Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981)
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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„AM JISRAEL C H AI" Das ist der Titel des Buches, das die Jüdische Gemeinde in Göthenburg (Göteborg), Schweden, anlässlich ihres 200Jährigen Bestehens, herausgegeben hat. Da es wöld nicht1 viele Leser dieses Blattes gibt, die dieses schöne, reich illustrirte, in schwedischer Sprache geschriebene Buch jemals zu lesen bekommen werden, finde ich es angebracht auch für unsere Leser den Inhalt in Kürze zu erwähnen, besonders solche Stellen, die mit unserer eigenen. Gesehichte Berührungspunkte haben. Wir sind es. gewöhnt, Erinnerungsbücher von den verschiedensten Gemeinden Europas zu lesen, und leider muss immer viel von Friedhöfen und Mazewoth geschrieben werden, deren Abbildungen meistens den grössten Teil der Illustrationen ausmacht'. Hier bekommen wir ein Buch in die Hand, eine Jüdische Geschichte in Miniature, in dem die zwei sehr schön gepflegten Friedhöfe der Stadt nur en passant erwähnt werden. in acht Abschnitten wird man durch verschiedene Seiten des jüdischen Lebens dieser Gemeinde in der bedeutendsten Hafenstadt Schwedens geführt; von den ersten Anfängen, da Juden aus Deutschland nach der kleinen Festungsinsel Marstrand. kamen, die in den letzten Jahrzehnten des 18ten Jahrhunderts als Porto Franco, Freihafen, erklärt wurde, bis zum neuen jüdischen Kindergarten, der letztes Jahr eingerichtet wurde. Juden wurden es erst im Jahre 1775 erlaubt, sich in Schweden niederzulassen, und so wird erwähnt, wie die erste Gemeinde in der Hauptstadt Stockholm gegründet wurde.. Der Siegelmachqr Aron Isaac aus Mecklenburg Dekam vom König Gustaf d. Dritten das Recht für sich und seine Familie als erste Juden in Stockholm zu wohnen; da es ihm Jedoch schwer fiel als einziger Jude dort zu leben, bat er um das Niederlassungsrecht für weitere Glaubensgenossen; dies wurde ihm bestätigt, und damit war das erste Minjan zu Stande gekommen und die Gemeinde gegründet. So ähnlich kamen auch die ersten Juden nach Marstrand, und als der Freihafen aufgehoben wurde, nach Göteborg. Es waren Moses Salomon, Elias Magnus, Andreas von Reis und David Abraham, die aus Deutschland ankamen, sowie Bendlx Henriques und Elias Warburg aus Kopenhagen, wo die Gemeinde schon hundert Jahre existierte. Der erste Chasan war Gabriel .Schlesinger. Sie verstanden es, sich schnell eine gute Position zu verschaffen, und so wurde die zweite Generation Gründer von bedeutenden Industrien und Handelsgesellschaften. die noch heute bestehen. Diesen ist besonders der zweite Abschnitt des Buches gewidmt. Mit dem Einfluss auf wirtschaftlichem Gebiete folgten auch Mitgliedschaften in den verschiedenen städtischen Institutionen, sowohl sozialer als auch kultureller Art, und es gibt heute kaum etwas Bedeutsames in Göteborg, das nicht eine jüdische Donation als Grundlage hat. Nennen wir, z.B., die Hochschule der Stadt, die Universitätsbibliothek, das Kunstmuseum, das Theater oder das Konzertgebäude, so sehen wir Namen wie Magnus, Heyman, Fürstenberg, Pineus, Mannheimer usw. als Gründer und Spender. Ein besonderes Kapitel ist dem Jüdischen Einfluss auf das musikalische Leben der Stadt gewidmet, und hier -wird besonders der berühmte, in Polen geborene, Kantor Abraham Baer hervorgehoben, der eine aussergewöhnliche musikalische Begabung gewesen ist, und von 1875 bis zu seinem Tod im Jahre 1894 sowohl in der Gemeinde als auch ausserhalb dieser wirkte. Sein bekanntes Werk „Ba’al Tefillah“ oder „Der praktische Vorbeter" ist noch heute massgebend In der ganzen Welt. (Der czechische Komponist Smetana gehörte zu seinen Freunden In Gothenburg, und ist es nicht ausgeschlossen, dass der Verfasser von „Moldau“, die uns die Töne von „Hatikwah" hören lässt, als Grundlage eine bekannte schwedische Volksmelodie „Värmländigerna“ benutzt hat). Dann fogt eine Kapitel über jüdische Namen In und ausserhalb Gothenburg, ein immer aktuelles Thema, wohl zum ersten Mal auf schwedisch behandelt. Sehr ausführlich wird über die Einwanderungswellen der Juden aus Osteuropa geschrieben Während von den ersten, meistens aus Deutschland gekommenen Juden, heute nur noch wenige Nachkommen Mitglieder der Gemeinde sind, so sind es die Enkel der aus Litauen und Polen eingewanderten, die das dritte Dezenium anfangen können. Es waren sehr arme, meistens Handwerkei-, die die Küste Schwedens erreichen konnten. Sie entflohen dem Zar-Regime und auf ihrem Weg nach Amerika fanden sie ein freies liberales Land, wo sie Unterkunft finden konnten. Sie wohnten in den ersten Jahren in dem ärmsten Viertel der Stadt, Haga, wo sie ihr eigenes kulturelles und wirtschaftliches Leben, das sie von der Heimat gewohnt waren, weiterführten, mit eigenem Minjan und Cheder, ganz verschieden von der mit Orgel und Chor versehenen liberalen Synagoge, die übrigens im Jahre 1855 eingeweiht wurde. Es dauerte eine Generation, dann fanden auch diese Juden ihren Weg zur Gemeinde mit ihren verschiedenen Institutionen. Jedoch ihre tiefe Verbundenheit mit der echten Jüdischen Tradition Osteuropas war wohl einer der Gründe für die aufrechte Liebe und Gastfreiheit mit welchen die Flüchtlinge des Naziregimes empfangen wurden. Ich, der Schreiber dieser Zellen, war selber Flüchtling aus Dänemark und verbrachte die letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges in Gothenburg, überall wurde ich mit grosser Herzlichkeit und viel Wärme in den Jüdischen Familien empfangen, ein echtes und wahres „Ahawat Jisrael". Und es ist hervorzuheben, dass gerade Gothenburg und nicht Stockholm an der Spitze stand, wo es galt, jüdisches Leben zu retten, sei es aus Zentral-Europa, aus Norwegen, aus Dänemark und nach dem Kriege aus den Lagern. Viele waren bei den Rettungsaktionen tätig, jedoch die führende Kraft war ohne Zweifel der bekannte Generalkonsul Julius Hüttner s.A., der nie verabsäumte, sich für seine Glaubensbrüder, wo es auch sein sollte, einzusetzen. Auf seine Initiative wurde zB. ein Heim für jüdische Kinder aus Norwegen errichtet. Diesen gelang es unter den grössten Strapazen im strengen Winter 1942 nach Schweden zu kommen, wo sie in der Nähe von Gothenburg bis Kriegsende blieben; nur ein einziges Kind konnte zu den Eltern zurückkehren, alle anderen Eltern waren in Auschwitz umgekommen. Im Herbst des folgenden Jahres, zwischen Rosch Haschanah und Jom Kipur, fand dann die wundervolle Rettung der Juden Dänemarks statt, und dauerte es nicht lange, bis dasorthodoxe Flüchtlingsheim Helsjön m der Nähe von Gothenburg eröffnet wurde — unter der tüchtigen Leitung von Naima Thankus. Ich glaube, dass dies ihre erste soziale Aufgabe gewesen ist; heute ist sie die energische Vorsitzende der Gemeinde und als solche, ist sie Verfasser des letzten Abschnittes, der, so wie das ganze Buch, „Am Jisrael Chal" betitelt wurde. Sie gibt hier ein historisches Resumä meistens vom Juridischen Standpunkt gesehen (sie ist Rechtsanwalt), und werden namentlich die letzten dreissig Jahre, seit der Gründung des Staates Israel, hervorgehoben. Die Gemeinde zählt heute 1600 Mitglieder, es gibt jedoch noch etwa tausend, die .im ganzen Bezirk wohnen. Sie gehört zu den wenigen in Europa, die ihre Mitgliederzahl nach dem 2. Weltkrieg dank verschiedener Einwanderungswellen verdoppelt hat. Viele Vereine, wie z.B. Bne- Brith, WIZO, Hakoach und eine sehr aktive Bne Akiwa-Gruppe sind in der Stadt tätig, und die jährliche Magbit-Sammlung kann immer glänzende Resultate aufweisen. Es sind also die besten Voraussetzungen für den weiteren Fortbestand der Gemeinde vorhanden. Manfred Hildeshelm mv am amr-mm mmr mm mm mm mm mm mm mm mm Mm BRIEF DES HERRN PELES (FLÖRSHEIM) AUS KIBBUZ CIIULATA AN RÜBEN MALEACHI, JERUSCHALAIM (Ubers, aus dem Hebräischen) .. .Zu Ihrer Arbeit über die Bäte Knesseth in Hamburg: Soeben bin ich von einer Vortragsreise in Stockholm zurückgekehrt und fand dort zu meiner Überraschung das Beth Haknesset aus der Heinrich Barth Strasse in Hamburg. Mir wurde berichtet, dass es noch im Jahre 1941 einem jüdischen Herrn namens Lehmann (also während der Jahre des 2. Weltkrieges) gelungen Ist, das gesamte Inventar, einschliesslich Aron Hakodesch mit den Sifre Thora aus Hamburg über die Grenze heraus zu befördern, und zwar unter der Zolldeklaration „Altes Holz“, um dann in Stockholm zu landen, wo die Synagoge wieder in einer Privatwohnung von neuem aufgerichtet wurde, und zwar in der Nybrogeten No. 12/19. Ich erhielt dort einen Luach, auf dem der Name des Beth Haknesseth „Adath Jeschurun“ verzeichnet war. Ferner war dort zu lesen: „Diese Synagoge wurde früher in Hamburg in der Heinrich Barthstrasse errichtet". Ich kann mich gut an diese kleine Schul erinnern als ich noch in Hamburg war und zum Beten an den Schabbatot zum Minchagebet dorthin ging, um von dort (unsere Wohnung lag in der Klosterallee) zum Hause meiner Grosseltern In der Bieberstrasse zu gehen. Diesmal, in Stockholm, besuchte ich dort am Simchat Thora. Die alten vertrauten Hamburger Melodien erklangen dort wieder, — aber die hebräische Aussprache war die sefardische! Ich besuchte auch die grosse liberale Synagoge, wo auch die bei uns übliche sefardische Gebetssprache gesprochen wurde, dort spielte die Orgel und sang ein gemischter Chor. (Frauen und Männer). Es gibt noch eine 3. Synagoge dort, aber diese habe ich nicht besucht. — In der Heinrich Barthstrassen-Synagoge betete jemand vor namens Berlinger, der Sohn eines Raw. Der Gebetsraum war überfüllt, aus allen Altersgattungen. Bel den „Hakafoth“ ging es sehr lebhaft zu. Mir wurde erzählt, dass sich jedes Jahr nach Simchat Thora die Nachbarn über den Lärm beschweren, — es gibt im selben Hause nämlich ein Restaurant. Nach dem G’ttesdienst suchte ich noch Beter, die aus Hamburg stammen, um weitere Informationen zu erhalten, aber das war vergeblich. Man sagte mir, dass dort ein alter Hamburger namens Posner betet, aber diesmal war er nicht erschienen. Des weiteren wurde mir erzählt, dass vor mehreren Jahren dort ein Raw amtiert hätte, der auch aus Hamburg stammte, es war dies Wolf S. Jacobson, ein Bruder des bekannten Raw B. S. Jacobsohn. Alle sind nicht mehr am Leben. 29