachten und solche, die im Goetheinstitut die Sprachkurse besuchen (wie wir wissen, ist die Nachfrage für die Kurse derart gross, dass die Klassen oft überfüllt sind). Als erstes Gastspiel kam nach vierjähriger Pause das Ulmer „Theater in der Westentasche“, das kleinste Theater Deutschlands mit seinem Publikum von 52 Mitreisenden. Wir erinnern uns mit viel Vergnügen an die damalige Vorstellung „Kennen Sie die Milchstrasse". Die heutige Aufführung „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupäry — ein Märchen für Erwachsene, die sich eine Spur von Kindlichkeit bewahrt haben, und die es noch nicht aufgegeben haben, an das Gute zu glauben und den Mitmenschen mit Liebe zu begegnen. „Die Kontaktarmut der heutigen europäischen Welt", sagt der Direktor uiid Schauspieler Markus Dentler, „hat uns vor 30 Jahren zur Gründung dieses Theaters veranlasst, ein Ensemble, das neue Wege geht: Strassenaktionen, Mitspielen des Publikums, psychologisch-politisches Kabaret und natürlich Zimmertheater. Und nicht zuletzt das Mitbringen des eignen Publikums sollen Kontakte bauen. Die Unterhaltungen der Schauspieler und ihres Publikums mit den Israelis nach jeder Vorstellung müssen oft mit Gewalt abgebrochen werden. Ein Stoss Visitenkarten in der Hand Direktor Dentlers — mit der Bitte um Einzelkontaktnahme — sind ein Zeichen eines gelungenen Versuches. Das nach Kriegsende entstandene Ulmer „Theater in der Westentasche“ (dama s 3, heute 6 ausgebildete Schauspieler), begann dem Zug der Zeit entsprechend — viele arbeitslose Schauspieler — ausgebombte Theatergebäude — als Zimmertheater und Wanderbühne. Sie waren jung und spielten junge, moderne Autoren, die heute bereits in jedes Repertoire eingegliedert sind. Sie spielten: Sartre, Ionesco, Witlinger, Tankred Dorst und die ganze französische Avant-Garde und heute den neuen, viel diskutierten, Frank Geerk. In Ulm spielen sie 3—4 mal die Woche und die Wanderbühne ist auch in steter Bewegung. So wie nach Israel, zogen sie mit 100 Personen Publikum als erstes Deutsches Theater nach Rumänien. 20 Jahre arbeiteten sie ohne Subvention und Jeder musste bei allem das Seine dazu tun. Seit 10 Jahren helfen der Staat als auch die Stadt Ulm — eine Anerkennung ihres künstlerischen und ideellen Wertes. Friedei Sehwartz 34

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